Dieses Blog durchsuchen

Dienstag, 30. August 2011

Dreijahresimpfstoff gegen FeLV ("Leukose") - Grund zum Jubeln?

Kürzlich ist ein neuer Impfstoff gegen die Feline Leukämievirusinfektion (FeLV, oft als "Leukose" bezeichnet) auf den Markt gekommen, der als Dreijahresimpfstoff beworben wird. Wir sind davon nicht beeindruckt. 

Das neue Produkt, Versifel FeLV von Pfizer, soll zweimal im Welpenalter, dann noch einmal mit etwa einem Jahr und danach "nur" noch alle drei Jahre verabreicht werden.

Alle anderen FeLV-Impfstoffe am deutschen Markt sind unseres Wissens nur für ein Jahr zugelassen, dh im Beipackzettel wird die jährliche Wiederholung "empfohlen".

Stellt Versifel FeLV also einen Fortschritt dar? Wir meinen: nein.

1. Brauchen Katzen diese Impfung lebenslang?

Empfänglich für eine persistierende FeLV-Infektion sind vor allem Kätzchen im Alter bis zu einem Jahr. Wenn sie mit Virusausscheidern in Kontakt kommen, haben sie ein hohes Risiko, sich auf Dauer zu infizieren und früher oder später Krankheitssymptome zu entwickeln.

Ausgewachsene Katzen haben ein sehr viel geringeres Risiko, sich auf Dauer mit FeLV zu infizieren. Grund: Ihr Immunsystem kann den Erreger viel besser abwehren als das Immunsystem von Kätzchen und Jungkatzen.

Durch die Impfung wird die körpereigene Abwehr bei ausgewachsenen Katzen nicht erhöht. Bei Impfstoff-Experimenten werden aus diesem Grund keine ausgewachsenen Katzen als ungeimpfte Kontrolltiere eingesetzt, sondern Katzenwelpen. Ausgewachsene Kontrolltiere lassen sich im Challenge-Test kaum dauerhaft mit FeLV infizieren.

2. Was ist drin im Impfstoff?

FeLV-Impfstoffe zählen zusammen mit den Tollwutimpfstoffen zu den Hauptverursachern der meist tödlichen Impfsarkome (= Krebs an der Impfstelle). Fast alle dieser Impfstoffe enthalten Adjuvantien (= Wirkverstärker), die eine starke Entzündung an der Impfstelle auslösen. Aus der Entzündung kann ein Impfsarkom entstehen.

Versifel FeLV enthält als Adjuvantien, resp. Zusatzstoffe:

- Quil A, ein Saponin (ein Extrakt aus dem Seifenrindenbaum Quillaja)
Saponine sind unseres Wissens bisher bei Humanimpfstoffen nicht zugelassen. In der "Pharmazeutischen Zeitung" hieß es dazu: "Quillaja-Saponine können ... auch mit Zellmembranen interagieren und weisen dadurch zytotoxische Wirkungen auf. Aus diesem Grund ist Quil A für den Menschen zu toxisch, um als Adjuvans eingesetzt zu werden." Aha, das Zeug ist also ein Zellgift und für Menschen zu toxisch, aber bei Katzen (und anderen Tieren) soll es unbedenklich sein?

- Cholesterol (Fett, wie es auch im menschlichen Körper vorkommt)

- DDA (Dimethyl-Dioctadecyl-Ammoniumbromid)
Das ist ein Stoff, der das Immunsystem ähnlich stark stimuliert wie das Komplette Freund-Adjuvans (= Gemisch aus Paraffin, abgetöteten Bakterien und einem Emulgator). DDA soll nicht ganz so nebenwirkungsträchtig sein wie das Freund-Adjuvans. In Humanimpfstoffen wird DDA unseres Wissens nicht eingesetzt, Freund-Adjuvans sowieso nicht.

- Carbopol
Das ist eine Polyacrylsäure, die zur Gel-Bildung dient. Sie wird in Humanimpfstoffen unseres Wissens nicht verwendet.

Fazit:

Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen für ausgewachsene Katzen ist nicht erwiesen. Daher stellt ein "Dreijahresimpfstoff" gegen FeLV keinen Fortschritt dar.

FeLV-Impfungen sind bei Katzenwelpen sinnvoll, wenn sie mit Virusausscheidern in Kontakt kommen können. Wegen des Sarkomrisikos sollte man dabei dem adjuvansfreien FeLV-Impfstoff (Purevax FeLV) den Vorzug geben. Wer meint, dass auch ausgewachsene Katzen gegen FeLV nachgeimpft werden sollten, sollte ebenfalls das adjuvansfreie Produkt verabreichen lassen. Der neue "Dreijahresimpfstoff" enthält starke Adjuvantien und könnte daher das Impfsarkomrisiko vergrößern. 


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/



Siehe hierzu auch unseren Beitrag "Neun Wahrheiten über Beipackzettel"

Samstag, 20. August 2011

Tödliche Nierenentzündung durch maßloses Impfen

Wissenschaftler aus Chile beschreiben in einer internationalen Fachzeitschrift den Fall eines Beagle-Welpen, der an einer impfbedingten Glomerulonephritis starb, einer Nierenentzündung durch Immunkomplexe aus (Impf-) Antigen und (Impf-) Antikörpern.

Das sieben Monate alte Tier wurde wegen Lethargie, Appetitverlust, Erbrechen und Durchfall in der Tierklinik vorgestellt. 

Diagnostisch wurden Krebs, angeborene (Nieren-) Krankheiten und Infektionen bei dem Welpen ausgeschlossen, der bis dahin laut Besitzer immer gesund gewesen war. 

Allerdings gab der Besitzer an, er habe den Hund siebenmal (!) im Monatsabstand selbst geimpft, und zwar mit einem Kombinationsimpfstoff Staupe-Hepatitis-Parvo-Parainfluenza-Lepto.

Die Tierärzte stellten bei der Untersuchung Geschwüre in der Maulhöhle, blasse Schleimhäute, starken Maulgeruch, Schmerzempfindlichkeit in der Nierenregion sowie Austrocknung fest. 

Per Ultraschall zeigte sich, dass beide Nieren bereits geschrumpft waren. Dazu passten auch die Laborwerte, zum Beispiel stark erhöhtes Kreatinin. Der Welpe starb trotz stationärer Behandlung nach drei Tagen in der Tierklinik.

Bei der anschließenden Sektion fanden die Veterinäre deutliche Veränderungen der Nieren, u. a. verdickte Gefäßwände der Glomeruli (Nierenkörperchen). Unter dem Elektronenmikroskop zeigten sich dichte Ablagerungen, die durch Tests als Immunkomplexe identifiziert wurden, also Verklumpungen von Antigen und Antikörpern. 

Immunkomplexe können sich immer mal bilden, werden aber normalerweise vom Immunsystem beseitigt. Sie treten auch auf bei bestimmten Infektionskrankheiten oder bei Autoimmunerkrankungen. All das lag bei dem Beagle nicht vor. Vielmehr handelte es sich, wie ein Antikörpertest (plus Kontrolltests) ergab, um Impfantigen und Impfantikörper.

Nach Meinung der Veterinäre ist dieser Hund "possibly" (= möglicherweise, oder: wohl) durch die Hyperimmunisierung, also die übermäßige Impferei, an der tödlichen Nierenentzündung erkrankt. 

Aufgrund ihrer sorgfältigen Untersuchungen darf der Kausalzusammenhang getrost als ziemlich sicher angenommen werden.

Grundsätzlich sollten Hunde vom Tierarzt geimpft werden, schon damit man bei einer allergischen/anaphylaktischen Reaktion sofort die nötigen Medikamente geben kann. In manchen Ländern ist es jedoch relativ einfach, sich als Nichtveterinär Haustierimpfstoffe zu besorgen. 

Man fragt sich, was den Besitzer geritten hat, seinem Welpen siebenmal (!) hintereinander einen Fünffachimpfstoff reinzuhauen. Wahrscheinlich war er überzeugt, dass viel impfen viel hilft. Eine Überzeugung, die auch manche Tierärzte propagieren, ohne allerdings in derartige Impf-Exzesse bei Welpen zu verfallen. 

Dass übermäßiges Impfen die Nieren auf Dauer schädigen kann, ist keine neue Erkenntnis. Eine Wissenschaftlergruppe untersuchte dies an Nerzen (Shelley Newman et al. 2002). 

Die exzessiv geimpften Versuchstiere hatten deutlich mehr Immunkomplexe als die normal geimpften Kontrolltiere. 

In der Studie wird darauf hingewiesen, dass Haustiere üblicherweise häufig nachgeimpft werden und dass dies bei bestehendem hohem Antikörpertiter eine vorübergehende oder chronische Glomerulonephritis auslösen kann.

(Nähere Angaben zur chilenischen Fallbeschreibung auf Anfrage.) 



Off topic: Telepathinnen am Werk

"Tierkommunikation" = "telepathische" Kommunikation mit Tieren ist eine Form der Tierhalter-Abzocke, die von immer mehr "Telepathinnen" im Web offeriert wird.

In der Regel läuft das so ab: ein Foto des Tiers schicken, Geld bezahlen (meist um die 50 Euro), dann am Telefon oder schriftlich erzählt bekommen, was das Tier angeblich kommuniziert hat ("Der Hund fühlt sich manchmal unsicher" und dergleichen Gemeinplätze).

Es fällt schwer zu glauben, dass jemand auf so einen Humbug hereinfällt. Aber es gibt ja auch Leute, die zu Wahrsagerinnen gehen.

Lustig ist, wie Tierkommunikatorinnen ihre Telepathie verteidigen. Besonders beliebt ist die Analogie zur Schwerkraft: Die habe es schließlich auch schon gegeben, bevor Newton ihre Gesetze formuliert habe.

Ja, Dummerchen, die Menschen haben die Schwerkraft in der Tat schon lange vor Newton gekannt. Mehr noch, sie haben sie GENUTZT. Sie wussten, dass Wasser nicht von unten nach oben fließt und dass Baumstämme nicht bergauf rollen. Newton hat dem alltäglichen Umgang mit der Schwerkraft nichts hinzugefügt, er hat sie nur wissenschaftlich beschrieben.

Wenn es so etwas wie Telepathie gäbe und schon immer gegeben hätte - von der Wissenschaft bisher boshaft ignoriert -, dann müsste es ja auch alltägliche Anwendungen dieser spektakulären Geisteskraft geben. Doch die gibt es nicht. Statt dessen haben sich die Menschen solche Notbehelfe wie Meldeläufer, Rauchzeichen, berittene Boten, Postkutschen, Brief, Telegraphie, Funk, Telefon, E-Mail und Kommunikationssatelliten erfunden.

Hübsch sind auch die Ausschlussklauseln, mit denen sich Tierkommunikatorinnen gegen eine mögliche Überprüfung ihrer Fähigkeiten absichern: "Beweisfragen" sind unerwünscht und werden nicht beantwortet. Nach dem Aufenthaltsort entlaufener Tiere zum Beispiel darf díe Kundschaft nicht fragen. (Aber dafür darf man fragen, welchen Namen Fundtiere bei ihren früheren Besitzern hatten.) "Beweisfragen setzen mich unter einen großen Druck", teilt eine Tierkommunikatorin mit. Das glauben wir sofort.

Dieser Tierkommunikationsunfug erinnert an die Ferndiagnosen mancher "Tierheilerinnen" anhand eingesandter Haare. Mindestens zweimal haben sich kritische Personen den Spaß gemacht, diese Superdiagnostikerinnen vorzuführen. Im einen Fall wurden Haare eines an Altersschwäche gestorbenen Hundes eingeschickt - die Ferndiagnostikerin bescheinigte dem Tier posthum eine ganze Latte von Krankheiten, die es nachweislich niemals hatte. Im zweiten Fall wurden gar Haare von einem Plüschteddy eingeschickt und als Haare von "Meerschweinchen Max" ausgegeben. Auch da fand die Haardiagnostikerin jede Menge bedenkliche und behandlungsbedürftige Krankheiten.

Wer 50 Euro übrig hat, kann sich mal den Spaß machen und das Foto eines verstorbenen Haustiers an eine Tierkommunikatorin schicken. Bestimmt wird sie keinerlei Probleme haben, ins Jenseits zu kommunizieren. In der Welt der Wundergläubigen ist schließlich alles möglich.


Nachtrag 2015 - ein aktuelles Beispiel für die Fähigkeiten von "Tierkommunikatorinnen":


Wir freuen uns mit Familie B., dass die in Not und aus Verzweiflung heraus befragten Damen, die von sich behaupten, dass sie "Tierkommunikatorinnen" seien, alle 3 (drei!!!) mit ihrer "Begabung" so dermaßen daneben lagen, dass im Gegensatz zu ihren Aussagen der Kater lebt!

Donnerstag, 11. August 2011

Exzellente Tierarzt-Website zu Katzenimpfungen

Vaccines for Cats: We Need to Stop Overvaccinating

Lisa A. Pierson, DVM

(Impfstoffe für Katzen: Wir müssen mit dem übermäßigen Impfen aufhören/
Lisa A. Pierson, Veterinärmedizinerin)


http://catinfo.org/?link=vaccines

Natürlich ist das eine US-Website und daher in Englisch.

Auf eine kritische UND wissenschaftlich fundierte Impf-Website eines deutschsprachigen Tierarztes werden wir noch lange warten müssen.

Chicken the Cat - ein Blog über eine Katze mit Impfsarkom

"This is what Pfizer did to my cat" schreibt eine US-Bloggerin* auf das Foto, das ihre Katze mit einer riesigen Op-Naht nach dem Impfsarkom-Eingriff Ende 2010 zeigt. ("Das hat Pfizer meiner Katze angetan.")

Die Tierhalterin ist durch und durch empört: Sie sei niemals davor gewarnt worden, dass durch Impfstoffe (vor allem gegen FeLV und Tollwut) bösartige Tumore entstehen können. Sie hat für die Behandlung ihrer Katze 7.688,11 US-Dollar ausgegeben und will das Geld von Pfizer Animal Health USA zurück. Natürlich lehnt Pfizer das ab, angeboten wurde offenbar eine Teil-Erstattung von 1.254 US-Dollar. Die Bloggerin ruft andere Tierhalter dazu auf, sich keine Pfizer-Medikamente (human oder veterinär) mehr geben zu lassen.

Hier der Link:

Mit deutlichen Fotos. 

Die Bloggerin betont, dass Katzenhalter sich selbst über das Impfsarkom informieren müssen, denn: "Die Pharmaunternehmen werden euch gewiss nicht warnen."

"Research VAS and its risks. The pharmaceutical companies certainly won’t warn you."

*Ich vermute, dass es sich um eine Frau handelt, es sind fast ausschließlich Frauen, die gegen unnötige Impfungen in den Kampf ziehen und Impfschäden anprangern.

Purevax Rabies in Europa zugelassen

Siehe hierzu auch den neuen Eintrag von Juni 2012: 
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/06/purevax-rabies-gute-nachricht-fur.html

Purevax Rabies ist ein adjuvansfreier Tollwutimpfstoff für Katzen, der in den USA schon seit einigen Jahren am Markt ist. Vor ein paar Monaten ist er von der europäischen Behörde European Medicines Agency (Ema, früher Emea) zugelassen worden.

Der Hersteller Merial hat mit seiner Produktreihe Purevax darauf reagiert, dass Adjuvantien (= Wirkverstärker in Impfstoffen) an der Entstehung von Impfsarkomen beteiligt sind. Je stärker die Adjuvantien in einem Impfstoff, desto heftiger die lokale Entzündungsreaktion, die zur Tumorbildung fortschreiten kann.* Zur Produktreihe zählen Impfstoffe gegen Seuche, Schnupfen (Calici und Herpes), FeLV ("Leukose") und Chlamydien. (Auf die Chlamydienimpfung sollte man allerdings verzichten, sie bringt nichts.) 

Wann Purevax Rabies in Deutschland erhältlich sein wird, ist derzeit unbekannt. Von der Ema zugelassen ist das Produkt für nur ein Jahr. Die meisten anderen Tollwutimpfstoffe für Katzen sind für mehrere Jahre zugelassen (zwei, drei oder vier Jahre). Eine Impfpflicht für Tollwut besteht in Deutschland auch für Freigängerkatzen nicht, Deutschland ist seit Herbst 2008 tollwutfrei. Tollwutimpfschutz für Katzen ist jedoch sinnvoll, wenn Katzen mit Fledermäusen in Kontakt kommen können (s. a. ältere Beiträge in diesem Blog).

In den USA ist schon längst in Studien nachgewiesen worden, dass Purevax Rabies (mindestens) drei Jahre lang schützt. Allerdings ist er auch dort nicht für drei Jahre zugelassen. 

Es ist mehr als ärgerlich, dass die Ema das Produkt für ein Jahr zugelassen hat, statt sich vom Hersteller die experimentellen Daten zum Dreijahresschutz vorlegen zu lassen. (Wichtig: Siehe hierzu den Link oben. In Deutschland hat Purevax Rabies inzwischen die Zulassung für drei Jahre.) Damit hätte man eine realistischere Angabe zur Dauer des Impfschutzes erreicht. Aber nein, wieder einmal scheint für die Europa-Zulassungsbehörde das Umsatzinteresse des Herstellers wichtiger zu sein als das Interesse der Tierhalter, nicht mehr als nötig für Impfungen zu zahlen, und das Interesse der Tiere, nicht mehr als nötig geimpft zu werden. Und diese Leute werden von unseren Steuern (!) bezahlt.


*Leider ist es aber so, dass man mit adjuvansfreien Impfstoffen nicht völlig auf der sicheren Seite ist. Impfsarkome wurden auch bei Katzen festgestellt, die immer nur adjuvansfreie Produkte erhalten hatten.


"Affinitätsreifung" nur für Haustiere

Impfstoffhersteller und Veterinäre lassen sich immer wieder was Neues einfallen, um die schönen Umsätze mit den meist überflüssigen Nachimpfungen zu sichern.

Früher wurde einfach behauptet, dass die Impfungen gegen Staupe, Hepatitis und Parvo (SHP) nur ein Jahr lang halten. Das geht heute nicht mehr, weil es das Internet gibt. Da können Tierhalter nachlesen, dass das wissenschaftlicher Unfug ist.

Manche Hersteller versuchen jetzt, der Kundschaft die ständige Nachimpferei auf die sozusagen wissenschaftliche Tour unterzujubeln. Das hört sich nicht mehr so plump an wie früher, läuft aber bei näherer Betrachtung auf dasselbe hinaus. Beispiel: Intervet. Auf der Website dieses Pharmaunternehmens kann man nachlesen:

"Die Ausbildung einer belastbaren spezifischen Immunität wird durch die so genannte Grundimmunisierung gegen eine bestimmte Infektionskrankheit bewirkt. Sie muss durch regelmäßige Auffrischimpfungen (Booster-Impfung) erhalten werden." (Hervorhebung von mir)

Aha? Da wundern wir uns aber. Bis zum heutigen Tage werden Menschen gegen Masern nur zweimal geimpft - fürs ganze Leben. Aber das wäre doch leichtsinnig wenig, oder nicht?

Staupevirus und Masernvirus sind eng verwandt. SHP-Impfstoffe sind ebenso wie die Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffe Viruslebendimpfstoffe, sie werden auf ganz ähnliche Weise hergestellt.

Warum brauchen Menschen aber gegen MMR keine "regelmäßigen Auffrischimpfungen"? Und warum muss bei Hunden der Impfschutz gegen SHP "regelmäßig" aufgefrischt werden? Kann mal jemand der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Humanimpfungen und dem Robert-Koch-Institut Bescheid sagen? Die müssen ja völlig falsch liegen mit ihren MMR-Impfplänen ohne lebenslange regelmäßige Auffrischung.

Weiter heißt es auf der Intervet-Website:

"Die zweite sowie jede weitere Impfung führt dabei zu einer Selektion derjenigen B-Lymphozyten, die Antikörper mit höherer Affinität bilden (Affinitätsreifung). Dies trägt zusammen mit dem schnelleren und höheren Antikörperanstieg zu einer gesteigerten Effektivität und damit zum wirksamen Schutz vor Infektionen bei." (Hervorhebungen von mir)

Aha. Wieder müssen wir uns wundern, wie leichtfertig die Humanmediziner mit unseren Impfungen umgehen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist nämlich nicht einmal die zweite MMR-Impfung zwingend notwendig, und zwar dann nicht, wenn man den Impferfolg nach der ersten Impfung mit einer Titermessung kontrolliert. (Weil das aber teuer ist, rät das RKI davon ab.)

"Der Nachweis eines bestehenden Impfschutzes nach erster Impfung kann über eine serologische Untersuchung erhalten werden."

Also, eine zweite MMR ist laut RKI nicht zwingend nötig. Aber Moment, wie war das mit der "Affinitätsreifung" und der "gesteigerten Effektivität" - brauchen wir Menschen die etwa nicht? In den Impfplänen für Menschen steht, wenn es um Viruslebendimpfstoffe wie zum Beispiel MMR geht, nichts von "Affinitätsreifung" und "gesteigerter Effektivität" durch "regelmäßige Auffrischimpfungen".

Offenbar gilt in der Veterinärmedizin eine ganz eigene Immunologie. Wir vermuten, es ist die veterinärmonetäre Immunologie. 

Noch ein Hinweis am Rande: Im Beipackzettel für Nobivac SHP von Intervet steht, dass bei einem Erstimpfalter von über zwölf Wochen EINE Impfung als Grundimmunisierung genügt. Also kann man ausgerechnet bei Welpen - für die Staupe, Hepatitis oder Parvo besonders gefährlich sind - auf die "Affinitätsreifung" und die "gesteigerte Effektivität" verzichten? Logik geht anders.