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Mittwoch, 24. Dezember 2014

Frohe Weihnacht und alles Gute für 2015




Eine Hamster-Weihnacht vom Feinsten (mit Musik, Zaubertrick samt Trommelwirbel und Schlittenfahren; und schreiben können sie auch, allerdings nur rückwärts). 





Dienstag, 23. Dezember 2014

Seufz. Schon wieder die Kanaren



Zu unserem Beitrag über Versican DHPPi/L3R hat uns eine Leserzuschrift erreicht, in der man uns mitteilt (nicht zum ersten Mal), dass man auf den Kanaren jährlich gegen Tollwut impfen müsse. 

Hm. Das hat mit dem Thema des Beitrags, nämlich der jährlichen Tollwutimpferei in Deutschland mit diesem "Ein-Jahres"-Impfstoff, nichts zu tun. 

Aber wir wollen nun doch unseren Senf dazu geben.  


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Es kann schon sein, dass kanarische Behörden meinen, sie könnten sich ihre eigenen Vorschriften für die Einreise von Haustieren aus EU-Ländern (oder von sonstwo) geben. 

Die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien und haben innerhalb der EU einen Sonderstatus, aber das gilt unseres Wissens nur für Zölle und Steuern.

Somit gibt es keinen ersichtlichen Grund, warum die EU-Vorschriften zu Reisen mit Haustieren, insbesondere zur Tollwutimpfung, auf den Kanaren nicht gelten sollten. 

Maßgebliche EU-Rechtsnorm ist die Verordnung 998/2003, die in Kürze, und zwar am 29. Dezember dieses Jahres, durch die Verordnung 576/2013 ersetzt wird. Im Kern sind die Bestimmungen dieselben wie früher, aber es ändert sich einiges beim EU-Heimtierpass (Identifikation und Impfeinträge müssen laminiert werden, usw., usf.). 

Die spanische Regierung informiert über die Vorschriften und die neue Verordnung (in Spanisch und, jeweils fettgedruckt, in Englisch) auf dieser Website: 

(Da waren wohl Fachleute am Werk, die schreiben die Bezeichnung der neuen Verordnung konsequent falsch, nämlich immer "Regulation (EC) no 576/20013". Also eine Null zu viel, die Verordnung wurde nicht im Jahr 20013, sondern im Jahr 2013 beschlossen.)

Von Ausnahmebestimmungen für die Kanaren steht da nichts. Also müssten auch auf den Kanaren die ganz normalen EU-Vorschriften gelten, genauso wie in Spanien. 

Wenn kanarische Tierärzte oder Einreisebehörden meinen, 

dass Hunde und Katzen und Frettchen, die aus anderen EU-Ländern auf die Kanaren gebracht werden oder die ständig auf den Kanaren leben, jährlich gegen Tollwut geimpft werden müssen, 

dann müsste man sie mal fragen, welche Rechtsgrundlage sie dafür vorweisen können. 

Es würde uns wundern, wenn sie eine hätten. 

Die Kanaren sind, wie andere zur EU gehörende Inseln oder Inselstaaten (Malta, Irland, UK), natürlich schon längst tollwutfrei

In der Leserzuschrift heißt es: 

"Auf den Kanaren (und die gehören zur EU) muss jährlich eine Tollwutimpfung gemacht werden, wegen der Nähe zu Afrika und den ganzen Flüchtlingen, die nach hier rüberkommen."

Das ist natürlich rassistischer Unfug. Flüchtlinge aus Afrika als Tollwutgefahr für kanarische Haustiere? Soll das heißen, dass afrikanische Flüchtlinge auf den Kanaren Hunde oder Katzen anfallen und beißen könnten? 

Wir haben jedenfalls noch nie gehört, dass afrikanische Flüchtlinge tollwutinfiziert waren, ob sie nun auf den Kanaren, in Süditalien oder auf Malta europäischen Boden betreten haben.

Und wir haben noch nie gehört, dass Tollwut von Menschen auf Hunde oder Katzen übertragen wurde. 

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Wie gesagt: Gut möglich, dass kanarische Behörden und/oder Tierärzte sich eigene Vorschriften ausgedacht haben. Ob die EU-konform sind, wäre dann aber sehr die Frage.  

Wären wir betroffen, würden wir uns an das zuständige Ministerium in Madrid wenden, vielleicht auch an die EU-Kommission und den EU-Ombudsmann (bzw. die Ombudsfrau), und um Klärung bitten. 


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Eine Leserin hat uns diesen Kommentar gesendet:

"Über manches kann man nur den Kopf schütteln ... Ich lese hier regelmäßig mit und denke, der Zeitpunkt ist gekommen, danke zu sagen. Für die Mühe, die fundierten Informationen und den gesunden Menschenverstand."

Herzlichen Dank. Ja, es schüttelt einen, wenn man liest, dass afrikanischen Flüchtlingen jetzt auch noch Tollwut (!) angehängt wird. Gibt der anonyme Verfasser der Kanaren-Zuschrift nur wieder, was jemand auf den Kanaren tatsächlich mal geäußert hat, oder glaubt er (oder sie) selbst diesen rassistischen Schwachsinn?
Weihnachtsgrüße nach Mannheim,
MP

Freitag, 19. Dezember 2014

OT: Schon gegen TTIP und Ceta unterschrieben?




Nein? Dann wird's aber Zeit. 

Beide Handelsabkommen (USA - EU und Kanada - EU) sind eine unfassbare Schurkerei zugunsten der großen Konzerne. Und nicht zuletzt sind sie auch gegen Tierschutz- und Umweltstandards gerichtet. 

Treten die Abkommen in Kraft, können die Unternehmen praktisch machen, was sie wollen. 

Weitere Info hier und hier

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Impfstoff gegen Parodontitis beim Hund, neuer Anlauf



2005 erhielt Pfizer von der zuständigen US-Behörde eine vorläufige Zulassung für einen Hunde-Impfstoff gegen Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats). Er enthielt drei Typen des Bakteriums Porphyromonas (denticanis, gulae und salivosa). 

Von US-Tierärzten wurde das neue Produkt mit Begeisterung aufgenommen. Wie schön, noch eine Impfung mehr, und das auch noch alle sechs bis zwölf Monate. 

Auf der Website der Canine Health Foundation des Hundezüchter-Dachverbands American Kennel Club (AKC) wurde seinerzeit gejubelt, der Impfstoff sei ein sehr wertvolles Werkzeug gegen diese Erkrankung (an der 80 Prozent aller ausgewachsenen Hunde leiden sollen).  

Europa blieb das Zeug zum Glück erspart. Offenbar sind hier die Zulassungsvorschriften dann doch nicht ganz so lax wie in den USA. 

Der Jubel war verfrüht. 2011 nahm der Hersteller das Produkt vom Markt, eine Schutzwirkung gegen Parodontitis konnte nämlich ums Verrecken nicht nachgewiesen werden.
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Jetzt nimmt man einen neuen Anlauf. Statt sich für artgerechte Ernährung einzusetzen, fördert der AKC ein Projekt für einen neuen Impfstoff. Die geförderte Wissenschaftlerin will Proteine von Fusobacterium nucleatum und Porphyromonas gulae mit einem Adjuvans (Wirkverstärker) zusammenmixen und ist offenbar hoffnungsfroh, dass es diesmal klappt. Geforscht wird erst einmal mit Zellkulturen und natürlich an armen Labormäusen. 


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Im Mäuseversuch hatte damals auch Pfizer schöne Ergebnisse vorzuweisen.


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Forscher in Glasgow haben sich die Maulflora von drei gesunden, drei Gingivitis- und drei Parodontitis-Hunden genau angesehen und haben dort viel gefunden. Nämlich nicht nur bekannte Bakterienarten, sondern auch eine ganze Reihe unbekannter Spezies. 

Man weiß also gar nicht, was sich alles an Bakterien im Hundemaul tummelt.

(Und man weiß erst recht nicht, wie gute Bakterien und böse Bakterien interagieren.)

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Wetten, dass auch der zweite Anlauf ein Schuss in den Ofen wird?

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/





Versican DHPPi usw.



Zu Versican DHPPi/L3R erreichen uns auffallend viele Anfragen. 

Möglicherweise ist diese Impfstoffkombination 

gegen D = Staupe,
H = Hepatitis
P = Parvo
Pi = Parainfluenza 
L3 = drei Lepto-Arten
R = Tollwut

in Tierarztpraxen besonders beliebt. 

Das ist beunruhigend. Denn diese Kombi wäre das allerletzte, was wir einem Hund geben ließen. 

Der Tollwutimpfstoff in Versican DHPPi/L3R ist nur für ein Jahr zugelassen

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Es ist eine Frechheit, heutzutage immer noch "Ein-Jahres"-Tollwutimpfstoffe zu verwenden. Es gibt genügend Produkte mit Zulassung für drei Jahre.  

Deutschland ist schon lange tollwutfrei, und auch für Reisen in der EU und darüber hinaus braucht man keine jährliche Tollwutimpfung. 

Tierarztpraxen, in denen jährlich gegen Tollwut nachgeimpft wird, sollte man meiden. 


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Detail am Rande: Die Lepto-Impfung wird ja gern mit dem Argument verkauft, dass sie auch dem Schutz des Menschen diene. 

Freilich wird man lange suchen müssen, um einen Fall von Lepto-Übertragung vom Hund auf den Menschen zu finden. 

Im Beipackzettel von Versican DHPPi/L3R und auch im Beipackzettel der kleineren Variante L3R steht aber in schöner Offenheit:

"Es konnte keine Reduktion der Ausscheidung der Leptospiren mit dem Urin gezeigt werden."

Mit L3 geimpfte Hunde scheiden diese Bakterien also genauso aus wie ungeimpfte Hunde.