Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, 27. September 2012

Welt-Tollwut-Tag 28. September

Am 28. September wird der Welt-Tollwut-Tag begangen, der 2006 von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten initiiert wurde. Nach Angaben der Global Alliance for Rabies Control sterben jährlich etwa 55.000 Menschen an Tollwut, überwiegend in Asien und Afrika. Besonders gefährdet sind Kinder, weil sie am ehesten von tollwutinfizierten Hunden gebissen werden, oft auch in obere Körperregionen, von wo das Virus schneller ins Hirn gelangt. 

Deutschland ist seit 2006 frei von terrestrischer Tollwut (dh von Tollwut bei am Boden lebenden Tieren) und hat seit Herbst 2008 den Status tollwutfrei. Wie in anderen tollwutfreien Ländern gibt es allerdings Fledermaustollwut. Daher ist beim Umgang mit Fledermäusen höchste Vorsicht geboten.

Ein Spillover des Fledermaustollwutvirus wurde in Deutschland unseres Wissens bisher nur einmal festgestellt, und zwar bei einem Steinmarder. Fledermaustollwut ist auf Katzen übertragbar, sie können sich damit infizieren und daran erkranken. Deshalb sollten Katzen, die mit Fledermäusen in Berührung kommen können, gegen Tollwut geimpft sein, wegen der Impfsarkom-Vorbeugung vorzugsweise mit dem adjuvansfreien Impfstoff Purevax Rabies (drei Jahre Gültigkeit nach der zweiten Impfung). Für jährliche Tollwutimpfungen, wie sie immer noch von vielen Tierärzten (laut Umfrage eines Herstellers ein Drittel der TÄ) praktiziert werden, gibt es absolut keinen Grund. Hundehalter sollten das - wenn auch sehr seltene - Restrisiko durch (illegal) importierte tollwutinfizierte Hunde bedenken. 

Donnerstag, 20. September 2012

Tollwut in Deutschland, 1. Quartal 2012

Laut Rabies Bulletin Europe wurden im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt

null Fälle

von Tollwut festgestellt.

Wahrscheinlich hat es im Frühling und Sommer wieder einige Fälle von Fledermaustollwut gegeben, die Zahlen für das zweite und dritte Quartal werden jedoch erst in etwa drei, resp. sechs Monaten vorliegen. 

Gesamtzahlen für 2011 siehe
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/06/tollwut-gesamtzahlen-2011.html

Montag, 17. September 2012

Tierheilpraktiker, Tierärzte und Pfusch

So, die Freibadsaison ist zu Ende, jetzt ist wieder Zeit für Liegengebliebenes.

Anfang August brachte Stern TV einen Tierheilpraktiker-Test, bei dem fünf von sechs getesteten THP kläglich versagten. Sie sollten Tiere mit Leiden unterschiedlichen Schweregrads diagnostizieren und behandeln. Davon war eines, eine Spinne, sogar tot und ausgestopft, was aber die getestete THP nicht bemerkte. Nur einer der THP bestand den Test. Er untersuchte gründlich, erkannte alle Leiden und empfahl, den Hund zwecks Röntgen etc. zum Tierarzt zu bringen. Fazit des Berichts: Gute Tierheilpraktiker seien selten.

Ein weitreichendes Urteil aus einer doch recht kleinen Stichprobe. Aber man kann den Spieß auch umdrehen und fragen, wie es denn mit der Qualität der tierärztlichen Diagnostik steht.

Dazu müssen wir leider auf die "Bildzeitung" zurückgreifen. Sie veröffentlichte 2011 einen ähnlichen Test: Ein völlig gesunder Hund wurde in fünf Tierarztpraxen vorgestellt mit der Bitte, die Ohren anzusehen, er kratze sich da immer. Nur eine Tierärztin von fünf Test-Veterinären diagnostizierte zutreffend, dass nichts entzündet war, sie reinigte ein Ohr (das andere blieb wegen der weiteren Testbesuche ungereinigt) und berechnete dafür bescheidene 11,58 Euro. Ein TA wollte den Hund in Narkose legen (!), um die Ohren untersuchen zu können, andere verschrieben ein Antibiotikum oder Tropfen gegen Pilzinfektionen, eine homöopathisch-naturheilkundliche TÄ begnügte sich mit einer Ohrmassage. Fazit: Auch nicht gerade doll - vier von fünf TÄ erkannten nicht, dass keine Ohrinfektion vorlag. Müssen wir nun davon ausgehen, dass gute Tierärzte selten sind?

Dienstag, 4. September 2012

OT: Katzen, Weizen, Erbsen und Karotten

Hunde und Katzen benötigen, sagte ein bundesweit bekannter Tierarzt in einem Interview, ebenso wie Menschen außer Kohlenhydraten und Gemüse auch Eiweiß. 

Das "auch" ist lustig. Gar nicht lustig ist aber die Behauptung, dass Katzen Kohlenhydrate und Gemüse benötigen.

Es mag Katzen geben, die gern mal ein Stück Gurke verputzen. Aber noch niemand hat wildlebende Katzen (= verwilderte Hauskatzen, die sich ihr Essen selbst jagen) auf der Pirsch nach Mais, Weizen, Soja, Erbsen und Karotten beobachtet.

Ihre Nahrung setzt sich zusammen wie folgt:

52 Prozent Eiweiß
46 Prozent Fett
2 Prozent Kohlenhydrate (Zucker, Stärke und kleine Mengen anderer Nährstoffe)

Und das alles aus Beutetieren sowie völlig ungekocht.

Plantinga et al.: Estimation of the dietary nutrient profile of free-roaming cats: Possible implications for nutrition of domestic cats. British Journal of Nutrition, 2011 (Übersichtsstudie auf Basis von 27 Einzelstudien zur Ernährung wildlebender Katzen in verschiedenen Ökosystemen mit entsprechend unterschiedlichem Vorkommen an Beutetieren: Nager, Vögel etc.)

Sogar Veterinäre, die für Tierfutterhersteller arbeiten, wissen, dass Katzen Karnivoren sind. In einer (Waltham-) Studie von 2011 heißt es: "Als obligater Karnivore weist die Katze bestimmte Anpassungen des Stoffwechsels auf, die zur Folge haben, dass ihr Nährstoffbedarf nur durch Nahrung aus tierlichen Quellen gedeckt werden kann."

Hewson-Hughes et al.: Geometric analysis of macronutrient selection in the adult domestic cat; Journal of Experimental Biology, 2011; Übers. und Hervorh. MP. In der Studie wurde, o Wunder, herausgefunden, dass Katzen, wenn sie die Wahl haben, den Verzehr von Kohlenhydraten sehr gering halten. Sie bevorzugen Eiweiß und Fett.

Tja.

S. a.: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=gesch%C3%A4ftsmodell