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Mittwoch, 31. Juli 2013

Tollwut-Import und Impfpflicht



Deutsche Urlauber haben unter Verstoß gegen Impf- und sonstige Einreisevorschriften aus Marokko einen Welpen mitgebracht, bei dem Tollwut festgestellt worden ist.


Es war nicht der erste Fall dieser Art und wird auch nicht der letzte bleiben. Manche Leute scheinen nicht zu begreifen, dass sie mit illegalen Hunde-Importen aus Tollwutregionen Menschen und Tiere in tödliche Gefahr bringen


Nach Auskunft des Landkreisamts Bamberg wurden diesmal wenigstens keine Kontakttiere eingeschläfert, denn alle Kontakttiere hätten eine gültige Tollwutimpfung gehabt



Natürlich wird jetzt wieder die (Tollwut-) Impfpflicht für Haustiere gefordert. Dabei war die Impfung der Haustiere selbst früher, als es in Deutschland noch viel Wildtiertollwut gab, nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Tollwutverordnung besagte (und besagt auch heute), dass Haustiere ohne nachweislichen Impfschutz im Verdachtsfall zu töten sind, und das genügte.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Impfstoff-Werbung, ausnahmsweise ganz ehrlich



In den USA sowie in Kanada und Australien ist ein Impfstoff gegen FIV (felines Immundefizienzvirus, "Katzenaids") am Markt, den es bei uns zum Glück nicht gibt.

Das Zeug ist mehr als fragwürdig: Studien haben gezeigt, dass es gegen die vielen verschiedenen FIV-Typen gar nicht schützt (Dunham 2006) und dass es sogar die Empfänglichkeit für eine FIV-Infektion erhöhen kann (Berlinski 2003; dasselbe passierte übrigens auch mit einem experimentellen Humanimpfstoff gegen HIV).

Aber um Schutz für die Katzen scheint es dabei sowieso nicht zu gehen. Das zeigt eine Impfstoff-Anzeige in einem australischen Veterinärblatt.

"Fel-O-Vax FIV kittens
become cats that
keep coming back"

lautet der Claim.

(Katzen, die Fel-O-Vax FIV erhalten, kommen immer wieder)

Weiter heißt es, laut einer Umfrage glaubten 76 Prozent der Tierärzte, dass die FIV-Impfung die Zahl der jährlichen Impfungen im Leben einer Katze erhöht.

Die FIV-Impfung wird also vermarktet als Hebel, die Katzenhalter zwecks jährlicher Impfungen in die Praxis zu kriegen. Weil ja für Seuche-Schnupfen blöderweise ein Dreijahresintervall eingeführt wurde.

So nackt und ehrlich haben wir Impfstoff-Werbung noch nie gesehen.



PS: Schön ist aber andererseits, dass in dem australischen Tierarztblatt der Schrecken von FIV stark relativiert wird. Es wird über eine Studie berichtet, wonach FIV-infizierte Katzen keine geringere Lebenserwartung als ihre FIV-freien Artgenossen haben. Keine neue Erkenntnis - das ist schon länger bekannt -, aber immer wieder gut zu wissen.

PPS: Natürlich ist es den Herrschaften auch schnurz, dass das Zeug ein Adjuvans enthält. Häufige Nachimpfungen mit adjuvanshaltigen Produkten steigern das Impfsarkom-Risiko. 

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/

Dienstag, 16. Juli 2013

Stiko-Leitlinie, Version 2013



Die "Ständige Impfkommission im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e. V." hat eine neue Version ihrer "Leitlinie zur Impfung von Kleintieren" vorgelegt.

Bei der Lektüre haben wir sehr gegähnt. Fortschritte im Vergleich zur Version von 2009 sind nicht zu erkennen.

Selbstverständlich hält man fest an der Dreijahresimpferei gegen Staupe-Hepatitis-Parvo - als hätte es die Klarstellung des Weltverbands der Kleintierärzte (WSAVA) vom Mai dieses Jahres niemals gegeben.

Die WSAVA hat unmissverständlich erklärt, dass ein SHP-geimpfter Hund keine Nachimpfungen gegen SHP braucht. Siehe: http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=kn%C3%BCller


***


Man hätte gern endlich einen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen der SHP-Nachimpferei gesehen, wie sie hier unverdrossen empfohlen wird.

Einen Beleg für den Nutzen jährlicher oder zweijährlicher Schnupfenimpfungen bei Katzen. 

Oder für den Nutzen der FeLV-Nachimpferei bei Katzen jenseits des ersten Lebensjahres.

Das grundlegende Manko dieser "Leitlinie" (wie auch ihrer Vorgänger) ist, dass hier Eminenz statt Evidenz geboten wird.

Professoren-Meinungen anstelle wissenschaftlich fundierter Aussagen.




PS: Man sehe sich im Vergleich dazu Leitlinien wissenschaftlicher Fachgesellschaften in der Humanmedizin an. Die sind auch nicht über jede Kritik erhaben, aber so nonchalent geht man dann doch nicht vor. Und natürlich hält die deutsche "Leitlinie" einem Vergleich mit den US-Vorbildern nicht im entferntesten stand.

PPS: Komisch ist auch, dass die PEI-Studie zur Seuche-Impfung der Kätzchen überhaupt keinen Niederschlag findet in der "Leitlinie". Ist es egal, dass erschreckend viele Katzenwelpen auch nach drei Impfungen keinen Seucheschutz haben?