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Dienstag, 24. Dezember 2013

Zum Jahresausklang: Gemeldete Impfnebenwirkungen Katze, Hund, Kaninchen (2012)


Bis zum Stadtgeläut und zur Bescherung sind's noch ein paar Stunden, also vertreiben wir uns die Zeit mit Händels "Messias" (*) und diesem hier:



Das Paul-Ehrlich-Institut hat die im Jahr 2012 gemeldeten Impfnebenwirkungen bei Haustieren (Gesellschaftstieren) und "Nutz"-Tieren veröffentlicht.

Wie immer kamen die meisten Meldungen von den Herstellern, Meldungen von Tierärzten sind die große Ausnahme. Warum Tierärzte Impfnebenwirkungen nicht direkt an die zuständige Behörde melden, sondern lieber an die Pharmaindustrie, ist uns schleierhaft. 

Zu beachten ist: Das Underreporting (= Unterlassen der Meldung) von Nebenwirkungen wird von Fachleuten auf mindestens 95 Prozent geschätzt. 




Katze



81 Meldungen insgesamt (Vorjahr 40, also eine deutliche Steigerung)

Wie viele Tiere insgesamt betroffen waren, wird nicht mitgeteilt. (Eine Meldung kann mehrere Tiere betreffen, zum Beispiel wenn ein Wurf oder Bestand gleichzeitig geimpft wird.)

Drei Meldungen über mangelhafte Wirksamkeit von Seuche-Impfstoffen, zwei Meldungen über mangelhafte Wirksamkeit von FeLV-Impfstoffen. 

Nebenwirkungen laut PEI: 

Pruritus (Juckreiz), Gesichtsödeme (Anschwellen des Gesichts), Erbrechen, Dyspnoe (Atemnot), Tachykardie (Herzrasen)

Unruhe, Ängstlichkeit, lautes Schreien, Wesensveränderungen

2 (in Worten: zwei) Impfsarkome

Das zeigt: Impfsarkome werden immer noch praktisch nie gemeldet

Oh, ach so, es gibt ja gar keine Impfsarkome mehr, nur noch "Injektionsstellensarkome", wie fein.

Siehe hierzu auch: 

http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/2013/12/hurra-ein-neues-mittel-zur-behandlung.html
(drittletzter Absatz)



Hund

125 Meldungen insgesamt (Vorjahr: 109)

Keine Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Tiere 

Davon 11 Meldungen mit Chihuahuas und 9 Meldungen mit Möpsen. Kleinhundrassen führen die Liste der gemeldeten Nebenwirkungen an. 

20 Meldungen zu Lepto-Einzelimpfung, 9 Meldungen zu Tollwut-Einzelimpfung, 4 Meldungen zu Borreliose-Einzelimpfung

Nebenwirkungen laut PEI (Mehrfachnennungen möglich):

Störungen des Allgemeinzustands (39 Meldungen), Magen-Darm-Symptomatik (42), akutes Schockgeschehen (25), Atemwegs-Symptomatik (19), Herz-Kreislauf-Störung (8), deutliche lokale Reaktion (17), Hautaffektionen (Hautsymptome) und Pruritus (9); mehrfach: Augenaffektionen, neurologische Symptome

3 Meldungen über mangelhafte Wirksamkeit (Parvo, Staupe, Lepto)

Fälle mit tödlichem Ausgang: 27 Meldungen


Kaninchen

44 Meldungen (Vorjahr: 18)

Keine Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Tiere

Der Anstieg lässt sich laut PEI "ziffernmäßig" auf den neu zugelassenen Kombi-Impfstoff RHD-Myxo zurückführen.

Typische Impfreaktionen: Reaktionen an der Impfstelle, Störungen des Allgemeinzustands, Augenaffektionen, neurologische Störungen

"Todesfälle, die sich im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung ereignen, sind relativ häufig." (Die Zahl der Todesfälle wird im Bericht nicht angegeben.)

Die kausale Bewertung der Fälle mit tödlichem Ausgang sei schwierig, da beim Kaninchen Haltungs- oder Fütterungsfehler leicht mit Tierverlusten einhergingen. 

Mangelhafte Wirksamkeit gegen Myxo und RHD (10 Meldungen)
(Nicht weiter überraschend bei diesen Impfstoffen, da sie nun mal nicht gegen die Infektion an sich schützen.)

Interessante Anmerkung: 
"Die zunehmende Popularität der Haltung von Zwergkaninchen ist auch mit dem Erscheinen dieser Rassen in der Meldestatistik verbunden", so das PEI. "Damit im Zusammenhang steht die Frage, inwieweit Daten zur Verträglichkeit, die an großen Kaninchenrassen erhoben wurden, auf die Zwergkaninchen zu übertragen sind." 

Will das PEI damit etwa sagen, dass die Tierhalter/innen sich nicht auf entsprechende Angaben der Hersteller verlassen sollten?


(*) Aufnahme mit dem London Symphony Orchestra und dem London Symphony Chorus, Sir Adrian Boult (Dirigent), Joan Sutherland (Sopran), Kenneth McKellar (Tenor), Grace Bumbry (Alt), David Ward (Bass); überirdisch schön gesungen die Tenorarie "Every valley".
Every valley shall be exalted
And every mountain and hill made low
The crooked straight
And the rough places plain

Samstag, 21. Dezember 2013

Hurra, ein neues Mittel zur Behandlung von Impfsarkomen




Merial bringt ein Mittel zur Immuntherapie für Katzen mit Impfsarkomen auf den Markt.(*)

Oncept IL-2 soll die Überlebenszeit von Impfsarkom-Katzen, die mit Stahl (operative Entfernung des Tumors) und Strahl (Bestrahlung) behandelt wurden, signifikant verlängern und das Risiko erneuten Tumorwachstums (Rezidiv) verringern. 

Die Wirksamkeit wurde "nicht bei Katzen mit Metastasen oder Lymphknotenbefall" geprüft. 

Als ob Impfsarkom-Katzen regelhaft so gründlich untersucht würden, dass man Metastasen oder Lymphknotenbefall ausschließen kann. 



***


Wir würden auf den tatsächlichen Nutzen dieses Mittels nicht unseren Sparstrumpf verwetten. 

Breite Anwendung wird es wahrscheinlich nicht finden, schon weil Katzen in vielen Fällen gar keine Bestrahlung erhalten nach der Operation. 

(Man kann sich aber vorstellen, dass es auch bei Impfsarkom-Katzen angewendet wird, die keine Bestrahlung hatten. Dann wäre der Markt natürlich größer. Und wenn's nicht hilft, dann liegt es halt daran, dass die Tiere nicht bestrahlt waren.)




***


Katzenhalter/innen sollten sich jedenfalls nicht darauf verlassen, dass Impfsarkome künftig besser behandelbar sind als bisher. 

Vielmehr sollten sie alles dafür tun, dass ihre Katzen 

a) nur so oft geimpft werden wie wirklich nötig und
b) nur adjuvansfreie Impfstoffe erhalten. 



***


Interessantes Detail am Rande: Der Hersteller hat in einer Umfrage ermittelt, dass praktische Tierärzte im Durchschnitt zwei bis drei Impfsarkome pro Jahr in ihrer Praxis sehen

Das kontrastiert sehr stark mit den Impfsarkom-Meldungen beim Paul-Ehrlich-Institut (bundesweit höchstens ein paar Meldungen im Jahr). 

Und es kontrastiert extrem mit der oft vorgetragenen Behauptung von Tierärzten: "Also, ich hab' noch nie ein Impfsarkom in meiner Praxis gesehen!" Was dann wohl beweisen soll, dass es Impfsarkome eigentlich gar nicht gibt. 




(*) In den Veröffentlichungen ist natürlich nicht von Impfsarkomen die Rede, sondern von Fibrosarkomen.  Man nennt das Ding halt nicht gern beim Namen. 

Impfsarkom: Neues von Jena und Kitty Kat



Eine gute Nachricht zum Jahresende:

Jena G., Tierhalterin in Texas, verlor im Februar 2011 ihre Katze Kitty Kat wegen eines Impfsarkoms. Ihre Klage gegen den Tierarzt wurde von Dr. Bob Rogers unterstützt, dem texanischen Veterinär, der seit vielen Jahren gegen die Überimpferei in der Kleintiermedizin streitet. 

S. http://haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/search?q=impfsarkom+texas



In der ersten Instanz hatte Jena ihren Prozess verloren. Das Gericht war, kurz gesagt, der Meinung, dass der Tierarzt nicht gegen geltende medizinische Standards verstoßen habe. 

Gestern (20. Dezember 2013) hat sie aber vor dem Berufungsgericht gewonnen - das erstinstanzliche Urteil wurde aufgehoben!

Die Sache geht also weiter, und es bestehen gewisse Aussichten, dass Jena ihren Tierarzt, bzw. dessen Berufshaftpflichtversicherung an den Kanthaken bekommt. 

Es geht um unterlassene Aufklärung über die Risiken von Impfungen, Anwendung von adjuvanshaltigen Impfstoffen bei Katzen, Schadenersatz für die Behandlungskosten (rund 8000 US-Dollar) und Schmerzensgeld. 


Wir drücken Jena und Bob die Daumen!




Samstag, 14. Dezember 2013

Tollwut in Deutschland, zweites Quartal 2013



Im zweiten Quartal 2013 wurden in Deutschland vier Fälle von Fledermaustollwut amtlich festgestellt. 

Haustiere: null Fälle
Sonstige Wildtiere: null Fälle

Das ergibt von Januar bis einschließlich Juni insgesamt fünf Fälle von Fledermaustollwut. 



PS: Die amtlichen Zahlen werden immer mit einiger Zeitverzögerung veröffentlicht. 

Montag, 9. Dezember 2013

OT: Das Kreuz mit den Spendensammlern




Seit Wochen wird der Briefkasten wieder geflutet mit Bettelbriefen von allen möglichen Wohltätigkeitsorganisationen: Kinderhilfe, Entwicklungshilfe, Tierschutz, Naturschutz usw. Das ist normal für diese Jahreszeit. 

Nicht normal ist aber, dass die Anschreiben immer dicker werden - die Umschläge sind voll Plunder, den man nicht braucht und nicht will. Eine Naturschutzstiftung zB beglückt uns mit einem hässlichen Einkaufsbeutel. Andere schicken stapelweise Weihnachtskarten samt Umschlägen und/oder Adressaufkleber mit Herzchen drauf. 

Alles eine Folge der Professionalisierung des Spendensammelns. 

Bei uns verfehlt dieser professionelle Ansatz allerdings seinen Zweck. Je mehr uns eine Organisation zuballert, je aufwendiger sie wirbt, desto weniger sind wir geneigt, etwas zu spenden.

Wir haben nämlich gar keine Lust, Fundraising-Agenturen durchzufüttern. Deren Führungspersonal kassiert üppige Gehälter, die eigentliche Arbeit aber wird natürlich von Niedriglohnempfängern verrichtet. Etwa von Drückerkolonnen, deren Mitarbeiter bei Regen und Kälte vor Supermärkten stehen und den Leuten die Mitgliedschaft in Naturschutz- oder Rettungsorganisationen aufschwatzen sollen. 

Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen beeindruckt uns auch nicht. Im Gegenteil. Es erlaubt Werbe- und Verwaltungskosten bis zu einer Höhe von 35 Prozent des Spendenaufkommens. 

Mehr als jeder dritte gespendete Euro darf also ausgegeben werden für schöne Vorstandsgehälter, Dienstwagen, Reisespesen (Flüge in der Business-Klasse usw., usf.), Fundraising-Agenturen und sonstige externe Dienstleister, die es sich im Wohltätigkeitsbusiness gemütlich machen. 

Es gibt gerade im Tierschutz viele lokale Organisationen, bei denen unser Spendengeld viel besser angelegt ist. Da arbeiten Ehrenamtliche rund um die Uhr, praktisch jeder Euro kommt direkt den Tieren zugute, und der Briefkasten wird auch nicht zugestopft. 




Mehr zum Thema siehe hier im sehr interessanten Blog von Kevin Brutschin.