Dieses Blog durchsuchen

Dienstag, 26. Februar 2013

Mondpreise

Auf Amazon finden sich folgende Schnäppchen:  

"Katzen impfen mit Verstand" für 500 (!) Euro,
"Hunde impfen mit Verstand" für 250 Euro und
"Haustiere impfen mit Verstand" für 200 Euro.

Diese Preisvorstellungen scheinen uns doch etwas hochgegriffen.  

Noch ein wenig Geduld, dann gibt's die Nachfolger, und zwar über Hundeimpfungen und über Katzenimpfungen.

Zu Preisen weit unter 500, 250 oder 200 Euro.

Und topaktuell.



PS: Wer bereit ist, für KimV, HimV oder HaimV 200 bis 500 Euro zu zahlen, sollte sich mit der Autorin in Verbindung setzen. Sie würde eines ihrer knappen Restexemplare unter der Bedingung hergeben, dass der Betrag an eine Tierschutz-Orga ihrer Wahl gespendet wird.




Donnerstag, 21. Februar 2013

Blütenlese Tollwut: Fuchs-Abknallwoche im Spessart


Dominik Storr, Rechtsanwalt in Neustadt am Main, hat im Auftrag von Tierschutzorganisationen bei der Würzburger Staatsanwaltschaft Strafanzeige gestellt gegen die Verantwortlichen einer "Fuchswoche", bei der 92 Füchse abgeknallt wurden. Gerechtfertigt wurde diese Massentötung, die vom 20. Januar bis 3. Februar dieses Jahres dauerte, laut Lokalpresse mit angeblicher Seuchengefahr durch Tollwut, Fuchsbandwurm und Räude.(*)

Storr sieht darin einen mutmaßlichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetzweil die Jägerschaft nicht zuständig ist für die Abwehr von Tierseuchen. Die angebliche Seuchengefahr bezeichnet er als Jägerlatein. Deutschland ist seit 2008 tollwutfrei. Die Gefahr von Fuchsbandwurm gehört, wie er in seiner Anzeige belegt, "ins Reich der Legenden", auch die Räude könne die Massentötung nicht rechtfertigen (nur acht Füchse waren befallen).

Da Tollwut, Fuchsbandwurm und Räude als Jägerlatein entlarvt seien, bleibe als Grund für diese Massenjagd nur noch die Freude am Töten, so der Anwalt.

Zudem fand das revierübergreifende Mordsvergnügen zu einer Zeit statt, als anhaltender Frost mit geschlossener verharschter Schneedecke herrschte; Wildtiere in dieser harten Zeit über viele Tage zu hetzen und zu stressen ist alles andere als waidgerecht. 


Storrs Pressemitteilung und den Text der Strafanzeige kann man hier nachlesen:
http://www.buergeranwalt.com/2013/02/19/pressemitteilung-strafanzeige-wegen-der-massentotung-von-fuchsen-im-spessart/

***


Die Aktion zeigt wieder einmal, dass Schießwütigen kein Pseudo-Argument zu blöd ist, um ihrem Trieb nachzugehen. Da wird dann sogar die Tollwut wieder hervorgeholt. Manche Jäger pflegen einen geradezu pathologischen Hass gegen Füchse und anderes "Raubzeug" und sind auch durch wissenschaftliche Fakten nicht von dem Wahn abzubringen, sie könnten die Fuchspopulation mit der Flinte regulieren.


***


Wir wünschen dem Anwalt und seinen Mandanten von Herzen Erfolg. Da allerdings viele Staatsanwälte und Richter - notorisch sehr statusorientierte Berufsgruppen -  selbst Jäger sind, sind wir nicht sehr optimistisch.



(*) Die Staupe ist den sauberen Jägern als "Seuchengefahr" offenbar nicht eingefallen. 

Dienstag, 19. Februar 2013

Neue Katzen-Impfrichtlinien - woran hakt's?

Eigentlich sollte Ende 2012 eine neue, aktualisierte Version der Katzen-Impfempfehlungen des US-Fachverbands AAFP veröffentlicht werden.(*)

Bis heute ist aber noch nichts geschehen.

Ob es wohl starke Meinungsverschiedenheiten unter den - mehr oder weniger industrienahen - Experten gibt?

Immerhin vertreten einige Fachleute auf dem Gebiet die Meinung, dass man Katzen zwecks Impfsarkom-Verhütung nur noch adjuvansfreie Impfstoffe geben sollte.

Das wäre angenehm für Merial, den Hersteller mit dem kompletten Portefeuille adjuvansfreier Produkte, der Konkurrenz mit ihren adjuvanshaltigen Impfstoffen wäre es sicherlich nicht recht. 

Oder liegt es daran, dass manche gern jährlich oder mindestens zweijährlich gegen Schnupfen (Herpes- und Calicivirus) nachimpfen wollen, andere aber nur alle drei Jahre?
S. a. http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2012/11/katzenimpfung-im-wirrwarr-der.html

Oder beharkt man sich wegen ganz anderer Themen?

Wir sind jedenfalls gespannt, was rauskommt.



(*) Die American Association of Feline Practitioners hat Ende 1997 als erster Fachverband neue Impfprotokolle mit verlängerten Nachimpf-Abständen veröffentlicht. Ein wichtiger erster Schritt. Selbstverständlich aber nur ein fauler Kompromiss, denn auch dreijährliche Nachimpfungen entbehren einer sauberen wissenschaftlichen Basis.

Montag, 18. Februar 2013

Vierfach-Impfstoff gegen Lepto

Nobivac 4L, der Vierfach-Impfstoff gegen Lepto, wurde 2012 von der Europäischen Arzneimittelbehörde Ema zugelassen und ist inzwischen beim Paul-Ehrlich-Institut in der Liste der zugelassenen Impfstoffe aufgeführt.

Das Produkt soll Infektionen und die Ausscheidung von Leptospiren(*) im Urin vermindern (von verhindern ist nicht die Rede im Bewertungsbericht der Ema). Das gilt auch nur für drei der vier Lepto-Arten, für bratislava wurde in den Versuchen keine Verminderung der Bakterienausscheidung nachgewiesen. Der Impfstoff besteht aus abgetöteten ganzen Bakterien (= Ganzkeim-Bakterin = "dirty vaccine" = nebenwirkungsträchtig) und enthält zwecks Konservierung Thiomersal.

In Feldstudien zur Sicherheit des Produkts mit einer nicht genannten Gesamtzahl von Hunden (Welpen, ausgewachsene Hunde, auch trächtige Hündinnen) starben laut Ema zwei Welpen zwei Tage nach der Impfung. Eine Todesursache sei nicht gefunden worden, heißt es im Bericht. Ob und wie das untersucht wurde, wird nicht mitgeteilt. Die Kontrolltiere erhielten statt L4 den Zweifach-Impfstoff Nobivac Lepto. Fast alle Welpen (Vierfach- oder Zweifachprodukt) zeigten nach der ersten und nach der zweiten Impfung lokale Reaktionen, und zwar Schwellungen an der Impfstelle bis zu 3,5 Zentimeter (vermutlich Durchmesser) sowie lokale Schmerzempfindlichkeit, die etwa 14 Tage anhielt. Bei den adulten Hunde wiesen 18 Prozent lokale Reaktionen auf. Eine der trächtigen Hündinnen starb, untersucht wurde das nicht.

In den Versuchen zur Wirksamkeit des Impfstoffs (für jede Lepto-Art extra) ergaben sich laut Ema nach der Belastungsinfektion mit Leptospiren statistisch signifikante Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Welpen. Bei Testinfektionen ein Jahr nach der Grundimmunisierung erwies sich, dass Hunde auch gegen Lepto eine altersabhängige Abwehr entwickeln, die Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Junghunden waren deutlich geringer als zwischen den geimpften und den ungeimpften Welpen. 

Der Impfstoff kann Welpen ab sechs Wochen verabreicht werden, die zweite Impfung soll vier Wochen danach erfolgen. Im Fall von hohen maternalen Antikörpertitern (also von der Mutterhündin stammenden Lepto-Titern der Welpen) wird die erste Impfung ab neun Wochen empfohlen. Selbstverständlich soll jährlich nachgeimpft werden.



PS: Bei Menschen sind jährliche Wiederholungen nicht üblich, auch nicht im Fall von bakteriellen Impfstoffen.



(*) Enthalten sind folgende Serogruppen, resp. Serovaren: Leptospira interrogans Serogruppe canicola Serovar canicola; L. interrogans Serogruppe icterohaemorrhagiae Serovar copenhageni; L. interrogans Serogruppe australis Serovar bratislava; L. kirschneri Serogruppe grippotyphosa Serovar Bananal/Liangguang

Donnerstag, 14. Februar 2013

US-Debatte über Homöopathie in der Tiermedizin

Der US-Tierarztverband American Veterinary Medical Association diskutiert darüber, ob die Homöopathie in der Veterinärmedizin offiziell geächtet werden soll. Hintergrund ist u. a. die anstehende Überarbeitung der AVMA-Richtlinie zu Komplementär- und Alternativmedizin.

Gegner der Homoöpathie argumentieren, dass deren Wirksamkeit nicht erwiesen sei und sie sich gefälligst der Überprüfung mit den Methoden der evidenzbasierten Medizin zu unterziehen habe.

(Wogegen die Anhänger gar nichts haben. Auch sie befürworten entsprechende Studien, aber wer würde sie bezahlen? Die Globuli-Hersteller gewiss nicht.) 

Egal wie man zur Homöopathie steht: Uns fallen auf Anhieb weitverbreitete veterinärmedizinische Praktiken ein, die sehr viel dringlicher als die Homöopathie einer gründlichen wissenschaftlichen Überprüfung bedürfen, zum Beispiel

- die jährliche Nachimpferei mit Viruslebendimpfstoffen;
- die dreijährliche Nachimpferei mit Viruslebendimpfstoffen;
- die Anwendung von Impfstoffen, deren Wirksamkeit mehr als fragwürdig ist (zB FIP-Impfstoff, FIV-Impfstoff)

Usw., usf.