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Sonntag, 23. Dezember 2012

Schöne Feiertage und alles Gute für 2013


Diese Tiere wurden für das Fotoshooting mit einer Extramahlzeit bestochen.
Und zwar - horribile dictu! - mit einer Mahlzeit aus rohem Fleisch.


Blütenlese Tollwut: Sorgen haben die Leute

Der hoffentlich letzte Eintrag für dieses Jahr in unserer Reihe Blütenlese Tollwut (sie könnte auch Blödsinn über Tollwut heißen):

Auf der Website eines Magazins äußert jemand die Ansicht, die Tollwutbekämpfung werde erschwert, wenn Eigentümer die Jagd auf ihrem Land untersagen dürfen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte in diesem Sommer die deutsche Zwangsmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften für unzulässig erklärt. Grundstückseigentümer können also Jäger von ihrem Gelände fernhalten. 
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/07/ot-urteil-gegen-das-deutsche-jagdrecht.html

Manche scheint das nun vor lauter Sorge um den Schlaf zu bringen. Erfreulicherweise hat ein zweiter Kommentar-Schreiber den Unfug gleich zurückgewiesen: Nicht die Bejagung der Füchse, sondern die Köderimpfung der Wildtiere hat die terrestrische Tollwut (*) bei uns und in vielen anderen europäischen Ländern ausgerottet.






(*) Terrestrische Tollwut: Tollwut der am Boden lebenden Säugetiere. In Deutschland und fast allen Nachbarstaaten (Ausnahme: östliche Regionen Polens) gibt es nur noch Fledermaustollwut.

Montag, 10. Dezember 2012

KimV, HimV, HaimV: Es geht los

Die AG Tiere (Tierschutz-Orga in Haan bei Düsseldorf) hat nun mit dem Verkauf der gespendeten Restexemplare von

Katzen impfen mit Verstand

Hunde impfen mit Verstand

Haustiere impfen mit Verstand

begonnen.

Impfbuch kaufen, Tierschutz unterstützen!

Wie das abläuft, siehe:

http://www.agtiere.blogspot.de/
http://www.agtiere.blogspot.de/2012/12/buch-zu-ersteigern-katzen-impfen-mit.html

Samstag, 8. Dezember 2012

Ein "idealer" Impfplan


Sie habe jetzt den "idealen" Impfplan gefunden, jubelt eine Hundehalterin in einem Forum. Und zwar auf der Website einer Tierärztin, die ihre Hundekundschaft jährlich zum Impfen einbestellt, aber nicht alles jährlich impft: im einen Jahr gibt's SHP plus Lepto, im nächsten Lepto einzeln, dann Lepto plus Tollwut und danach wieder SHP plus Lepto. 

Dieses Rotationssystem ist ein uralter Hut, erfunden in den USA, um den Tierärzten den Abschied von der jährlichen Komplettimpferei schmackhaft zu machen.

Vor allem aber muss man sich fragen: Für wen soll das ideal sein? Für den Hund, der dreijährliche "Auffrisch"-Impfungen gegen SHP bekommt, die er nicht braucht? Für den Tierhalter, der Impfungen bezahlt, die den Schutz nicht erhöhen?

Lesen wir doch mal nach, was der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) in seinen Impfempfehlungen zur Immunitätsdauer der SHP-Impfung sagt:

(...) the duration of immunity is many years and may be up to the lifetime of the pet.

(Die Immunitätsdauer beträgt viele Jahre und kann die gesamte Lebenszeit des Tiers umfassen.)

Many years bis lifetime = drei Jahre?

Warum in den Impfempfehlungen aus "many years" drei Jahre gemacht wurden, ist selbsterklärend: Es geht um die Kohle, nur die Kohle und nichts als die Kohle.

Freitag, 7. Dezember 2012

Tollwut in Deutschland, 2. Quartal 2012

Laut Rabies Bulletin Europe wurden in Deutschland im zweiten Quartal dieses Jahres

fünf Fälle von Fledermaustollwut

amtlich festgestellt (drei Fälle in Berlin, je ein Fall in Bremen und in Saarlouis).

Im Vorquartal waren es null Fälle (von Januar bis März halten die Fledermäuse noch Winterschlaf). Wahrscheinlich sind im dritten Quartal noch einige Fälle hinzugekommen, doch die Zahlen für diesen Zeitraum werden erst in etwa drei Monaten veröffentlicht.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Buchempfehlung: "Impfen - Pro & Contra"

Dass die Impferei in der Kleintiermedizin zum Himmel stinkt, haben viele Tierhalter/innen schon mitbekommen.

Bei nicht wenigen führt die Beschäftigung mit Haustierimpfungen früher oder später zu der Frage, ob es denn in der Humanmedizin sauberer zugeht. Werden auch Menschen zu oft geimpft und/oder mit Impfstoffen von fragwürdigem Nutzen? Welche Impfungen sind sinnvoll, welche nicht? Ist hier die Forschungslage besser als in der Veterinärmedizin? Wer bestimmt, wogegen geimpft wird, wie kommen öffentliche Impfempfehlungen zustande? Gibt es eine ausreichende Überwachung und Erfassung von Impfnebenwirkungen? Usw, usf.




Antworten auf diese und viele andere Fragen finden sich in "Impfen - Pro & Contra", dem Impfbuch des Münchener Kinderarztes Dr. Martin Hirte, das soeben in komplett überarbeiteter Neuauflage erschienen ist. Kein anderes Buch über Impfungen bietet derart umfassende, fundierte und aktuelle Information zum Thema, und das in verständlicher Sprache.

Im allgemeinen Teil des Buchs erläutert Hirte, wie Impfstoffe hergestellt werden, was sie enthalten, wie sich natürliche und künstliche Immunisierung unterscheiden, wer an Impfempfehlungen mitwirkt und daran verdient, welche Nebenwirkungen wahrscheinlich oder gesichert sind, und vieles andere mehr.

Im zweiten Teil werden alle öffentlich empfohlenen Impfungen sowie Impfungen in speziellen Lebenslagen (etwa für junge Eltern oder alte Menschen) ausführlich erklärt. Der Schwerpunkt liegt auf den Impfungen für (Klein-) Kinder, da sie die Hauptzielgruppe der Impfempfehlungen sind. Aber auch für Heranwachsende und Erwachsene aller Altersstufen wird reichliche Information geboten, etwa zur Impfung gegen Papillomviren, zur Grippeimpfung oder zu Reiseimpfungen. Das einfach gestaltete, übersichtliche Inhaltsverzeichnis ermöglicht es, das Buch als Nachschlagewerk zu benutzen, beispielsweise wenn die Frage auftaucht, ob man sich gegen Tetanus nachimpfen lassen soll. Im Anhang werden die öffentlichen Impfempfehlungen - für Deutschland, Österreich und die Schweiz - wiedergegeben. Für Eltern, denen angesichts der heutigen Impfprogramme für Säuglinge und Kleinkinder mulmig ist, werden die Möglichkeiten alternativer Impfpläne skizziert. 

Hirte ist kein Impfgegner, wie ihm manchmal unterstellt wird, er spricht sich sehr wohl für einige Impfungen aus. Er macht aber kein Hehl aus seiner Kritik am Schulterschluss der Pharmaindustrie, der mit ihr verbandelten Experten und der staatlichen Institutionen. Er zeigt ein ums andere Mal auf, wie öffentliche Impfempfehlungen auf schwacher Wissensbasis durchgedrückt wurden. Es irrt, wer glaubt, dass Impfstoffe für Menschen erschöpfend auf Wirksamkeit, Sicherheit, Verträglichkeit und Langfristeffekte untersucht seien. Die Unterlassungen und Lücken sind nicht so groß wie in der Veterinärmedizin, aber sie sind da, und es sieht nicht so aus, als würden sie bald beseitigt.

Dem Autor ist vorgehalten worden, er suche sich seine Quellen so aus, dass sie zu seinen Thesen passten. Das ist angesichts der Überfülle an Referenzen, die Hirte anführt, völlig haltlos. Und es ist grotesk, wenn man sich vor Augen führt, wie Forschung ignoriert und totgeschwiegen wird, wenn sie dem medizinisch-industriellen Komplex missfällt. Dieses Machtgefüge lässt nur Studien gelten, die seinen Interessen dienen. 

Das wohl prominenteste Beispiel dafür ist die Influenzaimpfung. Methodisch saubere Studien etwa über den zweifelhaften Nutzen der Impfung für die Hauptzielgruppe der alten Menschen und der chronisch Kranken werden nicht zur Kenntnis genommen und fließen in die Entscheidung über öffentliche Impfempfehlungen nicht ein (s. hierzu Hirte, S. 400 ff). Das haben Wissenschaftler um Tom Jefferson hinreichend belegt, doch niemand schert sich um ihre Ergebnisse, und so werden Jahr für Jahr viele Millionen Euro in die Kassen der Impfstoffhersteller geleitet, die anderswo fehlen. Für die Ausstattung von Kinderkrebsstationen muss auf der Straße gebettelt werden, für Impfstoffe wird jeder Preis bezahlt.

Fazit: ein außerordentlich informatives, gründliches, kritisches und gut geschriebenes (Nachschlage-) Werk. Eine wichtige und lohnende Lektüre für alle, die ihre Gesundheit nicht dem medizinisch-industriellen Komplex überantworten wollen. Und noch dazu preiswert.  

Martin Hirte: Impfen - Pro & Contra. Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung. Komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage. Knaur-Taschenbuch, München 2012, 509 Seiten, 12,99 Euro



(*) Wie es der Zufall will, hörten wir, just als wir dies hier geschrieben hatten, einen Bericht im Deutschlandfunk: Die Grippeimpfung sei "nicht so wirksam wie gedacht". Huch. Besonders gut informiert war die Autorin dieses Beitrags offenbar nicht. Sonst hätte sie die Erkenntnisse der Forscher in Minnesota nicht als neu verkauft. Sie haben einen Überblick über die (methodisch akzeptablen) Wirksamkeitsstudien der vergangenen Jahrzehnte vorgelegt. Das haben andere Forschergruppen schon lange vor ihnen getan, mit dem gleichen Ergebnis. Was in Minnesota rausgefunden wurde, war längst bekannt. Es wurde allerdings mit aller Macht ignoriert - von der Industrie, den Experten, Impfkommissionen und Gesundheitsbehörden. Und auch die Medien haben kaum jemals kritisch hingesehen. Wer nicht nur die Impfmarketing-Gazetten, Verlautbarungen der Stiko u. ä. liest, weiß von der schlechten Wirksamkeit spätestens seit den systematischen Reviews, die Tom Jefferson und Kollegen seit vielen Jahren erarbeiten. - Wie üblich werden auch die Angaben zu den angeblichen Kosten der Impfstoffentwicklung (eine Milliarde aufwärts) in dem Beitrag ohne kritische Nachfrage wiedergegeben. Die Zahlen der Pharmaindustrie zu Forschungs- und Entwicklungskosten pro neuem Arzneimittel oder Impfstoff sind nachweislich extrem überzogen, s. zB Ben Goldacre, "Bad Pharma". Die Pharmaindustrie gibt für Marketing viel mehr aus als für Forschung, das pfeifen die Spatzen von den Dächern.  
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1943001/

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die neue Stiko Vet - wird bald alles besser?

Das neue Tiergesundheitsgesetz soll das bisherige Tierseuchengesetz ersetzen und sieht u. a. die Einrichtung einer "Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin" vor. Die Stiko Vet soll sich mit Impfungen für "Nutz"-Tiere und Haustiere befassen und organisatorisch beim Friedrich-Löffler-Institut (FLI) angesiedelt werden, der Bundesforschungsanstalt für Tiergesundheit. 

Eine Stiko Vet gibt es schon seit einigen Jahren, sie hat die ominöse "Leitlinie zur Impfung von Kleintieren" veröffentlicht. Betrieben wurde und wird sie bis auf weiteres vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (BPT), also einer Interessenorganisation derjenigen, die mit der Überimpferei der Haustiere so schön Geld verdienen. Im Grunde eine private, besser gesagt: eine privatwirtschaftliche Veranstaltung.

Wird mit der neuen Stiko Vet beim FLI bald alles besser?

Wird die alte Stiko Vet, diese Einrichtung des Impfstoff-Marketings, von einer seriösen Institution abgelöst werden? Werden Impfempfehlungen für Tiere künftig auf Basis sauberer medizinischer Forschung und in transparenten Verfahren und Entscheidungsprozessen erstellt?

Wir glauben das nicht.

Denn das Vorbild der Stiko Vet, die "Ständige Impfkommission" für Humanimpfungen, lässt nichts Gutes erwarten. Diese Stiko ist beim Robert-Koch-Institut angesiedelt und zeichnet sich dadurch aus,

- dass fast alle ihre Mitglieder mit den Impfstoffherstellern finanziell verbandelt sind,
- dass ihre Beratungen geheim sind und
- dass sie bei ihrer Arbeit kritische Forschung kaum oder gar nicht zur Kenntnis nimmt. 

Die organisatorische Anbindung an ein Bundesinstitut ist noch lange keine Qualitätsgarantie.

Die pharmanahen Experten, die in solchen Gremien sitzen, weisen jede Kritik an ihren Industrieverbindungen ab. Sie halten sich für objektiv und neutral.

Das ist immer sehr lustig.

Denn die Pharmaindustrie verschenkt kein Geld. Sie will ihre sagenhaften Nettoumsatzrenditen (20 Prozent, 30 Prozent und sogar noch höher) behalten. Mittel werden so eingesetzt, dass sie Ertrag abwerfen, verjubelt wird nix. Wenn sie den Professoren jährlich fünf- oder sechsstellige Beträge rüberschiebt - für Vorträge, Beratung, Studien usw. -, dann erwartet sie einen Return on investment - und bekommt ihn auch.

Die neue Stiko Vet wird daher nicht besser als die alte sein. 

Wir dürfen gespannt sein, ob die Stiko-Vet-Herrschaften künftig wenigstens ihre Industrieverbindungen offenlegen müssen. Bei der Stiko Humanimpfungen hat es sehr lange gedauert, bis man sich wenigstens zu diesem kleinen Schritt in Richtung Transparenz bequemt hat. An der Übermacht der industrienahen Experten in der Stiko hat das natürlich nichts geändert.

Impfbuch kaufen, Tierschutz unterstützen

Der Tierschutzverein AG Tiere (Haan bei Düsseldorf) wird demnächst auf seinem Blog einige sehr rare, da längst vergriffene Impfbücher verkaufen, und zwar neue (dh noch eingeschweißte) Exemplare von

Haustiere impfen mit Verstand

Hunde impfen mit Verstand (zweite Auflage)

Katzen impfen mit Verstand

Und das nicht zu den abartigen Mondpreisen, die bei Amazon oder Ebay von obercleveren Verkäufern gefordert werden.

Die Käufer können den Kaufpreis als Zuwendung von der Steuer absetzen.

Die Bücher wurden der AG Tiere von der Autorin gespendet.

Wir wissen noch nicht, wann die Verkaufsaktion beginnt. Einfach in den nächsten Tagen bei der AG Tiere nachsehen:

http://www.agtiere.blogspot.com/
http://www.agtiere.de


Dienstag, 4. Dezember 2012

Lepto ausrotten durch "Durchimpfen"?

Ein Leser/eine Leserin meinte, uns mitteilen zu müssen, dass er/sie im Frühjahr zur Lepto-Impfung gehe, wenn der neue Impfstoff da sei, "der gegen den neuen Stamm ist, an dem hier in der Gegend seit einigen Monaten mehrere Hunde eingegangen sind" (*).

Von uns aus kann er/sie das gern tun.

Aber: Welcher Impfstoff gemeint ist, bleibt schleierhaft - der Dreifach-Leptoimpfstoff, der angekündigte Vierfach-Leptoimpfstoff?

Und: Um Stämme geht es nicht, sondern um Lepto-Arten, die sich weit mehr voneinander unterscheiden als Stämme.

Wir bezweifeln im übrigen sehr stark, dass der "Stamm" (der kein Stamm ist, sondern eine Serovar) tatsächlich genau identifiziert wurde. Das ist labortechnisch sehr aufwendig und teuer und unterbleibt deshalb in der Regel.

Ganz albern wird die Zuschrift zum Schluss:

"Wenn alle ihre Hunde durchimpfen würden, gäbe es manche Krankheit gar nicht mehr."

1. Was Lepto betrifft, so ist das blanker Unsinn, denn Lepto wird selten von Hund zu Hund übertragen (zB in Tierheimen oder Kennels mit schlechter Hygiene). Hauptansteckungsquelle sind Wildtiere (vor allem Nager) und Großtiere, bzw. deren Ausscheidungen. Durch Impfung der Hunde ist Lepto daher nicht auszurotten.

2. Lepto-Impfstoffe verhindern nicht die Infektion. (Es gibt zwar einen Hersteller, der das von seinem Produkt behauptet, aber hersteller-unabhängige Studien liegen dazu nicht vor.) Lepto-geimpfte Hunde können sich mit Leptospiren infizieren und sie ausscheiden. Und zwar mit Lepto-Arten, die nicht im Impfstoff enthalten sind, und auch mit Lepto-Arten, gegen die der Impfstoff eigentlich schützen sollte.

3. Was ist mit "durchimpfen" gemeint? Eine hohe Impfquote in einer Population ist dann sinnvoll und erstrebenswert, wenn die Infektion innerhalb dieser Population zirkuliert und übertragen wird. Auf Lepto trifft das nun gerade nicht zu, siehe oben. Mit "durchimpfen" ist hier vermutlich gemeint, dass alle Tierhalter ihre Hunde jährlich zur Komplettimpfung bringen sollen, gell? Weil's halt so schön einträglich ist.

4. Wie so oft, wird auch in dieser Zuschrift eine eigenartige Logik sichtbar. Wenn man den eigenen Hund "durchimpfen" lässt, sollte man doch auf der sicheren Seite sein. Warum dann dieses Gemaule gegen andere, die ihre Hunde nicht "durchimpfen" lassen? Die allermeisten Leute lassen ihre Hunde impfen. Allerdings gibt es immer mehr Tierhalter, die ihre Hunde (oder Katzen) nur so oft impfen lassen, wie es wirklich nötig ist, und nur mit Impfstoffen von erwiesenem Nutzen. Denen, die an der jährlichen Impferei verdienen, gefällt das natürlich nicht. 



(*) "Eingegangen" - eigenartige Wortwahl. Unter Menschen, die Hunde lieben, nicht gerade üblich.

Donnerstag, 29. November 2012

Impfstoff-Marketing: 0,5 statt 1,0 ml

Der internationale Pharma-Konzern Boehringer Ingelheim hat in den USA vor einiger Zeit die Tierarzneisparte von Wyeth (Fort Dodge) übernommen (*) und verkauft seither in Nordamerika die Duramune-Hundeimpfstoffe.

Kürzlich wurde die neue Produktreihe Ultra Duramune lanciert, die als erster Impfstoff mit einem Volumen von nur 0,5 ml vermarktet wird (üblich sind 1,0 ml pro Impfdosis). Die Reihe umfasst einen Staupe-Hepatitis-Parvo-Impfstoff, einen Vierfach-Leptoimpfstoff und einen Corona-Impfstoff (inaktiviert).

Vermutlich zielt Boehringer Ingelheim Vetmedica damit auf besorgte Kleinhundehalter/innen. Hunde kleiner Rassen haben nachweislich ein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen, und viele Fußhupen-Freunde/innen glauben, dass es an der Menge des injizierten Impfstoffs liegt.

Laut dem Hersteller enthalten Ultra-Duramune-Impfstoffe durch ein besonderes Reinigungsverfahren weniger Protein und Zellrückstände. Es geht allerdings aus der Produktwerbung nicht hervor, ob das auch Protein-Reste aus der Herstellung der SHP-Komponenten betrifft oder nur den Lepto-Impfstoff.

Lepto-Impfstoffe sind "dirty vaccines", weil sie aus ganzen Bakterien hergestellt werden. Sie enthalten Zell-(wand)bestandteile der Bakterien, die starke und überschießende Immunreaktionen auslösen können. Je weniger Zellbestandteile, desto verträglicher der Impfstoff.

Die Produktreihe sei besser angepasst an die Impfrichtlinien der American Animal Hospital Association, meint BI Vetmedica. Das mag zwar stimmen, wenn Hundehalter/innen ihre Tiere gegen Lepto jährlich und gegen SHP weniger oft nachimpfen lassen, die Ultra-Duramune-Produkte gibt es separat. Aber für den Corona-Impfstoff stimmt es nicht. Coronaviren können bei Welpen Durchfälle verursachen, sie gelten als ziemlich harmlos. Einige Veterinäre meinen aber, die Corona-Impfung sei sinnvoll, weil Hunde, die gleichzeitig mit Corona und Parvo infiziert sind, besonders heftig erkranken könnten.

Die AAHA sieht das anders. In ihren aktuellen Impfrichtlinien schreibt sie zur Corona-Impfung: Es sei weder für Corona-Lebendimpfstoffe noch für Corona-Totimpfstoffe gezeigt worden, dass sie die Krankheitssymptome bei Doppelinfektion vermindern. Eine Schutzwirkung gegen die Erkrankung sei nur für Parvo-Impfstoffe belegt.

In Deutschland ist kein Corona-Impfstoff mehr am Markt, seit die Quantum-Produktreihe verschwunden ist.


***


Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn Impfstoffhersteller statt der großen Fix-Kombis (zB SHPPi, SHPPi/L, SHPPi/LT) kleinere Kombis und Einzelimpfstoffe anbieten.

In Deutschland scheint der Trend aber gerade andersherum zu laufen. In der letzten Zeit sind Kombis an den Markt gekommen, über die man nur den Kopf schütteln kann: eine Kombi SHPPi/LT, bei der der Tollwutimpfstoff nur für ein Jahr (!) zugelassen ist, oder eine Kombi Seuche-Schnupfen-Tollwut, bei der der Tollwutimpfstoff für vier Jahre zugelassen ist, gegen Seuche-Schnupfen aber laut Beipackzettel jährlich (!) nachgeimpft werden soll. Das heißt im wirklichen Leben, dass Katzen, die diesen Impfstoff erhalten, unnötigerweise jährlich gegen Tollwut geimpft werden (eine Impfung, die viele Katzen mangels Fledermauskontakt sowieso nicht brauchen).

Informierte Tierhalter/innen lassen ihren Hunden und Katzen so etwas natürlich nicht verabreichen.




(*) Pfizer musste die Fort-Dodge-Tierarzneisparte abgeben, um Wyeth schlucken zu können. Fort Dodge war früher eine Tochter von Wyeth. Auf anderen Märkten gehören die Duramune-Produkte Pfizer.

Montag, 26. November 2012

Impfsarkom und Impfstoff-Temperatur

Impfsarkome (= iatrogener, dh vom Arzt verursachter Krebs) sind für Tierärzte ein unangenehmes Thema. Man meidet es lieber.

Wenn man aber doch drüber reden muss, dann greift man gern die Märchen auf, die von Impfstoffherstellern und deren Pharmareferenten verbreitet werden. Zum Beispiel das Märchen, dass die Erwärmung des Impfstoffs (*) vor der Injektion das Sarkom-Risiko senke oder gar eliminiere.

Woher kommt diese Idee? Ihr Ursprung ist eine Studie des US-Veterinärs Philipp Kass von 2003, in der es um Risikofaktoren für Impfsarkome ging (adjuvanshaltige vs adjuvansfreie Impfstoffe; Stärke der Injektionsnadel; Massieren der Impfstelle nach der Injektion u. a. m.). 

Kass selbst hat zur Verbreitung des Temperatur-Märchens beigetragen. Auf einer Tierarzt-Website schrieb er: "Die Verabreichung von kaltem Impfstoff war mit einem höheren Risiko der Sarkomentstehung assoziiert als die Verabreichung von Impfstoff auf Raumtemperatur" (Übers. MP).

Sehen wir in die Studie rein. Das angebliche Ergebnis - also weniger Impfsarkom-Risiko, wenn der Impfstoff angewärmt wurde - beruht einzig und allein auf Auskünften der teilnehmenden Tierärzte.

Das ist sehr schwach und hat keinerlei wissenschaftliche Beweiskraft ("garbage in, garbage out").

Kass weiß das selbst. An anderer Stelle hat er nämlich mit direktem Bezug auf seine eigene Risikofaktoren-Studie geschrieben: 

"I don't consider this" - gemeint ist die Temperatur-Hypothese - "particularly compelling due to the expectation of a type I statistical error: when you test enough hypotheses, you expect to have a few to be significant by chance alone even if there is no true effect of the factor." (Hervorh. MP)

Kurz gesagt: Es ist ihm klar, dass das ein statistisches Zufallsergebnis gewesen sein kann.

Derartige Zufallsergebnisse sind für die Tonne, wenn man sie nicht überprüft.

Überprüft wurde die Temperatur-Hypothese unseres Wissens nie.

Unseres Erachtens ist sie auch längst widerlegt durch die Vergleichsstudie mit adjuvanshaltigen und adjuvansfreien Impfstoffen (2007). Adjuvanshaltige Impfstoffe verursachen eine dauerhafte und starke Entzündung im Gewebe, und daraus entsteht bei manchen Katzen schließlich ein Tumor. Nicht die Temperatur macht den Unterschied, sondern die Art des Impfstoffs. 


(*) Es ist eine Binse, dass man Mittel (Impfstoffe, Lokalanästhetika usw.) nicht kühlschrankkalt injizieren soll. Das steht i. d. R. im Beipackzettel. Je kälter, desto größer die Gewebsirritation und desto intensiver der Schmerz an der Injektionsstelle.

Mittwoch, 21. November 2012

Impf-Begnadigung für Haustiere

Intervet/MSD Animal Health rühmt sich gern, als erster Hersteller die Zulassung für eine "Dreijahres"-Staupe-Hepatitis-Parvo-Kombi erhalten zu haben.

Die Dreijahresprodukte dienen nur dem Zweck, vom schönen Impfgeschäft so viel wie möglich zu retten.

Eingeweihte wissen, dass dreijährliche Nachimpfungen gegen SHP (oder Katzenseuche usw.) ebenso unsinnig sind wie jährliche - sie sind immunologisch nicht begründet und nicht begründbar.

Genauso unwissenschaftlich ist die Marketing-Aktion "Vaccination Amnesty", die Intervet seit vielen Jahren in Großbritannien betreibt.


Amnesty = Amnestie = Begnadigung, Straferlass


Holla, was ist das denn?

Wieso müssen Haustiere - oder ihre Besitzer - impf-begnadigt werden?

Was haben sie verbrochen?

Und wie kommen sie in den Genuss der Begnadigung?

Die Sünde: Es gibt Tierhalter, die lassen ihre Katzen oder Hunde nicht so oft nachimpfen, wie Hersteller und Tierärzte es gern hätten.

Die Begnadigung: Tierhaltern wird die Sünde vergeben, wenn sie ihre Tiere ganz neu grundimmunisieren lassen. Und das zum Preis von einer Impfung! Zwei Impfdurchgänge zum Preis von einem!


***


Selbstverständlich gibt es für diese erneute "Grundimmunisierung" beim vorgeimpften, ausgewachsenen Tier nicht den Schimmer einer immunologischen Notwendigkeit.

Der Nutzen einer erneuten "Grundimmunisierung" gegen SHP etc. oder Katzenseuche etc. ist nicht belegt und nicht belegbar.


***

Allein die Wortwahl ist eine Unverschämtheit.



***


Und jetzt alle schön beten:

Intervet unser,
der du bist im Profithimmel,
geheiligt werde dein Reichtum.
Und vergib uns unsere Impf-Schuld.




PS: Der Nutzen einer zweimaligen Nachimpfung/neuen Grundimmunisierung ist übrigens auch bei Impfstoffen mit kurzer Schutzdauer (zB Lepto) nicht wissenschaftlich belegt. Uns ist jedenfalls keine Studie bekannt, die beweist, dass Hunde zweimal gegen Lepto geimpft werden müssen, wenn ihre letzte Impfung länger als 12 Monate zurückliegt.

Samstag, 17. November 2012

Katzenimpfung: Im Wirrwarr der Empfehlungen

Ob sie von US-Veterinärverbänden, vom Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) oder von der deutschen "Ständigen Impfkommission Vet" stammen:

Alle Richtlinien, Guidelines oder Leitlinien zu Katzenimpfungen sind mit dem Makel behaftet, dass ihre Aussagen zu Impfabständen willkürlich sind.*)

Sie haben keine wissenschaftliche Basis.

Dreijährliche Nachimpfungen sind nur ein fauler Kompromiss.

Es gibt keinen Beweis dafür, dass Katzen von jährlichen oder dreijährlichen Impf-"Auffrischungen" profitieren.

Wissenschaftliche Belege wären ja wohl das Mindeste, was man von Richtlinien, Guidelines oder Leitlinien erwarten darf.

***

Wie sind diese Richtlinien oder Leitlinien eigentlich zustande gekommen? Und wie kam es zu den Dreijahres-Impfabständen? 

Kurz gesagt so: Die jährliche Impferei geriet in den 90er Jahren schwer in Verruf, vor allem deshalb, weil immer mehr Katzen an Impfsarkomen erkrankten und starben.

Da sagten sich einige führende Hochschulveterinäre: Leute, wir können das mit der jährlichen Impferei nicht so lassen, wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir ändern das jetzt auf drei Jahre, wenigstens für ein paar Impfungen.

Warum nur auf drei Jahre? Weil die Experten davon ausgingen, dass man den praktischen Tierärzten - die ja zu einem guten Teil von der jährlichen Impferei leben - mit noch größeren Impfabständen gar nicht erst zu kommen bräuchte.  


Und so geschah es dann, dass die alte Lüge

- nämlich dass Katzen jährlich nachgeimpft werden müssen -

ersetzt wurde durch eine neue Lüge

- nämlich dass Katzen alle drei Jahre nachgeimpft werden müssen.


***


Wir wären ja bei den Beratungen gern dabei gewesen.

Denn dann hätten wir eine Erklärung dafür, warum die diversen Empfehlungen (USA, Weltverband, Deutschland) so unterschiedlich sind, obwohl manche Experten an mehr als einer Richtlinie mitgewirkt haben (zB die Professoren Hartmann und Horzinek).

Wurden sie bei den Beratungen zu den internationalen Empfehlungen (Weltverband der Kleintierärzte) überstimmt? Oder haben sie daheim andere Meinungen als im Ausland?

Wir wissen es nicht. Wir stellen nur diese seltsamen Divergenzen fest.


Seuche-Schnupfen-Impfung:

US-Guidelines, WSAVA-Guidelines: Seuche-Schnupfen alle drei Jahre

Deutsche "Leitlinie": Seuche alle drei Jahre, Schnupfen jährlich oder alle zwei Jahre



FeLV-Impfung:

US-Guidelines: FeLV (Freigänger) jährlich

WSAVA: FeLV (Freigänger) alle drei Jahre

Deutsche Leitlinie: FeLV (Freigänger) jährlich ("bei alten Tieren individuell entscheiden")

Oder wurden die Empfehlungen zu den Impfabständen sowieso nur ausgewürfelt, und dann ging es halt mal so und mal anders aus?



*) Dasselbe gilt natürlich für die Empfehlungen zu Hundeimpfungen.

"Studienlage zu unsicher"?


Neulich haben wir doch sehr geschmunzelt, als wir in einem Forum auf dies hier gestoßen sind:

Diskutiert wird, wie oft Katzen gegen FeLV ("Leukose") nachgeimpft werden sollten. Eine Katzenhalterin weist darauf hin, dass der Weltverband der Kleintierärzte dreijährliche Wiederholungen empfehle, aber da sei ihr "die Studienlage zu unsicher".

Ach Gottchen.

Wenn die Gute wüsste, wie es generell mit der "Studienlage" bei Haustierimpfstoffen bestellt ist, würde sie Augen machen. Anscheinend glaubt(*) sie, dass jährliche Impfabstände irgendeine wissenschaftliche oder immunologische Basis hätten. 

Das ist mitnichten der Fall.

Die Nachimpf-Angaben in den Beipackzetteln sind durch die Bank nicht begründet.

Sie sind vollkommen willkürlich.

Siehe auch: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/10/neun-wahrheiten-uber-beipackzettel.html

Wir zitieren aus unseren dortigen Anmerkungen zu FeLV-Impfstoffen:

Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen ist wissenschaftlich nicht belegt.

Er lässt sich auch nicht belegen, weil man ausgewachsene Katzen - ob ungeimpft, jährlich geimpft oder dreijährlich geimpft - im Experiment so gut wie nie dauerhaft mit FeLV infizieren kann. Und das trotz der brachialen Methoden, die dabei angewendet werden (die geimpften Versuchstiere und die Versuchstiere der ungeimpften Kontrollgruppe bekommen die Challengeviren in den Bauch injiziert).

Die Studie über den relativ neuen Dreijahres-FeLV-Impfstoff ist sinnigerweise so betitelt (übersetzt): "Schwierigkeiten beim Nachweis der Langzeitimmunität von FeLV-geimpften Katzen, bedingt durch die zunehmende altersabhängige Resistenz". Der Dreijahresschutz lässt sich nicht so belegen, wie es vorgeschrieben ist, weil sich die ungeimpften gleichaltrigen Versuchstiere nicht wie gewünscht infizieren lassen. Ihre natürliche Abwehr gegen FeLV ist dafür einfach zu gut.



(*) Das ist der Glaube, der Berge versetzt, nämlich Berge von Geld aus den Taschen der Frommen in die Kassen der Priester der jährlichen Impf-Religion. 

PEI-Bericht zu Impf-Nebenwirkungen 2011

Kürzlich hat das Paul-Ehrlich-Institut seinen Bericht über die 2011 gemeldeten Impfnebenwirkungen (UAW) bei Tieren veröffentlicht.

Die Zahlen für Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Frettchen liegen ungefähr in der gleichen Größenordnung wie in den Vorjahren.

Interessanterweise behaupten die Autoren des Berichts diesmal nicht, dass die - mickrigen - Meldezahlen zu Impfnebenwirkungen beim Hund ein "generell hohes Maß an Sicherheit" der Hunde-Impfstoffe "belegen".

Siehe hierzu auch: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/11/garbage-in-garbage-out.html

Wir hatten uns vor einiger Zeit erkundigt, warum das PEI immer diese - wissenschaftlich unhaltbare - Angabe zur UAW-Quote bei Hunden macht. In seiner Antwort berief sich das PEI auf eine einschlägige europäische Vorschrift. 

Eine sehr merkwürdige Vorschrift, die offenbar nur für Hunde-Impfstoffe gilt oder galt - bei den anderen Tierarten, die im Bericht vorkommen, wurde niemals eine Impfnebenwirkungsquote angegeben.

Im aktuellen Report mit den UAW-Zahlen von 2011 wird diese windige Quote für Hunde jedenfalls nicht mehr genannt, und das ist schön.

Die Ergebnisse in Kürze:

Hund: 109 Meldungen

Wie viele Hunde pro Meldung betroffen waren, wird leider nicht mehr angegeben; in früheren Berichten waren es im Durchschnitt etwa zwei Hunde pro Meldung.

Todesfälle nach Impfungen ("letaler Ausgang"): 30

Rassen: Chihuahua (11 Meldungen) und Mops (6 Meldungen) führen die Liste an.

Nicht weiter überraschend, kleine Rassen sind besonders anfällig für Impf-UAW.

Gemeldete UAW: Störung des Allgemeinzustands, Magen-Darm-Symptomatik, akutes Schockgeschehen, kardiovaskuläre Störung, respiratorische Symptomatik, lokale Reaktionen, Augenaffektationen, neurologische Symptome, Hautaffektationen, Pruritus


Katze: 40 Meldungen

Dass davon nur zwei Meldungen Impfsarkome betrafen, überrascht uns nicht: Impfsarkome wurden und werden nachweislich so gut wie nie als Impf-UAW gemeldet.

Gemeldete UAW: Pruritus, Gesichtsödeme, Erbrechen, Dyspnoe, Tachykardie; Unruhe, Ängstlichkeit, lautes Schreien, Wesensveränderungen



Montag, 12. November 2012

Blütenlese Tollwut

"Informations"- und "Ratgeber"-Portale für Tierhalter/innen werden i. d. R. nicht geschaffen, um Informationsbedarf zu decken, sondern weil man gern mit Werbung Kohle abgreifen möchte.

Entsprechend dürftig ist die Info, die diese Webseiten bieten.

Zum Beispiel die Info über Tollwut, die auf solch einem Portal Anfang November präsentiert wurde. Datiert ist der Text von Oktober 2012. Und er lässt, wie so viele andere seiner Art, sehr zu wünschen übrig. 

- Man schreibt über Tollwut in Deutschland im Jahr 2012 und erwähnt die Fledermaustollwut mit keinem Wort.

Kleiner Hinweis: Fledermaustollwut gibt es auch im Jahr 2012 in Deutschland; da sollte man sie in einem Beitrag, der angeblich die "fünf wichtigsten Fragen" zur Tollwut behandelt, wohl erwähnen. 

- Man behauptet, dass Tollwut in Deutschland "selten" geworden sei, seit Hunde und Füchse dagegen geimpft werden.

Kleiner Hinweis: Die Fuchstollwut ist seltener als selten, nämlich ausgerottet, und zwar seit dem Frühjahr 2006.

- Und man behauptet, dass Füchse hierzulande durch im Wald ausgelegte Köder gegen Tollwut geimpft werden.

Kleiner Hinweis: Nein, werden sie nicht. Sie wurden, aber das ist schon eine ganze Weile her.

Donnerstag, 8. November 2012

Hinterm Mond, da lassen sie noch jährlich impfen

Wir können uns des Verdachts nicht erwehren, dass Katzenhalter/innen in Sachen Impferei weniger aufgeklärt sind als Hundehalter/innen. Jedenfalls werden uns aus Katzen-Kreisen auffallend häufig solche Aussagen zugetragen:

Heute war meine Katze mit ihrer jährlichen Impfung dran

Armes Tier. Nix gegen einen Gesundheits-Check, aber jährlich impfen? Das ist so 90er Jahre, so hinterm Mond, brrrr.

Hinterm Mond glauben die Leute immer noch Dinge wie dies hier:

- Längere Impfabstände seien nur mit US-Impfstoffen möglich.

- Der "Wirkstoff" der Seuche-Schnupfen-Impfung brauche sich auf, er sei "nach spätestens zwei Jahren" nicht mehr "vorhanden", und daher müsse man nach zwei Jahren wieder neu grundimmunisieren lassen.(*)

Usw., usf. Natürlich alles Käse.

Aber auch bezeichnend. Denn es zeigt, dass sich die Tierärzte um die Impf-"Leitlinie" der selbsternannten deutschen "Ständigen Impfkommission Vet" einen feuchten Kehricht scheren.  




(*) Für die, die's noch nicht wissen: Nein, muss man NICHT. Auch Tiere haben ein Immungedächtnis.

Hinweis

1. Bitte nicht als Mitglied anmelden. Zum Lesen ist keine Mitgliedschaft erforderlich. Datenkraken!

2. Das Blog besitzt eine Suchmaske (oben links). Wer also zB Info zur Tollwutsituation 2011 sucht, findet per Suchfunktion die entsprechenden Beiträge. 

Montag, 5. November 2012

"Garbage in, garbage out"

Die Studie von George Moore und Kollegen (2005) über Impfnebenwirkungen bei Hunden ist bisher die größte ihrer Art. Sie basiert auf den Daten der Banfield-Tierklinikkette. Aus einer Gesamtzahl von 1,2 Millionen Hunden wurde eine Nebenwirkungsquote von 0,38 Prozent ermittelt (38 UAW auf pro 10.000 Hunde).

0,38 Prozent sind sehr viel mehr als die Quote, die das Paul-Ehrlich-Institut alle ein bis zwei Jahre als Beweis der hohen Impfstoffsicherheit verkündet - und das allen Ernstes auf Basis der lächerlichen paar Meldungen, die bei ihm eingehen. In Deutschland sollen demnach nur etwa 0,0068 Prozent der geimpften Hunde Nebenwirkungen erleiden. (Und übrigens, die Erde ist eine Scheibe.)

Professor Ron Schultz, der international renommierte Fachmann für Haustierimpfungen, hat schon vor Jahren deutlich gemacht (*), dass er von den Banfield-Zahlen wenig hält: Sie seien viel zu niedrig.

In den Banfield-Zahlen seien viele Hunde gar nicht enthalten, bei denen die Nebenwirkung erst nach dem Verlassen der Banfield-Klinik aufgetreten sei. Sie seien woanders behandelt worden und tauchten deshalb in der Datenbank nicht auf.

Wenn man eine statistische Analyse mit Stuss füttert, kommt auch nur Stuss heraus, so sein grimmiges Urteil: "Garbage in, garbage out."


(*) Vortrag 2010 zugunsten des Rabies Challenge Fund. Die Stiftung sammelt Spenden für die US-Studie zum Tollwut-Langzeitschutz (fünf Jahre und sieben Jahre), Studienleiter sind Schultz und Dr. Jean Dodds. Das Projekt ist zustande gekommen durch das bewundernswerte Engagement von Hundehalterinnen, deren Tiere an den Folgen von Tollwutimpfungen gestorben waren.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Was ganz und gar anderes

Und zwar ein interessanter Vortrag über das Farbensehen der Säuger.

Noch immer steht in (Fach-) Büchern zu lesen, dass etwa Katzen oder Hunde farbenblind seien. Zum Beispiel in dem wunderbaren Buch "Second Nature" von Jonathan Balcombe (der auch das noch schönere Buch "Pleasurable Kingdom" geschrieben hat):
"Dogs, for example, see mainly in black and white" (S. 18, Macmillan-Paperback von 2010) - das ist aber falsch.

http://elearning.med.uni-frankfurt.de/IZN/peichl/ICNF_Saeugetiere_Farbensehen.html

Adjuvansfreie Impfstoffe für Hunde

Weil so oft danach gefragt wird, ob es adjuvansfreie Impfstoffe für Hunde gibt:

Ja. Tatsache ist, dass sogar die wirklich wichtigen Impfstoffe für Hunde ("core vaccines") adjuvansfrei sind, mit Ausnahme der Tollwutimpfstoffe.

1. Die Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Parainfluenza (= Viruszwingerhusten) sind Lebendimpfstoffe und enthalten daher keine Wirkverstärker (Adjuvantien).

2. Sämtliche Tollwutimpfstoffe für Hunde sind Totimpfstoffe und enthalten Adjuvantien. Der einzige adjuvansfreie Haustier-Tollwutimpfstoff ist nur für Katzen zugelassen.

3. Lepto-Impfstoffe sind zwar Totimpfstoffe, enthalten aber keine Adjuvantien. Sie sind aus ganzen Bakterien hergestellt, somit sind in den Impfstoffen Bakterienbestandteile enthalten, die sehr reaktogen sind, dh das Immunsystem stark (u. U. auch zu stark) stimulieren.
Nachtrag: Unter den neueren Mehrfach-Leptoimpfstoffen gibt es auch solche, die ein Adjuvans enthalten. 

4. Der Herpesimpfstoff für Zuchthündinnen enthält ein Adjuvans.

5. Einzel-, bzw. Zweifachimpfstoffe gegen Zwingerhusten (Bordetella oder Bordetalla plus Parainfluenza) sind adjuvansfrei.

6. Von derzeit den zwei für Hunde zugelassenen Pilzimpfstoffen enthält unseres Wissens einer ein Adjuvans.

7. Tetanusimpfstoffe enthalten Adjuvantien.

8. Die Impfstoffe gegen Borreliose, Babesiose und Leishmaniose enthalten Adjuvantien.

***

Unseres Erachtens sind Adjuvantien bei Hunden nicht so problematisch wie bei Katzen. Katzen sind sehr viel anfälliger für bösartige Tumoren an der Impfstelle als Hunde. Hundehalter/innen sollten also nicht in Panik verfallen, wenn sie bei ihrem Tier einen Knoten an der Impfstelle entdecken. In den allermeisten Fällen verschwindet er von selbst wieder. Die beste Vorsorge gegen Impfnebenwirkungen ist, nur so oft zu impfen wie wirklich nötig und nur mit Impfstoffen von erwiesenem Nutzen. Hunde kleiner Rassen haben ein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Blog zum Thema Futterdreck

Durch falsche Ernährung werden wahrscheinlich mehr Katzen geschädigt als durch übermäßiges Impfen, und zwar durch Ernährung mit Trockenfutter.

Vielen Katzenhaltern/innen dürfte überhaupt nicht klar sein, dass sie ihre Tiere mit Trofu krankfüttern; vielleicht werden nicht alle davon krank, aber doch sehr, sehr viele.

"Die Katze isst es doch so gern!" Oder: "Es geht ihr doch prima damit!" Sicher geht es den Katzen mit Trofu gut. Aber halt nur so lange, bis sie krank werden.

Manche Katzenhalter/innen bekommen frühzeitig einen Schuss vor den Bug, nämlich dann, wenn ihr Tier an Harnwegsproblemen leidet, was oftmals schon in jungen Jahren passiert. Wenn das Tier Glück hat, bekommt es fortan nur noch Feuchtfutter, wenn es ganz viel Glück hat, wird es auf Frischfütterung umgestellt.

Allerdings gibt es noch genügend Leute, die glauben, dass man trofubedingte Krankheiten ausgerechnet mit Spezial-Trockenfutter beheben kann: Trofu "für gesunde Harnwege", für diabetische Katzen, für Katzen mit Niereninsuffizienz. Traurig für die Tiere, profitabel für die Hersteller und die Dealer.

Bewundernswert ist das Engagement der US-Tierärztin Dr. Lisa Pierson, die auf ihrer extrem informativen Website http://catinfo.org - der unseres Erachtens besten Katzen-Website der Welt - vor Trofu-Fütterung warnt und die Folgen vorführt, auch mit drastischen Fotos. (Wer kein Englisch kann, kann sich die Fotos ansehen: im Menü rechts auf Obesity oder auf Urinary Tract Diseases klicken und etwa zur Mitte der Seiten scrollen.)

Pierson nimmt kein Blatt vor den Mund. Was sie von Trofu hält, wird u. a. aus dieser Bemerkung deutlich: 

This webpage could be aptly named Honey, we're killing our pets.

("Diese Webseite hätte auch 'Schatz, wir bringen unsere Tiere um' heißen können.")


Und hier unser neues Trofu-Blog:

Montag, 22. Oktober 2012

Anmerkung zu Versifel FeLV

Auf einer Katzen-Website heißt es in einer Aufzählung von Impfstoffen zum FeLV-("Leukose")-Produkt Versifel FeLV in offenbar lobender Absicht, dass es kein Aluminiumhydroxid enthalte. Das stimmt zwar, aber man sollte doch erwähnen, dass der Impfstoff andere, richtig harte Adjuvantien enthält, die unseres Wissens für Humanimpfstoffe nicht zugelassen sind. Siehe:

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=versifel+felv

Abgesehen davon ist der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen nicht belegt. Siehe auch:

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/10/neun-wahrheiten-uber-beipackzettel.html

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Impfsarkom: Das Ding beim Namen nennen

Impfsarkome sind bösartige Tumore des Bindegewebes, die durch Impfungen entstehen und meist zum Tode führen. Betroffen sind vor allem Katzen, aber auch bei Frettchen, Hunden, Kaninchen und Pferden hat man diese Tumore gefunden. 

Der Begriff Impfsarkom ist in der Pharmaindustrie und bei ihren Mietmäulern* äußerst unbeliebt. Schon früh, nämlich zu Zeiten der amerikanischen Vaccine-associated Feline Sarcoma Task Force, wollte man die Sarkome umbenennen. Das Wort vaccine (Impfstoff) sollte raus. In der Task Force scheiterte dies am Widerstand von Wissenschaftlern. Einer von ihnen, der Kleintieronkologe Wally Morrison, gab damals zu Protokoll: Wenn es nach ihm ginge, müsste der Tumor "vaccine-caused sarcoma" heißen, also "impfbedingt" statt des schwammigen "impf-assoziiert".

Seit einiger Zeit bemühen sich die am Impfgeschäft beteiligten Kreise massiv, den Begriff Impfsarkom durch "Injektionsstellensarkom" zu ersetzen. Damit soll die (Über-) Impferei aus dem Schussfeld bugsiert werden.

Das "Deutsche Tierärzteblatt" hat kürzlich ein Paradebeispiel für diese PR-Gegenoffensive veröffentlicht: "Das feline Injektionsstellen-assoziierte Sarkom". Geschmückt ist diese Arbeit mit einer großen Tabelle, in der Fälle gelistet sind, bei denen Arzneimittel als Ursache von Sarkomen genannt werden: Langzeit-Antibiotika, Dexamethason und andere.

Wir haben schon länger den Eindruck, dass Fälle von Sarkomen an Stellen, wo zuvor ein Arzneimittel gespritzt oder ein Chip implantiert wurde, außerordentliche Aufmerksamkeit genießen. Wahrscheinlich bleibt kaum einer davon unpubliziert. 

Würden mit der gleichen Hingabe Fälle von Impfsarkomen - also Sarkomfälle, bei denen man es nicht auf was anderes schieben kann - veröffentlicht, wären die Fachzeitschriften voll davon. Aber das geschieht natürlich nicht.

Um so erfreulicher eine neue Veröffentlichung kanadischer Veterinärpathologen, in der die Beweislage wieder zu ihrem Recht kommt. 

Wir haben ein Freudentänzchen hingelegt, so gut, so deutlich sind die Aussagen in diesem Paper. Schön, wie darin das Ding beim Namen genannt wird: "postvaccinal sarcoma" (postvakzinales Sarkom, also Sarkom nach Impfung).

Klipp und klar steht in dem Paper zu lesen: 

"Die einzige nachgewiesene Ursache für Injektionsstellensarkome ist die vorhergehende Verabreichung eines adjuvanshaltigen Impfstoffs."

"Behauptungen, wonach andere Agentien wie Lufenuron oder Mikrochips beteiligt sind, sind unbegründet, weil eine vorherige Impfung an derselben Stelle nicht ausgeschlossen werden konnte."
(Übers. und Hervorh. MP)

Wenn man nicht zweifelsfrei ausschließen kann, dass an der Sarkomstelle früher mal geimpft wurde, kann man eben nicht hingehen und behaupten, Langzeit-Antibiotika etc. pp. hätten die Tumorbildung ausgelöst.


***


Thema der kanadischen Arbeit ist übrigens ein Vergleich der Fallzahlen von Impfsarkomen von 1992 bis 2010. Ein Rückgang wurde nicht festgestellt.

Das ist unseres Erachtens nicht überraschend. Denn die Empfehlungen zur Impfsarkom-Verhütung werden nach den uns bekannten Untersuchungen (Umfragen usw.) von den Kleintierärzten auf breiter Front ignoriert.

Es wird nach wie vor zu oft geimpft, und es werden weiterhin adjuvanshaltige Impfstoffe verwendet, obwohl es für jede Impfung inzwischen ein adjuvansfreies Produkt gibt (bei uns, in Kanada und in den USA). Und selbstverständlich wird weiterhin zwischen den Schultern geimpft, obwohl man da am allerschlechtesten operieren kann.


***


In diesem Zusammenhang sei auch eine Veröffentlichung erwähnt, worin der Hersteller Virbac seinen FeLV-Impfstoff zu verteidigen versucht. Dabei stützt man sich auf europäische Pharmakovigilanz-Daten, also auf die Meldungen über Impfsarkome. Das ist lachhaft, weil Sarkome nachweislich nur zu einem winzigen Bruchteil als Impfnebenwirkung gemeldet und damit aktenkundig werden. Der Virbac-Impfstoff (der zwei starke Adjuvantien enthält) verursacht laut einer Vergleichsstudie** die dauerhaftesten Entzündungen an der Impfstelle, bei adjuvansfreien Impfstoffen ist die Entzündung weniger stark und klingt schneller ab. Entzündungen an der Impfstelle können zur Sarkombildung fortschreiten. Wir würden Katzen grundsätzlich keine adjuvanshaltigen Impfstoffe verabreichen lassen -  es gibt doch für alles adjuvansfreie Alternativen.



(*) Mietmäuler sind (Hochschul-) Mediziner, die gegen sattes Honorar auf industriefinanzierten "Fortbildungen" oder in Zeitschriften erzählen, was ihren Sponsoren gefällt. Ein in der Medizin verbreitetes Übel.
(**) Michael Day et al. 2007

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wie verbindlich sind Beipackzettel?

In einer Zuschrift zum Beitrag über Beipackzettel wird gefragt, ob sich Tierärzte denn gar nicht an die Mindestschutzdauer gemäß Impfstoff-Beipackzettel halten müssten.

Antwort: Eigentlich schon. Wenn sie vom Beipackzettel abweichen - ob nach unten oder nach oben -, müssten sie das dem Tierhalter VORHER sagen, ihn also aufklären, und zwar wegen erhöhter Anforderung an die Sorgfalts- und Aufklärungspflicht bei Eingriffen, die nicht der Behandlung einer akuten Erkrankung, sondern der Vorbeugung dienen.

Im wahren Leben spielt das keine Rolle, aufgeklärt wird so gut wie nie.

Deshalb vor Gericht zu ziehen (etwa wenn ein Tier durch übermäßiges Impfen erkrankt ist oder weil man den Dreijahreseintrag für Tollwut will) ist aber nicht ratsam.

Von den Tierärztekammern - immerhin öffentlich-rechtliche Körperschaften - ist hier auch nichts zu erwarten. Mindestens eine Kammer vertrat sogar die Ansicht, der Tierarzt könne impfen, wie er wolle.

Man stelle sich solche Zustände in der Humanmedizin vor.*



(*) Da liegt auch vieles im argen (siehe zum Beispiel Ben Goldacres neues Buch "Bad Pharma"), aber nachimpfen nach Belieben des Arztes ist denn doch unbekannt. 

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Neun Wahrheiten über Beipackzettel

Immer noch glauben Tierhalter/innen, dass die Nachimpf-Angaben in den Beipackzetteln der Impfstoffhersteller irgendwie begründet seien und deshalb befolgt werden müssten.

Nein, müssen sie nicht. Die Nachimpf-Angaben kann man ruhig ignorieren, mit einer wichtigen Ausnahme: Tollwutimpfstoffe. Denn hier kommen die Tollwutverordnung und EU-Vorschriften ins Spiel. Ein Hund oder eine Katze gelten nur dann als unter wirksamem Schutz stehend, wenn sie gemäß Herstellerangaben geimpft oder nachgeimpft wurden. Entscheidend ist der Eintrag des Tierarztes im EU-Heimtierpass.

Die Nachimpf-Angaben bei Staupe, Parvo, Hepatitis oder Seuche, Schnupfen, FeLV aber kann man sich an die Backe streichen. Sie beruhen nicht auf Wissenschaft, sondern auf laxen Zulassungsvorschriften, die für die Pharmaunternehmen auf die Lizenz zum Gelddrucken hinauslaufen.

Sie brauchen nicht durch Studien zu belegen, wie lange ihre Impfstoffe maximal schützen. Gefordert wird nur der Nachweis derjenigen Schutzdauer, die der Hersteller gern hätte. Und das ist immer noch bei den allermeisten Impfstoffen das Minimum, also ein Jahr. Profitabel für die am Impfgeschäft beteiligten Kreise, schlecht für die Haustiere und die Geldbörse ihrer Menschen.

Beispiel FeLV-Impfstoffe ("Leukose"). In fast allen Beipackzetteln wird die (lebenslange) jährliche Nachimpfung verlangt. Ein neueres Produkt erlaubt Dreijahresabstände, ach herrje, wie großzügig (http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=versifel).

Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen ist wissenschaftlich nicht belegt.

Er lässt sich auch nicht belegen, weil man ausgewachsene Katzen - ob ungeimpft, jährlich geimpft oder dreijährlich geimpft - im Experiment so gut wie nie dauerhaft mit FeLV infizieren kann. Und das trotz der brachialen Methoden, die dabei angewendet werden (die geimpften Versuchstiere und die Versuchstiere der ungeimpften Kontrollgruppe bekommen die Challengeviren in den Bauch injiziert).

Die Studie über den relativ neuen Dreijahres-FeLV-Impfstoff ist sinnigerweise so betitelt (Übers. MP): "Schwierigkeiten beim Nachweis der Langzeitimmunität von FeLV-geimpften Katzen, bedingt durch die zunehmende altersabhängige Resistenz". Der Dreijahresschutz lässt sich nicht so belegen, wie es vorgeschrieben ist, weil sich die ungeimpften gleichaltrigen Versuchstiere nicht wie gewünscht infizieren lassen. Ihre natürliche Abwehr gegen FeLV ist dafür einfach zu gut.

Zusammengefasst:

1. Die Angaben in den Beipackzetteln zur Dauer des Impfschutzes (duration of immunity, DOI) geben nur die minimale Schutzdauer wieder.

2. Die Hersteller sind nicht verpflichtet, eine immunbiologisch plausible Schutzdauer zu untersuchen, daher tun sie es selbstverständlich auch nicht.

3. Was in Beipackzetteln zur DOI steht, ist willkürlich.

4. Es ist NICHT wissenschaftlich belegt, dass Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) nur ein Jahr lang schützen.

5. Es ist NICHT wissenschaftlich belegt, dass Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) nur drei Jahre lang schützen.

6. Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher Nachimpfungen gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) ist wissenschaftlich NICHT belegt.

7. Das gilt übrigens auch für Tollwutimpfstoffe. Es ist NICHT belegt, dass sie höchstens drei oder vier Jahre lang schützen. Die DOI wurde bisher nicht länger untersucht. In den USA laufen deshalb durch Spenden finanzierte Langzeitstudien.

8. Die Angaben zur DOI von Haustierimpfstoffen gehören endlich auf eine immunbiologisch saubere Grundlage gestellt. In der Humanmedizin macht man keine Langzeitstudien, bevor man Nachimpfabstände festlegt. Man begnügt sich mit begründeten Annahmen über die Schutzdauer und überprüft sie über die Jahre durch Titermessungen etc. Das hat bisher gut funktioniert.

9. Genauso oder jedenfalls ähnlich könnte man es bei den Impfstoffen gegen Staupe, Parvo, Hep, Seuche, Schnupfen machen. Aber das würde ja die Profite schmälern.


(*) Die Schutzwirkung von Schnupfenimpfstoffen ist notorisch schlecht, und uns ist kein wissenschaftlicher Beleg dafür bekannt, dass ihr Nutzen durch häufige Nachimpfung wächst. Die diesbezüglichen Meinungen mancher Veterinärprofessoren sind unerheblich, weil es sich eben nur um Meinungen handelt und weil diese Herrschaften mit Herstellern finanziell verbandelt sind. - FeLV-Impfstoffe sind in der Auflistung nicht erwähnt, weil ihr Nutzen für ausgewachsene Katzen sowieso nicht nachgewiesen ist, egal in welchen Abständen geimpft wird.


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/


Montag, 1. Oktober 2012

Blütenlese/Tollwut-Kenner unter sich

Allgemeine Ratgeber-Foren mögen nützlich sein, wenn es darum geht, wie man am besten die Flecken aus der Tischdecke rauskriegt. Für Fragen zum Thema Tollwutimpfung sind sie erfahrungsgemäß keine gute Adresse, da sollte man sich besser an Tierhalter-Foren wenden.

Die heutige Blütenlese: Tierhalterin fragt, ob ihre neue Katze gegen Tollwut geimpft werden muss. Wie so oft, antworten vor allem Leute, die sich mit dem Thema, äh, nicht so gut auskennen, aber sofort mit den bedrohlichsten Szenarien zur Stelle sind. 

Andere europäische Länder wie Italien, Spanien und Polen sind nicht tollwutfrei.

Oha, seit wann grenzen Spanien und Italien direkt an Deutschland? Was ist mit Frankreich und Österreich, gibt's diese - tollwutfreien - Länder nicht mehr? Spanien hatte unseres Wissens noch nie ein Wildtollwutproblem, daher brauchen wir keine Angst zu haben, dass sich tollwütige spanische Füchse auf den langen Weg nach Deutschland machen und Tollwut einschleppen. Die vom Osten kommende Fuchstollwut ist nur bis Frankreich gelangt (und dort durch Köderimpfung längst erfolgreich bekämpft worden). (Siehe Anmerkung unten.) Was Polen betrifft: Da tritt Tollwut nur noch in den östlichen Landesteilen auf und wird mit Köderimpfaktionen bekämpft, wie es die EU allen betroffenen Mitgliedsstaaten vorschreibt.

Weiter geht's in der Expertenrunde:

Es gibt hier in Baden-Württemberg z. B. immer wieder Tollwut-Warnungen. In anderen Bundesländern wird das sicher nicht anders sein.

Warnungen, die entweder lange zurückliegen oder frisch halluziniert wurden. Weder in Ba-Wü noch sonstwo in Deutschland gibt es Tollwut, daher gibt es auch nirgends Tollwut-Warnungen. Vereinzelt wird über Fledermaustollwut informiert, und das ziemlich unaufgeregt.

Eine weitere Fachperson wartet sogar mit einer amtlichen Quelle auf, nämlich mit Karten der Weltgesundheitsorganisation zur Verbreitung von Tollwut: 

Die Karten datieren von 2007 und 2008. Sie sind, hüstel, hüstel, überholt. Und zeigten auch damals kein bedrohliches Bild für deutsche Katzen.
Hier noch mal der Link zu korrekter (und nach wie vor aktueller) Information über Tollwutrisiken in Deutschland und anderswo, und zwar vom Robert-Koch-Institut:
PS: Sollten Katzen gegen Tollwut geimpft werden oder nicht? Antwort: Ja, die Impfung ist sinnvoll, wenn sie Kontakt mit Fledermäusen haben können, und sie ist Pflicht, wenn Katzen auf grenzüberschreitende Reisen mitgenommen werden. 


Anmerkung: In einer Zuschrift wurde Anstoß genommen an dem Satz

Die vom Osten kommende Fuchstollwut ist nur bis Frankreich gelangt

mit der Bemerkung: "Ich glaub', Frankreich und Spanien liegen westlich von Deutschland."

Ja, und? Da hat offensichtlich jemand etwas nicht verstanden.

Die Fuchstollwut hat sich von Osten kommend (Polen) nach Mittel- und Westeuropa ausgebreitet, und zwar seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihre maximale Ausbreitung nach Westen hatte die Fuchstollwut 1982, als sie den Osten Frankreichs erfasst hatte und südöstlich bis ins Val d‘Isère vorgedrungen war.

Nach Spanien ist die Fuchstollwut niemals gelangt. (Daher ist es Unfug zu behaupten, dass Spanien "nicht tollwutfrei" sei.) Auch Italien war von Fuchstollwut relativ wenig betroffen, nämlich nur in den nördlichen Landesteilen. 

(Der Vollständigkeit halber: Im ersten Quartal 2012 gab es einen Fall von Hundetollwut in Spanien - aber nicht auf der Iberischen Halbinsel, sondern in der nordafrikanischen Stadt Melilla, einer spanischen Exklave. In Nordafrika ist Hundetollwut nach wie vor ein großes Problem. Im Nordosten Italiens gab es in der jüngsten Vergangenheit Tollwutfälle durch Füchse, die über Slowenien aus Kroatien eingewandert waren, daher wurden in Nordostitalien und Slovenien große Köderimpfaktionen durchgeführt.)

Von der Fuchstollwut zu unterscheiden ist die urbane Tollwut = Hundetollwut. Sie trat jahrhundertelang praktisch überall in Europa auf, auch in Ländern, die später von der Ausbreitung der Fuchstollwut nicht betroffen waren, zB Spanien und England. Die urbane Tollwut wurde durch Kontrolle der (Streuner-) Hundepopulation und durch Impfung ausgerottet. Anders ist die Lage in Asien und Afrika, wo die Hundetollwut immer noch verbreitet ist.

Wir haben es also mit drei verschiedenen Tollwut-Zyklen (mit drei unterschiedlichen Hauptüberträgern) zu tun:

1. urbane Tollwut/Hundetollwut: in Europa ausgerottet
2. Fuchstollwut: in den davon betroffenen Ländern Mitteleuropas durch Köderimpfung eliminiert, in Teilen Ost- und Südosteuropas aber noch häufig
3. Fledermaustollwut

US-Richtlinien zu Hundeimpfungen/Nachtrag


Der Beitrag vom Dezember 2011 über die neue Version der US-Richtlinien zu Hundeimpfung ist überraschend populär, er ist derzeit der am häufigsten angeklickte in diesem Blog.

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2011/12/us-richtlinien-fur-hundeimpfung-neue.html

Dabei bietet die überarbeitete Version gar keine grundstürzend neuen Einsichten. Und sie enthält weiterhin die Empfehlung, Hunde alle drei Jahre gegen Staupe, Parvo, Hepatitis nachzuimpfen.

Genauso steht es auch in der "Leitlinie" der deutschen "Ständigen Impfkommission Vet"(*). Eine Leitlinie, die von der Mehrheit der deutschen Tierärzte sowieso ignoriert wird, sie impfen halt so gern jährlich.

All die Richtlinien- oder Leitlinien-Verfasser wissen, dass das Dreijahresschema keine wissenschaftliche Basis besitzt, es ist völlig willkürlich. Die dreijährliche Impferei mit Viruslebendimpfstoffen ist und bleibt ein oberfauler Kompromiss zwischen den Interessen der praktischen Tierärzte und Impfstoffhersteller einerseits und den immunologischen Fakten andererseits.

Die Tierärztin Lisa Pierson (catinfo.org) hat sich den Spaß gemacht, die Autoren der US-Richtlinien für Katzen zu befragen, ob sie selbst denn alle drei Jahre nachimpfen (im Fall von Katzen geht es um die Impfungen gegen Seuche und Schnupfen). Ergebnis:

Please note that even some (all?) of the experts who sat on the panel that came up with the AAFP suggestions, as well as one veterinarian who is head of the vaccine division of a major vaccine-producing company, do not vaccinate their own animals as frequently as their guidelines/suggestions/package labels state. (Source: personal communication) 

(Also: Einige - vielleicht sogar alle - der Experten der Katzenrichtlinien-Kommission sowie ein Tierarzt, der Chef der Impfsparte eines großen Pharmaherstellers ist, impfen ihre eigenen Tiere nicht so oft, wie ihre Richtlinien, Empfehlungen oder Beipackzettel vorsehen.)

Und das dürfte genauso für die Hundeimpfungen gelten.

Wir würden an die dreijährliche Nachimpferei vielleicht dann glauben, wenn die Verfasser der nationalen und internationalen Richtlinien (USA, Welttierarztverband oder deutsche "Ständige Impfkommission Vet") uns durch Vorlage ihrer Impfpässe beweisen, dass sie selbst ihren Impfschutz zB gegen Masern-Mumps-Röteln alle drei Jahre "auffrischen" lassen. Doch das werden wir nie erleben. 

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(*) An dieser Stelle sei es noch mal gesagt: Die deutsche "Leitlinie" (Hunde, Katzen usw.) fällt gegenüber ihren US-Vorbildern (von den Fachverbänden AAHA und AFP) peinlich ab. Bei aller Kritik am Dreijahresschema: Die US-Richtlinien sind im Vergleich zu dem deutschen Nachahmungsversuch gründlich und ausführlich. In den US-Hunderichtlinien findet sich auch diese schöne Aussage: 

Infectious core vaccines are not only highly effective, they also provide the longest DOI, extending from 5 yr up to the life of the dog.

(Die infektiösen Hauptimpfstoffe - also die Lebendimpfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis - sind nicht nur hochwirksam, sie bieten den dauerhaftesten Schutz, von fünf Jahren bis hin zur gesamten Lebensspanne des Hundes.)

Die Angabe "fünf Jahre" verwundert allerdings, denn es ist für keinen Impfstoff gegen Staupe, Parvo oder Hepatitis wissenschaftlich belegt, dass er nur fünf Jahre schützt.

Ein besonders auffälliger Unterschied zwischen USA und Deutschland ist, dass Impfnebenwirkungen in der deutschen "Leitlinie" überhaupt nicht erwähnt werden.

Donnerstag, 27. September 2012

Welt-Tollwut-Tag 28. September

Am 28. September wird der Welt-Tollwut-Tag begangen, der 2006 von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten initiiert wurde. Nach Angaben der Global Alliance for Rabies Control sterben jährlich etwa 55.000 Menschen an Tollwut, überwiegend in Asien und Afrika. Besonders gefährdet sind Kinder, weil sie am ehesten von tollwutinfizierten Hunden gebissen werden, oft auch in obere Körperregionen, von wo das Virus schneller ins Hirn gelangt. 

Deutschland ist seit 2006 frei von terrestrischer Tollwut (dh von Tollwut bei am Boden lebenden Tieren) und hat seit Herbst 2008 den Status tollwutfrei. Wie in anderen tollwutfreien Ländern gibt es allerdings Fledermaustollwut. Daher ist beim Umgang mit Fledermäusen höchste Vorsicht geboten.

Ein Spillover des Fledermaustollwutvirus wurde in Deutschland unseres Wissens bisher nur einmal festgestellt, und zwar bei einem Steinmarder. Fledermaustollwut ist auf Katzen übertragbar, sie können sich damit infizieren und daran erkranken. Deshalb sollten Katzen, die mit Fledermäusen in Berührung kommen können, gegen Tollwut geimpft sein, wegen der Impfsarkom-Vorbeugung vorzugsweise mit dem adjuvansfreien Impfstoff Purevax Rabies (drei Jahre Gültigkeit nach der zweiten Impfung). Für jährliche Tollwutimpfungen, wie sie immer noch von vielen Tierärzten (laut Umfrage eines Herstellers ein Drittel der TÄ) praktiziert werden, gibt es absolut keinen Grund. Hundehalter sollten das - wenn auch sehr seltene - Restrisiko durch (illegal) importierte tollwutinfizierte Hunde bedenken. 

Donnerstag, 20. September 2012

Tollwut in Deutschland, 1. Quartal 2012

Laut Rabies Bulletin Europe wurden im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt

null Fälle

von Tollwut festgestellt.

Wahrscheinlich hat es im Frühling und Sommer wieder einige Fälle von Fledermaustollwut gegeben, die Zahlen für das zweite und dritte Quartal werden jedoch erst in etwa drei, resp. sechs Monaten vorliegen. 

Gesamtzahlen für 2011 siehe
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/06/tollwut-gesamtzahlen-2011.html