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Dienstag, 31. Mai 2011

Falsch deklariert: Staupeimpfvirus

Wissenschaftler aus Ungarn haben bei der genetischen Analyse des Staupeimpfvirus eines bestimmten Impfstoffherstellers entdeckt, dass es gar nicht der Stamm war, der es laut Hersteller sein sollte (Snyder Hill). Sie untersuchten das Impfvirus aus dem in vielen Ländern Europas (auch in Deutschland) vertriebenen Produkt im Jahr 2006 in Ungarn. Angesichts ihres überraschenden Resultats erweiterten die Forscher ihre Analyse und untersuchten ältere Chargen des Impfstoffs (von 1992 und 1994) sowie Chargen aus anderen Ländern (Malta, Israel und USA). Ergebnis: Seit mindestens 1992, wahrscheinlich sogar seit 1956 enthielt das Produkt gar nicht den Impfvirusstamm Snyder Hill, sondern einen Stamm, der bei der Untersuchung wie ein Staupewildvirus reagierte. Wie die Wissenschaftler in ihrem Paper mitteilen, wurde die Impfvirusbezeichnung Anfang 2009 - noch vor der Veröffentlichung dieser Arbeit - in den Produktinformationen weltweit geändert. Auch die europäischen Zulassungsbehörden hätten die Beweise für die falsche Klassifikation akzeptiert. Der Impfvirusstamm heißt seitdem übrigens N-CDV.

Hm.

(Nähere Angaben zu dieser Veröffentlichung auf Anfrage.)

Tollwut in Deutschland 2010

Laut Rabies Bulletin Europe (Mai 2011) wurden für das Gesamtjahr 2010 in Deutschland sechs Fälle von Tollwut bei Tieren festgestellt: ein Fall bei einem Hundewelpen aus Bosnien, fünf Fälle bei Fledermäusen.

Weil es sich um einen importierten Tollwutfall handelte - der Welpe hatte sich nachweislich nicht in Deutschland infiziert -, besitzt die Bundesrepublik nach wie vor den amtlichen Status tollwutfrei, der seit Herbst 2008 gilt. Die Fledermaustollwut zählt hierbei sowieso nicht. Sie tritt auch in Ländern auf, die schon lange als tollwutfrei gelten, zum Beispiel in Großbritannien.

Nach Angaben von nordbayern.de hatte der infizierte Welpe in Deutschland Kontakt zu zwei Hunden. Beide hätten nachweislich unter Tollwutimpfschutz gestanden. Der Fall verdeutlicht wieder einmal, dass man aus Tollwutländern keine Welpen mitbringen sollte. Der Besitzer des Tiers musste sich gegen Tollwut impfen lassen (postexpositionelle Impfung). Der Fall zeigt zudem, dass man Hunde regelmäßig gegen Tollwut nachimpfen lassen sollte. Und zwar richtig, und nicht mit "Nosoden" von der Tierheilpraktikerin/Tierhomöopathin. Wer nicht (nach-) impfen lässt, sollte sein Tier wenigstens strikt von Hunden unbekannter Herkunft fernhalten.

Fledermaustollwut wird neuerdings von Tierärzten als Argument für jährliche Tollwutimpfungen aufgetischt. Das ist aber Unsinn: Hunde, die richtig grundimmunisiert und mit Dreijahreseintrag geimpft sind, sind nach allen bisherigen Erkenntnissen auch gegen Fledermaustollwut geschützt. Zudem ist Fledermaustollwut in West- und Mitteleuropa unseres Wissens noch nie bei einem Hund festgestellt worden. Bei Katzen hat es Fledermaustollwutinfektionen bereits gegeben, etwa in Frankreich. (In Deutschland bisher nicht.) Katzen, die mit Fledermäusen in Kontakt kommen können, sollten gegen Tollwut geimpft sein, vorzugsweise mit einem für vier Jahre gültigen Impfstoff.

Im Gesamtjahr 2010 wurden in Deutschland 14.248 (am Boden lebende) Wildtiere, 82 Fledermäuse und 497 Haustiere auf Tollwut untersucht.

Warum ein Web-Tagebuch zu Haustierimpfungen?

"Update Haustierimpfung" ist für Leute, die mit Haustieren leben, sich für Haustierimpfungen interessieren und vielleicht auch eines meiner Bücher gelesen haben (s. http://www.haustiereimpfenmitverstand.de/).

Es gibt immer noch jede Menge Tierärzte, die haarsträubenden Unsinn über Impfungen erzählen und zu jährlichen Komplettimpfungen einladen. Daher tun Tierhalter/innen gut daran, sich zu informieren.

In diesem Update geht es aber nicht um grundsätzliche Fragen (welche Impfungen und wie oft). Vielmehr möchte ich hier in unregelmäßigen Abständen über Neues auf diesem Gebiet berichten.

Fundamentalistische Impfgegner/innen werden freundlich gebeten, hier nicht mitzulesen und vor allem hier nicht abzuschreiben. Das betrifft insbesondere gewisse Tierheilpraktikerinnen, die sich gern aus meinen Online-Texten und Büchern bedienen, die abgekupferten Sätze mit viel krausem Zeug vermischen und damit ihre Websites bestücken. Sie sollen doch bitte aus eigener Kraft in ihren Miasmen-Sümpfen herumstümpern.