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Donnerstag, 1. Februar 2018

Titerwahn: Jetzt auch für Katzen



Nach der Parvo-Titerstudie bei Hunden haben Münchener Hochschulveterinäre Ende 2017 auch eine Parvo-Titerstudie für Katzen vorgelegt (Bergmann et al. 2017). 

Felines Parvovirus = Katzenseuche-Erreger, verwandt mit dem Parvovirus des Hundes

Ziel war wie bei der Hundestudie, die Titerei zu propagieren.

In der Kleintiermedizin


mit ihrer aus wissenschaftlicher Sicht peinlichen Historie der
jährlichen Nachimpferei gegen alles und jedes


gilt ein Plädoyer für Titerkontrolle statt Wiederholungsimpfung ja bereits als fortschrittlich, wenn nicht gar revolutionär. 


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Zur Studie: Gemessen wurden Seuche-Titer (also die Konzentration von Seuche-Antikörpern) bei 112 Katzen aus Privathaltung, deren letzte Impfung mindestens ein Jahr zurücklag oder die noch nie eine hatten. 

Getitert wurde vor der Nachimpfung sowie an Tag 7 und Tag 28 nach der Nachimpfung (mit einem Dreifachprodukt Seuche-Schnupfen). 


Als ausreichend wurde ein Titer von mindestens 1:40 festgesetzt (Hämagglutinationshemmtest, HI). 


72 der 112 waren mindestens einmal gegen Seuche geimpft worden. 


Nur 27,8 Prozent von den 72 waren leitliniengemäß geimpft worden.


Leitlinie: drei Seuche-Impfungen im Welpenalter, plus vierte Impfung ein Jahr danach, dann alle drei Jahre 

36 Katzen waren nach Angaben der Tierhalter noch nie geimpft worden. 


64,3 Prozent der Katzen hatten den geforderten Seuche-Mindesttiter. 

Alle Katzen wurden (nach-) geimpft. 

51,7 Prozent der Katzen reagierten NICHT adäquat auf die Nachimpfung. Sie hatten also gar nichts davon. 


"Adäquat": Anstieg des Antikörperspiegels um zwei Titerstufen 

16 von 36 Katzen ohne Impfvorgeschichte hatten Seuche-Antikörper von mindestens 1:40.


Sie hatten also keine Impfantikörper, sondern Antikörper erworben durch Kontakt mit Seuchewildvirus oder durch Kontakt mit Hundeparvovirus. 

Fünf Katzen ganz ohne oder mit niedrigem Antikörperspiegel reagierten überhaupt nicht auf die Nachimpfung. 


Alles wenig überraschend. 



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Überraschend sind hingegen ein paar Aussagen, die in diesem Paper en passant gemacht werden. 

1. Die Studienautoren werfen die Frage auf, ob man bei Seuche wirklich eine ganze Impfserie für die Immunisierung braucht. EINE Dosis könne genügen. 

Hoppela. Ist da jemandem ein immunologisches Licht aufgegangen?

Natürlich reicht bei Seuche-Lebendimpfstoffen EINE Dosis, wenn das Tier keine mütterlichen Antikörper mehr hat. Genauso wie bei der Parvo-Immunisierung von Hunden.


2. Die Studienautoren merken an, dass Seuche-Impfungen, besonders wenn Totimpfstoffe verwendet werden, Reaktionen an der Impfstelle verursachen können, die sich zu "Injektionsstellensarkomen" entwickeln können.(*)

Wir würden den bösartigen Tumor natürlich Impfsarkom nennen und nicht "Injektionsstellensarkom". 



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Abschließend empfehlen Bergmann und Ko-Autoren, geimpfte Katzen sollten künftig nicht mehr nachgeimpft, sondern getitert werden.

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Warum eigentlich? 

Unsere Antwort: 

Damit diejenigen Tierärzte, die bisher von der überflüssigen Nachimpferei gelebt haben, in Zukunft von der Titerei leben können.  


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Wie schon öfters angemerkt in diesem Blog: 

Wir glauben an diese Titerei erst dann, wenn unser Hausarzt anfängt, regelmäßig unsere Masern-Mumps-Röteln-Tetanus-usw.-usf.-Titer zu kontrollieren. 

Bisher tut er das nicht. Woher weiß er dann, ob wir noch Antikörper haben?

Ach so, er weiß es gar nicht

Er und die zuständige Impfkommission verlassen sich einfach darauf, dass der Impfschutz bei allen Leuten ungefähr gleich lang hält. 

Ein Null-acht-fünfzehn-Impfprogramm also. 

Typisch Humanmedizin, da kommt's nicht so aufs Individuum an, gell?


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Bei Katzen geht das natürlich nicht. Schließlich sind sie Privatpatienten


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Zum Schluss noch ein Stein des Anstoßes.  

Als Mindesttiter wird in der Studie 1:40 verlangt (Messmethode HI). 

Mit welcher Begründung?

Antwort: mit gar keiner. 

"Antikörpertiter von mindestens 1:40 wurden als protektiv gegen Katzenseuche betrachtet", heißt es ohne weitere Erläuterung (Übers. MP). 

In Klammern folgt der Verweis auf drei ältere Studien: Lappin 2002, Scott/Geissinger 1999, Mouzin 2004

Steht bei Lappin 2002 was von mindestens 1:40? Nein. Lappin hat als Mindesttiter 1:10 angesetzt (ebenfalls HI). 

Scott/Geissinger 1999 hatten eine andere Messmethode (Virusneutralisation), da steht auch nichts von 1:40. 

Nur Mouzin 2004 fand auch, dass es mindestens 1:40 sein müssen. Und Mouzin 2004 ist - rein zufällig - eine Herstellerstudie. 


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Bergmann und Ko-Autoren erwähnen immerhin, dass "zu niedrige" oder gar nicht messbare Titer bei geimpften Katzen nicht bedeuten, dass sie keinen Schutz haben. Sie hätten wahrscheinlich zelluläre Immunität. 

An der Stelle hätten sie ruhig ein interessantes Ergebnis der Lappin-Studie referieren können:

Lappin hat Titer an Katzen aus Privathaltung und an Laborkatzen gemessen, deren Impfung unterschiedlich lange her war. 

Dann hat er geimpfte und ungeimpfte Laborkatzen einer Belastungsinfektion mit scharfem Seuchevirus ausgesetzt. 

Die ungeimpften Laborkatzen infizierten sich. 

Alle geimpften Laborkatzen waren geschützt. Auch diejenigen, deren Titer unter 1:10 lag, also negativ war. 

Lappin: 

"Ein negativer Antikörpertiter für Seuche bei geimpften Katzen hatte einen Vorhersagewert von Null" (Übers. und Hervorh. MP).


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Wozu also nachimpfen?

Und wozu titern?



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Seufz. Manchmal fragen wir uns, wann die Kleintiermedizin endlich wieder an ihren Kenntnisstand der 1950er Jahre anknüpfen wird. 

Denn damals wussten Tierärzte, dass eine oder zwei Seuche-Impfungen fürs ganze Katzenleben reichen. Das stand in der Fachliteratur.  



* Die allermeisten Seuche-Impfstoffe (ob einzeln oder in Kombination mit Schnupfen usw.) sind Lebendvakzinen. Ausnahme: die Fevaxyn-Produkte (die wir nie geben lassen würden) 


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/

Mittwoch, 10. Januar 2018

Seminar Katzenimpfung mit Mo Peichl in Karben bei Frankfurt



Wenn der Impfpass einer Katze so aussieht






... dann sollten Katzeneltern dringend etwas ändern. 

Und sich gründlich informieren.  


Wogegen sollten Katzen geimpft werden? 

Wie oft sollten Katzen geimpft werden?

Gibt es Impfstoffe, die man meiden sollte?

Kann übermäßiges Impfen schaden?



Antworten darauf gibt es 


am 20. Januar in Karben nahe Frankfurt

beim Seminar Katzenimpfung mit Mo Peichl,

veranstaltet von "Die Barf-Planer".

www.die-barf-planer.de/seminare.html


Weitere Infos siehe hier



Dienstag, 9. Januar 2018

Rad jetzt auch in Großbritannien neu erfunden



Nach den Australiern haben nun auch britische Veterinäre das Rad neu erfunden. 

Sie haben nämlich in einer Studie entdeckt, dass Hunde ein richtiges Immunsystem besitzen. Sogar mit Immungedächtnis.

OMG.


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In der Studie wurden bei 486 Hunden aus Privathaltung die Impfantikörper für Staupe, Hepatitis und Parvo (SHP) gemessen. Ihre letzte Impfung lag zwischen etwa 1 Monat und 10 (!) Jahren zurück, mehrheitlich waren es bis zu 42 Monate (R. Killey et al. 2018). 

Benutzt wurde dafür der Praxisschnelltest Vaccicheck*. 

93,6 Prozent hatten Antikörper für alle drei Erreger. 

Nur bei 31 Hunden (6,4 Prozent) fehlten messbare Antikörper für einen oder mehrere der drei Erreger. 


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Warum hatten diese 31 Hunde negative Ergebnisse für S, H oder P? Dazu werden in dem Paper verschiedene Erklärungen erörtert: (chronische) Erkrankung, Non-Responder (genetisch bedingt), Testfehler (kein Titertest liefert 100 Prozent richtige Ergebnisse). 

Außerdem weisen die Autoren immerhin auf dies hin: 

"Die Abwesenheit von Antikörpern im Serum bedeutet nicht unbedingt die Abwesenheit einer Immunantwort oder die Abwesenheit eines Immungedächtnisses." 
(Übers. MP)

Es könne noch zellvermittelte Immunität vorhanden sein, die könne man jedoch nicht routinemäßig messen. 


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Frohe Botschaft der Studie: Die britischen Tierärzte könnten sich darauf verlassen, dass die Nachimpfung mit "Drei-Jahres"-SHP-Produkten bei ausgewachsenen Hunden langlebige Immunität erzeugt. 

Tja. In der Veterinärmedizin gelten drei Jahre als "langlebig". 

Interessanterweise machen sich die Autoren nicht die Mühe, den Zusammenhang zwischen Zeitabstand zur letzten Impfung und Messergebnis zu untersuchen. Also aufzudröseln, wie hoch der Anteil der positiven und der negativen Testergebnisse bezogen auf den Zeitabstand ist. In anderen Studien wurde das gemacht, und es zeigte sich, dass der Zeitabstand nicht die entscheidende Größe ist. Aus der tabellarischen Darstellung lässt sich allerdings erschließen, dass Hunde auch noch zehn Jahre nach der letzten Impfung einen messbaren Titer haben können. Was wiederum weder neu noch überraschend ist, jedenfalls nicht für Immunologen oder für Impfexperten wie Professor Ronald Schultz.


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Die Studie dient natürlich dem Zweck, den Praxisschnelltest zu vermarkten.  

Wie hier schon öfters angemerkt, geht es bei der Titerei darum, die schmerzlichen Umsatzverluste durch verlängerte Impfabstände auszugleichen. 


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Genauso wie in einer ähnlichen Studie von Münchener Veterinären** wird die entscheidende Frage nicht mal im Ansatz angesprochen. 


WARUM muss man bei Hunden dauernd Impftiter kontrollieren?


Wenn das medizinisch geboten ist: 


Warum ist es dann bei Menschen nicht üblich?



* Der Test schreibt sich mit Binnen-Versal: "VacciCheck"; typischer Sprachdreck von Werbefuzzis, deren linguistische Verbrechen längst unter Strafe gestellt gehören.

** Die Münchener Studie über Parvo-Impftiter wird von Killey et al. eigenartigerweise nicht in den Referenzen aufgeführt. 


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Sonntag, 24. Dezember 2017

Frohes Fest allerseits



Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern
schöne Feiertage, eine ruhige Silvesternacht
und alles Gute für 2018. 



Der Schwarzbunte in Bewegung.   


Und hier hält er mal kurz still.                                                                         Fotos: MP




Montag, 11. Dezember 2017

Impfseminare mit Mo Peichl / Januar 2018, nahe Frankfurt am Main





Die Barf-Planer-Akademie in 61184 Karben bei Frankfurt bietet im Januar wieder Impfseminare mit Mo Peichl an. 

Am 13. Januar geht es um Impfungen für Hunde. 

Am 20. Januar um Impfungen für Katzen. 

Information und Anmeldung siehe hier



http://www.die-barf-planer.de/seminare.html




Sonntag, 26. November 2017

Immunitätsdauer: Bei Katzen und Hunden "immer individuell unterschiedlich", bei Menschen nicht



Die Ständige Impfkommission Vet ist seit ein paar Jahren beim staatlichen Friedrich-Löffler-Institut untergebracht, die Qualität ihrer Hervorbringungen hat das aber bisher nur in Nuancen verbessert. 

Das zeigt auch die "Stellungnahme zur Impfung nach Antikörperbestimmung bei Hund und Katze", die kürzlich veröffentlicht wurde. 

Größtenteils geht es darum, in welchem Alter und für welche Impfungen Titermessungen sinnvoll sind und was die Labor- und Schnelltests taugen. 

Auf Seite 2 und 3 bemüht sich die Stiko Vet en passant, ihre dreijährliche Nachimpferei für Staupe-Hepatitis-Parvo und Katzenseuche zu rechtfertigen:

"Im Fall der genannten viralen Impfstoffkomponenten, die einen langjährigen Schutz vermitteln, ist die jährliche Wiederholungsimpfung (...) immunologisch unnötig. Entsprechend sehen die Leitlinien der Stiko Vet ein dreijähriges Wiederholungsschema für CDV, CPV und HCC beim Hund und für FPV bei der Katze vor (...) 
Da die Dauer des Immunschutzes immer individuell unterschiedlich ist, folgte diese Empfehlung der dreijährlichen Wiederholungsimpfung einem gewissen Schutzbedürfnis: Auf diese Weise bleiben alle Tiere geschützt, selbst wenn viele auch länger geschützt wären" (Hervorh. MP)


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Katzen, Hunde und Menschen sind Säugetiere. Das Immunsystem der Säuger folgt einem Bauplan, der für Zwei- und Vierbeiner der gleiche ist.  

Wäre es anders, müsste man schleunigst aufhören, Nager, Frettchen und Primaten für die (Grundlagen-) Forschung und die Entwicklung von Humanimpfstoffen zu schinden.  


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Laut Stiko Vet ist also die Dauer des Immunschutzes "immer individuell unterschiedlich"


Wenn das wahr wäre, dann müsste die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut 
alle Impfpläne für Menschen in die Tonne treten. 



Denn die Impfpläne (für Kinder, Erwachsene oder besondere Personengruppen wie etwa Reisende) setzen ja voraus, dass der Schutz bei allen Impflingen ungefähr gleich lang hält.



Individuell unterschiedlich sind Impfantikörpertiter, die Abweichungen vom Mittelwert aller Impflinge können beträchtlich sein. 

Beispiel Hepatitis B: Da haben die niedrigsten Responder etwa ein Tausendstel des Mittelwerts und die höchsten Responder etwa das Tausendfache davon. 

Trotzdem werden Hep-B-Titer nicht bei allen, sondern nur bei Risikogruppen (med. Personal o. ä.) gemessen. Und niemand wird alle drei Jahre zur Hepatitis-Nachimpfung zitiert. 


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Katzen und Hunde sind halt Privatpatienten, für sie gilt eine Privatpatienten-Immunologie: sehr individuell und sehr exklusiv


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Samstag, 4. November 2017

Tollwut in Deutschland 2017



Aktualisiert am 27. Dezember:

Laut Rabies Bulletin Europe wurden in Deutschland im bisherigen Jahresverlauf 


14 Fälle von Fledermaustollwut 

amtlich gezählt.  

Null Fälle von Tollwut bei am Boden lebenden Wildtieren.

Null Fälle von Tollwut bei Haustieren. 



Damit liegt die Gesamtzahl in diesem Jahr wieder im langjährigen Durchschnittswert von plus/minus 10. 



2016 wurden 23 Fälle von Fledermaustollwut registriert. Vermutlich haben Nässe im Frühling und Trockenheit im Sommer den Tieren letztes Jahr zugesetzt. 


PS: Wenn das (Flug-) Insektensterben durch Ackergifte und industrielle Landwirtschaft so weitergeht, werden die Fledermäuse vielleicht noch zu unseren Lebzeiten völlig verschwinden. 

PPS: 2016 entfielen 22 der Fälle auf Bundesländer nördlich des Mains, die meisten gab es in Niedersachsen; 1 Fall wurde in Bayern diagnostiziert. 



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