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Donnerstag, 25. Oktober 2012

Was ganz und gar anderes

Und zwar ein interessanter Vortrag über das Farbensehen der Säuger.

Noch immer steht in (Fach-) Büchern zu lesen, dass etwa Katzen oder Hunde farbenblind seien. Zum Beispiel in dem wunderbaren Buch "Second Nature" von Jonathan Balcombe (der auch das noch schönere Buch "Pleasurable Kingdom" geschrieben hat):
"Dogs, for example, see mainly in black and white" (S. 18, Macmillan-Paperback von 2010) - das ist aber falsch.

http://elearning.med.uni-frankfurt.de/IZN/peichl/ICNF_Saeugetiere_Farbensehen.html

Adjuvansfreie Impfstoffe für Hunde

Weil so oft danach gefragt wird, ob es adjuvansfreie Impfstoffe für Hunde gibt:

Ja. Tatsache ist, dass sogar die wirklich wichtigen Impfstoffe für Hunde ("core vaccines") adjuvansfrei sind, mit Ausnahme der Tollwutimpfstoffe.

1. Die Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Parainfluenza (= Viruszwingerhusten) sind Lebendimpfstoffe und enthalten daher keine Wirkverstärker (Adjuvantien).

2. Sämtliche Tollwutimpfstoffe für Hunde sind Totimpfstoffe und enthalten Adjuvantien. Der einzige adjuvansfreie Haustier-Tollwutimpfstoff ist nur für Katzen zugelassen.

3. Lepto-Impfstoffe sind zwar Totimpfstoffe, enthalten aber keine Adjuvantien. Sie sind aus ganzen Bakterien hergestellt, somit sind in den Impfstoffen Bakterienbestandteile enthalten, die sehr reaktogen sind, dh das Immunsystem stark (u. U. auch zu stark) stimulieren.
Nachtrag: Unter den neueren Mehrfach-Leptoimpfstoffen gibt es auch solche, die ein Adjuvans enthalten. 

4. Der Herpesimpfstoff für Zuchthündinnen enthält ein Adjuvans.

5. Einzel-, bzw. Zweifachimpfstoffe gegen Zwingerhusten (Bordetella oder Bordetalla plus Parainfluenza) sind adjuvansfrei.

6. Von derzeit den zwei für Hunde zugelassenen Pilzimpfstoffen enthält unseres Wissens einer ein Adjuvans.

7. Tetanusimpfstoffe enthalten Adjuvantien.

8. Die Impfstoffe gegen Borreliose, Babesiose und Leishmaniose enthalten Adjuvantien.

***

Unseres Erachtens sind Adjuvantien bei Hunden nicht so problematisch wie bei Katzen. Katzen sind sehr viel anfälliger für bösartige Tumoren an der Impfstelle als Hunde. Hundehalter/innen sollten also nicht in Panik verfallen, wenn sie bei ihrem Tier einen Knoten an der Impfstelle entdecken. In den allermeisten Fällen verschwindet er von selbst wieder. Die beste Vorsorge gegen Impfnebenwirkungen ist, nur so oft zu impfen wie wirklich nötig und nur mit Impfstoffen von erwiesenem Nutzen. Hunde kleiner Rassen haben ein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Blog zum Thema Futterdreck

Durch falsche Ernährung werden wahrscheinlich mehr Katzen geschädigt als durch übermäßiges Impfen, und zwar durch Ernährung mit Trockenfutter.

Vielen Katzenhaltern/innen dürfte überhaupt nicht klar sein, dass sie ihre Tiere mit Trofu krankfüttern; vielleicht werden nicht alle davon krank, aber doch sehr, sehr viele.

"Die Katze isst es doch so gern!" Oder: "Es geht ihr doch prima damit!" Sicher geht es den Katzen mit Trofu gut. Aber halt nur so lange, bis sie krank werden.

Manche Katzenhalter/innen bekommen frühzeitig einen Schuss vor den Bug, nämlich dann, wenn ihr Tier an Harnwegsproblemen leidet, was oftmals schon in jungen Jahren passiert. Wenn das Tier Glück hat, bekommt es fortan nur noch Feuchtfutter, wenn es ganz viel Glück hat, wird es auf Frischfütterung umgestellt.

Allerdings gibt es noch genügend Leute, die glauben, dass man trofubedingte Krankheiten ausgerechnet mit Spezial-Trockenfutter beheben kann: Trofu "für gesunde Harnwege", für diabetische Katzen, für Katzen mit Niereninsuffizienz. Traurig für die Tiere, profitabel für die Hersteller und die Dealer.

Bewundernswert ist das Engagement der US-Tierärztin Dr. Lisa Pierson, die auf ihrer extrem informativen Website http://catinfo.org - der unseres Erachtens besten Katzen-Website der Welt - vor Trofu-Fütterung warnt und die Folgen vorführt, auch mit drastischen Fotos. (Wer kein Englisch kann, kann sich die Fotos ansehen: im Menü rechts auf Obesity oder auf Urinary Tract Diseases klicken und etwa zur Mitte der Seiten scrollen.)

Pierson nimmt kein Blatt vor den Mund. Was sie von Trofu hält, wird u. a. aus dieser Bemerkung deutlich: 

This webpage could be aptly named Honey, we're killing our pets.

("Diese Webseite hätte auch 'Schatz, wir bringen unsere Tiere um' heißen können.")


Und hier unser neues Trofu-Blog:

Montag, 22. Oktober 2012

Anmerkung zu Versifel FeLV

Auf einer Katzen-Website heißt es in einer Aufzählung von Impfstoffen zum FeLV-("Leukose")-Produkt Versifel FeLV in offenbar lobender Absicht, dass es kein Aluminiumhydroxid enthalte. Das stimmt zwar, aber man sollte doch erwähnen, dass der Impfstoff andere, richtig harte Adjuvantien enthält, die unseres Wissens für Humanimpfstoffe nicht zugelassen sind. Siehe:

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=versifel+felv

Abgesehen davon ist der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen nicht belegt. Siehe auch:

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/10/neun-wahrheiten-uber-beipackzettel.html

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Impfsarkom: Das Ding beim Namen nennen

Impfsarkome sind bösartige Tumore des Bindegewebes, die durch Impfungen entstehen und meist zum Tode führen. Betroffen sind vor allem Katzen, aber auch bei Frettchen, Hunden, Kaninchen und Pferden hat man diese Tumore gefunden. 

Der Begriff Impfsarkom ist in der Pharmaindustrie und bei ihren Mietmäulern* äußerst unbeliebt. Schon früh, nämlich zu Zeiten der amerikanischen Vaccine-associated Feline Sarcoma Task Force, wollte man die Sarkome umbenennen. Das Wort vaccine (Impfstoff) sollte raus. In der Task Force scheiterte dies am Widerstand von Wissenschaftlern. Einer von ihnen, der Kleintieronkologe Wally Morrison, gab damals zu Protokoll: Wenn es nach ihm ginge, müsste der Tumor "vaccine-caused sarcoma" heißen, also "impfbedingt" statt des schwammigen "impf-assoziiert".

Seit einiger Zeit bemühen sich die am Impfgeschäft beteiligten Kreise massiv, den Begriff Impfsarkom durch "Injektionsstellensarkom" zu ersetzen. Damit soll die (Über-) Impferei aus dem Schussfeld bugsiert werden.

Das "Deutsche Tierärzteblatt" hat kürzlich ein Paradebeispiel für diese PR-Gegenoffensive veröffentlicht: "Das feline Injektionsstellen-assoziierte Sarkom". Geschmückt ist diese Arbeit mit einer großen Tabelle, in der Fälle gelistet sind, bei denen Arzneimittel als Ursache von Sarkomen genannt werden: Langzeit-Antibiotika, Dexamethason und andere.

Wir haben schon länger den Eindruck, dass Fälle von Sarkomen an Stellen, wo zuvor ein Arzneimittel gespritzt oder ein Chip implantiert wurde, außerordentliche Aufmerksamkeit genießen. Wahrscheinlich bleibt kaum einer davon unpubliziert. 

Würden mit der gleichen Hingabe Fälle von Impfsarkomen - also Sarkomfälle, bei denen man es nicht auf was anderes schieben kann - veröffentlicht, wären die Fachzeitschriften voll davon. Aber das geschieht natürlich nicht.

Um so erfreulicher eine neue Veröffentlichung kanadischer Veterinärpathologen, in der die Beweislage wieder zu ihrem Recht kommt. 

Wir haben ein Freudentänzchen hingelegt, so gut, so deutlich sind die Aussagen in diesem Paper. Schön, wie darin das Ding beim Namen genannt wird: "postvaccinal sarcoma" (postvakzinales Sarkom, also Sarkom nach Impfung).

Klipp und klar steht in dem Paper zu lesen: 

"Die einzige nachgewiesene Ursache für Injektionsstellensarkome ist die vorhergehende Verabreichung eines adjuvanshaltigen Impfstoffs."

"Behauptungen, wonach andere Agentien wie Lufenuron oder Mikrochips beteiligt sind, sind unbegründet, weil eine vorherige Impfung an derselben Stelle nicht ausgeschlossen werden konnte."
(Übers. und Hervorh. MP)

Wenn man nicht zweifelsfrei ausschließen kann, dass an der Sarkomstelle früher mal geimpft wurde, kann man eben nicht hingehen und behaupten, Langzeit-Antibiotika etc. pp. hätten die Tumorbildung ausgelöst.


***


Thema der kanadischen Arbeit ist übrigens ein Vergleich der Fallzahlen von Impfsarkomen von 1992 bis 2010. Ein Rückgang wurde nicht festgestellt.

Das ist unseres Erachtens nicht überraschend. Denn die Empfehlungen zur Impfsarkom-Verhütung werden nach den uns bekannten Untersuchungen (Umfragen usw.) von den Kleintierärzten auf breiter Front ignoriert.

Es wird nach wie vor zu oft geimpft, und es werden weiterhin adjuvanshaltige Impfstoffe verwendet, obwohl es für jede Impfung inzwischen ein adjuvansfreies Produkt gibt (bei uns, in Kanada und in den USA). Und selbstverständlich wird weiterhin zwischen den Schultern geimpft, obwohl man da am allerschlechtesten operieren kann.


***


In diesem Zusammenhang sei auch eine Veröffentlichung erwähnt, worin der Hersteller Virbac seinen FeLV-Impfstoff zu verteidigen versucht. Dabei stützt man sich auf europäische Pharmakovigilanz-Daten, also auf die Meldungen über Impfsarkome. Das ist lachhaft, weil Sarkome nachweislich nur zu einem winzigen Bruchteil als Impfnebenwirkung gemeldet und damit aktenkundig werden. Der Virbac-Impfstoff (der zwei starke Adjuvantien enthält) verursacht laut einer Vergleichsstudie** die dauerhaftesten Entzündungen an der Impfstelle, bei adjuvansfreien Impfstoffen ist die Entzündung weniger stark und klingt schneller ab. Entzündungen an der Impfstelle können zur Sarkombildung fortschreiten. Wir würden Katzen grundsätzlich keine adjuvanshaltigen Impfstoffe verabreichen lassen -  es gibt doch für alles adjuvansfreie Alternativen.



(*) Mietmäuler sind (Hochschul-) Mediziner, die gegen sattes Honorar auf industriefinanzierten "Fortbildungen" oder in Zeitschriften erzählen, was ihren Sponsoren gefällt. Ein in der Medizin verbreitetes Übel.
(**) Michael Day et al. 2007

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wie verbindlich sind Beipackzettel?

In einer Zuschrift zum Beitrag über Beipackzettel wird gefragt, ob sich Tierärzte denn gar nicht an die Mindestschutzdauer gemäß Impfstoff-Beipackzettel halten müssten.

Antwort: Eigentlich schon. Wenn sie vom Beipackzettel abweichen - ob nach unten oder nach oben -, müssten sie das dem Tierhalter VORHER sagen, ihn also aufklären, und zwar wegen erhöhter Anforderung an die Sorgfalts- und Aufklärungspflicht bei Eingriffen, die nicht der Behandlung einer akuten Erkrankung, sondern der Vorbeugung dienen.

Im wahren Leben spielt das keine Rolle, aufgeklärt wird so gut wie nie.

Deshalb vor Gericht zu ziehen (etwa wenn ein Tier durch übermäßiges Impfen erkrankt ist oder weil man den Dreijahreseintrag für Tollwut will) ist aber nicht ratsam.

Von den Tierärztekammern - immerhin öffentlich-rechtliche Körperschaften - ist hier auch nichts zu erwarten. Mindestens eine Kammer vertrat sogar die Ansicht, der Tierarzt könne impfen, wie er wolle.

Man stelle sich solche Zustände in der Humanmedizin vor.*



(*) Da liegt auch vieles im argen (siehe zum Beispiel Ben Goldacres neues Buch "Bad Pharma"), aber nachimpfen nach Belieben des Arztes ist denn doch unbekannt. 

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Neun Wahrheiten über Beipackzettel

Immer noch glauben Tierhalter/innen, dass die Nachimpf-Angaben in den Beipackzetteln der Impfstoffhersteller irgendwie begründet seien und deshalb befolgt werden müssten.

Nein, müssen sie nicht. Die Nachimpf-Angaben kann man ruhig ignorieren, mit einer wichtigen Ausnahme: Tollwutimpfstoffe. Denn hier kommen die Tollwutverordnung und EU-Vorschriften ins Spiel. Ein Hund oder eine Katze gelten nur dann als unter wirksamem Schutz stehend, wenn sie gemäß Herstellerangaben geimpft oder nachgeimpft wurden. Entscheidend ist der Eintrag des Tierarztes im EU-Heimtierpass.

Die Nachimpf-Angaben bei Staupe, Parvo, Hepatitis oder Seuche, Schnupfen, FeLV aber kann man sich an die Backe streichen. Sie beruhen nicht auf Wissenschaft, sondern auf laxen Zulassungsvorschriften, die für die Pharmaunternehmen auf die Lizenz zum Gelddrucken hinauslaufen.

Sie brauchen nicht durch Studien zu belegen, wie lange ihre Impfstoffe maximal schützen. Gefordert wird nur der Nachweis derjenigen Schutzdauer, die der Hersteller gern hätte. Und das ist immer noch bei den allermeisten Impfstoffen das Minimum, also ein Jahr. Profitabel für die am Impfgeschäft beteiligten Kreise, schlecht für die Haustiere und die Geldbörse ihrer Menschen.

Beispiel FeLV-Impfstoffe ("Leukose"). In fast allen Beipackzetteln wird die (lebenslange) jährliche Nachimpfung verlangt. Ein neueres Produkt erlaubt Dreijahresabstände, ach herrje, wie großzügig (http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=versifel).

Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen ist wissenschaftlich nicht belegt.

Er lässt sich auch nicht belegen, weil man ausgewachsene Katzen - ob ungeimpft, jährlich geimpft oder dreijährlich geimpft - im Experiment so gut wie nie dauerhaft mit FeLV infizieren kann. Und das trotz der brachialen Methoden, die dabei angewendet werden (die geimpften Versuchstiere und die Versuchstiere der ungeimpften Kontrollgruppe bekommen die Challengeviren in den Bauch injiziert).

Die Studie über den relativ neuen Dreijahres-FeLV-Impfstoff ist sinnigerweise so betitelt (Übers. MP): "Schwierigkeiten beim Nachweis der Langzeitimmunität von FeLV-geimpften Katzen, bedingt durch die zunehmende altersabhängige Resistenz". Der Dreijahresschutz lässt sich nicht so belegen, wie es vorgeschrieben ist, weil sich die ungeimpften gleichaltrigen Versuchstiere nicht wie gewünscht infizieren lassen. Ihre natürliche Abwehr gegen FeLV ist dafür einfach zu gut.

Zusammengefasst:

1. Die Angaben in den Beipackzetteln zur Dauer des Impfschutzes (duration of immunity, DOI) geben nur die minimale Schutzdauer wieder.

2. Die Hersteller sind nicht verpflichtet, eine immunbiologisch plausible Schutzdauer zu untersuchen, daher tun sie es selbstverständlich auch nicht.

3. Was in Beipackzetteln zur DOI steht, ist willkürlich.

4. Es ist NICHT wissenschaftlich belegt, dass Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) nur ein Jahr lang schützen.

5. Es ist NICHT wissenschaftlich belegt, dass Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) nur drei Jahre lang schützen.

6. Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher Nachimpfungen gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) ist wissenschaftlich NICHT belegt.

7. Das gilt übrigens auch für Tollwutimpfstoffe. Es ist NICHT belegt, dass sie höchstens drei oder vier Jahre lang schützen. Die DOI wurde bisher nicht länger untersucht. In den USA laufen deshalb durch Spenden finanzierte Langzeitstudien.

8. Die Angaben zur DOI von Haustierimpfstoffen gehören endlich auf eine immunbiologisch saubere Grundlage gestellt. In der Humanmedizin macht man keine Langzeitstudien, bevor man Nachimpfabstände festlegt. Man begnügt sich mit begründeten Annahmen über die Schutzdauer und überprüft sie über die Jahre durch Titermessungen etc. Das hat bisher gut funktioniert.

9. Genauso oder jedenfalls ähnlich könnte man es bei den Impfstoffen gegen Staupe, Parvo, Hep, Seuche, Schnupfen machen. Aber das würde ja die Profite schmälern.


(*) Die Schutzwirkung von Schnupfenimpfstoffen ist notorisch schlecht, und uns ist kein wissenschaftlicher Beleg dafür bekannt, dass ihr Nutzen durch häufige Nachimpfung wächst. Die diesbezüglichen Meinungen mancher Veterinärprofessoren sind unerheblich, weil es sich eben nur um Meinungen handelt und weil diese Herrschaften mit Herstellern finanziell verbandelt sind. - FeLV-Impfstoffe sind in der Auflistung nicht erwähnt, weil ihr Nutzen für ausgewachsene Katzen sowieso nicht nachgewiesen ist, egal in welchen Abständen geimpft wird.


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/


Montag, 1. Oktober 2012

Blütenlese/Tollwut-Kenner unter sich

Allgemeine Ratgeber-Foren mögen nützlich sein, wenn es darum geht, wie man am besten die Flecken aus der Tischdecke rauskriegt. Für Fragen zum Thema Tollwutimpfung sind sie erfahrungsgemäß keine gute Adresse, da sollte man sich besser an Tierhalter-Foren wenden.

Die heutige Blütenlese: Tierhalterin fragt, ob ihre neue Katze gegen Tollwut geimpft werden muss. Wie so oft, antworten vor allem Leute, die sich mit dem Thema, äh, nicht so gut auskennen, aber sofort mit den bedrohlichsten Szenarien zur Stelle sind. 

Andere europäische Länder wie Italien, Spanien und Polen sind nicht tollwutfrei.

Oha, seit wann grenzen Spanien und Italien direkt an Deutschland? Was ist mit Frankreich und Österreich, gibt's diese - tollwutfreien - Länder nicht mehr? Spanien hatte unseres Wissens noch nie ein Wildtollwutproblem, daher brauchen wir keine Angst zu haben, dass sich tollwütige spanische Füchse auf den langen Weg nach Deutschland machen und Tollwut einschleppen. Die vom Osten kommende Fuchstollwut ist nur bis Frankreich gelangt (und dort durch Köderimpfung längst erfolgreich bekämpft worden). (Siehe Anmerkung unten.) Was Polen betrifft: Da tritt Tollwut nur noch in den östlichen Landesteilen auf und wird mit Köderimpfaktionen bekämpft, wie es die EU allen betroffenen Mitgliedsstaaten vorschreibt.

Weiter geht's in der Expertenrunde:

Es gibt hier in Baden-Württemberg z. B. immer wieder Tollwut-Warnungen. In anderen Bundesländern wird das sicher nicht anders sein.

Warnungen, die entweder lange zurückliegen oder frisch halluziniert wurden. Weder in Ba-Wü noch sonstwo in Deutschland gibt es Tollwut, daher gibt es auch nirgends Tollwut-Warnungen. Vereinzelt wird über Fledermaustollwut informiert, und das ziemlich unaufgeregt.

Eine weitere Fachperson wartet sogar mit einer amtlichen Quelle auf, nämlich mit Karten der Weltgesundheitsorganisation zur Verbreitung von Tollwut: 

Die Karten datieren von 2007 und 2008. Sie sind, hüstel, hüstel, überholt. Und zeigten auch damals kein bedrohliches Bild für deutsche Katzen.
Hier noch mal der Link zu korrekter (und nach wie vor aktueller) Information über Tollwutrisiken in Deutschland und anderswo, und zwar vom Robert-Koch-Institut:
PS: Sollten Katzen gegen Tollwut geimpft werden oder nicht? Antwort: Ja, die Impfung ist sinnvoll, wenn sie Kontakt mit Fledermäusen haben können, und sie ist Pflicht, wenn Katzen auf grenzüberschreitende Reisen mitgenommen werden. 


Anmerkung: In einer Zuschrift wurde Anstoß genommen an dem Satz

Die vom Osten kommende Fuchstollwut ist nur bis Frankreich gelangt

mit der Bemerkung: "Ich glaub', Frankreich und Spanien liegen westlich von Deutschland."

Ja, und? Da hat offensichtlich jemand etwas nicht verstanden.

Die Fuchstollwut hat sich von Osten kommend (Polen) nach Mittel- und Westeuropa ausgebreitet, und zwar seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihre maximale Ausbreitung nach Westen hatte die Fuchstollwut 1982, als sie den Osten Frankreichs erfasst hatte und südöstlich bis ins Val d‘Isère vorgedrungen war.

Nach Spanien ist die Fuchstollwut niemals gelangt. (Daher ist es Unfug zu behaupten, dass Spanien "nicht tollwutfrei" sei.) Auch Italien war von Fuchstollwut relativ wenig betroffen, nämlich nur in den nördlichen Landesteilen. 

(Der Vollständigkeit halber: Im ersten Quartal 2012 gab es einen Fall von Hundetollwut in Spanien - aber nicht auf der Iberischen Halbinsel, sondern in der nordafrikanischen Stadt Melilla, einer spanischen Exklave. In Nordafrika ist Hundetollwut nach wie vor ein großes Problem. Im Nordosten Italiens gab es in der jüngsten Vergangenheit Tollwutfälle durch Füchse, die über Slowenien aus Kroatien eingewandert waren, daher wurden in Nordostitalien und Slovenien große Köderimpfaktionen durchgeführt.)

Von der Fuchstollwut zu unterscheiden ist die urbane Tollwut = Hundetollwut. Sie trat jahrhundertelang praktisch überall in Europa auf, auch in Ländern, die später von der Ausbreitung der Fuchstollwut nicht betroffen waren, zB Spanien und England. Die urbane Tollwut wurde durch Kontrolle der (Streuner-) Hundepopulation und durch Impfung ausgerottet. Anders ist die Lage in Asien und Afrika, wo die Hundetollwut immer noch verbreitet ist.

Wir haben es also mit drei verschiedenen Tollwut-Zyklen (mit drei unterschiedlichen Hauptüberträgern) zu tun:

1. urbane Tollwut/Hundetollwut: in Europa ausgerottet
2. Fuchstollwut: in den davon betroffenen Ländern Mitteleuropas durch Köderimpfung eliminiert, in Teilen Ost- und Südosteuropas aber noch häufig
3. Fledermaustollwut

US-Richtlinien zu Hundeimpfungen/Nachtrag


Der Beitrag vom Dezember 2011 über die neue Version der US-Richtlinien zu Hundeimpfung ist überraschend populär, er ist derzeit der am häufigsten angeklickte in diesem Blog.

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2011/12/us-richtlinien-fur-hundeimpfung-neue.html

Dabei bietet die überarbeitete Version gar keine grundstürzend neuen Einsichten. Und sie enthält weiterhin die Empfehlung, Hunde alle drei Jahre gegen Staupe, Parvo, Hepatitis nachzuimpfen.

Genauso steht es auch in der "Leitlinie" der deutschen "Ständigen Impfkommission Vet"(*). Eine Leitlinie, die von der Mehrheit der deutschen Tierärzte sowieso ignoriert wird, sie impfen halt so gern jährlich.

All die Richtlinien- oder Leitlinien-Verfasser wissen, dass das Dreijahresschema keine wissenschaftliche Basis besitzt, es ist völlig willkürlich. Die dreijährliche Impferei mit Viruslebendimpfstoffen ist und bleibt ein oberfauler Kompromiss zwischen den Interessen der praktischen Tierärzte und Impfstoffhersteller einerseits und den immunologischen Fakten andererseits.

Die Tierärztin Lisa Pierson (catinfo.org) hat sich den Spaß gemacht, die Autoren der US-Richtlinien für Katzen zu befragen, ob sie selbst denn alle drei Jahre nachimpfen (im Fall von Katzen geht es um die Impfungen gegen Seuche und Schnupfen). Ergebnis:

Please note that even some (all?) of the experts who sat on the panel that came up with the AAFP suggestions, as well as one veterinarian who is head of the vaccine division of a major vaccine-producing company, do not vaccinate their own animals as frequently as their guidelines/suggestions/package labels state. (Source: personal communication) 

(Also: Einige - vielleicht sogar alle - der Experten der Katzenrichtlinien-Kommission sowie ein Tierarzt, der Chef der Impfsparte eines großen Pharmaherstellers ist, impfen ihre eigenen Tiere nicht so oft, wie ihre Richtlinien, Empfehlungen oder Beipackzettel vorsehen.)

Und das dürfte genauso für die Hundeimpfungen gelten.

Wir würden an die dreijährliche Nachimpferei vielleicht dann glauben, wenn die Verfasser der nationalen und internationalen Richtlinien (USA, Welttierarztverband oder deutsche "Ständige Impfkommission Vet") uns durch Vorlage ihrer Impfpässe beweisen, dass sie selbst ihren Impfschutz zB gegen Masern-Mumps-Röteln alle drei Jahre "auffrischen" lassen. Doch das werden wir nie erleben. 

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(*) An dieser Stelle sei es noch mal gesagt: Die deutsche "Leitlinie" (Hunde, Katzen usw.) fällt gegenüber ihren US-Vorbildern (von den Fachverbänden AAHA und AFP) peinlich ab. Bei aller Kritik am Dreijahresschema: Die US-Richtlinien sind im Vergleich zu dem deutschen Nachahmungsversuch gründlich und ausführlich. In den US-Hunderichtlinien findet sich auch diese schöne Aussage: 

Infectious core vaccines are not only highly effective, they also provide the longest DOI, extending from 5 yr up to the life of the dog.

(Die infektiösen Hauptimpfstoffe - also die Lebendimpfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis - sind nicht nur hochwirksam, sie bieten den dauerhaftesten Schutz, von fünf Jahren bis hin zur gesamten Lebensspanne des Hundes.)

Die Angabe "fünf Jahre" verwundert allerdings, denn es ist für keinen Impfstoff gegen Staupe, Parvo oder Hepatitis wissenschaftlich belegt, dass er nur fünf Jahre schützt.

Ein besonders auffälliger Unterschied zwischen USA und Deutschland ist, dass Impfnebenwirkungen in der deutschen "Leitlinie" überhaupt nicht erwähnt werden.