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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Haustierimpfung als Losgewinn

Eine Haustierimpfung als Losgewinn - ist das eine gute Idee? Eine Tierarztpraxis hat für eine Adventskalender-Aktion im Raum Gießen eine Impfung für Hund oder Katze gestiftet.

Abgesehen von der medizinischen Fragwürdigkeit

- Stichwort Über-Impfung der Haustiere -

ist das auch wettbewerbsrechtlich bedenklich. Tierärzte unterliegen, wie andere Angehörige von Heilberufen, dem Heilmittelwerbegesetz, und das untersagt in § 11 den Heilberuflern u. a. die Werbung "mit Preisausschreiben, Verlosungen oder anderen Verfahren, deren Ergebnis vom Zufall abhängig ist".

Tollwut in Deutschland, zweites Quartal 2011

Laut Rabies Bulletin Europe wurden im zweiten Vierteljahr 2011 in Deutschland

drei Fälle von Fledermaustollwut

amtlich festgestellt (Cuxhaven, Frankfurt/Oder, Hannover).

Das war zu erwarten, weil Fledermaustollwut nicht auszurotten ist (Impfstoffe für Fledermäuse gibt es nicht und wird es wohl niemals geben).

Deutschland hat weiterhin seinen Status tollwutfrei, weil Fledermaustollwut hierbei nicht zählt.


PS: Die amtlichen Zahlen werden immer mit einigem Zeitabstand veröffentlicht.

Montag, 5. Dezember 2011

US-Richtlinien für Hundeimpfung: neue Version

Die US-Tierarztorganisation American Animal Hospital Association (AAHA) hat ihre Richtlinien für die Impfung von Hunden überarbeitet. Die neue Fassung vom November 2011 enthält u. a. die Feststellung, dass Viruslebendimpfstoffe schon nach einmaliger Verabreichung einen belastbaren Impfschutz erzeugen, sofern der Impfling keine maternalen Antikörper (Nestschutz von der Mutter) mehr hat. Das gilt beispielsweise für die Impfstoffe gegen Staupe, Parvo und Hepatitis.

Es ist erfreulich, dass dies endlich einmal in den Richtlinien klar gesagt wird. Denn unter Tierärzten herrscht immer noch die Überzeugung, Hunde (oder Katzen)  müssten mindestens zweimal mit Viruslebendimpfstoffen traktiert werden, damit Impfschutz entsteht - egal wie alt die Tiere bei der Impfung sind. Auch Impfstoffhersteller erzählen das gern. So behauptet etwa Intervet, man müsse zweimal oder noch häufiger hintereinander impfen, damit sich "Antikörper mit höherer Affinität bilden (Affinitätsreifung)", s. a. HaimV-Blog vom August 2011. Nö, das ist gar nicht nötig, und nun kann man es auch in den US-Guidelines nachlesen.

Ebenfalls nachlesen kann man dort, dass inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe, also Impfstoffe mit abgetöteten, nicht mehr infektiösen Erregern) mindestens zweimal gegeben werden müssen, mit einer Ausnahme: Tollwutimpfstoffe. Diese Totimpfstoffe sind so immunogen, dass sie schon nach einmaliger Verabreichung einen  belastbaren Schutz erzeugen. Deshalb steht im Beipackzettel fast aller in Deutschland zugelassenen Tollwutimpfstoffe für Katzen und Hunde, dass die Grundimmunisierung aus EINER Impfung besteht. Was viele Tierärzte aber nicht daran hindert, die Patienten mehrmals hintereinander zu impfen.

Lobenswert ist ferner, wie ausführlich das Thema Impfnebenwirkungen behandelt wird.

(In den deutschen Impfrichtlinien, die sich pompös "Leitlinien" nennen, kommen Nebenwirkungen überhaupt nicht vor.)

Dabei wird u. a. erwähnt, dass nach Impfungen Immunsuppression eintreten kann, also eine Schwächung der Abwehr. Und zwar ab dem dritten Tag für eine Dauer von sieben bis zehn Tagen. "Die Abwehrschwäche kann mit erhöhter Anfälligkeit für andere Krankheiten einhergehen", so die Richtlinien (Übers. von mir). Wenn also ein Hund bald nach einer Impfung zum Beispiel an einer Atemwegs- oder Harnwegsinfektion erkrankt, dann kann das sehr wohl mit der Impfung zusammenhängen. Das haben wir nun sozusagen amtlich.

Amerika, Du hast es besser. Jedenfalls was die Haustierimpfungen betrifft.




Zwingerhusten ausgerottet?

Aufregende Neuigkeiten verkündet der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) in einer PR-Mitteilung vom 2. Dezember zu Hunde- und Katzenwelpen als Weihnachtsgeschenk: Zwingerhusten ist demnach in Deutschland ausgerottet. 

In der Mitteilung heißt es u. a., man solle Welpen nicht im Internet und nicht von unbekannten Züchtern kaufen, sondern sich an anerkannte Züchter oder an Tierheime wenden. So weit, so gut. Dann aber heißt es in dem Text:

"Auch gibt es gerade in südeuropäischen Ländern heute noch Krankheiten, die in Deutschland aufgrund einer guten Prophylaxe als ausgerottet gelten. Zwingerhusten oder Herzwurm bei Hunden sind dafür gute Beispiele."

Wie, Zwingerhusten ist in Deutschland ausgerottet? Das wäre ja eine Sensation. Wahr ist es natürlich nicht, denn Zwingerhusten lässt sich genauso wenig ausrotten wie die Erkältungskrankheiten beim Menschen. Es gibt viele verschiedene Erreger für Zwingerhusten, daher erkranken auch gegen Zwingerhusten geimpfte Hunde daran. Zwingerhusten ist laut Professor Ron Schultz keine impfpräventable Krankheit.

Noch erstaunlicher ist die Behauptung, dass Herzwurm in Deutschland aufgrund einer guten Prophylaxe als ausgerottet gelte. Ja, war der Herzwurm denn jemals da?

Unseres Wissens nicht, und Prophylaxe gegen diese (in Mittelmeerländern vorkommende) Parasiteninfektion ist in Deutschland bisher völlig unüblich.

Vielleicht sollte der BfT seine PR-Texte künftig von einem Veterinärmediziner gegenlesen lassen.