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Donnerstag, 22. August 2013

Mal wieder "neue" Tollwutimpfstoffe



Zum Tollwutfall in der Region Bamberg hat sich kürzlich auch die Bundestierärztekammer zu Wort gemeldet. 

In der Mitteilung der BTK heißt es, "dank neuer Entwicklungen" gebe es "heute" Tollwutimpfstoffe, "die bis zu drei Jahre Schutz bieten".

Daran stimmt aber auch gar nichts. 

Als Anfang 2006 die ersten Tollwutimpfstoffe mit Mehrjahres-Impfabstand an den Markt kamen, handelte es sich keineswegs um neue Produkte

Es waren die gleichen wie zuvor, geändert hatten sich nur die Beipackzettel. 

Dass die Tollwutimpfstoffe für Katzen und Hunde mehr als ein Jahr Schutz bieten, war seit Jahrzehnten bekannt und schon längst in Tierversuchen nachgewiesen. 

Daher brauchten auch keine neuen Produkte entwickelt zu werden. 

Und: Für Katzen gibt es sogar Produkte mit einem Nachimpfintervall von vier Jahren. (*)

Die traurige Wahrheit ist: Jahrzehntelang wurden Katzen und Hunde ohne jeden Grund jährlich gegen Tollwut nachgeimpft. Manch ein Tier hat das nicht überlebt. 


(*) Katzenhalter/innen sollten den adjuvansfreien Dreijahresimpfstoff Purevax Rabies vorziehen. 

Irreführend und verwirrend





Ist ein Hund erfolgreich gegen Staupe-Hepatitis-Parvo geimpft, gibt es nichts zu "boostern". Das ist einfach so bei Viruslebendimpfstoffen: Geimpft ist geimpft, mehr geimpft als geimpft geht nicht. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Katzen und Hunde. 

(Deshalb ist es auch falsch, bei SHP von Grundimmunisierung zu reden, s. a. "Hunde impfen - Der kritische Ratgeber", S. 24.)

Der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA hat im Mai in seiner Impfrichtlinie für Welpenkäufer endlich offiziell zugegeben, dass es so etwas wie SHP-"Booster" eigentlich gar nicht gibt (s. Beiträge in diesem Blog von Mitte Mai). 

Warum aber reden selbst Experten, die es besser wissen, immer noch von SHP-"Boostern"? (Und warum haben sie überhaupt damit angefangen?)

Unsere Mitstreiterin Eliz Hart aus Adelaide (Australien) hat diese Frage nun in einem offenen Brief Professor Ronald Schultz gestellt: "Confusing and misleading use of the term 'booster'". 

Nachzulesen ist der Brief hier (in Englisch): 

http://users.on.net/~peter.hart/Query_re_MLV_boosters.pdf

Die Lektüre lohnt sich und ist schon wegen Eliz' geschliffener Sprache ein Vergnügen. 

Sonntag, 4. August 2013

WSAVA, Titer und Heavy Metal




Unser Posting über die WSAVA-Impfrichtlinie für Welpenbesitzer (Mai 2013) wird immer noch durchs Web verbreitet, leider auch von Leuten, die nicht ganz begriffen haben, warum die Sache so ein Knüller ist. 

So wird auf einer Hunde-Website behauptet, die WSAVA empfehle einen jährlichen Check, "bei dem auch die Titerbestimmung gegen Infektionskrankheiten durchgeführt würde".

Jährliche Titerbestimmungen empfiehlt die WSAVA in dieser Richtlinie GANZ UND GAR NICHT. Sie weist vielmehr auf die Möglichkeit hin, nach der letzten Welpenimpfung die Titer zu messen, damit man weiß, ob die Impfung gegen Staupe-Hepatitis-Parvo geklappt hat. Wenn ja, ist eine weitere (dritte oder gar vierte) SHP-Impfung unnötig, und zwar für den Rest des Hundelebens.

Für unsere Abschreiber/innen jetzt noch mal ganz langsam (und bitte diesmal korrekt abpinseln): 

Die WSAVA stellt in dieser Richtlinie klar, dass ein Welpe FÜRS GANZE LEBEN AUSREICHEND GEIMPFT IST, wenn die Titermessung ergibt, dass er Impfantikörper gegen S und P hat (H braucht man nicht zu messen). Dasselbe gilt übrigens auch für Hunde, die ihre SHP-Impfung erst jenseits des Welpenalters erhalten.

"If the dog is already immune to these three core diseases, re-vaccinating will not add any extra immunity" (WSAVA-Guideline, Abschnitt Core vaccine, Punkt 5).

Deshalb ist es unnötig, S- und P-Titer ein weiteres Mal oder gar jedes Jahr erneut zu messen.

Warum werden bei Menschen keine Impftiter, beispielsweise für Masern, gemessen? Weder beim Kleinkind gleich nach der Impfung noch bei Jugendlichen oder Erwachsenen, deren Impfung schon sehr lange zurückliegt? WEIL ES ÜBERFLÜSSIG IST.

Aber Hunde sind halt Privatpatienten, da ist die Versuchung zu unnützen medizinischen Maßnahmen immer gegeben.    

Anderes Beispiel: 

Eine Vertreterin alternativmedizinischer Ideen lobt die WSAVA-Richtlinie und stellt die These auf, dass Hunde durch die Nachimpferei mit "Schwermetallen" und "hochtoxischen Stoffen" krank gemacht würden.

Oha, Schwermetalle und hochtoxische Stoffe in SHP-, also Viruslebendimpfstoffen? Das wär' uns aber ganz neu, dass sich in diesen Impfstoffen Cadmium oder Blei usw. befinden. Auch sonst sind sie nicht "hochtoxisch".

Seufz. Man kann gegen unnötige SHP-Impfungen viel einwenden, aber um Schwermetalle geht es hier überhaupt nicht.