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Freitag, 23. März 2012

Tollwut in Deutschland, drittes Quartal 2011

Laut Rabies Bulletin Europe wurden im dritten Vierteljahr 2011 in Deutschland

fünf Fälle von Fledermaustollwut

amtlich festgestellt (vier Fälle in Berlin, ein Fall in Münster).

Damit wurden vom ersten bis einschließlich dritten Quartal 2011 insgesamt acht Fälle von Fledermaustollwut registriert.

Deutschland hat weiterhin seinen Status tollwutfrei, weil Fledermaustollwut hierbei nicht zählt.


PS: Die amtlichen Zahlen werden immer mit einigem Zeitabstand veröffentlicht.

Samstag, 17. März 2012

Rudelimpfung auf dem Hundeplatz

Rudelimpfungen auf dem Hundeplatz sind fragwürdig, aber offenbar immer noch beliebt. Die Betreiber der Hundeplätze erhoffen sich davon wohl einen Werbeeffekt und neue Kundschaft, bei den beteiligten Tierärzten klingelt die Kasse. 

Ganz merkwürdig wird es, wenn zur Rudelimpfung nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen, Kaninchen "und andere Kleintiere" (das können eigentlich nur Frettchen sein) eingeladen wird.

Die meisten Katzen mögen es nicht gerade, in den Kennel gesteckt und zum Tierarzt transportiert zu werden. Wie mag es Katzen ergehen, die zwecks Impfung auf einen Hundeplatz geschleppt werden? Zumindest für Katzen, die Hundekontakt nicht gewöhnt sind, dürfte das eine hochgradig stressige Affaire werden. Das sollte man seiner Katze ersparen und statt dessen zum Haustierarzt gehen.

Vor allem aber sollte man sich überlegen, ob eine Impfung überhaupt notwendig ist.

Es ist nicht anzunehmen, dass Tierärzte, die Rudelimpfungen zum Festpreis

- in unserem konkreten Fall 35 Euro für Hunde, 25 bis 35 Euro für Katzen, 15 Euro für Kaninchen -

anbieten, die Empfehlungen ihrer eigenen Fachorganisationen befolgen. Die besagen, dass Katzen und Hunde NICHT jedes Jahr eine Komplettimpfung erhalten sollen. Es ist vielmehr anzunehmen, dass wir es bei den Rudelimpfern mit Vertretern der alten Schule zu tun haben: immer rein mit der Kombi-Impfung, und das natürlich jedes Jahr.

Samstag, 10. März 2012

Dispensierrecht für Tierärzte - Abschaffung sinnvoll?

Dispensierrecht heißt: Tierärzte dürfen Arzneimittel selbst einkaufen und an Tierhalter abgeben. Damit sind sie rechtlich anders gestellt als Humanärzte, die Medikamente nur in Ausnahmen direkt abgeben dürfen; die Patienten holen sich ihr Medikament mit Rezept in der Apotheke. 

Die Aufschläge auf den Einkaufspreis, die Tierärzte erheben dürfen, sind per Gesetz geregelt (bestimmte Prozentsätze je nach Höhe des Einkaufspreises). Tierhalter können natürlich nicht kontrollieren, ob das immer korrekt geschieht. Bei Antiparasitika (zB Spot-on-Flohmittel) ist es nicht ungewöhnlich, dass man sie in der Apotheke günstiger bekommt als beim Tierarzt. Die meisten Veterinärarzneimittel sind aber ohnehin im Apothekenhandel gar nicht erhältlich, sie werden nur über besondere Vertriebskanäle an Veterinäre verkauft.

Antibiotika werden in großem Stil in der Massentierhaltung eingesetzt, was die Bildung von Resistenzen bei den Krankheitskeimen fördert. Das hat zur Folge, dass viele Antibiotika, die auch in der Humanmedizin verwendet werden, nicht mehr wirksam sind. Anfang dieses Jahres ist das wieder einmal bestätigt worden durch Untersuchungen des BUND. Wie kommt die Massentierhaltungsbranche an die vielen Antibiotika? Durch Tierärzte, die ihnen das Zeug in Großgebinden verkaufen und damit einen guten Schnitt machen. Kleintierpraxen dürften an solchen Geschäften kaum je beteiligt sein.

Der BUND und andere Organisationen fordern nun, das Dispensierrecht für Tierärzte generell aufzuheben, auch die Bundeslandwirtschaftsministerin hat entsprechende Ankündigungen gemacht. Die Tierarztverbände wehren sich vehement dagegen, schließlich trägt der Arzneimittelverkauf zu Umsatz und Ertrag der Praxen bei. 

Wird es zur Abschaffung des Dispensierrechts der Tierärzte kommen? Und wäre das sinnvoll?

1. Zur Abschaffung des Dispensierrechts der Tierärzte wird es vermutlich NICHT kommen. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner hat - wie auch ihre Vorgänger - noch nie etwas unternommen, das der industriellen Landwirtschaft und der Massentierhaltung wirklich Schranken gesetzt hätte. Ob es ums Tierwohl geht, um Umweltschäden oder um Usancen, die die Gesundheit der Bevölkerung gefährden, beispielsweise die maßlose Anwendung von Antibiotika. Wie immer dürfte es sich um bloße PR- und Pseudo-Aktivität handeln, die eingestellt wird, sobald die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt. Wenn Ankündigungsministerin Aigner irgendetwas herumposaunt, kann man die Ohren getrost auf Durchzug stellen - es wird garantiert nichts geschehen, was die Geschäfte der Großagrarier, der Lebensmittelkonzerne etc. pp. stören könnte.

2. Die Kontrolle der Antibiotika-Verwendung in der Massentierhaltung könnte auch mit anderen Mitteln bewerkstelligt werden, etwa durch engmaschige Überprüfung, vom Produzenten oder Importeur der Antibiotika über den Pharmagroßhandel bis zum Endabnehmer, also dem Veterinär. Auf jeder Stufe müsste Rechenschaft darüber abgelegt werden, wohin die AB-Mengen gegangen sind. Und das müsste überwacht werden - nicht durch Aktenstudium, sondern durch unangekündigte Besuche der Kontrolleure.

3. Die Abschaffung des Dispensierrechts der Tierärzte hätte Vorteile für Kleintierhalter, freilich keine wirtschaftlichen. Aber darum sollte es primär auch nicht gehen. Es ist leider die Regel, dass Tierhalter, deren Tiere ein Medikament oder eine Impfung erhalten, Beipackzettel nicht zu sehen bekommen. Das würde sich ändern, wenn die Tierhalter die Arzneimittel mit Rezept in der Apotheke erwerben würden. Zudem könnte sich bei den Tierärzten der wirtschaftliche Anreiz zu unnötig häufigen Impfungen verringern, wenn sie an den Impfstoffen selbst nichts mehr verdienen.

4. Unterm Strich aber hätten Tierhalter keine entscheidenden Vorteile durch die Abschaffung des Dispensierrechts. Informationen über die angewendeten Mittel (Beipackzettel u. ä.) sollte man direkt von den Tierärzten verlangen. (Gute Tierärzte tun das von sich aus.) Stellen Tierärzte sich quer, sollte man sich überlegen, warum - Selbstherrlichkeit, Bequemlichkeit? - und ggf. Konsequenzen ziehen. Außerdem gibt es ja das Internet.

Alles in allem sollten Tierärzte das Dispensierrecht behalten. Aber es ist unseres Erachtens sowieso nicht ernsthaft in Gefahr. Käme es anders, wäre das erstaunlich. Im Bundeslandwirtschaftsministerium haben Profitinteressen immer Vorrang vor Verbraucherschutz und Tierschutz.

PS: Hier noch ein Link zu einem Bericht, der das Elend der deutschen Massentierhaltung und den entsetzlichen Umgang mit den lebenden, fühlenden Geschöpfen beschreibt. Alles legal, und wenn es nach Ministerin Aigner geht, werden wir noch viel mehr von diesen Betrieben und noch mehr "Tierproduktion" haben:  

http://www.zeit.de/2012/09/Fleisch-Maesten/komplettansicht

Montag, 5. März 2012

Es bewegt sich was in Minnesota

Im vergangenen Jahr wurde hier berichtet, wie Tierhalter im US-Bundesstaat Minnesota systematisch hinters Licht geführt werden. Tierärzte tragen bei der Tollwutimpfung gern nur ein oder zwei Jahre ein, obwohl die Tollwutimpfung für drei Jahre ohne weiteres möglich ist. US-Tollwutimpfstoffe mit einer Zulassung nur für zwei Jahre gibt es gar nicht.

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.com/2011/07/wie-tierhalter-systematisch-hinters.html

Das Minnesota Board of Veterinary Medicine, in etwa die Tierärztekammer des Bundesstaats, hat inzwischen gehandelt.

Zunächst wurde in einer Umfrage ermittelt, dass 89 Prozent der Veterinäre Dreijahresimpfstoffe verwenden (es gibt in den USA auch Einjahresimpfstoffe), dass aber davon 39 Prozent öfter als alle drei Jahre gegen Tollwut nachimpfen. Laut Board gibt es wenig Belege dafür, dass die Tierärzte das tun, weil sie sich bereichern oder die Tierhalter täuschen wollen. (Naja.)

In einem zweiten Schritt hat das Board nunmehr Empfehlungen veröffentlicht, wie Tierärzte bei der Tollwutimpfung verfahren sollen. Das beinhaltet u. a. folgende Grundsätze:

- Empfehlungen und Impfpläne sollen wissenschaftlich fundiert sein. Als Referenz dafür nennt das Board das "Compendium of Animal Rabies Prevention and Control". In dem Compendium, das jedes Jahr neu herausgegeben wird, heißt es u. a.: Es gibt keinen Beleg dafür, dass die jährliche oder zweijährliche Verabreichung von Dreijahresimpfstoffen einen Nutzen hat. Mit anderen Worten: Der Impfschutz wird durch unnötig häufige Verabreichung von Dreijahresimpfstoffen nicht erhöht.

- Die Tierärzte sollen die Tierhalter ordnungsgemäß aufklären, wenn sie häufiger impfen, als es der Beipackzettel des Impfstoffs vorschreibt. Zudem soll ggf. die Zustimmung des Tierhalters zu dieser vom Beipackzettel abweichenden (häufigeren) Verabreichung in der Dokumentation vermerkt werden.

- Die Tierärzte sollen das Datum und die Dauer des Impfschutzes gemäß Beipackzettel im Impfdokument vermerken.

Vor allem der dritte Punkt ist wichtig. Steht im Impfpass, dass der Impfschutz drei Jahre hält, werden Tierhalter vermutlich nicht so leicht dazu zu bewegen sein, häufiger gegen Tollwut impfen zu lassen.

In Deutschland kann man nur davon träumen, dass eine Tierärztekammer ihre Mitglieder zu korrekter Tollwutimpfung ermahnt. Tierhaltern, die sich bei einer Kammer über die vom Tierarzt eigenmächtig verkürzte Gültigkeitsdauer beschwert haben, wurde beschieden, das dürfe der Tierarzt allein entscheiden. Diese Auffassung ist unseres Erachtens rechtlich unhaltbar.

Wenn die Zulassungsbehörde Tollwutimpfstoffe für drei Jahre Schutzdauer zulässt und wenn laut Tollwutverordnung die Angaben des Herstellers maßgeblich sind (die auf der amtlichen Zulassung des Impfstoffes beruhen), dann können Tierärzte nicht eigenmächtig eine kürzere Gültigkeitsdauer bestimmen. Es ist auch ziemlich aberwitzig, wenn Tierärzte sich damit rechtfertigen, nicht jedes Tier erreiche den für den Schutz notwendigen Titer, und deshalb müssten sie die Tiere häufiger impfen, als es die Beipackzettel der Impfstoffe vorschreiben. Von Mindestimpftitern ist in der Tollwutverordnung an keiner Stelle die Rede. Eine Tollwutimpfung gilt laut Tollwutverordnung dann als gültig, wenn sie so vorgenommen wurde, wie es der Beipackzettel des Herstellers vorschreibt.

Mal abgesehen davon, dass Deutschland sowieso schon lange den Status tollwutfrei hat.