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Sonntag, 30. Juni 2013

Tollwut in Deutschland, Gesamtzahlen 2012



Laut Rabies Bulletin Europe wurden in Deutschland 2012 ingesamt 14 Fälle von Fledermaustollwut festgestellt.


Tollwut bei Wildtieren (außer Fledermäusen): null Fälle
Tollwut bei Haustieren: null Fälle


Auf Tollwut untersucht wurden insgesamt 6791 Tiere, darunter 467 Haustiere und 103 Fledermäuse.



Und trotzdem gibt es immer noch Tierärzte, die Katzen und Hunde jährlich gegen Tollwut impfen.

Eine Schande ist das.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Coronaviren, FIP und der Impfstoff





Wissenschaftler an der Cornell-Universität (US-Bundesstaat New York) haben nach eigenen Angaben die Mutation entdeckt, durch die das - an sich harmlose - Coronavirus der Katze zum tödlichen FIP-Erreger wird.

Ganz en passant enthält die Cornell-Pressemitteilung eine hübsche Spitze gegen den FIP-Impfstoff.


Er ist in Deutschland, den USA und anderswo seit vielen Jahren am Markt, sein Nutzen wird aus guten Gründen sehr stark bezweifelt.(*) Dennoch gibt es nicht wenige Tierärzte, die ihn verwenden. Eine Praxis, die diese Impfung anbietet, hätte unser Vertrauen nicht.


Die Entdeckung der Forscher öffne die Tür für die Entwicklung erster funktionierender Impfstoffe, Diagnostika und Therapien für FIP, teilt Cornell mit.

Das heißt: Einen funktionierenden FIP-Impfstoff gibt es bisher nicht. Was unseres Wissens ja auch nur den Tatsachen entspricht.




(*) In einer deutschen Studie mit tierheimähnlichen Bedingungen erkrankten von 20 FIP-geimpften Kätzchen zwölf an FIP, von den 20 nicht FIP-geimpften Kätzchen zehn. Das Produkt ist ein schönes Beispiel dafür, dass es für die Zulassung von Haustierimpfstoffen auf erwiesene Wirksamkeit offenbar nicht ankommt.



Totimpfstoffe "alle halbe Jahre"




Katzenhalter/innen scheinen für absurde Impfmythen besonders empfänglich zu sein. Dieser Eindruck drängt sich leider immer wieder auf, wenn man stichprobenartig in Webforen schaut.

Typisches Fundstück: Da erzählt eine Katzenhalterin, ihr neu erworbenes Rassekätzchen habe eine richtig schwere Impfreaktion erlitten.

(Der Tierarzt möchte das Kätzchen übrigens gar nicht mehr impfen.)

Jetzt überlege sie, eine Totimpfstoff-Kombi gegen Seuche-Schnupfen geben zu lassen. Mit Totimpfstoffen müsse die Katze dann aber alle sechs Monate nachgeimpft werden. 

Du lieber Himmel. Wie kommen die Leute nur auf so einen Blödsinn? Wer hat das in die Welt gesetzt?


Wer glaubt, dass Totimpfstoffe (Impfstoffe mit abgetöteten Erregern) nur sechs Monate schützen, der sollte sich konsequenterweise beim Hausarzt zur halbjährlichen Nachimpfung zB gegen Tetanus, Diphtherie und Polio (= Totimpfstoffe) anmelden. Der Doktor würde staunen.


Tatsache ist: Auch Totimpfstoffe schützen Katzen sehr lange gegen Seuche. Das haben Scott und Geissinger in ihren zwei bahnbrechenden Studien zum Langzeitschutz nach Impfung mit einer Totimpfstoff-Kombi gegen Seuche und Schnupfen gezeigt.

Der Seucheschutz war noch 7,5 Jahre nach der Impfung exzellent. Laut Scott und Geissinger ist davon auszugehen, dass er lebenslang anhält.

Der Schutz gegen die Schnupfen-Erreger Herpes- und Calicivirus war nicht so gut, aber das liegt an der Art der Erreger. Schnupfen-Impfstoffe schützen nicht vor Infektion und Symptomen, bestenfalls haben die geimpften Katzen mildere Symptome als ungeimpfte. Das gilt für frisch geimpfte Tiere genauso wie für solche, deren Impfung schon lange zurückliegt.

Beispielsweise Calici: Bei Kätzchen, die drei Wochen nach Impfung mit Calici-Lebendimpfstoff einer Belastungsinfektion ausgesetzt wurden, betrug die relative Schutzrate 64 Prozent, bei den Katzen in der Langzeit-Studie (Totimpfstoff, Belastungsinfektion 7,5 Jahre später) 63 Prozent.






PS: Die Geschichte erinnert uns an eine andere, die uns vor längerer Zeit in einem Katzenforum ziemlich entsetzt hat. Da berichtete eine Frau ganz stolz und überzeugt, an einer Schweizer Uni-Tierklinik würden chronisch schnupfenkranke Katzen alle halbe Jahre mit Totimpfstoff nachgeimpft. Die armen Tiere. Was sie davon haben sollen, ist völlig schleierhaft. Eine wissenschaftliche Basis hat dieses Impfprogramm jedenfalls nicht. Denn hätten Schnupfen-(Tot)impfstoffe einen therapeutischen Nutzen, also einen Nutzen für chronisch schnupfenkranke Katzen, wäre das der Fachwelt nicht verborgen geblieben.

PPS: Zwecks Impfsarkomverhütung sollten Katzen Seuche-Schnupfen-Lebendimpfstoffe erhalten. Totimpfstoffe enthalten Adjuvantien = erhöhtes Sarkomrisiko.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Masernpartys und Staupepartys



Seit über 15 Jahren lauern wir darauf, dass endlich mal jemand Staupepartys erfindet.

Warum?

Weil die "Masernparty" ebenso lange in Veröffentlichungen erzürnter Kleintierärzte ihren festen Platz hat.

Das geht so:

Ein Veterinär wettert in einem Tierarztblatt o. ä. über renitente Tierhalter/innen, die ihre Katzen oder Hunde nicht jährlich nachimpfen lassen. 

Und weil man ja keine Argumente für die jährliche Komplettimpfung hat, muss man die kritischen Tierhalter/innen als spinnerte Radikale verunglimpfen

Man muss sie zu Impfgegnern erklären.

Und was machen Impfgegner? Richtig: Sie veranstalten Masernpartys!(*)

Der erboste Veterinär hat zwar nicht den Schimmer eines Beweises, dass es diese Masernpartys jemals gegeben hat, aber egal, er schreibt es hin.(**)

Denn wer jährliche Komplettimpfungen verweigert, der kann von Masernpartys mental nicht weit entfernt sein. Ist doch alles das gleiche Gesocks.

***

Das ist die Stelle, an der wir uns jedesmal wundern.

Warum schreiben angesäuerte Veterinäre immer über Masernpartys?

Warum erfinden sie nicht gleich Staupepartys?




PS: Masernvirus und Staupevirus sind eng miteinander verwandt.



 

(*) Also Partys, bei denen maserninfizierte Kinder ihre Altersgenossen anstecken sollen.
(**) So zum Beispiel der emeritierte Veterinärprofessor Marian Horzinek, der es eigentlich hätte besser wissen müssen. Auch er hat - mehr als einmal - die Masernparty zitiert. Tja, wenn man sonst keine Argumente hat.

Samstag, 8. Juni 2013

Mal wieder voll in die Hose




Wenn  sich Tierärzte über Impfungen und Immunitätsdauer äußern, geht das erschreckend oft in die Hose.

Wissen sie es nicht besser, oder verdrehen sie die Tatsachen mit Absicht?

Unser aktuelles Fundstück*:

Zitiert wird eine Tierärztin, die an einer Universität tätig sein soll**, mit der Behauptung, dass Impfstoffe für Hunde heute länger wirksam seien als noch vor zehn Jahren.

Wie bitte?

Was hat sich denn an Parvo-, Staupe- oder Hepatitis-Impfstoffen in den vergangenen zehn Jahren geändert?

Antwort: gar nichts. Es sind die gleichen gefriergetrockneten Zellkulturimpfstoffe wie eh und je mit den gleichen Lebendimpfviren (manche Impfvirustypen werden seit über 50 Jahren unverändert verwendet).

Sie haben schon immer mehr als nur ein Jahr und mehr als nur drei Jahre Schutz verliehen.

Geändert haben sich nur die Empfehlungen zur Häufigkeit der "Auffrischimpfungen".



Dankenswerterweise hat der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA kürzlich klargestellt, dass auch die dreijährliche Nachimpferei gegen Staupe-Hepatitis-Parvo sinnlos und unnötig ist.

S. http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/05/wsava-richtlinie-fur-die-welpenimpfung.html

Schmerzlich für Tierärzte und Hersteller, aber schön für Hunde und Tierhalter/innen.



Das oben Gesagte gilt auch für Tollwutimpfstoffe.

Wurden neue T-Impfstoffe für Hunde (oder Katzen) entwickelt, nachdem die EU-Kommission endlich Schluss gemacht hatte mit der Pflicht zur jährlichen Nachimpfung?

MITNICHTEN. Es war auch gar nicht nötig. Diese Impfstoffe haben Katzen und Hunde schon immer weit länger als ein Jahr geschützt.

Nachlesen kann man das in der vorzüglichen Übersichtsarbeit, die der Tollwutexperte Michel Aubert 1992 (!) im Journal der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) veröffentlicht hat.

Seit den 70er Jahren -

also seit die heute üblichen inaktivierten adjuvanshaltigen Tollwutimpfstoffe für Haustiere nach und nach an den Markt kamen -

war bestens bekannt und belegt, dass sie nicht nur 365 Tage wirken. Sie mussten nämlich vor der Zulassung auf eine Immunitätsdauer von mindestens drei Jahren getestet werden.

Es hat nur leider über vier Jahrzehnte gedauert, bis der Unfug der jährlichen T-Impfung endlich abgeschafft wurde.







* Wir wollen gar nicht verraten, woher das Fundstück stammt, das wir uns hier vornehmen. Wir wollen der Fundstelle keinen Traffic bescheren, und es ist im Grunde auch ganz wurscht, wo genau dieser Käse veröffentlicht wurde. 
** Von der LMU München ist sie nicht.  

Lepto-Impfstoffe: Bald noch mehr Gedränge



Zoetis (= neuer Name der Pfizer-Veterinärsparte) hat zusammen mit einem tschechischen Veterinärpharmahersteller Bioveta einen Vierfach-Leptoimpfstoff getestet.

Seit 2011 ist in Deutschland ein Dreifach-Leptoimpfstoff von Pfizer zugelassen, den es zusammen mit SHPPi und SHPPi+Tollwut sowie in den kleinen Versionen L3 oder L3+Tollwut gibt. Irritierend daran ist, dass die Tollwutkomponente nur für ein Jahr zugelassen ist.

Wie in diesem Blog schon angemerkt: Hunde, die die Kombi SHPPi/L3T oder L3T erhalten, müssen also völlig unnötigerweise jährlich gegen T geimpft werden, um amtlich gültigen Tollwutimpfschutz zu haben. Zum Glück gibt es reichlich Alternativen, dh Dreijahres-Tollwutimpfstoffe für Hunde.

Seit Intervet/MSD mit dem neuen Vierfach-Leptoimpfstoff am Markt ist, ist mit einem Dreifach-Produkt wahrscheinlich nicht mehr gut auftrumpfen. Es ist anzunehmen, dass Pfizer/Zoetis deshalb jetzt auch ein Vierfach-Produkt entwickelt.

Natürlich hat der Vierfach-Leptoimpfstoff laut den (vorab online veröffentlichten) Studien ganz dolle Ergebnisse erbracht: super Schutz etc. pp. (*)


So weit, so üblich in Herstellerstudien.

Die in der Berliner Lepto-Studie am häufigsten und am dritthäufigsten in Hunden entdeckten Lepto-Typen enthält aber auch dieses neue Produkt nicht

Siehe s. a. http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=lepto+berlin




PS: Interessant sind die Pfizer-Studien höchstens am Rande: Wie schon in anderen Studien wurde auch hier festgestellt, dass Hunde eine altersabhängige natürliche Abwehr gegen Leptospiren besitzen. Als geimpfte und ungeimpfte Versuchshunde etwa ein Jahr nach Studienbeginn Belastungsinfektionen ausgesetzt wurden, waren die Unterschiede der klinischen Symptome zwischen Impflingen und Kontrolltieren nur für Leptospira bratislava statistisch signifikant, also aussagekräftig.


(*) Kann man glauben oder auch nicht.