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Donnerstag, 11. Oktober 2012

Neun Wahrheiten über Beipackzettel

Immer noch glauben Tierhalter/innen, dass die Nachimpf-Angaben in den Beipackzetteln der Impfstoffhersteller irgendwie begründet seien und deshalb befolgt werden müssten.

Nein, müssen sie nicht. Die Nachimpf-Angaben kann man ruhig ignorieren, mit einer wichtigen Ausnahme: Tollwutimpfstoffe. Denn hier kommen die Tollwutverordnung und EU-Vorschriften ins Spiel. Ein Hund oder eine Katze gelten nur dann als unter wirksamem Schutz stehend, wenn sie gemäß Herstellerangaben geimpft oder nachgeimpft wurden. Entscheidend ist der Eintrag des Tierarztes im EU-Heimtierpass.

Die Nachimpf-Angaben bei Staupe, Parvo, Hepatitis oder Seuche, Schnupfen, FeLV aber kann man sich an die Backe streichen. Sie beruhen nicht auf Wissenschaft, sondern auf laxen Zulassungsvorschriften, die für die Pharmaunternehmen auf die Lizenz zum Gelddrucken hinauslaufen.

Sie brauchen nicht durch Studien zu belegen, wie lange ihre Impfstoffe maximal schützen. Gefordert wird nur der Nachweis derjenigen Schutzdauer, die der Hersteller gern hätte. Und das ist immer noch bei den allermeisten Impfstoffen das Minimum, also ein Jahr. Profitabel für die am Impfgeschäft beteiligten Kreise, schlecht für die Haustiere und die Geldbörse ihrer Menschen.

Beispiel FeLV-Impfstoffe ("Leukose"). In fast allen Beipackzetteln wird die (lebenslange) jährliche Nachimpfung verlangt. Ein neueres Produkt erlaubt Dreijahresabstände, ach herrje, wie großzügig (http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=versifel).

Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen ist wissenschaftlich nicht belegt.

Er lässt sich auch nicht belegen, weil man ausgewachsene Katzen - ob ungeimpft, jährlich geimpft oder dreijährlich geimpft - im Experiment so gut wie nie dauerhaft mit FeLV infizieren kann. Und das trotz der brachialen Methoden, die dabei angewendet werden (die geimpften Versuchstiere und die Versuchstiere der ungeimpften Kontrollgruppe bekommen die Challengeviren in den Bauch injiziert).

Die Studie über den relativ neuen Dreijahres-FeLV-Impfstoff ist sinnigerweise so betitelt (Übers. MP): "Schwierigkeiten beim Nachweis der Langzeitimmunität von FeLV-geimpften Katzen, bedingt durch die zunehmende altersabhängige Resistenz". Der Dreijahresschutz lässt sich nicht so belegen, wie es vorgeschrieben ist, weil sich die ungeimpften gleichaltrigen Versuchstiere nicht wie gewünscht infizieren lassen. Ihre natürliche Abwehr gegen FeLV ist dafür einfach zu gut.

Zusammengefasst:

1. Die Angaben in den Beipackzetteln zur Dauer des Impfschutzes (duration of immunity, DOI) geben nur die minimale Schutzdauer wieder.

2. Die Hersteller sind nicht verpflichtet, eine immunbiologisch plausible Schutzdauer zu untersuchen, daher tun sie es selbstverständlich auch nicht.

3. Was in Beipackzetteln zur DOI steht, ist willkürlich.

4. Es ist NICHT wissenschaftlich belegt, dass Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) nur ein Jahr lang schützen.

5. Es ist NICHT wissenschaftlich belegt, dass Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) nur drei Jahre lang schützen.

6. Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher Nachimpfungen gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Seuche oder Schnupfen(*) ist wissenschaftlich NICHT belegt.

7. Das gilt übrigens auch für Tollwutimpfstoffe. Es ist NICHT belegt, dass sie höchstens drei oder vier Jahre lang schützen. Die DOI wurde bisher nicht länger untersucht. In den USA laufen deshalb durch Spenden finanzierte Langzeitstudien.

8. Die Angaben zur DOI von Haustierimpfstoffen gehören endlich auf eine immunbiologisch saubere Grundlage gestellt. In der Humanmedizin macht man keine Langzeitstudien, bevor man Nachimpfabstände festlegt. Man begnügt sich mit begründeten Annahmen über die Schutzdauer und überprüft sie über die Jahre durch Titermessungen etc. Das hat bisher gut funktioniert.

9. Genauso oder jedenfalls ähnlich könnte man es bei den Impfstoffen gegen Staupe, Parvo, Hep, Seuche, Schnupfen machen. Aber das würde ja die Profite schmälern.


(*) Die Schutzwirkung von Schnupfenimpfstoffen ist notorisch schlecht, und uns ist kein wissenschaftlicher Beleg dafür bekannt, dass ihr Nutzen durch häufige Nachimpfung wächst. Die diesbezüglichen Meinungen mancher Veterinärprofessoren sind unerheblich, weil es sich eben nur um Meinungen handelt und weil diese Herrschaften mit Herstellern finanziell verbandelt sind. - FeLV-Impfstoffe sind in der Auflistung nicht erwähnt, weil ihr Nutzen für ausgewachsene Katzen sowieso nicht nachgewiesen ist, egal in welchen Abständen geimpft wird.


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/


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