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Dienstag, 28. April 2015

Zwei kleine Sensationen: Erstens zur Tollwut, zweitens zur Erstimpfung beim erwachsenen Tier




Vorigen Mittwoch hat Veterinärprofessor Uwe Truyen (Uni Leipzig) in Frankfurt am Main auf einer Fortbildungsveranstaltung Tierärzten die Impf-Leitlinie der Stiko Vet erläutert. 

Dreijahresabstände für manche Impfungen, jährliches "Impfgespräch" - so weit nichts Neues.

Aber gegen Ende wurde es dann doch interessant


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Erstens: 

Die Tollwut ist in großen Teilen Europas verschwunden, importierte Tollwutfälle sind extrem selten. 

Laut Truyen sollte deshalb in den nächsten Jahren diskutiert werden, ob man weiterhin Millionen Katzen und Hunde gegen Tollwut impfen muss.

Sein Wort in die Ohren der zuständigen Ministerialbeamten, EU-Beamten, EU-Berater usw. 

Vielleicht könnten die Herrschaften dann auch diese Studie zur Kenntnis nehmen. 


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Zweitens:

Eine Teilnehmerin fragte, ob man SHP bei der Erstimpfung eines ausgewachsenen Hundes ein- oder mehrmals geben müsse.  

Antwort Truyen: "Einmal. Alles, was lebt, einmal." 

Mit "was lebt" sind die Lebendimpfstoffe gemeint, also Staupe-Hepatitis-Parvo.


Das werden die Tierärzte, die ausgewachsene Tiere lieber so wie Welpen impfen, natürlich ignorieren. 

Aber schön, dass es mal ein deutscher Vet-Prof gesagt hat. 

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/



Dienstag, 21. April 2015

Vorsicht, Fernseh-Tierarzt!




Gestern haben wir, weil auf Arte gerade nichts Interessantes kam, bei der häuslichen Rückengymnastik Hessen-Fernsehen(*) geschaut. 

Katzen ziehen immer, und das hat sich auch der HR gedacht und in seiner Reihe "Service Zuhause" eine Katzensendung gemacht. 

In der Sendung wurden durchaus gute Hinweise zur Katzenhaltung gegeben, vom Welpenklo bis zur Kippfenstersicherung. 

Aber leider hatten sie auch einen Tierarzt im Studio. Was der zu Impfungen zu sagen hatte, hat mal wieder dem Fass den Boden ausgeschlagen.

Katzenwelpen sollen demnach zweimal gegen Seuche und Schnupfen geimpft werden. 

Äh, Herr Tierarzt, kennen Sie nicht die Leitlinie Ihrer Berufsorganisationen? Die, die es seit 2006 gibt? Da steht drin, dass man dreimal impfen soll im Welpenalter. Und dafür gibt es auch Gründe


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Erwachsene Katzen sollen, wenn es nach dem Herrn Fernseh-Tierarzt geht, jährlich gegen Seuche und Schnupfen nachgeimpft werden. 

Leitlinie(**) der "Ständigen Impfkommission Vet", Dreijahresabstände? Uninteressant. 


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Freigänger sollen natürlich die volle Ladung erhalten (und das vermutlich auch jährlich): Tollwut, "Leukose" (er meint FeLV) und sogar die nutzlose FIP-Impfung. Die hält der TV-Veterinär für "eine gute Sache".

Klar, eine gute Sache für den Praxisumsatz.


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Fernseh-Tierärzte: Bisher haben wir keinen einzigen gesehen, dem wir unsere Tiere anvertrauen würden. 

Und man fragt sich, wofür diese TV-Redakteure eigentlich ihre hohen gebührenfinanzierten Gehälter bekommen. Für ordentliche Recherche jedenfalls nicht



(*) Das ist der Regionalsender, der von morgens bis nachts irgendwelche kochenden Landadeligen auf ihren Schlössern und dergleichen Pipikram bringt. 

(**) Die Leitlinie der Stiko Vet ist natürlich insgesamt für den Ofen. Aber wenigstens sieht sie keine jährliche Seuche-Schnupfen-Nachimpfung vor. 

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/


Dienstag, 14. April 2015

Hundegrippe in den USA


Seit Wochen herrscht in US-Medien Hundegrippe-Alarm: Eine Epidemie in Chicago soll bisher etwa 1000 Tiere (*) betroffen haben. Hunde-Tagesstätten schließen, die Vierbeiner dürfen nicht mehr in den Park, usw.

Und natürlich wird ständig gemahnt, gegen Influenza impfen zu lassen. Gut für den Hersteller und die Tierärzte. Aber auch gut für die Hunde?

2004 wurde das Grippevirus H3N8, das vom Pferd stammt, erstmals bei Hunden (mit Symptomen und ohne) in Florida festgestellt. Wie wir seinerzeit vorhergesagt hatten, ließ ein Impfstoff (mit Aluminium-Adjuvans) nicht lange auf sich warten. Seither wird er mit dem üblichen Getöse (disease mongering) vermarktet, wozu gehört, dass möglichst jeder Erkrankungsfall in die Medien kommt. 


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Wissenschaftler von der Cornell-Universität und von der staatlichen Universität von Wisconsin haben nun aber gezeigt, dass die Hunde in Chicago gar nicht mit H3N8 infiziert sind, sondern mit H3N2. Das ist ein Influenzavirus, das ursprünglich bei Vögeln vorkam und seit etwa zehn Jahren bei Hunden in China und Südkorea gefunden wird. 

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Grippe-Impfstoffe sind, zurückhaltend formuliert, nicht besonders wirksam. Gar nicht wirksam sind sie, wenn sie nicht die Virusvarianten enthalten, die gerade zirkulieren. Beispiel: die Humanimpfstoffe der Influenza-Saison 2014/2015 in unseren Breiten. 

Aber das ist wahrscheinlich nicht das Hauptproblem. Bedenklicher ist, was Forscher in den Niederlanden, in Kanada und anderswo herausgefunden haben: Wer geimpft ist und sich danach mit einem anderen Influenza-Typ infiziert, ist schlechter dran als ungeimpfte Menschen und Tiere, die schon einmal eine Infektion hatten. 

Denn die Infektion mit Influenza-Wildvirus erzeugt zellvermittelte Immunität, die gegen ein weites Spektrum von anderen Influenza-Wildviren schützt (heterosubtypische Immunität). Man besitzt (Teil-) Immunität gegen andere Virusvarianten. 

Diese Studien werden in der Humanmedizin ignoriert und totgeschwiegen. Die Leute sollen nichts davon erfahren, sie sollen sich gefälligst impfen lassen. 


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Genau dasselbe Spiel wird in den USA jetzt von Veterinären aufgeführt. Sie erzählen den Hundehaltern, dass der H3N8-Impfstoff "wahrscheinlich einen gewissen Grad an Schutz" biete. 

Dafür gibt es nicht den Schimmer eines Beweises. 

Vielmehr spricht alles dafür, dass grippegeimpfte Hunde ein erhöhtes Risiko haben, durch eine H3N2-Infektion richtig zu erkranken. 


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Aber hier geht es ja auch nicht um die Gesundheit der Tiere, sondern um Impfstoffverkauf.




PS: Und wie sieht's mit Hundegrippe in Deutschland aus? Bei einer Untersuchung an gesunden und an erkälteten deutschen Hunden wurden null Antikörper gegen das canine Influenzavirus H3N8 gefunden. Derzeit scheine das Risiko für diese Infektion in der deutschen Hundepopulation "sehr gering" zu sein, heißt es in der 2014 veröffentlichten Studie. Bisher ist der US-Impfstoff unseres Wissens in Europa nicht zugelassen. Das finden manche Herrschaften bestimmt sehr bedauerlich.

(*) Die Todesrate wird von der American Animal Hospital Association mit 5 von etwa 1000 angegeben. Da wüsste man doch gern, ob diese Hunde gegen H3N8 geimpft waren. 

PPS: Beim Impfstoff-Marketing ist jedes Mittel recht. Ein Online-Journal bringt unter der Überschrift "Tödliches Virus auf der Lauer ..." das Foto eines Hundes, der großflächige Wunden an Nacken und Rücken hat. Was auch immer dieses arme Tier hat: Hundegrippe ist das garantiert nicht. Aber Hauptsache Angst einjagen. 

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/



Samstag, 4. April 2015

OT: Warum wir uns nicht gegen Influenza impfen lassen




Wir haben ja noch nie an die Influenza-Impfung geglaubt und die jährlichen Appelle der Pharmaindustrie und ihrer Mietmäuler stets ignoriert.  

Das war auch gut so. Denn es wird immer deutlicher, dass diese Impfung nicht nur nichts taugt, sondern auch schadet

Und zwar deshalb, weil geimpfte Personen schlechte Karten haben, wenn neue Virustypen zirkulieren. Menschen, die schon einmal eine richtige Grippe hatten, sind besser gewappnet, ihr Immunsystem ist und bleibt gegen diese Viren breit aufgestellt. Die natürliche Infektion hinterlässt eine lang anhaltende Teilimmunität gegen alle möglichen verschiedenen Influenza-Typen.

Dazu ein sehr interessanter Beitrag von Bert Ehgartner über die Grippesaison 2014/2015.

Lesenswert!

Mittwoch, 1. April 2015

Kein Aprilscherz: Impfstoff gegen Fettleibigkeit



Braasch Biotech, ein Unternehmen in US-Bundesstaat Süd-Dakota, macht seit Jahren herum mit einem Impfstoff gegen Fettleibigkeit. Nach eigenen Angaben wurde seine Erfindung im März vom chinesischen Patentamt akzeptiert, und zwar ein Patent zur Anwendung bei Menschen, Katzen und Hunden

Sollte das Zeug irgendwann einmal tatsächlich auf den Markt kommen, können einem die Impflinge jetzt schon leid tun. 

Denn das wird nix. 

Bereits 2012 hatte Braasch in den Medien damit so viel Wind gemacht, dass der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS Stellung nahm. Er informierte über die nicht gerade eindrucksvollen Ergebnisse der (bisher einzigen) Mäuse-Studie, die dazu vorgelegt worden war.    

Der Impfstoff (in zwei Varianten, JH17 und JH18) richtet sich gegen das Hormon Somatostatin, das die Ausschüttung von Wachstumshormonen hemmt. 

Labormäuse, die sich dick und rund futtern durften, wurden geimpft, ungeimpfte Kontrolltiere durften ebenfalls mampfen. 

Nach der ersten Impfdosis verloren die Impflinge ein paar Tage lang so schnell und stark an Gewicht, dass die zweite Dosis reduziert wurde. 

Ergebnis nach sechs Wochen: Die Impflinge waren schwerer als vorher. JH17-Mäuse waren vier Prozent schwerer als vor den Impfungen, JH18-Mäuse sieben Prozent schwerer, die Kontrolltiere 15 Prozent schwerer. 

Die Impfdosen, die verabreicht wurden, waren ungewöhnlich voluminös. Laut NHS würden sie der Injektion von 1,4 Liter (!) Impfstoff bei einem 100-Kilo-Menschen entsprechen. 

Die Wirkung war ausgesprochen kurzfristig, die Impfung müsste also sehr, sehr häufig wiederholt werden. 

Alles in allem fand der NHS die Daten "nicht besonders ermutigend". 


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Somatostatin hemmt nicht nur Wachstumshormone, sondern auch Schilddrüsenhormone, Hormone der Bauchspeicheldrüse u. a. m. 

Weise mahnte der NHS, dass man beabsichtigte und unbeabsichtigte Wirkungen eines Somatostatin-Impfstoffs äußerst gründlich untersuchen müsse. 


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Ein Impfstoff gegen Adipositas wäre natürlich der Jackpot. Viele forschen daran herum, bisher ohne Erfolg. Die einen wollen gegen Hungerhormone impfen, die anderen gegen Viren, die als Dickmacher verdächtigt werden. Der große Durchbruch lässt auf sich warten. 

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Patentanträge für den Adipositas-Impfstoff sollen laut Braasch in vielen anderen Ländern laufen. Aber zwischen Patentierung einer Erfindung und Zulassung einer Vakzine stehen zum Glück noch etliche Hürden, zum Beispiel Studien zur Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit. Hoffentlich auch in China. 


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Die Geschichte erinnert an den Unfug mit dem Hunde-Impfstoff gegen Parodontitis

Warum geht die Forschung immer wieder solche Irrwege? Ganz einfach: weil sich mit gesunder artgerechter Ernährung keine Pharma-Kohle machen lässt. 



©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/



Impfseminare mit Mo Peichl im Mai




Seminar Hunde-Impfungen in Dormagen (NRW)

Samstag, 9. Mai 
13:30 bis 16:30 Uhr 
TNG 30 Euro 
Anmeldung: kristinaraeder at web.de



Seminar Haustier-Impfungen in Reichelsheim/Wetterau 
(Katzen, Hunde, Kaninchen) 

Sonntag, 10. Mai
10:00 bis 16:00 Uhr 
max. 25 Teilnehmer
TNG 40 Euro
Anmeldung: th-elisabethenhof.kelterborn at web.de