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Mittwoch, 27. November 2013

Hübscher Fund





In dem sehr lesenswerten Roman "The Slap" des australischen Autors Christos Tsiolkas sind wir auf etwas Hübsches gestoßen. 

Drei Freundinnen unterhalten sich; eine davon ist Tierärztin und sagt folgendes:


"I get free trips for my family from drug companies who get me to give vaccinations to animals that I know they don't really need (...) We are all whores."


"Ich bekomme von Pharmaunternehmen Gratisreisen für die ganze Familie, damit ich Tieren Impfungen gebe, obwohl ich weiß, dass sie sie nicht brauchen (...) Wir alle sind Huren"; Übers. MP.

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt



Diese Geschichte ist uns soeben zugetragen worden (herzlichen Dank an D.):


Erster Akt 

Eine Hundehalterin bringt ihren Welpen zur zweiten Impfung zur Tierärztin. Die impft nicht nur die volle Dröhnung (SHPPi/L), sondern auch Tollwut. Und dafür trägt sie als Gültigkeit vier Wochen ein. 

Auf Anraten der Züchterin geht die Tierhalterin gleich noch mal in die Praxis, um den Eintrag für die Gültigkeitsdauer der Tollwutimpfung ändern zu lassen. 

Die Tierärztin reagiert ungehalten und erklärt, sie müsse laut Beipackzettel nochmals impfen. Sie übermalt das Gültigkeitsdatum mit Tipp-Ex. 

Tipp-Ex in einem Heimtierpass? Super Idee. 

Und: In welchem Beipackzettel eines in Deutschland zugelassenen Tollwutimpfstoffs steht, dass man Welpen zweimal hintereinander impfen muss? 

Im Beipackzettel des verwendeten Produkts (Nobivac T) steht es jedenfalls nicht. Laut Beipackzettel besteht die Grundimmunisierung aus EINER Impfung im Alter von mindestens 12 Wochen.


Zweiter Akt

Die Hundehalterin geht noch einmal in die Praxis, bewaffnet mit dem Beipackzettel von Nobivac T und der Liste des Paul-Ehrlich-Instituts zur Immunitätsdauer der in Deutschland zugelassenen Tollwutimpfstoffe für Tiere.  

Die Tierärztin schreibt 2015 in den Impfpass. 

Die Tierhalterin rechnet ihr vor, dass drei Jahre Gültigkeit 2016 bedeuten.

Die Tierärztin schreibt 2016 in den Impfpass. 



***


Eine dauerhafte Vertrauensbeziehung ist da wahrscheinlich nicht entstanden. 



***


Der Fairness halber muss man aber erwähnen: Die Ständige Impfkommission Vet empfiehlt, Hunde im Welpenalter zweimal gegen Tollwut zu impfen, und zwar "aus immunologischen Gründen". Welche immunologischen Gründe das sein sollen, bleibt das Geheimnis der Stiko Vet. Hat die Zulassungsbehörde etwa gepfuscht?

Wie auch immer: Die Tierärztin wollte vielleicht nur die "Leitlinie" der Stiko Vet befolgen. (Aber warum hat sie dann nicht existente Beipackzettelvorgaben geltend gemacht?)



***


Auffallend ist, dass diese "Leitlinie" nur dann gern befolgt wird, wenn mehr Impfungen empfohlen werden, als die Hersteller verlangen

Beim Dreijahresrhythmus für Staupe-Hepatitis-Parvo (*) ist die Leitlinien-Treue der Kleintierärzte sehr viel weniger ausgeprägt

Viele - wahrscheinlich die meisten - impfen SHP immer noch jährlich.

Es sei denn, die Tierhalter/innen wehren sich





(*) Die dreijährliche "Auffrischung" für SHP ist genauso willkürlich wie die jährliche, ihr Nutzen ist nicht belegt. Komisch, dass man in der Humanmedizin in punkto Immunitätsdauer der Impfungen viel entspannter ist als in der Veterinärmedizin. Jährliche oder dreijährliche "Auffrischungen" mit Viruslebendimpfstoffen sind in der Menschenarztpraxis völlig unbekannt. 


Dienstag, 26. November 2013

Krass geimpft, krass Umsatz gemacht





Manche Tierärzte sind extrem erfindungsreich, wenn es um ihren Umsatz geht. 

Zum Beispiel diese Tierärztin, die die zwei Katzen einer Tierhalterin in Nordrhein-Westfalen seit neun Jahren jährlich gegen Tollwut impft. Und zwar mit einem Vierjahresprodukt. Und natürlich gegen alles andere auch jährlich (Seuche-Schnupfen usw.). 

Ihre Begründung: Die Tiere seien im Welpenalter nur zweimal geimpft worden und müssten deshalb lebenslang jährlich gegen alles nachgeimpft werden. 

Da fällt einem nichts mehr ein. Nur die Warnung eines US-Tierarztes, die so lautet: Wenn Sie zum Tierarzt gehen, denken Sie immer daran: Sie betreten einen Geschäftsbetrieb.(*)



(*) Das gilt natürlich nicht für alle TÄ. Unser hochverehrter Katzendoktor P. N. aus D-S bei F. ist das glatte Gegenteil. 

Donnerstag, 14. November 2013

Ein sinnloses Telefonat über Staupe-Titer



"Guten Tag, ich bin XY, habe Ihr Buch gelesen und hätte mal eine Frage wegen Staupe-Titern."


"Ich höre."

"Also, ich bin ja ganz impfkritisch und will nicht so viel impfen. Wir haben jetzt aber Fuchsstaupe in der Gegend, und da habe ich bei meinem Hund den Staupe-Titer messen lassen. Der ist 1:32. Das Labor sagt, das ist nicht genug."


"Jeder messbare Titer zeigt an, dass die Impfung geklappt hat und dass ein Immungedächtnis angelegt wurde. Das ist nicht meine Privatmeinung, sondern das, was die führenden Experten auf diesem Gebiet sagen."

"Aber das Labor sagt doch, dass der Titer nicht reicht."

"JEDER MESSBARE TITER ZEIGT AN, DASS DIE IMPFUNG GEKLAPPT HAT UND DASS EIN IMMUNGEDÄCHTNIS ANGELEGT WURDE."

"Ja, aber wenn das Labor doch sagt ..."

"Staupe und Masern sind sehr eng miteinander verwandte Viren. Werden bei Menschen Titer gemessen, wenn Masernfälle auftreten? Werden ordnungsgemäß maserngeimpfte Menschen nachgeimpft, wenn Masernfälle auftreten?"

"Äh, nein. Aber wenn das Labor doch sagt ..."

"Wissen Sie, dieses Gespräch ist sinnlos. Guten Tag."


***

Hat das Labor eine wissenschaftliche Begründung für die Behauptung, ein Staupe-Titer von 1:32 sei ungenügend? Nein. 

Kann es wissenschaftliche Belege dafür liefern, dass "Auffrischimpfungen" mit Viruslebendimpfstoffen beim nachweislich erfolgreich geimpften Tier einen Nutzen haben? Nein. 

Kann es uns erklären, warum "Auffrischimpfungen" mit Viruslebendimpfstoffen wie zB Masern (= "Menschenstaupe") in der Humanmedizin unbekannt sind? Nein. 


***

Für die, die's nicht glauben wollen, zum x-ten Mal:

Dr. Jean Dodds, US-Tierärztin, Expertin für Impfungen und Impfschäden:

"ANY measurable titer to either distemper and parvovirus means that the dog has specific committed immune memory cells to respond and afford protection upon exposure."

(JEDER messbare Titer für Staupe und Parvo bedeutet, dass der Hund spezifische Immungedächtniszellen hat, die bei Erregerkontakt aktiv werden und für Schutz sorgen. Hervorh. MP)

Welpen-Impfrichtlinien des Weltverbands der Kleintierärzte (WSAVA) 2013:

"The presence of circulating antibodies indicates that the dog is immune."

(Das Vorhandensein zirkulierender Antikörper zeigt an, dass der Hund immun ist. - Es wird also nicht gesagt: Das Vorhandensein zirkulierender Antikörper in Höhe von mindestens 1:XY zeigt an, dass der Hund immun ist.)


***

Die neuen Titerschnelltests für die Praxis, die derzeit in den USA stark vermarktet werden, liefern überhaupt keine Titerwerte in Zahlen.

Sie liefern vielmehr ein Ja/Nein-Ergebnis. Also: Antikörper nachweisbar/Antikörper nicht nachweisbar. Und das genügt völlig. Sagt zB Professor Ron Schultz.(*)

***

Aber so ein deutsches Vet-Labor weiß es natürlich besser, gell?




(*) Die Titerei mit den Schnelltests ist natürlich beim ordnungsgemäß geimpften Tier genauso rausgeworfenes Geld wie die Nachimpferei. SINNVOLL IST DIE TITERMESSUNG NUR BEIM WELPEN ZUR KONTROLLE DES IMPFERFOLGS. Aber irgendwie müssen Tierärzte ja die Umsatzverluste seit dem Rückgang der Überimpferei kompensieren, und so verkaufen sie der Kundschaft halt statt Impfstoffen ihre Titertests. 

Dienstag, 12. November 2013

Hinweise



Hinweise für die Leser/innen dieses Blogs

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2. Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt. Es ist nicht erlaubt, sie ohne Zustimmung der Urheber anderweitig zu veröffentlichen.

3. Es gibt eine Suchfunktion (oben links). Wer also zB Antwort auf die Frage sucht, ob ein vorgeimpfter Hund "neu grundimmunisiert" (brrrr) werden muss, wird hier fündig werden.*

4. Kommentare werden nur veröffentlicht, wenn sie inhaltlich weiterführen. 







* "Neue Grundimmunisierung" ist in der Humanmedizin unseres Wissens unbekannt. Dass Tierärzte meinen, man müsse vorgeimpfte Tiere "neu grundimmunisieren" (gern auch, wenn es um Viruslebendimpfstoffe!!! wie SHP geht), ist eine weitere veterinärmedizinische Spezialität. 




Montag, 11. November 2013

Gehen Tierärzte regelmäßig zur Masernimpfung?






Im Großraum Stuttgart (Esslingen usw.) zirkuliert die Staupe unter Füchsen. Das ist nichts Neues, Staupe bei Wildtieren tritt leider immer wieder auf.

Für die Freunde unnötiger Nachimpfungen bietet die Wildtierstaupe natürlich jedes Mal eine schöne Gelegenheit, über die angebliche Impfmüdigkeit der Hundehalter/innen zu schimpfen und Panik zu schüren.

So zum Beispiel ein Veterinär in Baden-Württemberg, der laut Medien das hier von sich gab:

Die Staupe-Impfung müsse, je nach Impfstoff, jährlich, alle zwei oder alle drei Jahre "aufgefrischt" werden. 

***

Das "Auffrischen" mit Viruslebendimpfstoffen ist eine veterinärmedizinische Spezialität. 

Sie ist so speziell, dass sie in der Humanmedizin ganz unbekannt ist.

***

Tierärzte, die Hunde jährlich, zweijährlich oder dreijährlich gegen Staupe nachimpfen, sollten die Konsequenzen ziehen und sich schleunigst zur Masern-Nachimpfung anmelden

Masernvirus = Morbillivirus
Masernimpfstoffe = Viruslebendimpfstoffe

Staupevirus = Morbillivirus

Dienstag, 5. November 2013

Lepto-Impfstoffe: Bakterine für Menschen zu unbekömmlich




Leptospirose gilt als die weltweit häufigste Zoonose (= Krankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wird). Humanimpfstoffe gegen Lepto sind in Kuba, China, Japan und Frankreich zugelassen, tatsächlich verabreicht werden sie offenbar ziemlich selten. 

Grund: Es handelt sich bei diesen Lepto-Impfstoffen für Menschen um Bakterine = Ganzkeim-Impfstoffe, dh sie sind aus ganzen Bakterien hergestellt. Und das ist ein medizinisches Problem. 

In einer Studie über Methoden zur Entwicklung wirksamer und nebenwirkungsarmer Lepto-Impfstoffe für Menschen heißt es denn auch ganz unverblümt (Übers. MP):


Bakterine lösen nachteilige Reaktionen
und Nebenwirkungen aus, 
und ihr Gebrauch ist im allgemeinen
auf Tiere beschränkt,
besonders Hunde, Rinder und Schweine.


Die Autoren merken zudem an, dass sich diese Impfstoffe angesichts der über 250 verschiedenen Lepto-Serovaren als wenig wirksam erwiesen haben.

(Samuel Felix et al., Subunit approach to evaluation of the immune protective potential of leptospiral antigens, 2011)


***

Schon klar. Bei Tierimpfstoffen kommt es auf Nebenwirkungen und Wirksamkeit halt nicht so an. 



Info über Fledermaustollwut



Das Friedrich-Löffler-Institut bietet auf seiner Website eine Kurzinformation über Fledermaustollwut, samt Karte zur geographischen Verteilung der Fälle (überwiegend nördlich der Mainlinie, aber nicht nur):

http://www.fli.bund.de/fileadmin/dam_uploads/Publikationen/FLI-Informationen/FLI_Information_Fledermaeuse20130610.pdf

Samstag, 2. November 2013

Impfsarkom: Spritze in die Schwanzspitze



Veterinäre an der Universität von Florida (Julie Levy und Kollegen) haben getestet, ob Impfungen bei Katzen normal funktionieren, wenn man die Injektion nicht in den Rumpf und auch nicht in die Beine gibt, sondern in die Schwanzspitze

Warum diese ungewöhnliche Körperstelle?

Weil Impfsarkome bei Katzen immer noch traurige Realität sind. 

Bekommt eine Katze dort ein Impfsarkom, kann man den Schwanz amputieren. Damit ist das Tier zwar auch behindert, aber nicht so gravierend wie nach Amputation eines Beinchens. 

Resultat: Die Impfungen funktionieren, die Katzen bilden ganz normal Antikörper, und sie haben sich den Piks in die Schwanzspitze nach Angaben der Forscher gefallen lassen. 


***

Es ist löblich, wenn sich Tiermediziner Gedanken machen, wo man die Impfspritze am besten ansetzt. 

Aber:  Damit wird kein einziges Impfsarkom verhindert

Zweck der Studie war nicht, Impfsarkome zu verhindern oder das Risiko für Impfsarkome zu senken, sondern die Folgen abzumildern

Also Schwanzamputation statt Amputation einer Gliedmaße (oder Entfernen von Rippen usw. bei Sarkomen am Rumpf). 

***

Was kann man tun, um das Impfsarkom-Risiko zu senken?

So wenig wie möglich impfen

KEINE dreijährlichen Nachimpfungen Seuche-Schnupfen.
Notwendigkeit und Nutzen der dreijährlichen Nachimpferei sind überhaupt nicht erwiesen.

KEINE jährliche oder dreijährliche Nachimpferei gegen FeLV. 
Grund: s. o. 

NUR ADJUVANSFREIE Impfstoffe geben lassen. Das gilt für Seuche-Schnupfen, FeLV und Tollwut.

Tollwutimpfung nur dann, wenn die Katze mit Fledermäusen in Kontakt kommen kann. 

Selbst entscheiden über Impfungen. 

Um impfwütige Tierärzte/innen einen weiten Bogen machen. 

Tierarztpraxen suchen, wo adjuvansfrei geimpft wird (Seuche-Schnupfen, FeLV und Tollwut).

Und:

Katzen artgerecht ernähren. S. a.:
http://trockenfutter-katzen.blogspot.de/2013/11/katzen-kohlenhydrate-und-krebs.html 


Zum x-ten Mal: Bitte nicht als Mitglied eintragen

Bitte nicht als Mitglied eintragen. 

Zum Mitlesen ist die Mitgliedschaft nicht erforderlich.

Wer Datenkraken füttern will, kann das ja bei Facebook usw. tun. 



Freitag, 1. November 2013

Zum Wochenende: Links- und Rechtswedler






"Wenn ein Hund wedelt, lohnt genaues Hinsehen: Biegt sich der Schwanz vor allem nach rechts, ist der Vierbeiner vergnügt. Neigt er dagegen nach links, ist die Stimmung eher schlecht (...) Das Seitensignal registrieren auch andere Vierbeiner."



Eine bessere Version der Geschichte bietet die Website des "Guardian" (englisch): 

http://www.theguardian.com/science/2013/oct/31/dogs-communicate-feelings-tail-wagging