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Montag, 27. Juni 2011

Tollwuttiter: Kommt es auf den Impfstoff an?


Ob ein Hund den für manche Länder geforderten Tollwutimpftiter erreicht, hängt nicht nur von der Zahl der Impfungen, sondern auch vom verwendeten Impfstoff ab. Das ergibt sich aus Titermessungen am Schweizer Rabies Center in Bern. Von 214 Hunden, die nur eine einzige Impfung mit Rabdomun erhalten hatten, verfehlten 18,2 Prozent den geforderten Wert von 0,5 Internationalen Einheiten (I. E.). Bei Nobivac Rabies waren es 11 Prozent (von 390 Hunden), bei Defensor 3 (Pfizer-Produkt, in Deutschland nicht unter diesem Namen am Markt) waren es 6,7 Prozent (von 210 Hunden) und bei Rabisin nur 1,5 Prozent (von 266 Hunden).

Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass diejenigen Impfstoffe, die hier schlechter abgeschnitten haben, schlechter schützen. Erstens ist der Titerwert von 0,5 I. E. sowieso willkürlich gewählt, er enthält eine beträchtliche Sicherheitsmarge. Laut dem Wissenschaftler Michel Aubert sind geimpfte Hunde bereits bei einem Titer von 0,2 I. E. geschützt. Zweitens basiert der Schutz gegen eine Tollwutinfektion nicht nur auf den Impfantikörpern, sondern auch auf der zellvermittelten Immunität.

Eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Erfolgsquoten je nach Impfstoff ist laut den Autoren, dass die jeweils enthaltenen Impfvirusstämme mehr oder weniger eng verwandt sind mit dem Challengevirusstamm, der im Labor beim Test auf neutralisierende Antikörper verwendet wird. US-Wissenschaftler hatten an Humanimpfstoffen gegen Tollwut gezeigt, dass höhere Titer gemessen werden, wenn der verwendete Challengevirusstamm mit dem Impfvirusstamm eng verwandt ist. Anders gesagt: Wird ein heterologer Virusstamm beim Test verwendet, kommen niedrigere Titer heraus als bei einem homologen Stamm.

Wie andere Autoren in ähnlichen Studien empfehlen die Schweizer Wissenschaftler, Hunde zweimal hintereinander impfen zu lassen, um den für einige Reiseländer geforderten Titerwert zu erreichen. Das gilt vor allem für Schweden und Norwegen, weil diese Länder für die Einreise einen mindestens viermonatigen Abstand zwischen Impfung und Blutabnahme für den Titertest verlangen. Je länger der Abstand zwischen Impfung und Blutabnahme beim erstgeimpften Tier, desto höher das Risiko, dass der Mindestwert nicht erreicht wird.

Allerdings verpufft auch der Effekt der Doppelimpfung ziemlich schnell. Hunde, die wie empfohlen zweimal im Abstand von höchstens 30 Tagen geimpft worden waren, hatten fünf bis sechs Monate danach die gleiche Misserfolgsquote wie die nur einmal geimpften. Wer also wegen einer Reise nach Schweden oder Norwegen mit Hund den Mindesttiternachweis braucht, sollte vorsorglich zweimal impfen lassen und für die Blutabnahme die vier Monate Wartefrist nicht überschreiten. Über einen längeren Zeitraum ausreichend wurden die Titer laut der Schweizer Studie erst dann, wenn zwischen der ersten und zweiten Impfung ein Abstand von mindestens einem Jahr lag. Die dauerhaftesten Titer ergaben sich, wenn die Hunde mehr als zwei Tollwutimpfungen erhalten hatten.

Kleine Hunderassen sowie Katzen hatten auch in dieser Untersuchung ein deutlich geringeres Risiko, den geforderten Impftiterwert zu verfehlen: Je geringer das Körpergewicht, desto höher der Titer nach Tollwutimpfung.

Ob sich die unterschiedlichen Titerergebnisse je nach Impfstoff auf andere Länder, etwa auf Deutschland, übertragen lassen, ist fraglich. Denn es ist möglich, dass in den hiesigen Laboren, die Tollwuttitermessungen machen, andere Challengevirusstämme verwendet werden als in dem Berner Labor. Damit könnte der Vorteil der engen Verwandtschaft eines bestimmten Impfvirusstamms zum Teststamm entfallen.

(Nähere Angaben zur Schweizer Studie auf Anfrage.)

PS: Der Nachweis eines ausreichenden Tollwutimpftiters für die EU-Länder Großbritannien, Irland, Schweden und Malta ist nur noch bis zum 31. 12. 2011 erforderlich. Danach gelten für die Einreise mit Hunden, Katzen oder Frettchen dieselben Vorschriften wie für die anderen EU-Länder: also EU-Heimtierpass, gültige Tollwutimpfung, Identifikation des Tiers (Transponderchip). Abweichend davon kann es allerdings besondere Vorschriften zur Fuchsbandwurmbekämpfung geben. Näheres siehe:
www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Verbraucherschutz/Reisen-Verkehr/Heimtiere/HeimtiereEinreiseregelung.html

Dienstag, 14. Juni 2011

Katze mit Fibrosarkom durch Chip

Dass Mikrochips an der Entstehung von Sarkomen beteiligt sein können, ist schon länger bekannt. Beschrieben wurden Fälle bei Labornagern (Mäuse und Ratten) sowie bei Hunden (bei denen allerdings an der Tumorstelle auch Impfungen im Spiel gewesen sein können). Italienische Wissenschaftler haben nun ein Mikrochip-Sarkom bei einem neunjährigen Kater beschrieben. Das Tier hatte den Chip bereits vier Jahre getragen, bevor der Tumor zu wachsen begann. 

2008 hatten US-Kleintieronkologen bei einer 14 Jahre alten Katze ein Fibrosarkom in nächster Nähe zu einem Chip gefunden. Weil das Tier aber im selben Areal Impfungen bekommen hatte, war es laut der Fallbeschreibung nicht möglich, eine Kausalbeziehung zwischen Tumor und Chip herzustellen.

Die italienischen Forscher hingegen halten bei ihrem Fall den Zusammenhang zwischen Chip und Tumorentstehung für wahrscheinlich. Das Tier sei jährlich gegen Seuche/Schnupfen sowie Tollwut geimpft worden, habe aber alle Impfstoffe entsprechend der Empfehlung des US-Fachtierarztverbands AAFP in die Hinterbeine injiziert bekommen.

Das überrascht, weil die Empfehlung der AAFP gerade nicht lautet, alle Impfungen in die Hinterbeine zu geben. Vielmehr lautet sie: Seuche/Schnupfen an der vorderen Körperhälfte (aber nicht zwischen die Schultern), Tollwut ins rechte Hinterbein, FeLV ins linke. Also ist der Kater nicht gemäß AAFP-Richtlinien geimpft worden.

Leider verraten die Autoren nicht, woher sie die Gewissheit nehmen, dass der Kater niemals in der Hals-Nacken-Schulter-Region geimpft worden ist. In Deutschland wird immer noch munter zwischen den Schultern geimpft, obwohl die Empfehlungen zur Impflokalisation schon seit weit über einem Jahrzehnt bestehen und auch hierzulande publiziert worden sind.

Man kann also bezweifeln, dass der Kater wirklich immer und ausschließlich ins Hinterbein geimpft wurde. Dennoch kann es natürlich zutreffen, dass es der Chip war, der die chronische Entzündung auslöste, die schließlich zur Tumorentstehung führte.

Angesichts der enormen Zahl der implantierten Chips und der wenigen gemeldeten Nebenwirkungen sollte sich niemand vom Chippen abschrecken lassen, meinen die Autoren. Weiter heißt es, Tierärzte sollten die Patientenbesitzer zu einer langfristigen Beobachtung der Implantatstelle anhalten. Außerdem sollten sie die Empfehlungen der AAFP zur Impflokalisation befolgen und nicht im Implantationsareal impfen. Das hätte auch den Effekt, dass man den Auslöser von Fibrosarkomen (Chip oder Impfung) besser bestimmen könnte.

Ein frommer Wunsch, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel in den deutschen Impfempfehlungen - inzwischen zur "Leitlinie" geadelt - kein Wort über Impfsarkome und empfohlene Impfstellen steht. Das ist in Italien vermutlich nicht anders.

(Nähere Angaben zum Paper auf Anfrage.)

Samstag, 11. Juni 2011

Aus gegebenem Anlass: eine Wiederholung

Fundamentalistische Impfgegner/innen werden freundlich gebeten, hier nicht mitzulesen und vor allem hier nicht abzuschreiben. Das betrifft insbesondere gewisse Tierheilpraktikerinnen, die sich gern aus meinen Online-Texten und Büchern bedienen, die abgekupferten Sätze mit viel krausem Zeug vermischen und damit ihre Websites bestücken. Sie sollen doch bitte aus eigener Kraft in ihren Miasmen-Sümpfen herumstümpern. 

Mittwoch, 8. Juni 2011

Injektionssarkom beim Kaninchen



Forscher aus Norditalien haben ein Impf-, resp. Injektionsstellen-Fibrosarkom bei einem Zwergkaninchen beschrieben, nach unserer Kenntnis ist das der erste publizierte Fall bei dieser Tierart. 

Das Kaninchen war 1999 zwischen den Schultern gegen Myxomatose (Lebendimpfstoff) und Chinaseuche (Totimpfstoff) geimpft worden. Weil es danach an der Injektionsstelle einen Knoten entwickelte, bekam es mehrmals ein Antibiotikum gespritzt. (Vermutlich dachte man, es handle sich um eine Entzündung durch Verunreinigung, daher das AB.) Die AB-Behandlung wurde eingestellt, als sich keine Änderung zeigte, in der Folge verschwand der Knoten dann doch noch. ´

Sieben Jahre später wuchs an dieser Stelle ein Tumor, der operativ entfernt wurde. Wie es in der Fallbeschreibung heißt, zeigte das entartete Gewebe eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu den Impfsarkomen der Katze. (Die Autoren sprechen wie üblich nicht vom Impfsarkom, sondern vom "Injektionsstellensarkom". Mit dieser Sprachregelung soll wohl verschleiert werden, dass es sich in den allermeisten Fällen um Impfinjektionen handelt. Fibrosarkome können sich auch nach Injektion von Medikamenten und nach Chip-Implantierung bilden, überwiegend aber entstehen sie nach Impfungen.*)

Zwei Monate nach der Operation wuchs der Tumor bei dem Zwergkaninchen von neuem, der Besitzer ließ es einschläfern. Aus dem Fall lässt sich nur der Schluss ziehen, dass auch Kaninchenhalter ihre Tiere nicht ins Genick spritzen lassen sollten. Das verhütet kein Sarkom, aber an anderen Körperstellen kann man etwas besser operieren.
(Nähere Angaben zum Paper auf Anfrage.)

(*) Ob Medikamente wirklich Impfsarkome auslösen, ist jedoch strittig, weil nicht ausgeschlossen ist, dass zuvor an der Tumorstelle Impfungen gegeben wurden.

Freitag, 3. Juni 2011

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