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Dienstag, 24. Dezember 2013

Zum Jahresausklang: Gemeldete Impfnebenwirkungen Katze, Hund, Kaninchen (2012)


Bis zum Stadtgeläut und zur Bescherung sind's noch ein paar Stunden, also vertreiben wir uns die Zeit mit Händels "Messias" (*) und diesem hier:



Das Paul-Ehrlich-Institut hat die im Jahr 2012 gemeldeten Impfnebenwirkungen bei Haustieren (Gesellschaftstieren) und "Nutz"-Tieren veröffentlicht.

Wie immer kamen die meisten Meldungen von den Herstellern, Meldungen von Tierärzten sind die große Ausnahme. Warum Tierärzte Impfnebenwirkungen nicht direkt an die zuständige Behörde melden, sondern lieber an die Pharmaindustrie, ist uns schleierhaft. 

Zu beachten ist: Das Underreporting (= Unterlassen der Meldung) von Nebenwirkungen wird von Fachleuten auf mindestens 95 Prozent geschätzt. 




Katze



81 Meldungen insgesamt (Vorjahr 40, also eine deutliche Steigerung)

Wie viele Tiere insgesamt betroffen waren, wird nicht mitgeteilt. (Eine Meldung kann mehrere Tiere betreffen, zum Beispiel wenn ein Wurf oder Bestand gleichzeitig geimpft wird.)

Drei Meldungen über mangelhafte Wirksamkeit von Seuche-Impfstoffen, zwei Meldungen über mangelhafte Wirksamkeit von FeLV-Impfstoffen. 

Nebenwirkungen laut PEI: 

Pruritus (Juckreiz), Gesichtsödeme (Anschwellen des Gesichts), Erbrechen, Dyspnoe (Atemnot), Tachykardie (Herzrasen)

Unruhe, Ängstlichkeit, lautes Schreien, Wesensveränderungen

2 (in Worten: zwei) Impfsarkome

Das zeigt: Impfsarkome werden immer noch praktisch nie gemeldet

Oh, ach so, es gibt ja gar keine Impfsarkome mehr, nur noch "Injektionsstellensarkome", wie fein.

Siehe hierzu auch: 

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/12/hurra-ein-neues-mittel-zur-behandlung.html
(drittletzter Absatz)



Hund

125 Meldungen insgesamt (Vorjahr: 109)

Keine Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Tiere 

Davon 11 Meldungen mit Chihuahuas und 9 Meldungen mit Möpsen. Kleinhundrassen führen die Liste der gemeldeten Nebenwirkungen an. 

20 Meldungen zu Lepto-Einzelimpfung, 9 Meldungen zu Tollwut-Einzelimpfung, 4 Meldungen zu Borreliose-Einzelimpfung

Nebenwirkungen laut PEI (Mehrfachnennungen möglich):

Störungen des Allgemeinzustands (39 Meldungen), Magen-Darm-Symptomatik (42), akutes Schockgeschehen (25), Atemwegs-Symptomatik (19), Herz-Kreislauf-Störung (8), deutliche lokale Reaktion (17), Hautaffektionen (Hautsymptome) und Pruritus (9); mehrfach: Augenaffektionen, neurologische Symptome

3 Meldungen über mangelhafte Wirksamkeit (Parvo, Staupe, Lepto)

Fälle mit tödlichem Ausgang: 27 Meldungen


Kaninchen

44 Meldungen (Vorjahr: 18)

Keine Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Tiere

Der Anstieg lässt sich laut PEI "ziffernmäßig" auf den neu zugelassenen Kombi-Impfstoff RHD-Myxo zurückführen.

Typische Impfreaktionen: Reaktionen an der Impfstelle, Störungen des Allgemeinzustands, Augenaffektionen, neurologische Störungen

"Todesfälle, die sich im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung ereignen, sind relativ häufig." (Die Zahl der Todesfälle wird im Bericht nicht angegeben.)

Die kausale Bewertung der Fälle mit tödlichem Ausgang sei schwierig, da beim Kaninchen Haltungs- oder Fütterungsfehler leicht mit Tierverlusten einhergingen. 

Mangelhafte Wirksamkeit gegen Myxo und RHD (10 Meldungen)
(Nicht weiter überraschend bei diesen Impfstoffen, da sie nun mal nicht gegen die Infektion an sich schützen.)

Interessante Anmerkung: 
"Die zunehmende Popularität der Haltung von Zwergkaninchen ist auch mit dem Erscheinen dieser Rassen in der Meldestatistik verbunden", so das PEI. "Damit im Zusammenhang steht die Frage, inwieweit Daten zur Verträglichkeit, die an großen Kaninchenrassen erhoben wurden, auf die Zwergkaninchen zu übertragen sind." 

Will das PEI damit etwa sagen, dass die Tierhalter/innen sich nicht auf entsprechende Angaben der Hersteller verlassen sollten?


(*) Aufnahme mit dem London Symphony Orchestra und dem London Symphony Chorus, Sir Adrian Boult (Dirigent), Joan Sutherland (Sopran), Kenneth McKellar (Tenor), Grace Bumbry (Alt), David Ward (Bass); überirdisch schön gesungen die Tenorarie "Every valley".
Every valley shall be exalted
And every mountain and hill made low
The crooked straight
And the rough places plain

Samstag, 21. Dezember 2013

Hurra, ein neues Mittel zur Behandlung von Impfsarkomen




Merial bringt ein Mittel zur Immuntherapie für Katzen mit Impfsarkomen auf den Markt.(*)

Oncept IL-2 soll die Überlebenszeit von Impfsarkom-Katzen, die mit Stahl (operative Entfernung des Tumors) und Strahl (Bestrahlung) behandelt wurden, signifikant verlängern und das Risiko erneuten Tumorwachstums (Rezidiv) verringern. 

Die Wirksamkeit wurde "nicht bei Katzen mit Metastasen oder Lymphknotenbefall" geprüft. 

Als ob Impfsarkom-Katzen regelhaft so gründlich untersucht würden, dass man Metastasen oder Lymphknotenbefall ausschließen kann. 



***


Wir würden auf den tatsächlichen Nutzen dieses Mittels nicht unseren Sparstrumpf verwetten. 

Breite Anwendung wird es wahrscheinlich nicht finden, schon weil Katzen in vielen Fällen gar keine Bestrahlung erhalten nach der Operation. 

(Man kann sich aber vorstellen, dass es auch bei Impfsarkom-Katzen angewendet wird, die keine Bestrahlung hatten. Dann wäre der Markt natürlich größer. Und wenn's nicht hilft, dann liegt es halt daran, dass die Tiere nicht bestrahlt waren.)




***


Katzenhalter/innen sollten sich jedenfalls nicht darauf verlassen, dass Impfsarkome künftig besser behandelbar sind als bisher. 

Vielmehr sollten sie alles dafür tun, dass ihre Katzen 

a) nur so oft geimpft werden wie wirklich nötig und
b) nur adjuvansfreie Impfstoffe erhalten. 



***


Interessantes Detail am Rande: Der Hersteller hat in einer Umfrage ermittelt, dass praktische Tierärzte im Durchschnitt zwei bis drei Impfsarkome pro Jahr in ihrer Praxis sehen

Das kontrastiert sehr stark mit den Impfsarkom-Meldungen beim Paul-Ehrlich-Institut (bundesweit höchstens ein paar Meldungen im Jahr). 

Und es kontrastiert extrem mit der oft vorgetragenen Behauptung von Tierärzten: "Also, ich hab' noch nie ein Impfsarkom in meiner Praxis gesehen!" Was dann wohl beweisen soll, dass es Impfsarkome eigentlich gar nicht gibt. 




(*) In den Veröffentlichungen ist natürlich nicht von Impfsarkomen die Rede, sondern von Fibrosarkomen.  Man nennt das Ding halt nicht gern beim Namen. 

Impfsarkom: Neues von Jena und Kitty Kat



Eine gute Nachricht zum Jahresende:

Jena G., Tierhalterin in Texas, verlor im Februar 2011 ihre Katze Kitty Kat wegen eines Impfsarkoms. Ihre Klage gegen den Tierarzt wurde von Dr. Bob Rogers unterstützt, dem texanischen Veterinär, der seit vielen Jahren gegen die Überimpferei in der Kleintiermedizin streitet. 

S. http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=impfsarkom+texas



In der ersten Instanz hatte Jena ihren Prozess verloren. Das Gericht war, kurz gesagt, der Meinung, dass der Tierarzt nicht gegen geltende medizinische Standards verstoßen habe. 

Gestern (20. Dezember 2013) hat sie aber vor dem Berufungsgericht gewonnen - das erstinstanzliche Urteil wurde aufgehoben!

Die Sache geht also weiter, und es bestehen gewisse Aussichten, dass Jena ihren Tierarzt, bzw. dessen Berufshaftpflichtversicherung an den Kanthaken bekommt. 

Es geht um unterlassene Aufklärung über die Risiken von Impfungen, Anwendung von adjuvanshaltigen Impfstoffen bei Katzen, Schadenersatz für die Behandlungskosten (rund 8000 US-Dollar) und Schmerzensgeld. 


Wir drücken Jena und Bob die Daumen!




Samstag, 14. Dezember 2013

Tollwut in Deutschland, zweites Quartal 2013



Im zweiten Quartal 2013 wurden in Deutschland vier Fälle von Fledermaustollwut amtlich festgestellt. 

Haustiere: null Fälle
Sonstige Wildtiere: null Fälle

Das ergibt von Januar bis einschließlich Juni insgesamt fünf Fälle von Fledermaustollwut. 



PS: Die amtlichen Zahlen werden immer mit einiger Zeitverzögerung veröffentlicht. 

Montag, 9. Dezember 2013

OT: Das Kreuz mit den Spendensammlern




Seit Wochen wird der Briefkasten wieder geflutet mit Bettelbriefen von allen möglichen Wohltätigkeitsorganisationen: Kinderhilfe, Entwicklungshilfe, Tierschutz, Naturschutz usw. Das ist normal für diese Jahreszeit. 

Nicht normal ist aber, dass die Anschreiben immer dicker werden - die Umschläge sind voll Plunder, den man nicht braucht und nicht will. Eine Naturschutzstiftung zB beglückt uns mit einem hässlichen Einkaufsbeutel. Andere schicken stapelweise Weihnachtskarten samt Umschlägen und/oder Adressaufkleber mit Herzchen drauf. 

Alles eine Folge der Professionalisierung des Spendensammelns. 

Bei uns verfehlt dieser professionelle Ansatz allerdings seinen Zweck. Je mehr uns eine Organisation zuballert, je aufwendiger sie wirbt, desto weniger sind wir geneigt, etwas zu spenden.

Wir haben nämlich gar keine Lust, Fundraising-Agenturen durchzufüttern. Deren Führungspersonal kassiert üppige Gehälter, die eigentliche Arbeit aber wird natürlich von Niedriglohnempfängern verrichtet. Etwa von Drückerkolonnen, deren Mitarbeiter bei Regen und Kälte vor Supermärkten stehen und den Leuten die Mitgliedschaft in Naturschutz- oder Rettungsorganisationen aufschwatzen sollen. 

Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen beeindruckt uns auch nicht. Im Gegenteil. Es erlaubt Werbe- und Verwaltungskosten bis zu einer Höhe von 35 Prozent des Spendenaufkommens. 

Mehr als jeder dritte gespendete Euro darf also ausgegeben werden für schöne Vorstandsgehälter, Dienstwagen, Reisespesen (Flüge in der Business-Klasse usw., usf.), Fundraising-Agenturen und sonstige externe Dienstleister, die es sich im Wohltätigkeitsbusiness gemütlich machen. 

Es gibt gerade im Tierschutz viele lokale Organisationen, bei denen unser Spendengeld viel besser angelegt ist. Da arbeiten Ehrenamtliche rund um die Uhr, praktisch jeder Euro kommt direkt den Tieren zugute, und der Briefkasten wird auch nicht zugestopft. 




Mehr zum Thema siehe hier im sehr interessanten Blog von Kevin Brutschin. 



Mittwoch, 27. November 2013

Hübscher Fund





In dem sehr lesenswerten Roman "The Slap" des australischen Autors Christos Tsiolkas sind wir auf etwas Hübsches gestoßen. 

Drei Freundinnen unterhalten sich; eine davon ist Tierärztin und sagt folgendes:


"I get free trips for my family from drug companies who get me to give vaccinations to animals that I know they don't really need (...) We are all whores."


"Ich bekomme von Pharmaunternehmen Gratisreisen für die ganze Familie, damit ich Tieren Impfungen gebe, obwohl ich weiß, dass sie sie nicht brauchen (...) Wir alle sind Huren"; Übers. MP.

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt



Diese Geschichte ist uns soeben zugetragen worden (herzlichen Dank an D.):


Erster Akt 

Eine Hundehalterin bringt ihren Welpen zur zweiten Impfung zur Tierärztin. Die impft nicht nur die volle Dröhnung (SHPPi/L), sondern auch Tollwut. Und dafür trägt sie als Gültigkeit vier Wochen ein. 

Auf Anraten der Züchterin geht die Tierhalterin gleich noch mal in die Praxis, um den Eintrag für die Gültigkeitsdauer der Tollwutimpfung ändern zu lassen. 

Die Tierärztin reagiert ungehalten und erklärt, sie müsse laut Beipackzettel nochmals impfen. Sie übermalt das Gültigkeitsdatum mit Tipp-Ex. 

Tipp-Ex in einem Heimtierpass? Super Idee. 

Und: In welchem Beipackzettel eines in Deutschland zugelassenen Tollwutimpfstoffs steht, dass man Welpen zweimal hintereinander impfen muss? 

Im Beipackzettel des verwendeten Produkts (Nobivac T) steht es jedenfalls nicht. Laut Beipackzettel besteht die Grundimmunisierung aus EINER Impfung im Alter von mindestens 12 Wochen.


Zweiter Akt

Die Hundehalterin geht noch einmal in die Praxis, bewaffnet mit dem Beipackzettel von Nobivac T und der Liste des Paul-Ehrlich-Instituts zur Immunitätsdauer der in Deutschland zugelassenen Tollwutimpfstoffe für Tiere.  

Die Tierärztin schreibt 2015 in den Impfpass. 

Die Tierhalterin rechnet ihr vor, dass drei Jahre Gültigkeit 2016 bedeuten.

Die Tierärztin schreibt 2016 in den Impfpass. 



***


Eine dauerhafte Vertrauensbeziehung ist da wahrscheinlich nicht entstanden. 



***


Der Fairness halber muss man aber erwähnen: Die Ständige Impfkommission Vet empfiehlt, Hunde im Welpenalter zweimal gegen Tollwut zu impfen, und zwar "aus immunologischen Gründen". Welche immunologischen Gründe das sein sollen, bleibt das Geheimnis der Stiko Vet. Hat die Zulassungsbehörde etwa gepfuscht?

Wie auch immer: Die Tierärztin wollte vielleicht nur die "Leitlinie" der Stiko Vet befolgen. (Aber warum hat sie dann nicht existente Beipackzettelvorgaben geltend gemacht?)



***


Auffallend ist, dass diese "Leitlinie" nur dann gern befolgt wird, wenn mehr Impfungen empfohlen werden, als die Hersteller verlangen

Beim Dreijahresrhythmus für Staupe-Hepatitis-Parvo (*) ist die Leitlinien-Treue der Kleintierärzte sehr viel weniger ausgeprägt

Viele - wahrscheinlich die meisten - impfen SHP immer noch jährlich.

Es sei denn, die Tierhalter/innen wehren sich





(*) Die dreijährliche "Auffrischung" für SHP ist genauso willkürlich wie die jährliche, ihr Nutzen ist nicht belegt. Komisch, dass man in der Humanmedizin in punkto Immunitätsdauer der Impfungen viel entspannter ist als in der Veterinärmedizin. Jährliche oder dreijährliche "Auffrischungen" mit Viruslebendimpfstoffen sind in der Menschenarztpraxis völlig unbekannt. 


Dienstag, 26. November 2013

Krass geimpft, krass Umsatz gemacht





Manche Tierärzte sind extrem erfindungsreich, wenn es um ihren Umsatz geht. 

Zum Beispiel diese Tierärztin, die die zwei Katzen einer Tierhalterin in Nordrhein-Westfalen seit neun Jahren jährlich gegen Tollwut impft. Und zwar mit einem Vierjahresprodukt. Und natürlich gegen alles andere auch jährlich (Seuche-Schnupfen usw.). 

Ihre Begründung: Die Tiere seien im Welpenalter nur zweimal geimpft worden und müssten deshalb lebenslang jährlich gegen alles nachgeimpft werden. 

Da fällt einem nichts mehr ein. Nur die Warnung eines US-Tierarztes, die so lautet: Wenn Sie zum Tierarzt gehen, denken Sie immer daran: Sie betreten einen Geschäftsbetrieb.(*)



(*) Das gilt natürlich nicht für alle TÄ. Unser hochverehrter Katzendoktor P. N. aus D-S bei F. ist das glatte Gegenteil. 

Donnerstag, 14. November 2013

Ein sinnloses Telefonat über Staupe-Titer



"Guten Tag, ich bin XY, habe Ihr Buch gelesen und hätte mal eine Frage wegen Staupe-Titern."


"Ich höre."

"Also, ich bin ja ganz impfkritisch und will nicht so viel impfen. Wir haben jetzt aber Fuchsstaupe in der Gegend, und da habe ich bei meinem Hund den Staupe-Titer messen lassen. Der ist 1:32. Das Labor sagt, das ist nicht genug."


"Jeder messbare Titer zeigt an, dass die Impfung geklappt hat und dass ein Immungedächtnis angelegt wurde. Das ist nicht meine Privatmeinung, sondern das, was die führenden Experten auf diesem Gebiet sagen."

"Aber das Labor sagt doch, dass der Titer nicht reicht."

"JEDER MESSBARE TITER ZEIGT AN, DASS DIE IMPFUNG GEKLAPPT HAT UND DASS EIN IMMUNGEDÄCHTNIS ANGELEGT WURDE."

"Ja, aber wenn das Labor doch sagt ..."

"Staupe und Masern sind sehr eng miteinander verwandte Viren. Werden bei Menschen Titer gemessen, wenn Masernfälle auftreten? Werden ordnungsgemäß maserngeimpfte Menschen nachgeimpft, wenn Masernfälle auftreten?"

"Äh, nein. Aber wenn das Labor doch sagt ..."

"Wissen Sie, dieses Gespräch ist sinnlos. Guten Tag."


***

Hat das Labor eine wissenschaftliche Begründung für die Behauptung, ein Staupe-Titer von 1:32 sei ungenügend? Nein. 

Kann es wissenschaftliche Belege dafür liefern, dass "Auffrischimpfungen" mit Viruslebendimpfstoffen beim nachweislich erfolgreich geimpften Tier einen Nutzen haben? Nein. 

Kann es uns erklären, warum "Auffrischimpfungen" mit Viruslebendimpfstoffen wie zB Masern (= "Menschenstaupe") in der Humanmedizin unbekannt sind? Nein. 


***

Für die, die's nicht glauben wollen, zum x-ten Mal:

Dr. Jean Dodds, US-Tierärztin, Expertin für Impfungen und Impfschäden:

"ANY measurable titer to either distemper and parvovirus means that the dog has specific committed immune memory cells to respond and afford protection upon exposure."

(JEDER messbare Titer für Staupe und Parvo bedeutet, dass der Hund spezifische Immungedächtniszellen hat, die bei Erregerkontakt aktiv werden und für Schutz sorgen. Hervorh. MP)

Welpen-Impfrichtlinien des Weltverbands der Kleintierärzte (WSAVA) 2013:

"The presence of circulating antibodies indicates that the dog is immune."

(Das Vorhandensein zirkulierender Antikörper zeigt an, dass der Hund immun ist. - Es wird also nicht gesagt: Das Vorhandensein zirkulierender Antikörper in Höhe von mindestens 1:XY zeigt an, dass der Hund immun ist.)


***

Die neuen Titerschnelltests für die Praxis, die derzeit in den USA stark vermarktet werden, liefern überhaupt keine Titerwerte in Zahlen.

Sie liefern vielmehr ein Ja/Nein-Ergebnis. Also: Antikörper nachweisbar/Antikörper nicht nachweisbar. Und das genügt völlig. Sagt zB Professor Ron Schultz.(*)

***

Aber so ein deutsches Vet-Labor weiß es natürlich besser, gell?




(*) Die Titerei mit den Schnelltests ist natürlich beim ordnungsgemäß geimpften Tier genauso rausgeworfenes Geld wie die Nachimpferei. SINNVOLL IST DIE TITERMESSUNG NUR BEIM WELPEN ZUR KONTROLLE DES IMPFERFOLGS. Aber irgendwie müssen Tierärzte ja die Umsatzverluste seit dem Rückgang der Überimpferei kompensieren, und so verkaufen sie der Kundschaft halt statt Impfstoffen ihre Titertests. 

Dienstag, 12. November 2013

Hinweise



Hinweise für die Leser/innen dieses Blogs

1. Bitte nicht als Mitglied eintragen. Mitgliedschaft ist fürs Lesen nicht erforderlich. 

2. Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt. Es ist nicht erlaubt, sie ohne Zustimmung der Urheber anderweitig zu veröffentlichen.

3. Es gibt eine Suchfunktion (oben links). Wer also zB Antwort auf die Frage sucht, ob ein vorgeimpfter Hund "neu grundimmunisiert" (brrrr) werden muss, wird hier fündig werden.*

4. Kommentare werden nur veröffentlicht, wenn sie inhaltlich weiterführen. 







* "Neue Grundimmunisierung" ist in der Humanmedizin unseres Wissens unbekannt. Dass Tierärzte meinen, man müsse vorgeimpfte Tiere "neu grundimmunisieren" (gern auch, wenn es um Viruslebendimpfstoffe!!! wie SHP geht), ist eine weitere veterinärmedizinische Spezialität. 




Montag, 11. November 2013

Gehen Tierärzte regelmäßig zur Masernimpfung?






Im Großraum Stuttgart (Esslingen usw.) zirkuliert die Staupe unter Füchsen. Das ist nichts Neues, Staupe bei Wildtieren tritt leider immer wieder auf.

Für die Freunde unnötiger Nachimpfungen bietet die Wildtierstaupe natürlich jedes Mal eine schöne Gelegenheit, über die angebliche Impfmüdigkeit der Hundehalter/innen zu schimpfen und Panik zu schüren.

So zum Beispiel ein Veterinär in Baden-Württemberg, der laut Medien das hier von sich gab:

Die Staupe-Impfung müsse, je nach Impfstoff, jährlich, alle zwei oder alle drei Jahre "aufgefrischt" werden. 

***

Das "Auffrischen" mit Viruslebendimpfstoffen ist eine veterinärmedizinische Spezialität. 

Sie ist so speziell, dass sie in der Humanmedizin ganz unbekannt ist.

***

Tierärzte, die Hunde jährlich, zweijährlich oder dreijährlich gegen Staupe nachimpfen, sollten die Konsequenzen ziehen und sich schleunigst zur Masern-Nachimpfung anmelden

Masernvirus = Morbillivirus
Masernimpfstoffe = Viruslebendimpfstoffe

Staupevirus = Morbillivirus

Dienstag, 5. November 2013

Lepto-Impfstoffe: Bakterine für Menschen zu unbekömmlich




Leptospirose gilt als die weltweit häufigste Zoonose (= Krankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wird). Humanimpfstoffe gegen Lepto sind in Kuba, China, Japan und Frankreich zugelassen, tatsächlich verabreicht werden sie offenbar ziemlich selten. 

Grund: Es handelt sich bei diesen Lepto-Impfstoffen für Menschen um Bakterine = Ganzkeim-Impfstoffe, dh sie sind aus ganzen Bakterien hergestellt. Und das ist ein medizinisches Problem. 

In einer Studie über Methoden zur Entwicklung wirksamer und nebenwirkungsarmer Lepto-Impfstoffe für Menschen heißt es denn auch ganz unverblümt (Übers. MP):


Bakterine lösen nachteilige Reaktionen
und Nebenwirkungen aus, 
und ihr Gebrauch ist im allgemeinen
auf Tiere beschränkt,
besonders Hunde, Rinder und Schweine.


Die Autoren merken zudem an, dass sich diese Impfstoffe angesichts der über 250 verschiedenen Lepto-Serovaren als wenig wirksam erwiesen haben.

(Samuel Felix et al., Subunit approach to evaluation of the immune protective potential of leptospiral antigens, 2011)


***

Schon klar. Bei Tierimpfstoffen kommt es auf Nebenwirkungen und Wirksamkeit halt nicht so an. 



Info über Fledermaustollwut



Das Friedrich-Löffler-Institut bietet auf seiner Website eine Kurzinformation über Fledermaustollwut, samt Karte zur geographischen Verteilung der Fälle (überwiegend nördlich der Mainlinie, aber nicht nur):

http://www.fli.bund.de/fileadmin/dam_uploads/Publikationen/FLI-Informationen/FLI_Information_Fledermaeuse20130610.pdf

Samstag, 2. November 2013

Impfsarkom: Spritze in die Schwanzspitze



Veterinäre an der Universität von Florida (Julie Levy und Kollegen) haben getestet, ob Impfungen bei Katzen normal funktionieren, wenn man die Injektion nicht in den Rumpf und auch nicht in die Beine gibt, sondern in die Schwanzspitze

Warum diese ungewöhnliche Körperstelle?

Weil Impfsarkome bei Katzen immer noch traurige Realität sind. 

Bekommt eine Katze dort ein Impfsarkom, kann man den Schwanz amputieren. Damit ist das Tier zwar auch behindert, aber nicht so gravierend wie nach Amputation eines Beinchens. 

Resultat: Die Impfungen funktionieren, die Katzen bilden ganz normal Antikörper, und sie haben sich den Piks in die Schwanzspitze nach Angaben der Forscher gefallen lassen. 


***

Es ist löblich, wenn sich Tiermediziner Gedanken machen, wo man die Impfspritze am besten ansetzt. 

Aber:  Damit wird kein einziges Impfsarkom verhindert

Zweck der Studie war nicht, Impfsarkome zu verhindern oder das Risiko für Impfsarkome zu senken, sondern die Folgen abzumildern

Also Schwanzamputation statt Amputation einer Gliedmaße (oder Entfernen von Rippen usw. bei Sarkomen am Rumpf). 

***

Was kann man tun, um das Impfsarkom-Risiko zu senken?

So wenig wie möglich impfen

KEINE dreijährlichen Nachimpfungen Seuche-Schnupfen.
Notwendigkeit und Nutzen der dreijährlichen Nachimpferei sind überhaupt nicht erwiesen.

KEINE jährliche oder dreijährliche Nachimpferei gegen FeLV. 
Grund: s. o. 

NUR ADJUVANSFREIE Impfstoffe geben lassen. Das gilt für Seuche-Schnupfen, FeLV und Tollwut.

Tollwutimpfung nur dann, wenn die Katze mit Fledermäusen in Kontakt kommen kann. 

Selbst entscheiden über Impfungen. 

Um impfwütige Tierärzte/innen einen weiten Bogen machen. 

Tierarztpraxen suchen, wo adjuvansfrei geimpft wird (Seuche-Schnupfen, FeLV und Tollwut).

Und:

Katzen artgerecht ernähren. S. a.:
http://trockenfutter-katzen.blogspot.de/2013/11/katzen-kohlenhydrate-und-krebs.html 


Zum x-ten Mal: Bitte nicht als Mitglied eintragen

Bitte nicht als Mitglied eintragen. 

Zum Mitlesen ist die Mitgliedschaft nicht erforderlich.

Wer Datenkraken füttern will, kann das ja bei Facebook usw. tun. 



Freitag, 1. November 2013

Zum Wochenende: Links- und Rechtswedler






"Wenn ein Hund wedelt, lohnt genaues Hinsehen: Biegt sich der Schwanz vor allem nach rechts, ist der Vierbeiner vergnügt. Neigt er dagegen nach links, ist die Stimmung eher schlecht (...) Das Seitensignal registrieren auch andere Vierbeiner."



Eine bessere Version der Geschichte bietet die Website des "Guardian" (englisch): 

http://www.theguardian.com/science/2013/oct/31/dogs-communicate-feelings-tail-wagging


Donnerstag, 17. Oktober 2013

Häufig gestellte Frage zu Fledermaustollwut



Weil so oft danach gefragt wird: 



Ja, die Tollwutimpfstoffe für Katzen schützen auch vor Fledermaustollwut. 


Tollwut in Deutschland, erstes Quartal 2013




Laut WHO-Rabies Bulletin wurde in Deutschland im ersten Quartal 2013

1 Fall von Fledermaustollwut festgestellt.

Tollwutfälle bei Haustieren: null
Tollwutfälle bei Wildtieren (außer Fledermäusen): null



Die amtlichen Zahlen werden immer erst mit erheblicher Verspätung veröffentlicht. 


Freitag, 4. Oktober 2013

Zum Wochenende


Nett: 

http://www.spiegel.de/fotostrecke/rudi-hurzlmeier-evergrins-fotostrecke-102146-13.html




CBC: Wie Tierhalter abgezockt werden


Das staatliche kanadische Fernsehen CBC zeigt in einer Reportage, wie Hundehalter in der TA-Praxis abgezockt werden. Laut dem Vorbericht auf der Website des Senders stellten die Reporter Marshall, eine gesunde dreijährige Englische Bulldogge, verschiedenen Veterinären vor. Die Tierärzte wollten den Hund allerlei Behandlungen und Tests unterziehen, die nach Feststellung von Experten unnötig waren. 

Und: Sechs von zehn Tierärzten wollten den Hund, dessen Impfschutz gemäß den US-Richtlinien up to date war, mit mindestens einem Impfstoff nachimpfen. 

Nur sechs von zehn? In Deutschland hätte das Ergebnis anders ausgesehen. 

http://www.cbc.ca/news/many-veterinary-bills-include-inappropriate-costs-1.1876019



Dienstag, 17. September 2013

Nix dazugelernt: Die neuen AAFP-Empfehlungen zur Katzenimpfung



Der Impf-Beirat der American Association of Feline Practitioners (AAFP = Verband der Katzenspezialisten) hat seine Impfempfehlungen für Katzen aktualisiert. 

Ein Fortschritt im Vergleich zu den beiden früheren Versionen ist nicht zu erkennen. 



***


Gegen Seuche und Schnupfen soll weiterhin alle drei Jahre nachgeimpft werden. Lebenslang. 

Wird dafür eine wissenschaftliche Begründung gegeben? Werden wissenschaftliche Beweise dafür genannt, dass Katzen von dreijährlichen Nachimpfungen gegen Seuche und Schnupfen einen Nutzen haben? Ist durch Studien belegt, dass diese häufigen Nachimpfungen nötig sind?

NEIN. 



Gegen FeLV ("Leukose") soll bei niedrigem Infektionsrisiko alle zwei Jahre und bei höherem Infektionsrisiko jährlich nachgeimpft werden. Lebenslang. 

Wird dafür eine wissenschaftliche Begründung gegeben? Werden wissenschaftliche Beweise dafür genannt, dass Katzen von jährlichen oder zweijährlichen FeLV-Nachimpfungen einen Nutzen haben? Ist durch Studien belegt, dass diese Nachimpfungen nötig sind?

NEIN. 


***


Die Veterinäre/innen aus den USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland, die das Feline Vaccination Advisory Panel der AAFP bilden, stützen sich nach eigenen Angaben soweit möglich auf publizierte Daten (also Daten aus Studien) sowie auf den Konsens einer Gruppe von Experten aus den Gebieten Immunologie, Infektiologie, Innere Medizin und klinische Praxis. 

Das müssen dolle Immunologen sein, die da mitgewirkt haben.

Sie scheinen nicht zu wissen, dass auch Katzen ein vollwertiges Immunsystem besitzen, mit Immungedächtnis und allem Drum und Dran.



***


Interessant an der neuen Version sind nur zwei Details.

1. Es wird immerhin eingestanden, dass eine geimpfte Katze nicht mehr "neu grundimmunisiert" werden muss, wenn sie nachgeimpft werden soll - egal wie lange ihre letzte Impfung zurückliegt. 

(Was aber natürlich nichts daran ändert, dass die Notwendigkeit der Nachimpfung nicht bewiesen ist.)

2. Laut den Experten sind Impfsarkome viel seltener, als man früher meinte. 

(Bei der miserablen Datenlage eine gewagte Behauptung. Impfsarkome werden so gut wie nie bei den für die Impfstoffsicherheit zuständigen Behörden gemeldet, das ist in den USA nicht anders als in Deutschland usw. Alle Studien zur Häufigkeit des Impfsarkoms bei Katzen sind methodisch völlig unzureichend.)

Doch obwohl Impfsarkome aus Sicht des AAFP-Panels eigentlich kein Problem sind, geben die wackeren Experten neue Empfehlungen für die Impflokalisation, also die Körperstellen, an denen die Impfspritze gesetzt werden soll: 

Seuche-Schnupfen subkutan unterhalb des Ellenbogens, FeLV und Tollwut subkutan unterhalb des Knies (am linken, resp. rechten Hinterbein). 

Und selbstverständlich soll NIEMALS zwischen den Schultern geimpft werden. 

Das sollten die Experten mal den deutschen Kleintierärzten erzählen. Die setzen die Impfspritze bei Katzen immer noch am liebsten in den Nacken. 



***


Der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA hat im Mai diese fabelhafte Klarstellung zur SHP-Nachimpferei veröffentlicht: 
  
http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/05/wsava-richtlinie-fur-die-welpenimpfung.html

Seither warten wir darauf, dass er sich auch die Nachimpferei bei den Katzen vorknöpft. 

Wie nötig das ist, zeigen die neuen Empfehlungen der AAFP. 




Donnerstag, 22. August 2013

Mal wieder "neue" Tollwutimpfstoffe



Zum Tollwutfall in der Region Bamberg hat sich kürzlich auch die Bundestierärztekammer zu Wort gemeldet. 

In der Mitteilung der BTK heißt es, "dank neuer Entwicklungen" gebe es "heute" Tollwutimpfstoffe, "die bis zu drei Jahre Schutz bieten".

Daran stimmt aber auch gar nichts. 

Als Anfang 2006 die ersten Tollwutimpfstoffe mit Mehrjahres-Impfabstand an den Markt kamen, handelte es sich keineswegs um neue Produkte

Es waren die gleichen wie zuvor, geändert hatten sich nur die Beipackzettel. 

Dass die Tollwutimpfstoffe für Katzen und Hunde mehr als ein Jahr Schutz bieten, war seit Jahrzehnten bekannt und schon längst in Tierversuchen nachgewiesen. 

Daher brauchten auch keine neuen Produkte entwickelt zu werden. 

Und: Für Katzen gibt es sogar Produkte mit einem Nachimpfintervall von vier Jahren. (*)

Die traurige Wahrheit ist: Jahrzehntelang wurden Katzen und Hunde ohne jeden Grund jährlich gegen Tollwut nachgeimpft. Manch ein Tier hat das nicht überlebt. 


(*) Katzenhalter/innen sollten den adjuvansfreien Dreijahresimpfstoff Purevax Rabies vorziehen. 

Irreführend und verwirrend





Ist ein Hund erfolgreich gegen Staupe-Hepatitis-Parvo geimpft, gibt es nichts zu "boostern". Das ist einfach so bei Viruslebendimpfstoffen: Geimpft ist geimpft, mehr geimpft als geimpft geht nicht. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Katzen und Hunde. 

(Deshalb ist es auch falsch, bei SHP von Grundimmunisierung zu reden, s. a. "Hunde impfen - Der kritische Ratgeber", S. 24.)

Der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA hat im Mai in seiner Impfrichtlinie für Welpenkäufer endlich offiziell zugegeben, dass es so etwas wie SHP-"Booster" eigentlich gar nicht gibt (s. Beiträge in diesem Blog von Mitte Mai). 

Warum aber reden selbst Experten, die es besser wissen, immer noch von SHP-"Boostern"? (Und warum haben sie überhaupt damit angefangen?)

Unsere Mitstreiterin Eliz Hart aus Adelaide (Australien) hat diese Frage nun in einem offenen Brief Professor Ronald Schultz gestellt: "Confusing and misleading use of the term 'booster'". 

Nachzulesen ist der Brief hier (in Englisch): 

http://users.on.net/~peter.hart/Query_re_MLV_boosters.pdf

Die Lektüre lohnt sich und ist schon wegen Eliz' geschliffener Sprache ein Vergnügen. 

Sonntag, 4. August 2013

WSAVA, Titer und Heavy Metal




Unser Posting über die WSAVA-Impfrichtlinie für Welpenbesitzer (Mai 2013) wird immer noch durchs Web verbreitet, leider auch von Leuten, die nicht ganz begriffen haben, warum die Sache so ein Knüller ist. 

So wird auf einer Hunde-Website behauptet, die WSAVA empfehle einen jährlichen Check, "bei dem auch die Titerbestimmung gegen Infektionskrankheiten durchgeführt würde".

Jährliche Titerbestimmungen empfiehlt die WSAVA in dieser Richtlinie GANZ UND GAR NICHT. Sie weist vielmehr auf die Möglichkeit hin, nach der letzten Welpenimpfung die Titer zu messen, damit man weiß, ob die Impfung gegen Staupe-Hepatitis-Parvo geklappt hat. Wenn ja, ist eine weitere (dritte oder gar vierte) SHP-Impfung unnötig, und zwar für den Rest des Hundelebens.

Für unsere Abschreiber/innen jetzt noch mal ganz langsam (und bitte diesmal korrekt abpinseln): 

Die WSAVA stellt in dieser Richtlinie klar, dass ein Welpe FÜRS GANZE LEBEN AUSREICHEND GEIMPFT IST, wenn die Titermessung ergibt, dass er Impfantikörper gegen S und P hat (H braucht man nicht zu messen). Dasselbe gilt übrigens auch für Hunde, die ihre SHP-Impfung erst jenseits des Welpenalters erhalten.

"If the dog is already immune to these three core diseases, re-vaccinating will not add any extra immunity" (WSAVA-Guideline, Abschnitt Core vaccine, Punkt 5).

Deshalb ist es unnötig, S- und P-Titer ein weiteres Mal oder gar jedes Jahr erneut zu messen.

Warum werden bei Menschen keine Impftiter, beispielsweise für Masern, gemessen? Weder beim Kleinkind gleich nach der Impfung noch bei Jugendlichen oder Erwachsenen, deren Impfung schon sehr lange zurückliegt? WEIL ES ÜBERFLÜSSIG IST.

Aber Hunde sind halt Privatpatienten, da ist die Versuchung zu unnützen medizinischen Maßnahmen immer gegeben.    

Anderes Beispiel: 

Eine Vertreterin alternativmedizinischer Ideen lobt die WSAVA-Richtlinie und stellt die These auf, dass Hunde durch die Nachimpferei mit "Schwermetallen" und "hochtoxischen Stoffen" krank gemacht würden.

Oha, Schwermetalle und hochtoxische Stoffe in SHP-, also Viruslebendimpfstoffen? Das wär' uns aber ganz neu, dass sich in diesen Impfstoffen Cadmium oder Blei usw. befinden. Auch sonst sind sie nicht "hochtoxisch".

Seufz. Man kann gegen unnötige SHP-Impfungen viel einwenden, aber um Schwermetalle geht es hier überhaupt nicht. 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Tollwut-Import und Impfpflicht



Deutsche Urlauber haben unter Verstoß gegen Impf- und sonstige Einreisevorschriften aus Marokko einen Welpen mitgebracht, bei dem Tollwut festgestellt worden ist.


Es war nicht der erste Fall dieser Art und wird auch nicht der letzte bleiben. Manche Leute scheinen nicht zu begreifen, dass sie mit illegalen Hunde-Importen aus Tollwutregionen Menschen und Tiere in tödliche Gefahr bringen


Nach Auskunft des Landkreisamts Bamberg wurden diesmal wenigstens keine Kontakttiere eingeschläfert, denn alle Kontakttiere hätten eine gültige Tollwutimpfung gehabt



Natürlich wird jetzt wieder die (Tollwut-) Impfpflicht für Haustiere gefordert. Dabei war die Impfung der Haustiere selbst früher, als es in Deutschland noch viel Wildtiertollwut gab, nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Tollwutverordnung besagte (und besagt auch heute), dass Haustiere ohne nachweislichen Impfschutz im Verdachtsfall zu töten sind, und das genügte.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Impfstoff-Werbung, ausnahmsweise ganz ehrlich



In den USA sowie in Kanada und Australien ist ein Impfstoff gegen FIV (felines Immundefizienzvirus, "Katzenaids") am Markt, den es bei uns zum Glück nicht gibt.

Das Zeug ist mehr als fragwürdig: Studien haben gezeigt, dass es gegen die vielen verschiedenen FIV-Typen gar nicht schützt (Dunham 2006) und dass es sogar die Empfänglichkeit für eine FIV-Infektion erhöhen kann (Berlinski 2003; dasselbe passierte übrigens auch mit einem experimentellen Humanimpfstoff gegen HIV).

Aber um Schutz für die Katzen scheint es dabei sowieso nicht zu gehen. Das zeigt eine Impfstoff-Anzeige in einem australischen Veterinärblatt.

"Fel-O-Vax FIV kittens
become cats that
keep coming back"

lautet der Claim.

(Katzen, die Fel-O-Vax FIV erhalten, kommen immer wieder)

Weiter heißt es, laut einer Umfrage glaubten 76 Prozent der Tierärzte, dass die FIV-Impfung die Zahl der jährlichen Impfungen im Leben einer Katze erhöht.

Die FIV-Impfung wird also vermarktet als Hebel, die Katzenhalter zwecks jährlicher Impfungen in die Praxis zu kriegen. Weil ja für Seuche-Schnupfen blöderweise ein Dreijahresintervall eingeführt wurde.

So nackt und ehrlich haben wir Impfstoff-Werbung noch nie gesehen.



PS: Schön ist aber andererseits, dass in dem australischen Tierarztblatt der Schrecken von FIV stark relativiert wird. Es wird über eine Studie berichtet, wonach FIV-infizierte Katzen keine geringere Lebenserwartung als ihre FIV-freien Artgenossen haben. Keine neue Erkenntnis - das ist schon länger bekannt -, aber immer wieder gut zu wissen.

PPS: Natürlich ist es den Herrschaften auch schnurz, dass das Zeug ein Adjuvans enthält. Häufige Nachimpfungen mit adjuvanshaltigen Produkten steigern das Impfsarkom-Risiko. 

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/

Dienstag, 16. Juli 2013

Stiko-Leitlinie, Version 2013



Die "Ständige Impfkommission im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V." hat eine neue Version ihrer "Leitlinie zur Impfung von Kleintieren" vorgelegt.

Bei der Lektüre haben wir sehr gegähnt. Fortschritte im Vergleich zur Version von 2009 sind nicht zu erkennen.

Selbstverständlich hält man fest an der Dreijahresimpferei gegen Staupe-Hepatitis-Parvo - als hätte es die Klarstellung des Weltverbands der Kleintierärzte (WSAVA) vom Mai dieses Jahres niemals gegeben.

Die WSAVA hat unmissverständlich erklärt, dass ein SHP-geimpfter Hund keine Nachimpfungen gegen SHP braucht. Siehe: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=kn%C3%BCller


***


Man hätte gern endlich einen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen der SHP-Nachimpferei gesehen, wie sie hier unverdrossen empfohlen wird.

Einen Beleg für den Nutzen jährlicher oder zweijährlicher Schnupfenimpfungen bei Katzen. 

Oder für den Nutzen der FeLV-Nachimpferei bei Katzen jenseits des ersten Lebensjahres.

Das grundlegende Manko dieser "Leitlinie" (wie auch ihrer Vorgänger) ist, dass hier Eminenz statt Evidenz geboten wird.

Professoren-Meinungen anstelle wissenschaftlich fundierter Aussagen.




PS: Man sehe sich im Vergleich dazu Leitlinien wissenschaftlicher Fachgesellschaften in der Humanmedizin an. Die sind auch nicht über jede Kritik erhaben, aber so nonchalent geht man dann doch nicht vor. Und natürlich hält die deutsche "Leitlinie" einem Vergleich mit den US-Vorbildern nicht im entferntesten stand.

PPS: Komisch ist auch, dass die PEI-Studie zur Seuche-Impfung der Kätzchen überhaupt keinen Niederschlag findet in der "Leitlinie". Ist es egal, dass erschreckend viele Katzenwelpen auch nach drei Impfungen keinen Seucheschutz haben?

Sonntag, 30. Juni 2013

Tollwut in Deutschland, Gesamtzahlen 2012



Laut Rabies Bulletin Europe wurden in Deutschland 2012 ingesamt 14 Fälle von Fledermaustollwut festgestellt.


Tollwut bei Wildtieren (außer Fledermäusen): null Fälle
Tollwut bei Haustieren: null Fälle


Auf Tollwut untersucht wurden insgesamt 6791 Tiere, darunter 467 Haustiere und 103 Fledermäuse.



Und trotzdem gibt es immer noch Tierärzte, die Katzen und Hunde jährlich gegen Tollwut impfen.

Eine Schande ist das.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Coronaviren, FIP und der Impfstoff





Wissenschaftler an der Cornell-Universität (US-Bundesstaat New York) haben nach eigenen Angaben die Mutation entdeckt, durch die das - an sich harmlose - Coronavirus der Katze zum tödlichen FIP-Erreger wird.

Ganz en passant enthält die Cornell-Pressemitteilung eine hübsche Spitze gegen den FIP-Impfstoff.


Er ist in Deutschland, den USA und anderswo seit vielen Jahren am Markt, sein Nutzen wird aus guten Gründen sehr stark bezweifelt.(*) Dennoch gibt es nicht wenige Tierärzte, die ihn verwenden. Eine Praxis, die diese Impfung anbietet, hätte unser Vertrauen nicht.


Die Entdeckung der Forscher öffne die Tür für die Entwicklung erster funktionierender Impfstoffe, Diagnostika und Therapien für FIP, teilt Cornell mit.

Das heißt: Einen funktionierenden FIP-Impfstoff gibt es bisher nicht. Was unseres Wissens ja auch nur den Tatsachen entspricht.




(*) In einer deutschen Studie mit tierheimähnlichen Bedingungen erkrankten von 20 FIP-geimpften Kätzchen zwölf an FIP, von den 20 nicht FIP-geimpften Kätzchen zehn. Das Produkt ist ein schönes Beispiel dafür, dass es für die Zulassung von Haustierimpfstoffen auf erwiesene Wirksamkeit offenbar nicht ankommt.