Dieses Blog durchsuchen

Sonntag, 29. Januar 2012

Neuer Kombi-Impfstoff für Kaninchen



2011 erhielt ein neuer Impfstoff für Kaninchen die europaweite Zulassung durch die Europa-Behörde Ema. Das Produkt namens Nobivac Myxo-RHD ist ein Viruslebendimpfstoff gegen Myxomatose und RHD. Nach Herstellerangaben reicht EINE Impfung für einen Schutz von mindestens einem Jahr. Der Schutz ist allerdings, wie bei allen Impfstoffen gegen Myxomatose und RHD, alles andere als vollständig. Laut Ema wiesen Kaninchen, die damit geimpft wurden, weniger Myxomatose-Krankheitssymptome und mehr RHD-Antikörper im Blut auf als ungeimpfte Tiere, und sie hatten eine niedrigere Todesrate. Vor Ansteckung und Erkrankung schützt auch dieser Impfstoff nicht.

Im Vergleich zu den bisherigen RHD-Impfstoffen stellt das neue Produkt jedoch einen enormen Fortschritt dar, und zwar im Hinblick auf den Tierschutz. Das Antigen der älteren RHD-Impfstoffe wird nämlich aus den Lebern künstlich infizierter Kaninchen gewonnen. Das ist bei dem neuen Produkt nicht mehr der Fall. Das RHD-Antigen wird von dem genetisch veränderten Myxo-Impfvirus produziert (ein bestimmtes RHD-Protein, das dann eine Immunreaktion, also Antikörperbildung gegen dieses RHD-Protein im Impfling hervorruft).  Somit  müssen für die Antigengewinnung keine Kaninchen mehr leiden und sterben.

An Zuchtböckchen wurde der Impfstoff seltsamerweise nicht getestet, daher wird die Impfung dieser Tiere nicht empfohlen.

Ein Nachteil ist auch, dass Kaninchen, die zuvor schon einmal einen anderen Myxo-Impfstoff erhalten haben, möglicherweise nach der Impfung mit der neuen Kombi nicht gegen RHD geschützt sind. (Vermutlich deshalb, weil der schon vorhandene Myxo-Schutz die Wirkung des neuen Impfstoffs so blockiert, dass es nicht zur Ausbildung von RHD-Impfantikörpern kommt.) Daher ist die neue Kombi wohl nur bei Jungtieren sinnvoll, die noch nie gegen Myxo geimpft wurden.


In Deutschland scheint Nobivac Myxo-RHD noch nicht am Markt zu sein, auf der Impfstoff-Liste des Paul-Ehrlich-Instituts ist er noch nicht aufgeführt.
PS: Inzwischen (Februar) ist das der Fall.


PPS: Intervet hat dazu folgenden Kommentar gesendet:

"Zur Fragestellung 'Kann ich mit anderen Impfstoffen vorgeimpfte Kaninchen einfach auf Nobivac Myxo-RHD umstellen?' möchte die Intervet Deutschland GmbH, eine Niederlassung der MSD-Tiergesundheit, gerne wie folgt Stellung nehmen: Wenn die Kaninchen gegen Myxomatose und RHD oder mit RHD alleine vorgeimpft sind, wird durch eine einmalige Impfung ein Jahr Immunität gegen Myxomatose und RHD induziert. Sollte ein Kaninchen nur gegen Myxomatose (und nicht gegen RHD) vorgeimpft sein, wird eine belastbare Immunität gegen Myxomatose für ein Jahr aufgebaut, gegen RHD ist die Immunität jedoch möglicherweise eingeschränkt. In diesen Fällen sollte das Kaninchen zunächst gegen RHD und 3-4 Wochen später mit Nobivac Myxo-RHD geimpft werden."

Anmerkung:
Es bleibt aber leider ein Problem: Die am deutschen Markt erhältlichen RHD-Einzelimpfstoffe werden unseres Wissens alle herkömmlich produziert, dh das Impfantigen wird aus infizierten Kaninchen gewonnen. Kaninchenhalter können auf die von Intervet beschriebene Art und Weise auf den neuen Kombi-Impfstoff umstellen, aber für die Umstellung müssen sie dann halt noch einmal einen RHD-Impfstoff geben lassen, dessen Herstellungsmethode aus ethischer Sicht abzulehnen ist.


Wichtig: zu Impfnebenwirkungen bei Kaninchen siehe PEI-Bericht für 2012

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/12/zum-jahresausklang-gemeldete.html





Donnerstag, 5. Januar 2012

Großbritannien, Tollwut, Quarantäne

Dieser Tage geistern Berichte über neue Regelungen bei der Einreise mit Haustieren nach Großbritannien durch die Websites deutscher Tageszeitungen. In vielen Fällen sind sie falsch: Es wird nämlich behauptet, für Katzen und Hunde (sowie Frettchen) aus EU-Ländern entfalle seit Jahresbeginn die sechsmonatige Tollwut-Quarantäne.

Beispiel sueddeutsche.de:
(...) Bisher mussten Hunde, Katzen oder Frettchen zunächst gegen Tollwut geimpft werden; anschließend wurde ihr Blut getestet, bevor sie sechs Monate in Quarantäne verbringen mussten (...)

In Quarantäne mussten Katzen, Hunde oder Frettchen aus der EU aber schon seit vielen Jahren nicht mehr, sofern sie eine ordnungsgemäße Tollwutimpfung und einen ausreichenden Impftiter aufwiesen.

Was sich seit dem 1. Januar geändert hat, ist vielmehr dies: Der Titernachweis ist nicht mehr nötig, künftig reicht eine gültige Tollwutimpfung (plus EU-Heimtierpass, Fuchsbandwurmbehandlung, Transponderchip).