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Dienstag, 19. Juni 2012

Noch mal Tollwut: Mythen und Märchen

Es vergeht keine Woche ohne blühenden Unfug zum Thema Tollwut in irgendwelchen Foren oder Portalen.

In einem Portal, das sich u. a. der Lebensberatung und Esoterik widmet, wird geraunt, dass die Krankheit auch durch Vögel wieder nach Deutschland eingeschleppt werden könne. Aha, Vögel als Tollwutüberträger. Da fragt man sich, warum die Behörden überhaupt keine (krank oder verendet aufgefundenen) Vögel auf Tollwut untersuchen (während sie nach wie vor jedes Jahr viele tausend Säugetiere untersuchen). Antwort: weil es nicht nötig ist. Vögel sind keine Tollwutüberträger.

Dieser Experte aber weiß sogar, wie sich Tollwut bei Vögeln äußert, nämlich "durch lautes Piepsen". 

Seit wir das gelesen haben, sehen wir die Meisen, Spatzen und Amseln hinterm Haus mit anderen Augen. Heute früh haben sie besonders laut gepiepst. Uns ist schon ganz flau.

Weiter heißt es in dem Portal-Artikel, viele Länder setzten nicht auf Tollwutfreiheit, sondern nur auf Eindämmung. Nun, soweit es sich um europäische Länder handelt, so setzen sie sehr wohl auf Tollwutfreiheit und geben, solange es nötig ist, für die Köderimpfung der Wildtiere viel Geld aus. Zudem sind fast alle Nachbarländer Deutschlands tollwutfrei: Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Tschechien, Österreich. Die einzige Ausnahme ist Polen, und da wird emsig ködergeimpft.

Zur Impfung von Katzen und Hunden gegen Tollwut verrät uns der Artikel übrigens, es werde ein "sehr schwacher Erreger" verwendet. Sehr schwach? Das Impfvirus ist noch schwächer als sehr schwach, es ist tot, dh nicht mehr vermehrungsfähig, weil es im Herstellungsprozess abgetötet wird.

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In einem Forum für Kleinhundehalter hat vor wenigen Tagen eine Person im Brustton der Überzeugung verkündet:

"Wildtiere laufen hier in Deutschland noch genug mit Tollwut rum."

Ach so? Das sollte man aber sofort den Gesundheits- und Veterinärbehörden melden. Denn die wissen davon nichts.

Weiter im Text: "Vor zwei bis drei Jahren wurden welche in Rheinland-Pfalz gesichtet."

Wie? Tollwutdiagnosen aus der Ferne, durch "Sichtung"?

"Und letztes Jahr waren ein Wildschwein und ein Fuchs im Bergischen Land mit Tollwut, die gejagt und getötet wurden."

Der letzte Fall von Wildtiertollwut in ganz Deutschland war im Februar 2006 (ein Fuchs in Rheinland-Pfalz). Seit Oktober 2008 hat Deutschland den Status tollwutfrei. Die Fledermäuse zählen dabei nicht.

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Zuverlässige Info über aktuelle Tollwutrisiken in Deutschland steht auf der Website des Robert-Koch-Instituts:

www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2011/Ausgaben/08_11.pdf?__blob=publicationFile

Darin wird auf zwei reale Risiken hingewiesen: 

- tollwutinfizierte Fledermäuse - deshalb niemals Fledermäuse anfassen!

- illegal aus Tollwutländern eingeführte Haustiere

Ein Beispiel für die tödlichen Folgen illegaler Tierimporte findet sich hier:
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/02/hundetollwut-in-den-niederlanden.html

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