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Mittwoch, 29. Mai 2013

Öffentlich-rechtlicher Stuss über Haustierimpfungen



Am 22. Mai brachte das ARD-Morgenmagazin eine Sendung über Impfungen für Haustiere, nebst einem "Service"-Text auf seiner Website.

Wir haben die Sendung nicht gesehen, aber der Text liest sich wie ein PR-Stück für Tierarztverbände und Impfstoffhersteller.

Journalistische Recherche? Faktencheck? Nix, null, nada. 


Hier die allerschlimmsten Klöpse:



"Nebenwirkungen sind äußerst selten geworden"

ARD-Text:
"Die von Tierhaltern gefürchteten Impfreaktionen und Nebenwirkungen sind bei den modernen Impfstoffen äußerst selten geworden und stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen einer Impfung."

Welche "modernen" Impfstoffe sollen das denn sein? Die "modernen" Impfstoffe für Katzen und Hunde kann man an einer Hand abzählen, viele Produkte sind alt, zum Beispiel die Staupe- und Hepatitis-Impfstoffe für Hunde, fast alle Seuche-Schnupfen-Impfstoffe für Katzen oder fast alle Tollwutimpfstoffe. Wenn die Produkte seit vier oder fünf oder sechs Jahrzehnten die gleichen sind, wie soll dann die Nebenwirkungsrate gesunken sein?

Und: Woher will der Verfasser/die Verfasserin dieses Textes überhaupt wissen, dass Nebenwirkungen "äußerst selten geworden" sind? Dazu müsste man ja belastbare Vergleichsdaten haben, von früher und von jetzt. Die existieren gar nicht.

Hinzu kommt: Mindestens 90 Prozent der Nebenwirkungen werden sowieso niemals gemeldet. Früher sowieso nicht, und auch heute nur ausnahmsweise.

Dazu braucht man nur mal zu vergleichen, wie viele Impfsarkom-Katzen pro Jahr in deutschen Praxen und Kliniken operiert werden und wie wenige Impfsarkom-Meldungen das Paul-Ehrlich-Institut erhält.


"Nur die Hälfte/nur ein Drittel geimpft"

ARD-Text:
"Doch nur etwa die Hälfte aller deutschen Hunde und ein Drittel aller Katzen verfügen über einen ausreichenden Impfschutz."

Wir haben beim Morgenmagazin angefragt, worauf diese abenteuerliche Behauptung beruht, geantwortet hat man uns nicht.

Wie ermittelt man die Impfquote in einer Population? Man setzt die Zahl der verkauften Impfdosen ins Verhältnis zur Gesamtzahl derjenigen, die Zielgruppe dieser Impfstoffe sind.

In der Kleintiermedizin geht das regelmäßig in die Hose. Denn hier gilt ja nur als geimpft, wer jährlich vollgeknallt wird. Nach Zielgruppen/Altersgruppen wird gar nicht unterschieden.

Beispielsrechnung: Insgesamt acht Millionen Katzen in Deutschland, jährlicher Verkauf von Seuche-Schnupfen-Impfdosen rund 2,6 Millionen, ergo: Zwei Drittel aller Katzen sind "ungeimpft".
Nach dieser Berechnungsmethode wäre die deutsche Bevölkerung nahezu vollständig "ungeimpft".



"Hunde/Katzen erkranken am häufigsten an Tollwut"

ARD-Text:
"Hunde erkranken am häufigsten an Tollwut, Staupe, HCC (....) Parovirose ((sic)) und Leptospirose, Katzen am häufigsten an Tollwut, Katzenschnupfen, Katzenseuche (...) und Katzenleukämie."

Holla. Hier wird ja echtes Geheimwissen geboten.

Es ist so geheim, dass nur das ARD-Morgenmagazin davon Kenntnis hat.

Woanders ist es nämlich völlig unbekannt, dass deutsche Hunde und Katzen "am häufigsten an Tollwut" erkranken.

Vielleicht sollte mal jemand den Veterinär- und Gesundheitsbehörden Bescheid sagen. Denn die wissen davon nichts.

Montag, 27. Mai 2013

Mitgliedschaft u. a. m.




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Eine schöne Woche allerseits.

Mittwoch, 22. Mai 2013

OT: Viruslebendimpfstoffe in der Humanmedizin



Viruslebendimpfstoffe, also Impfstoffe mit abgeschwächten Lebendviren, werden in der Humanmedizin in der Regel ein- oder zweimal verabreicht; das genügt, und zwar fürs ganze Leben.  

Eine der Ausnahmen war die Gelbfieberimpfung, die für Reisen in etliche tropische Länder vorgeschrieben ist. Bis vor kurzem wurde empfohlen, sie nach zehn Jahren wiederholen zu lassen. 

Ab sofort gilt das nicht mehr. 

Die Impfexperten-Gruppe der Weltgesundheitsorganisation hat nunmehr mitgeteilt, dass eine einmalige (!) Impfung lebenslang (!) schützt. 

Seit den 30er Jahren seien 600 Millionen Dosen verabreicht worden, und es seien nur zwölf Fälle von Impfdurchbrüchen (= Erkrankung trotz Impfung) bekannt. In allen Fällen sei die Erkrankung in den ersten Jahren nach der Impfung aufgetreten.

99 Prozent der Impflinge entwickeln laut WHO binnen 30 Tagen Immunschutz gegen die Infektion. 
http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2013/yellow_fever_20130517/en/index.html


***


Das illustriert mal wieder: In der Humanmedizin sind "Auffrischimpfungen" mit Viruslebendimpfstoffen unüblich.

Und jetzt gilt das auch für die Gelbfieberimpfung (über deren ungewöhnliches Impfschema wir schon lange gegrübelt hatten).


***


Den Heckmeck mit Titerkontrollen kennt die Humanmedizin ebenfalls nicht. Wer seine einmalige Gelbfieberimpfung erhält, wird nicht hinterher zwecks Antikörpermessung zur Ader gelassen.

Nicht in den (meist armen) tropischen Ländern, wo es sowieso nicht finanzierbar wäre.

Aber auch nicht in den reichen Ländern, wenn sich Leute für eine Reise in Gelbfieber-Regionen impfen lassen.

Man verlässt sich darauf, dass die Immunisierung bei den allermeisten Impflingen funktioniert.


***


Manche Veterinäre sind ja der Meinung, man müsse unbedingt die SHP-Antikörper messen, wenn Hunde nicht (mehr) jährlich oder dreijährlich gegen SHP nachgeimpft werden. Also regelmäßige Titerkontrolle statt regelmäßiger "Auffrischung".

Genau darauf zielt auch das Marketing für die neuen Titerschnelltests ab.


***


Wenn das bei Menschen nicht üblich ist, warum muss das dann beim Hund sein? Ist der Impfschutz bei Menschen etwa weniger wichtig als der Impfschutz bei Hunden?

Oder geht's hier einfach um die Kohle?






PS: Nach Einschätzung des Centrums für Reisemedizin werden sich die Einreisevorschriften der Länder mit Gelbfieber-Impfpflicht vorerst nicht ändern. Reisende mit abgelaufenem Eintrag im Impfpass müssen sich daher erneut impfen lassen, bis die betreffenden Länder ihre Vorschriften angepasst haben.


Sonntag, 19. Mai 2013

Noch mal für die Abschreiber/innen



Am 16. Mai haben wir in diesem Blog über die "Vaccination Guidelines for New Puppy Owners" des Weltverbands der Kleintierärzte berichtet.

Am 17. Mai wird in einem Züchterblog über diese WSAVA-Richtlinie berichtet.

In dem Züchterblog heißt es, damit habe die WSAVA die jährlichen Impfungen für unsinnig erklärt.

Nope. Um die jährliche SHP-Impferei geht es längst nicht mehr.

Von der jährlichen Impferei hat sich die WSAVA schon lange vorher verabschiedet, und zwar in ihren Guidelines von 2007 (zuletzt 2010 aktualisiert).*

Das Neue an den "Vaccination Guidelines for New Puppy Owners" ist etwas ganz anderes.

Nämlich dass sich die WSAVA nunmehr auch von der dreijährlichen SHP-Impferei distanziert.

Sie stellt endlich klar, dass erfolgreich SHP-geimpfte Hunde von "Auffrischungen" überhaupt nicht profitieren. Nicht von jährlichen und auch nicht von dreijährlichen.

***


Ein kleiner Schritt für die Wissenschaft,
ein großer Schritt für die Tiermedizin.




(*) Es wurde aber auch Zeit. Schließlich läuft die Debatte über die seltsamen Impf-Gepflogenheiten in der Veterinärmedizin seit Mitte der 90er Jahre. Wenn man die erste kritische Veröffentlichung von Phillips und Schultz berücksichtigt, sogar schon seit 1978. 

PS: Jemand fragte, ob denn die WSAVA überhaupt relevant sei. - Sie ist sowohl relevant als auch einflussreich. Mitglieder sind große und kleine Tierarztverbände, wissenschaftliche Fachgesellschaften und sonstige Veterinärorganisationen aus vielen Ländern: vom größten Tierarztverband der Welt (= American Veterinary Medical Association) über die International Society for Feline Medicine bis hin zu kleinen Organisationen aus Ländern, wo es nicht viele Veterinäre und kaum wissenschaftliche Einrichtungen für Tiermedizin gibt. Aufgabe der WSAVA ist u. a. der Wissenstransfer von den reichen Ländern (und Verbänden ) zu den ärmeren. 

Freitag, 17. Mai 2013

Postscriptum zum Beitrag WSAVA-Knüller



Weil sie so schön ist (wenn auch nicht makellos), hier noch ein paar Ergänzungen und Anmerkungen zur Welpenimpfrichtlinie des Weltverbands der Kleintierärzte WSAVA.


1. Die unseres Erachtens wichtigsten Sätze darin im Wortlaut:

The WSAVA states that we should vaccinate against the core diseases no more frequently than every three years. This is often taken to mean that we should vaccinate every three years - but this is not the case. If the dog is already immune to these three core diseases, re-vaccinating will not add any extra immunity.


Das kontrastiert sehr schön zu dem Stuss, der derzeit bei uns im Zusammenhang mit Staupe bei Wildtieren immer wieder verzapft wird, zum Beispiel von einem schwäbischen Veterinäramt. Zum Staupeschutz der Hunde hieß es da: "Voraussetzung für die Wirksamkeit der Impfung" seien die abgeschlossene Grundimmunisierung und "regelmäßige Wiederholungsimpfungen". Ja, so brabbeln sie halt ohne Sinn und Verstand vor sich hin.



2. Der Vaccination Guidelines Group (VGG) der WSAVA gehören diese Vet-Profs an:

Michael Day (UK), Jolle Kirpensteijn (NL), Ron Schultz (USA), Hajime Tsujimoto (Japan), Richard Squires (Australien)


3. Völlig daneben liegt die VGG mit diesem Satz im Abschnitt über die Lepto-Impfung: 


The vaccines available today contain the serovars that are most often the cause
of canine leptospirosis in a particular geographical area.

Das ist eine ziemlich merkwürdige Behauptung. 

S. a. unseren Beitrag über die Berliner Lepto-Studie, die ergab, dass von den drei am häufigsten gefundenen Lepto-Arten nur eine in den Impfstoffen enthalten ist (und auch nur in den neueren Produkten):


4. Es gab Anfragen wegen eines Links.
Dabei lässt sich das wirklich leicht googeln, und wenn man kein Englisch kann, hilft einem der Link auch nicht weiter. Aber na gut, hier ist er.
  
http://www.wsava.org/sites/default/files/New%20Puppy%20Owner%20Vaccination%20Guidelines%20Updated%20July%2029%202013.pdf




Donnerstag, 16. Mai 2013

Knüller: Neue WSAVA-Richtlinie für die Welpenimpfung




Die WSAVA (= Weltverband der Kleintierärzte) hat eine Richtlinie für die Welpenimpfung veröffentlicht, und die ist wirklich ein Knüller. Eine Sensation. 

(Nein, das ist KEIN verspäteter Aprilscherz. Es ist wirklich wahr.)

Hier die wichtigsten Aussagen:

  • Welpen sollten ihre letzte Impfung mit den core vaccines (= Staupe-Hepatitis-Parvo = SHP = Impfstoffe, die alle Welpen erhalten sollten) mit 14 bis 16 Wochen bekommen.

  • 98 Prozent der Welpen sind damit für viele Jahre und wahrscheinlich lebenslang gegen Staupe-Hepatitis-Parvo geschützt.

  • Die empfohlene erneute SHP-Impfung der Junghunde mit einem Jahr ist KEINE Auffrischimpfung. Sie ist vielmehr als Catch-up-Impfung gedacht für diejenigen Junghunde, bei denen die letzte Welpenimpfung nicht gegriffen hat. (*)

  • Die WSAVA sagt, dass man gegen SHP nicht häufiger als alle drei Jahre impfen soll. Dies werde oft dahingehend missverstanden, dass man alle drei Jahre nachimpfen solle. Aber das ist nicht der Fall, heißt es ausdrücklich in der Richtlinie. Und zwar deshalb: Wenn der Hund bereits Immunität gegen SHP besitzt, wird diese Immunität durch Nachimpfungen NICHT ERHÖHT.



Dass wir das noch erleben durften: Der Weltverband der Kleintierärzte schreibt schwarz auf weiß, dass die Nachimpferei gegen SHP den Schutz nicht erhöht.


Danke. Danke. Danke. 


Und als nächstes bitte vernünftige Richtlinien für die Impfung der Katzenwelpen.




PS: Auch zu Lepto und Zwingerhusten äußert sich die WSAVA relativ distanziert. Interessanterweise wird darauf hingewiesen, dass es Tierpensionen gibt, die keine (frisch) zwingerhusten-geimpften Hunde aufnehmen, weil sie das Ausscheiden und Übertragen von Impferregern auf die anderen Hunde befürchten. Hübsch.

PPS: Besser wäre es natürlich gewesen, die US-Tierarztverbände und die WSAVA hätten gar nicht erst mit diesem Dreijahres-Quatsch angefangen.


(*) Professor Ron Schultz rät allerdings, mit einer weiteren SHP-Impfung nicht zu warten, bis der Hund ein Jahr alt ist, sondern sie mit sechs Monaten oder so zu geben - FALLS man sich nicht sicher ist, dass die letzte Welpenimpfung funktioniert hat. Wie schon häufiger erwähnt: Bei Welpen kann ein SP-Titertest zur Kontrolle des Impferfolgs sinnvoll sein. (Den H-Titer braucht man nicht zu messen, u. a. weil Hep so gut wie nicht mehr vorkommt.)





Zum Thema WSAVA/Hunde-Impfung siehe auch: 

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/05/postscriptum-zum-beitrag-wsava-knuller.html


http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/05/noch-mal-fur-die-abschreiberinnen.html


Kommentar zu einem (nicht besonders sachkundigen) neuen Leserkommentar










Dienstag, 7. Mai 2013

Blütenlese Tollwut: Achtung, Ratten!



In der Region Nürnberg wurde kürzlich ein Fuchs in einem Wohngebiet beobachtet (und fotografiert), der keine Scheu vor Menschen zeigte, sichtlich krank war und auch noch Schaum am Schnäuzchen hatte. Ein lokales Online-Medium berichtete darüber und breitete bei der Gelegenheit gleich eine ganz neue Theorie über Tollwut aus: Der Erreger werde von Ratten auf den Fuchs übertragen.

Ratten als Tollwutüberträger? Sehen wir doch mal nach, was das Robert-Koch-Institut zu Tollwutüberträgern mitteilt:

"Träger des klassischen Tollwutvirus waren in der Vergangenheit in unseren Breiten hauptsächlich wild lebende Tiere (Füchse, Dachse, Marder, Rehe) und bei den Haustieren Weidetiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde) sowie Hunde und Katzen. Die häufigste Infektionsquelle der Tiere ist der Fuchs, der das hauptsächliche Virusreservoir darstellt. Hunde und Katzen spielen vor allem als Expositionstiere für den Menschen eine wichtige Rolle. Nagetiere (z. B. Eichhörnchen, Ratten und Mäuse) haben als Reservoir grundsätzlich keine Bedeutung." (Hervorh. MP)


***


Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Fuchs im Nürnberger Umland tatsächlich Tollwut hatte. (*) Vermutlich war es Staupe; sie wütet seit längerem unter Wildkarnivoren. Ihre Symptome können der Tollwut ähneln.

Zu Staupe bei Wildtieren und Hunden hat neulich ein österreichischer Veterinär auf einer Jäger-Website eigentümliche Ansichten verkündet. Staupe sei - bei ungeimpften Hunden - zu fast 100 Prozent tödlich. Woher hat er das? Aus veterinärmedizinischen Fachbüchern jedenfalls nicht. An Staupe sterben 50 bis 80 Prozent der betroffenen Welpen und Junghunde. Bei ausgewachsenen Tieren ist die Sterblichkeitsrate geringer. "Fast 100 Prozent" beträgt sie jedenfalls weder bei Welpen noch bei adulten Tieren. Wäre die Mortalität dieser sehr ansteckenden Krankheit tatsächlich so hoch, wie er behauptet, gäbe es die Streunerpopulationen in südlichen Ländern längst nicht mehr, die Hunde wären schlicht und ergreifend ausgestorben.


***

Das Problem der Staupe bei Wildtieren nimmt unser wackerer Veterinär aus Österreich natürlich auch zum Anlass, gegen die angebliche Impfmüdigkeit "vieler" Tierbesitzer zu wettern. 

Deutlich entspannter äußerte sich ein Tierarzt in Südbaden. Auch dort tritt Staupe unter Wildtieren auf, und in einem Amtsblatt der Region wurde dazu aufgerufen, Hunde deshalb nur noch an der Leine zu führen. Das ist nach Meinung des Veterinärs übertrieben. Die Impfquote bei Hunden betrage schätzungsweise 90 Prozent, und damit gebe es "einen sicheren Schutz in der Hundepopulation".




(*) Falls jemand es noch nicht mitgekriegt hat: Deutschland hat seit Herbst 2008 den WHO-Status tollwutfrei. Der letzte Fall von Fuchstollwut war im März 2006. Alle Nachbarländer sind ebenfalls tollwutfrei, bis auf Polen (östliche Landesteile).



Lepto in Berlin: Nutzen neuerer Impfstoffe sehr begrenzt




Ältere Lepto-Impfstoffe enthalten zwei Typen dieses bakteriellen Erregers: Leptospira canicola und L. icterohaemorrhagiae.

Neuere Produkte enthalten drei (can., ict., grippotyphosa) oder vier (can., ict., gripp., bratislava).

Da passt es schlecht ins Marketing für die neueren Impfstoffe, was Wissenschaftler über Leptospirose in Berlin herausgefunden haben.

Sie bestimmten bei 329 Hunden mit Lepto-Verdacht, mit welchem Erregertyp sie infiziert waren.

Am häufigsten (24 Prozent) wurde die Serovar australis gefunden (nicht in den neuen Impfstoffen enthalten).

Am zweithäufigsten (20 Prozent) die Serovar grippotyphosa (in den neuen Impfstoffen enthalten).

Am dritthäufigsten (acht Prozent) die Serovar pomona (nicht in den neuen Impfstoffen enthalten).

18 Prozent der untersuchten Hunde waren tatsächlich an Leptospirose erkrankt. Auf sie entfielen die folgenden Lepto-Typen:

28 Prozent australis

18 Prozent grippotyphosa

14 Prozent pomona


Gut möglich, dass sich in anderen Regionen ein ähnliches Bild ergeben würde, wenn man sich die Mühe machen würde. Die uns bekannten Untersuchungen zum Vorkommen von Lepto-Typen bei Hunden (je eine aus Süddeutschland und aus Norddeutschland) sind nicht gerade aktuell. 


PS: Über 80 Prozent der lepto-verdächtigen und lepto-kranken Hunde waren dagegen geimpft.