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Donnerstag, 28. Juli 2011

Wie Tierhalter systematisch hinters Licht geführt werden

Der Murdoch-Sender Fox News USA ist zwar ein abscheulicher rechtsradikaler Propagandasender, dennoch lohnt es sich, diesen Beitrag anzusehen (in Englisch):


http://www.myfoxtwincities.com/dpp/news/investigative/investigators-vet%2C-vaccines-and-vagaries-jul-27-2011#

Im Lokalprogramm für Saint Paul-Minneapolis (Minnesota) zeigt ein Reporter, wie die Hundehalter mit unnötig häufigen Tollwutimpfungen systematisch über den Tisch gezogen werden.

In den USA gibt es Tollwutimpfstoffe mit Einjahres- und mit Dreijahreszulassung.

(Es sind genau dieselben Impfstoffe, sie unterscheiden sich nur hinsichtlich der Zulassung. Die Produkte mit einjähriger Zulassung sind für die paar rückständigen US-Bundesstaaten, wo noch die jährliche Tollwutimpfung verlangt wird. Engagierte Tierhalter/innen arbeiten daran, dass sich das auch in diesen rückständigen Staaten ändert.)

Tollwutimpfstoffe mit Zweijahreszulassung gibt es in den USA überhaupt nicht. In vielen Tierarztpraxen, bzw. Tierarztpraxis-Ketten wird aber einfach nur für zwei Jahre geimpft. Die Tierhalter werden auch nicht darüber aufgeklärt, dass die verwendeten Impfstoffe eine amtliche Zulassung für drei Jahre haben.

Als Experte wird in dem Bericht übrigens Prof. Ronald Schultz befragt, der Vorkämpfer für wissenschaftlich begründete Impfprogramme.

So einen Bericht könnte man ohne weiteres auch in Deutschland drehen: Auch hierzulande gibt es etliche Tierärzte, die ihre Kunden zu unnötig häufigen Tollwutimpfungen einbestellen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Leitlinie Kleintierimpfungen? Da wird drauf gepfiffen


Seit 2006 gibt es auch in Deutschland Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis, in denen man ein klein wenig von der jährlichen Komplettimpfung abrückt. Für einige Impfstoffe wird ein Nachimpfintervall von drei Jahren empfohlen (Staupe, Parvo, Hepatitis beim Hund, Seuche bei der Katze). Eine wissenschaftliche Basis hat auch die dreijährliche "Auffrisch"-Impfung nicht. Vielmehr ist durch Studien belegt, dass die Impfungen gegen diese Erreger weit mehr als drei Jahre schützen.

Immerhin signalisiert die Dreijahresempfehlung für einige Impfungen, dass auch die deutsche Veterinärmedizin auf die wachsende Kritik an der jährlichen Impferei in den Kleintierpraxen reagieren möchte. Seit 2009 werden die Impfempfehlungen als "Leitlinie" bezeichnet. Leitlinien haben in der Humanmedizin ein hohes Renommee, was dort steht, gilt als Stand des Wissens und als medizinischer Standard. Allerdings wird dieses Renommee durch die Tatsache getrübt, dass manche ihrer Autoren mit der Pharmaindustrie finanziell verflochten sind und somit monetäre Interessen in die Leitlinien einfließen.

Urheber der "Leitlinie zur Impfung von Kleintieren" ist die "Ständige Impfkommission Vet im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V.". Diese Kommission aus Veterinären, bzw. Veterinärprofessoren ist also angesiedelt in einem Verband, der vor allem die wirtschaftlichen Interessen von praktischen Tierärzten vertritt. (In der Humanmedizin werden Leitlinien von wissenschaftlichen Fachgesellschaften erarbeitet, nicht von Vereinen mit wirtschaftlicher Ausrichtung.)

Im Vergleich zu den US-Impfempfehlungen für Katzen und Hunde fällt die deutsche "Leitlinie" stark ab, sie wirkt geradezu zusammengeschustert. Weder die Studien zur Dauer des Immunschutzes der wichtigen Impfungen ("core vaccines") noch die Studien zu Impfnebenwirkungen werden erwähnt. Impfnebenwirkungen kommen in der deutschen "Leitlinie" überhaupt nicht vor, in den US-Guidelines hingegen werden sie ausführlich behandelt.

Das ist alles unerfreulich, dennoch könnte die "Leitlinie" als – wenn auch kleiner – Fortschritt gewertet werden, da ja wenigstens angedeutet wird, dass Tierärzte die Hunde und Katzen nicht jedes Jahr mit allem, was der Markt an Impfstoffen hergibt, traktieren sollten.

Bei den Tierärzten scheint diese Botschaft allerdings bisher kaum anzukommen. Auch im Jahr 2011 finden sich im Web massenhaft Tierarzt-Homepages, in denen unverdrossen die jährliche Komplettimpfung propagiert wird. Berichte von Tierhaltern bezeugen, dass die Einladung zur jährlichen Komplett-"Auffrisch"-Impfung eher die Regel als die Ausnahme ist. Sogar von der jährlichen Tollwutimpfung wollen etliche Tierärzte nicht lassen, und das, obwohl Deutschland seit Herbst 2008 offiziell tollwutfrei ist.

Auf die "Leitlinie" wird also weitgehend gepfiffen, sie interessiert viele praktische Tierärzte überhaupt nicht, und es scheint auch völlig egal zu sein, ob sie von den Praktikern beachtet wird oder nicht. Tierhalter/innen müssen sich also nach wie selbst darum kümmern, dass ihre Tiere nicht häufiger als nötig geimpft werden – und dass sie möglichst nur diejenigen Impfstoffe erhalten, deren Nutzen erwiesen ist.

Ein interessanter Aspekt ist darüber hinaus, wie sich nationale und internationale Impfempfehlungen oder Impfleitlinien unterscheiden: zum Beispiel die des Weltkleintierarztverbands WSAVA, der deutschen Stiko Vet und des europäischen ABCD, einer von Merial gesponserten Organisation, die sich mit Katzenkrankheiten befasst. Dazu demnächst mehr.
 

Mittwoch, 13. Juli 2011

Dreijahrestollwutimpfung in Texas: Impfquote gestiegen

Texas gehört zu denjenigen US-Bundesstaaten, die erst spät die dreijährliche Tollwutimpfung bei Katzen und Hunden erlaubt haben. (In Kalifornien war sie schon über zwei Jahrzehnte lang eingeführt.) Die Neuregelung, die 2003 in Kraft trat, war seinerzeit von Hunderten texanischen Tierärzten erbittert bekämpft worden. Manche Veterinäre machten geltend, dass dadurch die Impfquote (= Anteil der tollwutgeimpften Haustiere an der Gesamtzahl der Haustiere) sinken würde. Laut einer im Juni dieses Jahres veröffentlichten Untersuchung ist aber genau das Gegenteil eingetreten.

Untersucht wurden die Impfquoten vier Jahre vor und vier Jahre nach Einführung der Dreijahresimpfung. Bei Hunden stieg der Anteil der tollwutgeimpften Tiere von 46 auf 56 Prozent, bei Katzen von 18 auf 30 Prozent. Also ganz klar eine positive Entwicklung.

Dazu noch ein paar Anmerkungen. In Texas gibt es - anders als in Deutschland - noch viel Wildtiertollwut und immer wieder auch Tollwut bei Haustieren. Im Jahr 2010 wurde Tollwut bei 15 Hunden und 20 Katzen amtlich festgestellt. Insgesamt betrug die amtliche Zahl der Tollwutfälle bei Haus- und Wildtieren im vergangenen Jahr 773.

In Deutschland, das seit 2008 offiziell tollwutfrei ist (abgesehen von der Fledermaustollwut), sind die Impfquoten bei Hunden und Katzen gemäß den mir bekannten Schätzungen deutlich höher als in Texas. Vor diesem Hintergrund und angesichts der guten Erfahrungen in Texas ist es mehr als albern, wenn Tierärzte immer noch behaupten, wegen der Dreijahrestollwutimpfung werde die Tollwutgefahr in Deutschland steigen, o. ä.

(Nähere Angaben zum Paper auf Anfrage.)