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Donnerstag, 29. November 2012

Impfstoff-Marketing: 0,5 statt 1,0 ml

Der internationale Pharma-Konzern Boehringer Ingelheim hat in den USA vor einiger Zeit die Tierarzneisparte von Wyeth (Fort Dodge) übernommen (*) und verkauft seither in Nordamerika die Duramune-Hundeimpfstoffe.

Kürzlich wurde die neue Produktreihe Ultra Duramune lanciert, die als erster Impfstoff mit einem Volumen von nur 0,5 ml vermarktet wird (üblich sind 1,0 ml pro Impfdosis). Die Reihe umfasst einen Staupe-Hepatitis-Parvo-Impfstoff, einen Vierfach-Leptoimpfstoff und einen Corona-Impfstoff (inaktiviert).

Vermutlich zielt Boehringer Ingelheim Vetmedica damit auf besorgte Kleinhundehalter/innen. Hunde kleiner Rassen haben nachweislich ein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen, und viele Fußhupen-Freunde/innen glauben, dass es an der Menge des injizierten Impfstoffs liegt.

Laut dem Hersteller enthalten Ultra-Duramune-Impfstoffe durch ein besonderes Reinigungsverfahren weniger Protein und Zellrückstände. Es geht allerdings aus der Produktwerbung nicht hervor, ob das auch Protein-Reste aus der Herstellung der SHP-Komponenten betrifft oder nur den Lepto-Impfstoff.

Lepto-Impfstoffe sind "dirty vaccines", weil sie aus ganzen Bakterien hergestellt werden. Sie enthalten Zell-(wand)bestandteile der Bakterien, die starke und überschießende Immunreaktionen auslösen können. Je weniger Zellbestandteile, desto verträglicher der Impfstoff.

Die Produktreihe sei besser angepasst an die Impfrichtlinien der American Animal Hospital Association, meint BI Vetmedica. Das mag zwar stimmen, wenn Hundehalter/innen ihre Tiere gegen Lepto jährlich und gegen SHP weniger oft nachimpfen lassen, die Ultra-Duramune-Produkte gibt es separat. Aber für den Corona-Impfstoff stimmt es nicht. Coronaviren können bei Welpen Durchfälle verursachen, sie gelten als ziemlich harmlos. Einige Veterinäre meinen aber, die Corona-Impfung sei sinnvoll, weil Hunde, die gleichzeitig mit Corona und Parvo infiziert sind, besonders heftig erkranken könnten.

Die AAHA sieht das anders. In ihren aktuellen Impfrichtlinien schreibt sie zur Corona-Impfung: Es sei weder für Corona-Lebendimpfstoffe noch für Corona-Totimpfstoffe gezeigt worden, dass sie die Krankheitssymptome bei Doppelinfektion vermindern. Eine Schutzwirkung gegen die Erkrankung sei nur für Parvo-Impfstoffe belegt.

In Deutschland ist kein Corona-Impfstoff mehr am Markt, seit die Quantum-Produktreihe verschwunden ist.


***


Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn Impfstoffhersteller statt der großen Fix-Kombis (zB SHPPi, SHPPi/L, SHPPi/LT) kleinere Kombis und Einzelimpfstoffe anbieten.

In Deutschland scheint der Trend aber gerade andersherum zu laufen. In der letzten Zeit sind Kombis an den Markt gekommen, über die man nur den Kopf schütteln kann: eine Kombi SHPPi/LT, bei der der Tollwutimpfstoff nur für ein Jahr (!) zugelassen ist, oder eine Kombi Seuche-Schnupfen-Tollwut, bei der der Tollwutimpfstoff für vier Jahre zugelassen ist, gegen Seuche-Schnupfen aber laut Beipackzettel jährlich (!) nachgeimpft werden soll. Das heißt im wirklichen Leben, dass Katzen, die diesen Impfstoff erhalten, unnötigerweise jährlich gegen Tollwut geimpft werden (eine Impfung, die viele Katzen mangels Fledermauskontakt sowieso nicht brauchen).

Informierte Tierhalter/innen lassen ihren Hunden und Katzen so etwas natürlich nicht verabreichen.




(*) Pfizer musste die Fort-Dodge-Tierarzneisparte abgeben, um Wyeth schlucken zu können. Fort Dodge war früher eine Tochter von Wyeth. Auf anderen Märkten gehören die Duramune-Produkte Pfizer.

Montag, 26. November 2012

Impfsarkom und Impfstoff-Temperatur

Impfsarkome (= iatrogener, dh vom Arzt verursachter Krebs) sind für Tierärzte ein unangenehmes Thema. Man meidet es lieber.

Wenn man aber doch drüber reden muss, dann greift man gern die Märchen auf, die von Impfstoffherstellern und deren Pharmareferenten verbreitet werden. Zum Beispiel das Märchen, dass die Erwärmung des Impfstoffs (*) vor der Injektion das Sarkom-Risiko senke oder gar eliminiere.

Woher kommt diese Idee? Ihr Ursprung ist eine Studie des US-Veterinärs Philipp Kass von 2003, in der es um Risikofaktoren für Impfsarkome ging (adjuvanshaltige vs adjuvansfreie Impfstoffe; Stärke der Injektionsnadel; Massieren der Impfstelle nach der Injektion u. a. m.). 

Kass selbst hat zur Verbreitung des Temperatur-Märchens beigetragen. Auf einer Tierarzt-Website schrieb er: "Die Verabreichung von kaltem Impfstoff war mit einem höheren Risiko der Sarkomentstehung assoziiert als die Verabreichung von Impfstoff auf Raumtemperatur" (Übers. MP).

Sehen wir in die Studie rein. Das angebliche Ergebnis - also weniger Impfsarkom-Risiko, wenn der Impfstoff angewärmt wurde - beruht einzig und allein auf Auskünften der teilnehmenden Tierärzte.

Das ist sehr schwach und hat keinerlei wissenschaftliche Beweiskraft ("garbage in, garbage out").

Kass weiß das selbst. An anderer Stelle hat er nämlich mit direktem Bezug auf seine eigene Risikofaktoren-Studie geschrieben: 

"I don't consider this" - gemeint ist die Temperatur-Hypothese - "particularly compelling due to the expectation of a type I statistical error: when you test enough hypotheses, you expect to have a few to be significant by chance alone even if there is no true effect of the factor." (Hervorh. MP)

Kurz gesagt: Es ist ihm klar, dass das ein statistisches Zufallsergebnis gewesen sein kann.

Derartige Zufallsergebnisse sind für die Tonne, wenn man sie nicht überprüft.

Überprüft wurde die Temperatur-Hypothese unseres Wissens nie.

Unseres Erachtens ist sie auch längst widerlegt durch die Vergleichsstudie mit adjuvanshaltigen und adjuvansfreien Impfstoffen (2007). Adjuvanshaltige Impfstoffe verursachen eine dauerhafte und starke Entzündung im Gewebe, und daraus entsteht bei manchen Katzen schließlich ein Tumor. Nicht die Temperatur macht den Unterschied, sondern die Art des Impfstoffs. 


(*) Es ist eine Binse, dass man Mittel (Impfstoffe, Lokalanästhetika usw.) nicht kühlschrankkalt injizieren soll. Das steht i. d. R. im Beipackzettel. Je kälter, desto größer die Gewebsirritation und desto intensiver der Schmerz an der Injektionsstelle.

Mittwoch, 21. November 2012

Impf-Begnadigung für Haustiere

Intervet/MSD Animal Health rühmt sich gern, als erster Hersteller die Zulassung für eine "Dreijahres"-Staupe-Hepatitis-Parvo-Kombi erhalten zu haben.

Die Dreijahresprodukte dienen nur dem Zweck, vom schönen Impfgeschäft so viel wie möglich zu retten.

Eingeweihte wissen, dass dreijährliche Nachimpfungen gegen SHP (oder Katzenseuche usw.) ebenso unsinnig sind wie jährliche - sie sind immunologisch nicht begründet und nicht begründbar.

Genauso unwissenschaftlich ist die Marketing-Aktion "Vaccination Amnesty", die Intervet seit vielen Jahren in Großbritannien betreibt.


Amnesty = Amnestie = Begnadigung, Straferlass


Holla, was ist das denn?

Wieso müssen Haustiere - oder ihre Besitzer - impf-begnadigt werden?

Was haben sie verbrochen?

Und wie kommen sie in den Genuss der Begnadigung?

Die Sünde: Es gibt Tierhalter, die lassen ihre Katzen oder Hunde nicht so oft nachimpfen, wie Hersteller und Tierärzte es gern hätten.

Die Begnadigung: Tierhaltern wird die Sünde vergeben, wenn sie ihre Tiere ganz neu grundimmunisieren lassen. Und das zum Preis von einer Impfung! Zwei Impfdurchgänge zum Preis von einem!


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Selbstverständlich gibt es für diese erneute "Grundimmunisierung" beim vorgeimpften, ausgewachsenen Tier nicht den Schimmer einer immunologischen Notwendigkeit.

Der Nutzen einer erneuten "Grundimmunisierung" gegen SHP etc. oder Katzenseuche etc. ist nicht belegt und nicht belegbar.


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Allein die Wortwahl ist eine Unverschämtheit.



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Und jetzt alle schön beten:

Intervet unser,
der du bist im Profithimmel,
geheiligt werde dein Reichtum.
Und vergib uns unsere Impf-Schuld.




PS: Der Nutzen einer zweimaligen Nachimpfung/neuen Grundimmunisierung ist übrigens auch bei Impfstoffen mit kurzer Schutzdauer (zB Lepto) nicht wissenschaftlich belegt. Uns ist jedenfalls keine Studie bekannt, die beweist, dass Hunde zweimal gegen Lepto geimpft werden müssen, wenn ihre letzte Impfung länger als 12 Monate zurückliegt.

Samstag, 17. November 2012

Katzenimpfung: Im Wirrwarr der Empfehlungen

Ob sie von US-Veterinärverbänden, vom Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) oder von der deutschen "Ständigen Impfkommission Vet" stammen:

Alle Richtlinien, Guidelines oder Leitlinien zu Katzenimpfungen sind mit dem Makel behaftet, dass ihre Aussagen zu Impfabständen willkürlich sind.*)

Sie haben keine wissenschaftliche Basis.

Dreijährliche Nachimpfungen sind nur ein fauler Kompromiss.

Es gibt keinen Beweis dafür, dass Katzen von jährlichen oder dreijährlichen Impf-"Auffrischungen" profitieren.

Wissenschaftliche Belege wären ja wohl das Mindeste, was man von Richtlinien, Guidelines oder Leitlinien erwarten darf.

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Wie sind diese Richtlinien oder Leitlinien eigentlich zustande gekommen? Und wie kam es zu den Dreijahres-Impfabständen? 

Kurz gesagt so: Die jährliche Impferei geriet in den 90er Jahren schwer in Verruf, vor allem deshalb, weil immer mehr Katzen an Impfsarkomen erkrankten und starben.

Da sagten sich einige führende Hochschulveterinäre: Leute, wir können das mit der jährlichen Impferei nicht so lassen, wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir ändern das jetzt auf drei Jahre, wenigstens für ein paar Impfungen.

Warum nur auf drei Jahre? Weil die Experten davon ausgingen, dass man den praktischen Tierärzten - die ja zu einem guten Teil von der jährlichen Impferei leben - mit noch größeren Impfabständen gar nicht erst zu kommen bräuchte.  


Und so geschah es dann, dass die alte Lüge

- nämlich dass Katzen jährlich nachgeimpft werden müssen -

ersetzt wurde durch eine neue Lüge

- nämlich dass Katzen alle drei Jahre nachgeimpft werden müssen.


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Wir wären ja bei den Beratungen gern dabei gewesen.

Denn dann hätten wir eine Erklärung dafür, warum die diversen Empfehlungen (USA, Weltverband, Deutschland) so unterschiedlich sind, obwohl manche Experten an mehr als einer Richtlinie mitgewirkt haben (zB die Professoren Hartmann und Horzinek).

Wurden sie bei den Beratungen zu den internationalen Empfehlungen (Weltverband der Kleintierärzte) überstimmt? Oder haben sie daheim andere Meinungen als im Ausland?

Wir wissen es nicht. Wir stellen nur diese seltsamen Divergenzen fest.


Seuche-Schnupfen-Impfung:

US-Guidelines, WSAVA-Guidelines: Seuche-Schnupfen alle drei Jahre

Deutsche "Leitlinie": Seuche alle drei Jahre, Schnupfen jährlich oder alle zwei Jahre



FeLV-Impfung:

US-Guidelines: FeLV (Freigänger) jährlich

WSAVA: FeLV (Freigänger) alle drei Jahre

Deutsche Leitlinie: FeLV (Freigänger) jährlich ("bei alten Tieren individuell entscheiden")

Oder wurden die Empfehlungen zu den Impfabständen sowieso nur ausgewürfelt, und dann ging es halt mal so und mal anders aus?



*) Dasselbe gilt natürlich für die Empfehlungen zu Hundeimpfungen.

"Studienlage zu unsicher"?


Neulich haben wir doch sehr geschmunzelt, als wir in einem Forum auf dies hier gestoßen sind:

Diskutiert wird, wie oft Katzen gegen FeLV ("Leukose") nachgeimpft werden sollten. Eine Katzenhalterin weist darauf hin, dass der Weltverband der Kleintierärzte dreijährliche Wiederholungen empfehle, aber da sei ihr "die Studienlage zu unsicher".

Ach Gottchen.

Wenn die Gute wüsste, wie es generell mit der "Studienlage" bei Haustierimpfstoffen bestellt ist, würde sie Augen machen. Anscheinend glaubt(*) sie, dass jährliche Impfabstände irgendeine wissenschaftliche oder immunologische Basis hätten. 

Das ist mitnichten der Fall.

Die Nachimpf-Angaben in den Beipackzetteln sind durch die Bank nicht begründet.

Sie sind vollkommen willkürlich.

Siehe auch: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/10/neun-wahrheiten-uber-beipackzettel.html

Wir zitieren aus unseren dortigen Anmerkungen zu FeLV-Impfstoffen:

Der Nutzen jährlicher oder dreijährlicher FeLV-Nachimpfungen ist wissenschaftlich nicht belegt.

Er lässt sich auch nicht belegen, weil man ausgewachsene Katzen - ob ungeimpft, jährlich geimpft oder dreijährlich geimpft - im Experiment so gut wie nie dauerhaft mit FeLV infizieren kann. Und das trotz der brachialen Methoden, die dabei angewendet werden (die geimpften Versuchstiere und die Versuchstiere der ungeimpften Kontrollgruppe bekommen die Challengeviren in den Bauch injiziert).

Die Studie über den relativ neuen Dreijahres-FeLV-Impfstoff ist sinnigerweise so betitelt (übersetzt): "Schwierigkeiten beim Nachweis der Langzeitimmunität von FeLV-geimpften Katzen, bedingt durch die zunehmende altersabhängige Resistenz". Der Dreijahresschutz lässt sich nicht so belegen, wie es vorgeschrieben ist, weil sich die ungeimpften gleichaltrigen Versuchstiere nicht wie gewünscht infizieren lassen. Ihre natürliche Abwehr gegen FeLV ist dafür einfach zu gut.



(*) Das ist der Glaube, der Berge versetzt, nämlich Berge von Geld aus den Taschen der Frommen in die Kassen der Priester der jährlichen Impf-Religion. 

PEI-Bericht zu Impf-Nebenwirkungen 2011

Kürzlich hat das Paul-Ehrlich-Institut seinen Bericht über die 2011 gemeldeten Impfnebenwirkungen (UAW) bei Tieren veröffentlicht.

Die Zahlen für Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Frettchen liegen ungefähr in der gleichen Größenordnung wie in den Vorjahren.

Interessanterweise behaupten die Autoren des Berichts diesmal nicht, dass die - mickrigen - Meldezahlen zu Impfnebenwirkungen beim Hund ein "generell hohes Maß an Sicherheit" der Hunde-Impfstoffe "belegen".

Siehe hierzu auch: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/11/garbage-in-garbage-out.html

Wir hatten uns vor einiger Zeit erkundigt, warum das PEI immer diese - wissenschaftlich unhaltbare - Angabe zur UAW-Quote bei Hunden macht. In seiner Antwort berief sich das PEI auf eine einschlägige europäische Vorschrift. 

Eine sehr merkwürdige Vorschrift, die offenbar nur für Hunde-Impfstoffe gilt oder galt - bei den anderen Tierarten, die im Bericht vorkommen, wurde niemals eine Impfnebenwirkungsquote angegeben.

Im aktuellen Report mit den UAW-Zahlen von 2011 wird diese windige Quote für Hunde jedenfalls nicht mehr genannt, und das ist schön.

Die Ergebnisse in Kürze:

Hund: 109 Meldungen

Wie viele Hunde pro Meldung betroffen waren, wird leider nicht mehr angegeben; in früheren Berichten waren es im Durchschnitt etwa zwei Hunde pro Meldung.

Todesfälle nach Impfungen ("letaler Ausgang"): 30

Rassen: Chihuahua (11 Meldungen) und Mops (6 Meldungen) führen die Liste an.

Nicht weiter überraschend, kleine Rassen sind besonders anfällig für Impf-UAW.

Gemeldete UAW: Störung des Allgemeinzustands, Magen-Darm-Symptomatik, akutes Schockgeschehen, kardiovaskuläre Störung, respiratorische Symptomatik, lokale Reaktionen, Augenaffektationen, neurologische Symptome, Hautaffektationen, Pruritus


Katze: 40 Meldungen

Dass davon nur zwei Meldungen Impfsarkome betrafen, überrascht uns nicht: Impfsarkome wurden und werden nachweislich so gut wie nie als Impf-UAW gemeldet.

Gemeldete UAW: Pruritus, Gesichtsödeme, Erbrechen, Dyspnoe, Tachykardie; Unruhe, Ängstlichkeit, lautes Schreien, Wesensveränderungen



Montag, 12. November 2012

Blütenlese Tollwut

"Informations"- und "Ratgeber"-Portale für Tierhalter/innen werden i. d. R. nicht geschaffen, um Informationsbedarf zu decken, sondern weil man gern mit Werbung Kohle abgreifen möchte.

Entsprechend dürftig ist die Info, die diese Webseiten bieten.

Zum Beispiel die Info über Tollwut, die auf solch einem Portal Anfang November präsentiert wurde. Datiert ist der Text von Oktober 2012. Und er lässt, wie so viele andere seiner Art, sehr zu wünschen übrig. 

- Man schreibt über Tollwut in Deutschland im Jahr 2012 und erwähnt die Fledermaustollwut mit keinem Wort.

Kleiner Hinweis: Fledermaustollwut gibt es auch im Jahr 2012 in Deutschland; da sollte man sie in einem Beitrag, der angeblich die "fünf wichtigsten Fragen" zur Tollwut behandelt, wohl erwähnen. 

- Man behauptet, dass Tollwut in Deutschland "selten" geworden sei, seit Hunde und Füchse dagegen geimpft werden.

Kleiner Hinweis: Die Fuchstollwut ist seltener als selten, nämlich ausgerottet, und zwar seit dem Frühjahr 2006.

- Und man behauptet, dass Füchse hierzulande durch im Wald ausgelegte Köder gegen Tollwut geimpft werden.

Kleiner Hinweis: Nein, werden sie nicht. Sie wurden, aber das ist schon eine ganze Weile her.

Donnerstag, 8. November 2012

Hinterm Mond, da lassen sie noch jährlich impfen

Wir können uns des Verdachts nicht erwehren, dass Katzenhalter/innen in Sachen Impferei weniger aufgeklärt sind als Hundehalter/innen. Jedenfalls werden uns aus Katzen-Kreisen auffallend häufig solche Aussagen zugetragen:

Heute war meine Katze mit ihrer jährlichen Impfung dran

Armes Tier. Nix gegen einen Gesundheits-Check, aber jährlich impfen? Das ist so 90er Jahre, so hinterm Mond, brrrr.

Hinterm Mond glauben die Leute immer noch Dinge wie dies hier:

- Längere Impfabstände seien nur mit US-Impfstoffen möglich.

- Der "Wirkstoff" der Seuche-Schnupfen-Impfung brauche sich auf, er sei "nach spätestens zwei Jahren" nicht mehr "vorhanden", und daher müsse man nach zwei Jahren wieder neu grundimmunisieren lassen.(*)

Usw., usf. Natürlich alles Käse.

Aber auch bezeichnend. Denn es zeigt, dass sich die Tierärzte um die Impf-"Leitlinie" der selbsternannten deutschen "Ständigen Impfkommission Vet" einen feuchten Kehricht scheren.  




(*) Für die, die's noch nicht wissen: Nein, muss man NICHT. Auch Tiere haben ein Immungedächtnis.

Hinweis

1. Bitte nicht als Mitglied anmelden. Zum Lesen ist keine Mitgliedschaft erforderlich. Datenkraken!

2. Das Blog besitzt eine Suchmaske (oben links). Wer also zB Info zur Tollwutsituation 2011 sucht, findet per Suchfunktion die entsprechenden Beiträge. 

Montag, 5. November 2012

"Garbage in, garbage out"

Die Studie von George Moore und Kollegen (2005) über Impfnebenwirkungen bei Hunden ist bisher die größte ihrer Art. Sie basiert auf den Daten der Banfield-Tierklinikkette. Aus einer Gesamtzahl von 1,2 Millionen Hunden wurde eine Nebenwirkungsquote von 0,38 Prozent ermittelt (38 UAW auf pro 10.000 Hunde).

0,38 Prozent sind sehr viel mehr als die Quote, die das Paul-Ehrlich-Institut alle ein bis zwei Jahre als Beweis der hohen Impfstoffsicherheit verkündet - und das allen Ernstes auf Basis der lächerlichen paar Meldungen, die bei ihm eingehen. In Deutschland sollen demnach nur etwa 0,0068 Prozent der geimpften Hunde Nebenwirkungen erleiden. (Und übrigens, die Erde ist eine Scheibe.)

Professor Ron Schultz, der international renommierte Fachmann für Haustierimpfungen, hat schon vor Jahren deutlich gemacht (*), dass er von den Banfield-Zahlen wenig hält: Sie seien viel zu niedrig.

In den Banfield-Zahlen seien viele Hunde gar nicht enthalten, bei denen die Nebenwirkung erst nach dem Verlassen der Banfield-Klinik aufgetreten sei. Sie seien woanders behandelt worden und tauchten deshalb in der Datenbank nicht auf.

Wenn man eine statistische Analyse mit Stuss füttert, kommt auch nur Stuss heraus, so sein grimmiges Urteil: "Garbage in, garbage out."


(*) Vortrag 2010 zugunsten des Rabies Challenge Fund. Die Stiftung sammelt Spenden für die US-Studie zum Tollwut-Langzeitschutz (fünf Jahre und sieben Jahre), Studienleiter sind Schultz und Dr. Jean Dodds. Das Projekt ist zustande gekommen durch das bewundernswerte Engagement von Hundehalterinnen, deren Tiere an den Folgen von Tollwutimpfungen gestorben waren.