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Dienstag, 27. Mai 2014

Impfstoffumsatz "unbefriedigend"




Der Bundesverband für Tiergesundheit, eine Organisation von Veterinärarzneiherstellern, meldet für das Geschäftsjahr 2013 eine "unbefriedigende Situation" bei den Impfstoffen für Katzen und Hunde. 

Wenn das bedeutet, dass Katzen und Hunde nicht mehr so viele sinnlose Nachimpfungen bekommen, dann soll uns das recht sein.



Donnerstag, 15. Mai 2014

Impfstoff-Marketing: 0,5 ml jetzt auch für Katzen, hurra



Boehringer Ingelheim hat 2012 in den USA für Hunde Impfstoffe mit verringertem Volumen an den Markt gebracht, 0,5 ml statt 1,0 ml. Angeblich enthalten die Produkte weniger Protein und Zellrückstände.  

Jetzt beglückt das Unternehmen auch Katzen mit "Ultra"-Impfstoffen. 


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Soweit ersichtlich, handelt es sich im großen und ganzen um die Fel-O-Vax-Produktreihe, die BI in den USA von Fort Dodge/Wyeth übernommen hat. 

An anderen Märkten, zum Beispiel in Deutschland, wird sie von Pfizer vermarktet.

Diese Fel-O-Vax-Produkte sind sämtlich inaktiviert und enthalten als Adjuvantien (Wirkverstärker) Carbopol, Ethylen-Maleinsäureanhydrid, Neocryl. 

Alles Chemikalien, die in Humanimpfstoffen selbstverständlich nicht zugelassen sind

Dass von diesem Zeug in den "Ultra"-Produkten nun weniger drin sei, wird nicht versprochen. Versprochen wird nur, dass weniger Protein und Zellreste enthalten seien. 


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Die sehr hohen Fremdproteinanteile in Tierimpfstoffen können allergische Impfreaktionen auslösen. 

In Humanimpfstoffen sind die zulässigen Mengen natürlich viel geringer. 

Bei Katzenimpfstoffen aber sind die Adjuvantien das größere Problem, Stichwort Impfsarkom. 

Aus diesem Grund empfehlen Experten, Katzen nur adjuvansfreie Impfstoffe zu geben. Was heutzutage ohne weiteres möglich ist (Seuche-Schnupfen, FeLV, Tollwut). 

Da müssen sich die Hersteller der adjuvanshaltigen Produkte was einfallen lassen. 

Und so kommen sie nun mit dem Marketing-Gag Impfstoffvolumen. 

Ein Witz. 

Medikament gegen Staupe und Masern in Sicht



Wissenschaftler aus den USA und Deutschland haben ein Medikament getestet, das Frettchen gegen Staupe schützt. Das Mittel ERDRP.0159, das oral verabreicht wird, senkte die Viruslast in den experimentell infizierten Tieren und bewahrte sie vor dem Tod. Die Frettchen entwickelten zudem Immunität gegen das Virus und waren gegen eine weitere Infektion geschützt. 

Nach Meinung der Forschergruppe um Richard Plemper von der Georgia State University könnte es helfen, Masernausbrüche einzudämmen und Immunitätslücken in der Bevölkerung zu schließen. Das Masernvirus ist eng mit dem Staupevirus verwandt.  


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Ein Heilmittel gegen Masern und Staupe wäre natürlich eine feine Sache. Wäre schön, wenn das Medikament - falls es hält, was es verspricht - auch für Tiere verfügbar würde. 

Dienstag, 6. Mai 2014

Krankheiten verkaufen



Das Marketing von Krankheiten ist heutzutage ganz normaler Bestandteil des Medizinbusiness, in der Human- wie in der Veterinärmedizin. 

In ihrem international stark beachteten Buch "Selling Sickness" (2005) haben die Fachjournalisten Ray Moynihan und Alan Cassels gezeigt, wie die "Krankheitsindustrie" ihren Absatz fördert, indem sie Marketing für Krankheiten macht, gern getarnt als "Disease-Awareness"-Aktionen, oder indem sie gar Krankheiten erfindet. Beispiel: Frauen wurde eingetrichtert, dass sie spätestens ab Mitte 40 Hormonmangelwesen sind und deshalb Pillen nehmen müssen. 

Im Veterinärbusiness weist das disease mongering vergleichsweise bescheidene Dimensionen auf, was schlicht daran liegt, dass der Markt relativ klein ist. Auffällig ist aber, wie stark die Veterinärkrankheitsverkäufer auf Infektionen fokussieren.

Obwohl, sie werden es sicherlich noch schaffen, zum Beispiel Psychopillen für ängstliche Hunde auch hierzulande populär zu machen.

Die US-Tierklinikkette Banfield (*) zählt auf diesem Feld zu den umtriebigsten Akteuren. Das zeigt ihr aktueller Bericht über den Gesundheitsstatus der Haustiere. Darin werden vor allem zwei Infektionskrankheiten vermarktet: Borreliose und FIV ("Katzenaids"). 


"48 Prozent mehr Katzenaids"

Die Häufigkeit von FIV soll in den vergangenen fünf Jahren um satte 48 Prozent gestiegen sein. Das klingt bedrohlich und wird von den Medien gern aufgegriffen. 

In absoluten Zahlen hört es sich nicht so dramatisch an: 2009 waren laut Banfield 23 von 10.000 Katzen FIV-positiv, 2013 waren es 33 von 10.000. 

Die Banfield-Zahlen sind mehr als fragwürdig. In den USA gibt es - leider - einen FIV-Impfstoff. Geimpfte Katzen sind durch die üblichen Tests von infizierten Katzen nicht zu unterscheiden. Da wäre es gut zu wissen, ob unter den positiven Katzen auch geimpfte waren. Oder hat Banfield einfach nur häufiger auf FIV getestet? Der Report schweigt sich dazu aus. Die 48 Prozent kann man daher in der Pfeife rauchen. 

Apropos: Im Report wird eingeräumt, dass die FIV-Impfung nicht allgemein empfohlen werde. Im FIV-Merkblatt auf der Banfield-Website aber wird den Tierhaltern/innen ans Herz gelegt, mit dem behandelnden Tierarzt über die Impfung zu reden.


"Immer mehr Borreliose"

Bei den Hunden sorgen sich die Banfield-Veterinäre wegen Borreliose. Die Häufigkeit von Borrelien-Infektionen soll in den letzten fünf Jahren um 21 Prozent zugenommen haben, von 53 Fällen pro 10.000 Hunde auf 64 Fälle pro 10.000. 

Aber: Infektion mit Borrelien und Erkrankung durch Borrelien sind nicht dasselbe, das gilt für Hunde genauso wie für Menschen. Nur wenige borrelien-infizierte Menschen und noch weniger borrelien-infizierte Hunde entwickeln Krankheitssymptome. Bei den Hunden sind es ganze ein bis zwei Prozent. Manche Wissenschaftler sagen sogar, dass Borreliose beim Hund überhaupt nicht sauber nachgewiesen sei. 

Was hat Banfield also festgestellt, mehr Infektionen oder mehr Erkrankungen? Diese Frage bleibt völlig offen.  



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Es ist sicherlich ein reiner Zufall, dass ein Borreliose-Impfstoffhersteller seit Monaten besonders massive Werbung macht (zum Beispiel im Newsletter des US-Tierarztverbands AVMA). Und dass dasselbe Unternehmen den FIV-Impfstoff herstellt. 




(*) Die Tierklinikkette gehört übrigens seit 2007 dem internationalen Tierfutter-Konzern Mars Inc. Eine Wertschöpfungskette von geradezu zwingender Logik.