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Montag, 1. Oktober 2012

US-Richtlinien zu Hundeimpfungen/Nachtrag


Der Beitrag vom Dezember 2011 über die neue Version der US-Richtlinien zu Hundeimpfung ist überraschend populär, er ist derzeit der am häufigsten angeklickte in diesem Blog.

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2011/12/us-richtlinien-fur-hundeimpfung-neue.html

Dabei bietet die überarbeitete Version gar keine grundstürzend neuen Einsichten. Und sie enthält weiterhin die Empfehlung, Hunde alle drei Jahre gegen Staupe, Parvo, Hepatitis nachzuimpfen.

Genauso steht es auch in der "Leitlinie" der deutschen "Ständigen Impfkommission Vet"(*). Eine Leitlinie, die von der Mehrheit der deutschen Tierärzte sowieso ignoriert wird, sie impfen halt so gern jährlich.

All die Richtlinien- oder Leitlinien-Verfasser wissen, dass das Dreijahresschema keine wissenschaftliche Basis besitzt, es ist völlig willkürlich. Die dreijährliche Impferei mit Viruslebendimpfstoffen ist und bleibt ein oberfauler Kompromiss zwischen den Interessen der praktischen Tierärzte und Impfstoffhersteller einerseits und den immunologischen Fakten andererseits.

Die Tierärztin Lisa Pierson (catinfo.org) hat sich den Spaß gemacht, die Autoren der US-Richtlinien für Katzen zu befragen, ob sie selbst denn alle drei Jahre nachimpfen (im Fall von Katzen geht es um die Impfungen gegen Seuche und Schnupfen). Ergebnis:

Please note that even some (all?) of the experts who sat on the panel that came up with the AAFP suggestions, as well as one veterinarian who is head of the vaccine division of a major vaccine-producing company, do not vaccinate their own animals as frequently as their guidelines/suggestions/package labels state. (Source: personal communication) 

(Also: Einige - vielleicht sogar alle - der Experten der Katzenrichtlinien-Kommission sowie ein Tierarzt, der Chef der Impfsparte eines großen Pharmaherstellers ist, impfen ihre eigenen Tiere nicht so oft, wie ihre Richtlinien, Empfehlungen oder Beipackzettel vorsehen.)

Und das dürfte genauso für die Hundeimpfungen gelten.

Wir würden an die dreijährliche Nachimpferei vielleicht dann glauben, wenn die Verfasser der nationalen und internationalen Richtlinien (USA, Welttierarztverband oder deutsche "Ständige Impfkommission Vet") uns durch Vorlage ihrer Impfpässe beweisen, dass sie selbst ihren Impfschutz zB gegen Masern-Mumps-Röteln alle drei Jahre "auffrischen" lassen. Doch das werden wir nie erleben. 

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(*) An dieser Stelle sei es noch mal gesagt: Die deutsche "Leitlinie" (Hunde, Katzen usw.) fällt gegenüber ihren US-Vorbildern (von den Fachverbänden AAHA und AFP) peinlich ab. Bei aller Kritik am Dreijahresschema: Die US-Richtlinien sind im Vergleich zu dem deutschen Nachahmungsversuch gründlich und ausführlich. In den US-Hunderichtlinien findet sich auch diese schöne Aussage: 

Infectious core vaccines are not only highly effective, they also provide the longest DOI, extending from 5 yr up to the life of the dog.

(Die infektiösen Hauptimpfstoffe - also die Lebendimpfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis - sind nicht nur hochwirksam, sie bieten den dauerhaftesten Schutz, von fünf Jahren bis hin zur gesamten Lebensspanne des Hundes.)

Die Angabe "fünf Jahre" verwundert allerdings, denn es ist für keinen Impfstoff gegen Staupe, Parvo oder Hepatitis wissenschaftlich belegt, dass er nur fünf Jahre schützt.

Ein besonders auffälliger Unterschied zwischen USA und Deutschland ist, dass Impfnebenwirkungen in der deutschen "Leitlinie" überhaupt nicht erwähnt werden.

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