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Mittwoch, 29. Februar 2012

Hundetollwut in den Niederlanden - tödlich für zwei Katzen

Immer wieder bringen EU-Bürger unter Missachtung aller Vorschriften Hunde aus Nordafrika nach Europa. Ihr Motiv ist wahrscheinlich Mitgefühl für die armen Geschöpfe. Doch ihr Leichtsinn bedeutet eine tödliche Gefahr für Menschen und Tiere.

So auch jetzt in dem Fall in den Niederlanden. Ein holländisches Paar nahm einen 8,5 Wochen alten Welpen aus Marokko via Spanien mit nach Hause. Angeblich war das Tier mit Transponderchip und Gesundheitszertifikat versehen. Am 12. Februar, einen Tag nach der Ankunft in den Niederlanden, zeigte der Hund Tollwutsymptome, und zwar Aggression. Er wurde euthanasiert, die Untersuchung ergab die Diagnose Tollwut.

In Presseberichten und auch im Bericht der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE hieß es, ein Hund und zwei Katzen, die flüchtigen Kontakt mit dem tollwutkranken Welpen hatten, seien geimpft und für sechs Monate in Quarantäne gesetzt worden.

Das entspricht nicht den Tatsachen, wie wir durch Nachfrage bei den niederländischen Behörden erfahren haben.

Die zwei Katzen wurden getötet.

Sie waren nicht gegen Tollwut geimpft. Bei Katzen ist die Tollwutimpfung in den seit langem tollwutfreien Niederlanden unseres Wissens nicht üblich. Der Kontakt-Hund kam mit dem Leben davon, weil er im Juni 2010 in Griechenland eine Tollwutimpfung erhalten hatte. Er wurde am 17. Februar wieder geimpft und soll im März noch einmal geimpft werden.

Außerdem mussten und müssen natürlich auch zig Menschen, die mit dem Welpen in Kontakt gekommen sind, gegen Tollwut geimpft werden und teilweise sogar Tollwut-Immunglobuline erhalten.

Diese hirnlose Welpeneinfuhr-Aktion hat also eine große Zahl Menschen in tödliche Gefahr gebracht und zwei Katzen das Leben gekostet. Hoffentlich kommen die Verursacher wenigstens nicht straflos davon.

Montag, 27. Februar 2012

Das Frühjahr kommt

... und damit auch die Werbung für die Borreliose-Impfung bei Hunden. 

Was gegen die Borreliose-Impfung spricht, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Die Hauptkritik in Kürze:

- die geringe Borreliose-Erkrankungsrate bei Hunden (höchstens 1 bis 2 Prozent der Infizierten; Infektion ist nicht gleichbedeutend mit Erkrankung; Borreliose wird überdiagnostiziert) und

- die Nebenwirkungsrisiken dieser Ganzkeim-Impfstoffe (selbstverständlich ist der Borreliose-Humanimpfstoff, der derzeit erprobt wird, KEIN Ganzkeim-Impfstoff, sondern enthält nur bestimmte Antigene der Erreger).

Seit 2010 ist die Borreliose-Impfstoffwerbung besonders lustig, weil zwei Hersteller mit zwei unterschiedlichen zentralen Werbeaussagen gegeneinander antreten. Der frühere Platzhirsch, Merial, kann in seinem Produkt nur mit dem Erregertyp Borrelia burgdorferi sensu stricto (Bbss) aufwarten, der in Deutschland am seltensten vorkommt. Merial behauptet in Anzeigen tapfer: "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist Bbss der beim Hund pathogene Genotyp" (s. zB Anzeige in "Kleintiermedizin", Jan/Feb 2012). Mit "derzeitig" ist aber offenbar die Vergangenheit gemeint, nämlich das Jahr, als das Produkt zugelassen wurde.

Konkurrent Virbac trumpft dagegen damit auf, das eigene Produkt enthalte die zwei in Deutschland am häufigsten vorkommenden Borrelien-Typen (B. garinii und afzelii), dadurch könnten 80 Prozent der hier vorkommenden krankmachenden Borrelien abgedeckt werden.

Aber haben wir es hier überhaupt mit richtigem Wettbewerb zu tun? Warum hat Virbac nicht auch Bbss in seinen Impfstoff gepackt? Vielleicht steckt eine ganz andere Strategie dahinter: Ich tue dir nicht weh, und du tust mir nicht weh. Die zwei Produkte ergänzen einander doch so schön, und Tierärzte könnten statt eines Impfstoffs gleich zwei an die Kundschaft bringen.

Klingt wie eine klassische Win-win-Situation. Nur nicht für die Hundehalter/innen und ihre Tiere.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Kaninchen-Impfstoff jetzt beim PEI gelistet

Nachtrag zum Posting "Neuer Impfstoff für Kaninchen" vom 29. Januar: Das neue Produkt, Nobivac Myxo-RHD, ist nunmehr in der Impfstoffliste des Paul-Ehrlich-Instituts aufgeführt.

Sonntag, 19. Februar 2012

USA: Rechtsstreit wg Impfsarkom

Dr. Bob Rogers ist Tierarzt in Texas und einer der aktivsten Fürsprecher wissenschaftlich begründeter Impfpläne für Haustiere in den USA. Seit vielen Jahren schon informiert er Tierhalter im Web (http://www.critteradvocacy.org/) über die fragwürdigen Impfpraktiken seiner Zunft. Er ermuntert sie zudem dazu, sich bei den zuständigen Stellen über unnötige Impfungen zu beschweren. Praktisch im Alleingang brachte er den Bundesstaat Texas dazu, die Vorschriften zur Tollwutimpfung der Haustiere (Texas Rabies Ordinance) zu ändern, damit die Tiere nicht mehr jährlich gegen Tollwut geimpft werden müssen.

Dass das den Tollwutschutz in Texas verbessert hat, ist inzwischen durch eine Studie belegt, siehe Eintrag vom Juli 2011:


Kürzlich hat Bob zu Spenden für die Katzenhalterin Jena G. aufgerufen, die ihren Tierarzt wegen des Impfsarkom-Tods ihrer Katze Kitty Kat verklagt hat. Bob unterstützt sie als Sachverständiger. 8000 US-Dollar hat Jena für Operation und Bestrahlung ihrer Katze ausgegeben, und die fordert sie von dem Tierarzt, plus Schmerzensgeld für das, was sie durchgemacht hat. Sie begründet ihre Klage damit, dass der Veterinär ihre Katze unnötig häufig und mit adjuvanshaltigen Impfstoffen gegen Seuche, Schnupfen, Chlamydien und FeLV ("Leukose") geimpft hat, dass diese Impfungen das Sarkom verursacht haben und dass sie, wäre sie vom Tierarzt ordnungsgemäß über die Risiken aufgeklärt worden, den häufigen Impfungen nicht zugestimmt hätte.

Die Spenden sollen helfen, die Prozesskosten zu decken, die auf 10.000 US-Dollar veranschlagt sind.

Bob hat, wie er mitteilt, selbst schon 5000 US-Dollar gespendet und steht Jena unentgeltlich als Sachverständiger bei:
http://chickenthecat.wordpress.com/2012/02/15/fundraising-for-jena-and-kitty-kat/

Sollte ein Überschuss erzielt werden, soll er für ein "Writ of mandamus" verwendet werden. Das ist eine Besonderheit des angelsächsischen Rechtssystems und eine Art rechtliche Belehrung oder auch Ermahnung öffentlicher Institutionen durch einen Richter eines höheren Gerichts. Dieses "Writ of mandamus" könnte im Erfolgsfall dann so aussehen, dass ein Richter die Tierärztekammern (State Boards of Veterinary Medical Examiners) nicht nur in Texas, sondern in allen US-Bundesstaaten offiziell darüber belehrt, dass Tierärzte mit der unnötig häufigen Impferei gegen Recht und Gesetz verstoßen.

Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist natürlich ungewiss. Am 14. Mai soll verhandelt werden. Die Klägerin hat durchaus eine Erfolgschance, denn es ist auch in den USA nicht üblich, dass Tierhalter/innen über das Für und Wider von Nachimpfungen aufgeklärt werden. Unterlassene Aufklärung über Zweck und Risiken medizinischer Eingriffe ist ein Verstoß gegen geltendes Recht, nicht nur in den USA, und zwar erst recht bei medizinischen Eingriffen, die nicht der Behandlung einer akuten Gesundheitsstörung dienen, sondern der Vorbeugung (oder, im Fall von unnötigen Nachimpfungen, der angeblichen Vorbeugung).

Die Spenden sind in den USA steuerlich abzugsfähig.

Wir werden auch spenden, das wird uns eine Ehre sein. 

Ein Konto oder eine Adresse für Spenden sind leider bisher nicht veröffentlicht, das soll noch nachgereicht werden, hoffentlich bald auf der Facebook-Seite von Chicken the Cat:

Außerdem kann man sich direkt an Bob wenden:
drbob@critteradvocacy.org


Wir ziehen den Hut vor Jena und Bob!




Mittwoch, 15. Februar 2012

Anfragen

Aus gegebenem Anlass möchte ich folgendes klarstellen:

1. Ich nenne in diesem Blog meine Quellen, vor allem die genauen Angaben zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen, absichtlich nicht. Und zwar, um den Abschreibern/innen, die sich gern bei mir bedienen, aber nie angeben, woher sie ihre Info beziehen, das Leben etwas schwerer zu machen.

2. Wer mich freundlich und höflich fragt, bekommt die gewünschten Angaben.

3. Wer mich unhöflich, ja, sogar fordernd fragt, sollte sich über ausbleibende Antworten nicht wundern. Manche Leute meinen offenbar, ich sei ihnen Auskünfte schuldig, und zwar subito. Nö, bin ich nicht.

4. Wer seine Anfrage nicht per Kommentarfunktion stellen möchte, kann mich auf anderem Wege kontaktieren. Es gibt eine Menge Leute, die meine E-Mail-Adresse kennen, einfach mal rumfragen.


Dienstag, 14. Februar 2012

Attacke gegen den faulen Kompromiss

Ein Fortschritt, der keiner ist: Die Dreijahresintervalle für die Impfungen gegen Staupe, Parvo und Hepatitis beim Hund und gegen Seuche bei der Katze sind nur ein fauler Kompromiss, wie wir schon häufig angemerkt haben. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen dreijährlicher Nachimpfungen, sie dienen nur den wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie und der Tierärzte.

Das hindert die Meinungsführer in der Haustierimpfszene nicht daran, diesen faulen Kompromiss immer wieder neu aufzutischen. Erstmals aufgetaucht ist er in den Richtlinien der US-Fachorganisationen AAFP und AFM zu Katzenimpfungen (1997/98), seither zieht sich das Dreijahresmodell durch die diversen Versionen der offiziellen Impfempfehlungen, -richtlinien oder -leitlinien nationaler und internationaler Veterinärorganisationen.

Bea Mies, eine Hundehalterin in Sydney, die sich seit vielen Jahren kritisch mit dem Impfgeschäft befasst und mehr über Impfungen und Immunologie weiß als der durchschnittliche Tierarzt, hat sich die "Guidelines for the Owners and Breeders of Dogs and Cats" (Richtlinien für Halter und Züchter von Hunden und Katzen) des Weltverbands der Kleintierärzte WSAVA von 2010 vorgeknöpft und eine brillante Streitschrift dazu verfasst:


Sie will von den Wortführern der WSAVA-Vaccination Guidelines Group

Prof. Michael Day (England)
Prof. em. Marian Horzinek (Niederlande)
Prof. Ron Schultz (USA)

wissen, warum sie den Tierhaltern gegen alle eigene Einsicht und im Widerspruch zu ihren eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Richtlinien die Botschaft verklickern, dass ausgewachsene Hunde alle drei Jahre gegen SHP nachgeimpft werden müssen.

In ihrer Streitschrift stellt Bea sehr sorgfältig gegenüber, was die drei Herren anderswo über die Dauer des Impfschutzes und über die fehlende wissenschaftliche Basis der herrschenden Impfpraktiken gesagt und geschrieben haben - und wie sie in ihren Richtlinien dann wieder das Gegenteil davon propagieren.

Viel Spaß beim Lesen!


Freitag, 10. Februar 2012

Hinweis/Mitgliedschaft

Leserinnen und Leser dieses Blogs werden gebeten, sich NICHT als Mitglieder anzumelden. Ich möchte keine Mitglieder, ich weiß nicht, wozu das überhaupt gut sein soll. Fürs Lesen ist eine Mitgliedschaft nicht erforderlich.
Danke.
PS: Wer gern Datenkraken füttern will, kann das ja auf Facebook oder Google+ ausleben.

Mittwoch, 8. Februar 2012

"Haustiere impfen mit Verstand" ...

... ist bald ausverkauft, wie der Verlag mitteilt.

Eine weitere Auflage ist nicht geplant.

Restexemplare im Besitz der Autorin werden dann, genauso wie es bei den Restexemplaren von "Hunde impfen mit Verstand" und "Katzen impfen mit Verstand" der Fall ist, nur gegen eine ansehnliche Spende für eine Tierschutzorganisation ihrer Wahl abgegeben.


Quantum-Impfstoffe für Hunde

Laut Bundesanzeiger ist die Zulassung für den Kombi-Impfstoff Quantum DA2PPi/CvL (Schering-Plough/Essex) im Oktober 2011 erloschen. Als einziges Quantum-Produkt ist nunmehr Quantum L (Lepto) in der Impfstoffliste des Paul-Ehrlich-Instituts aufgeführt, und zwar als Produkt von Intervet.

Ein Verlust ist das nicht.

Quantum wurde als "Vier"-Jahres-Impfstoff vermarktet, dh laut Hersteller hielt der Impfschutz gegen Staupe, Parvo und Hepatitis vier Jahre an. Aufgeklärte Hundehalter/innen wissen, dass SHP-Impfstoffe länger als die in den Beipackzetteln angegebenen ein, drei oder vier Jahre schützen. Der Corona-Impfstoff in Quantum (das "Cv") wurde sogar in der Impf-"Leitlinie" der selbsternannten Ständigen Impfkommission Vet mit einiger Skepsis bewertet. "A vaccine in search of a disease" sagen kritische US-Veterinäre zu Corona-Impfstoffen für Hunde. Quantum war zudem vor allem in Großbritannien als Frühimpfstoff vermarktet worden, also als Impfstoff, der Welpen nach zweimaliger Impfung ab der sechsten und dann etwa ab der zehnten Woche gegen Staupe, Parvo und Hepatitis schützen sollte. Dass eine so früh abgeschlossene Impfung wirklich schützt, wurde von Veterinären bezweifelt. (In Großbritannien, wo Quantum noch am Markt ist, beträgt die angegebene Schutzdauer für SHP übrigens seltsamerweise nur ein Jahr.) 

Grund für den Rückzug vom Markt ist vermutlich der Konzentrationsprozess in der Tierpharmabranche. Intervet und der frühere Quantum-Hersteller Schering-Plough/Essex gehören seit einiger Zeit zum US-Pharmakonzern Merck & Co (nicht zu verwechseln mit der deutschen Merck KGaA) und firmieren in Europa als MSD Animal Health oder MSD Tiergesundheit.


Nachtrag: Quantum L steht inzwischen (Ende 2012) auch nicht mehr in der Liste der zugelassenen Hundeimpfstoffe.



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