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Sonntag, 23. Februar 2014

Impfen im Abo, lebenslang



Die Tierärzte in den USA spüren die anhaltende Wirtschaftskrise. Seit 2001 ist die Zahl der Praxisbesuche von Hunden laut dem US-Tierarztverband Avma um 21 Prozent gesunken, die Zahl der Praxisbesuche von Katzen um 30 Prozent. Das ist schmerzlich.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Tierärzte. Es wird ausgebildet auf Teufel komm raus, egal ob die Nachfrage damit mithält oder nicht. Das liegt erstens daran, dass der Beruf vielen jungen Menschen, vor allem Frauen, so attraktiv erscheint, zweitens aber noch mehr daran, dass die Hochschulausbildung in den USA durch und durch kommerzialisiert ist. Hochschulen sind in erster Linie Unternehmen, an die die Studierenden horrende Studiengebühren zahlen müssen. Je mehr Studenten, desto höher der Profit und desto höher auch die Einkommen der Führungskräfte an diesen Hochschul-Unternehmen. Das Geschäft wirft beträchtliche Gewinne ab - kein Wunder, dass sogar neue Vet Schools (veterinärmedizinische Hochschulen) gegründet werden.


In ihrer Not suchen die Veterinäre nach Mittel und Wegen, das Patientenaufkommen zu erhöhen oder wenigstens zu stabilisieren. Eine TA-Klinik in Massachussetts hat sich jetzt ein Programm ausgedacht, bei dem die Tierhalter/innen einen Einmal-Betrag zahlen, mit dem die Impfkosten für die gesamte Lebensdauer ihres Tiers abgegolten sind. Extra zu vergüten ist dann nur noch die Untersuchung beim Impftermin.

Das ist natürlich keine gute Idee. Wer halbwegs aufgeklärt ist, bewahrt sein Tier vor unnötigen Nachimpfungen. 

Das Modell ist aber aufschlussreich. Denn damit wird versucht, die Nachimpferei wieder zu dem zu machen, was sie über Jahrzehnte war (und heute noch oft genug ist): zum Garanten für einen zuverlässigen Patientenstrom, sprich: zur Umsatzgarantie. Ein Geschäftsmodell, das in den Orkus der Geschichte gehört. 




PS: Gegen Kundenbindungsprogramme für regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen wäre hingegen nichts einzuwenden.

PPS: Auch in Deutschland haben es viele praktische Tierärzte nicht gerade leicht. Vor allem die Bezahlung der Nachwuchs-Veterinäre/innen, die als Praxis- oder Klinikangestellte arbeiten, ist skandalös niedrig. Und in manchen Städten oder Stadtvierteln knäueln sich die TA-Praxen geradezu. Bei allem Verständnis für wirtschaftliche Nöte sind wir jedoch nicht bereit, für wissenschaftlich unbegründete und risikoträchtige Nachimpfungen zu löhnen. 







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