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Mittwoch, 30. Dezember 2015

Skandal: Tierarzthund seit sechs Jahren ohne Lepto-Impfung




So etwas liest man selten: 

In einem US-Hundeportal hat sich ein Tierarzt dazu bekannt, dass er seinen Hund nicht mehr gegen Lepto impft.

In seiner Gegend bestehe zwar ein Ansteckungsrisiko für Lepto, aber trotzdem. 

Der Hund habe nach der letzten Lepto-Impfung unter beträchtlichen Schmerzen gelitten und sei ganz apathisch gewesen. 

Seit nunmehr sechs Jahren habe er Lepto deshalb nicht mehr nachgeimpft. 


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Das ist ja skandalös

Dem Hund hat's übrigens nicht geschadet, er lebt immer noch. 


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/


Neues vom Impfmarkt 2




US-Tierärzte können sich freuen: Seit kurzem gibt es dort einen weiteren Einjahres-Impfstoff, und zwar gegen das neue Hundegrippevirus H3N2.

Genau gesagt sind es zwei, denn es handelt sich um zwei konkurriende Produkte von Merck Animal Health und von Zoetis. Beide sind bisher nur vorläufig zugelassen. 

Der Markt ist bestens vorbereitet nach all der Medienhysterie über das neue Influenzavirus H3N2. 

Und jetzt wird heftig Impfstoff-Marketing gemacht. 

Im Fokus stehen dabei nach unserem Eindruck die Kennels, Hundetagesstätten u. ä., damit die Druck auf die Hundebesitzer ausüben (keine Aufnahme ohne Grippeimpfung). 

Weil das ältere Hundegrippevirus H3N8 angeblich immer noch zirkuliert, soll dagegen weiterhin jährlich geimpft werden. Macht jährlich zwei Grippeimpfungen (H3N2 und H3N8), plus jährlich Lepto, plus jährlich Zwingerhusten. Da klingeln die Kassen. 


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Der schon länger zugelassene amerikanische Hundegrippe-Impfstoff (gegen den Virustyp H3N8) ist ein Totimpfstoff mit Wirkverstärker (Adjuvans). 

Höchstwahrscheinlich enthalten die beiden neuen Produkte ebenfalls ein Adjuvans. 


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Grippe-Impfstoffe für Menschen sind in der Regel zwar Totimpfstoffe, enthalten aber keine Adjuvantien. 

Berüchtigte Ausnahme: einer der Schweinegrippe-Impfstoffe von 2009. Er hat u. a. Narkolepsie verursacht. Auch in Deutschland (s. "Spiegel" 51/2015).

Sie werden nur einmal verabreicht. Eine "Grundimmunisierung" aus zwei Impfungen ist unseres Wissens beim Menschen nicht üblich. 

Grippe-Impfstoffe für Hunde enthalten Adjuvantien

Sie rufen also eine stärkere Immunantwort hervor. 

Trotzdem sollen sie zwecks Grundimmunisierung zweimal kurz hintereinander verabreicht werden. 

Seltsam.


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Die Grippe-Impfung ist beim Menschen die einzige, die jährlich gegeben wird. 

Und zwar deshalb, weil die Impfstoffe fast jedes Jahr geändert werden müssen. 

Das liegt an der Veränderlichkeit der Influenzaviren (antigenic shift und antigenic drift). Zumindest der Viren der Gruppe A. 


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Beide Hundegrippeviren, also H3N8 und H3N2, gehören ebenfalls zur Gruppe A. 

Also müssten sie ebenfalls mutationsfreudig sein. 

Bei Hunden (und Pferden) sollen Influenzaviren der Gruppe A aber nicht so veränderlich sein. 


Nehmen wir an, das stimmt. 

Warum soll man dann jährlich nachimpfen mit dem immer gleichen Impfstoff?

Seltsam. 


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Bestehen Grippe-Impfantikörper länger als ein Jahr?

Das ist für Humanimpfstoffe kaum untersucht worden, weil es ja fast jedes Jahr neue Produkte gibt. 

Aber einige ältere Untersuchungen liegen vor. Unter anderem Studien über mindestens drei Jahre Impfschutz bei Kindern (das betraf Zeiträume, in denen antigenetisch sehr ähnliche Viren zirkulierten). 

Ist für die Pferde- oder Hundegrippe-Impfstoffe nachgewiesen, dass die Impfantikörper nach einem Jahr verschwunden sind? Nein.  


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Würden wir Hunde gegen Grippe impfen lassen?

Natürlich nicht.

1. Influenza ist auch bei Hunden in aller Regel nicht tödlich. Ginge es um den Schutz besonders gefährdeter Hunde (chronische Krankheiten o. ä.), müsste man erst mal nachweisen, dass diese Risikogruppe überhaupt von der Impfung profitiert.

2. Wir kennen keine vertrauenswürdige Untersuchung über Influenza beim Hund. Es scheint nur Herstellerstudien oder herstellernahe Studien zu geben.  

3. Die natürliche Infektion hinterlässt eine breite Immunität, die nachfolgende Infektionen mit anderen Grippeviren zumindest stark abmildert (heterosubtypische Immunität). 


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/

Neues vom Impfmarkt 1



In der Pharmabranche jagt eine Mega-Fusion die andere, es entstehen immer größere Unternehmen mit immer größerer Marktmacht. 

Jetzt betrifft dieser Trend wieder einmal den Veterinärmarkt: Boehringer Ingelheim will Merial kaufen, die Veterinärsparte von Sanofi. 

Dadurch würde Boehringer I. zum weltweit zweitgrößten Veterinarpharma-Unternehmen nach Zoetis (früher Pfizer). 


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Boehringer I. Vetmedica ist in Deutschland bisher nur mit Pilzimpfstoffen am Haustiermarkt vertreten. 

An anderen Märkten tritt das Unternehmen mit einer ganzen Palette von Hunde- und Katzenimpfstoffen auf. Die meisten wurden von Fort Dodge übernommen, einem Hersteller, der infolge der Fusionitis nicht mehr existiert. 

Am deutschen Markt sind Fort-Dodge-Produkte ins Portefeuille von Zoetis/Pfizer gelangt.  

Zum internationalen Portefeuille von Boehringer I. zählt ein Produkt, das in den USA, in Kanada und in Australien vermarktet und hoffentlich niemals in Europa zugelassen wird, nämlich ein Impfstoff gegen FIV ("Katzenaids"). 

Es wird (oder wurde jedenfalls) in Australien ganz unverfroren als Umsatzbringer für Tierärzte beworben.   

Sein Nutzen ist mehr als zweifelhaft.  


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Bleibt abzuwarten, wie sich dieser Zusammenschluss auf den Markt der Katzenimpfstoffe auswirkt. 

Merial hat sich mit der Purevax-Produktreihe als relativ fortschrittlicher Hersteller positioniert. 

Diese Produkte sind allesamt adjuvansfrei und bergen daher ein vermindertes Risiko für Impfsarkome (= tödliche Tumoren an der Impfstelle). 

Die früheren Fort-Dodge-Produkte sind das Gegenteil davon. Nämlich Totimpfstoffe mit harten Adjuvantien.

Zumindest einige davon sind für Humanimpfstoffe nicht zugelassen. Warum wohl?

Frühere Fort-Dodge-Produkte am deutschen Markt, die heute zu Zoetis gehören: die Viererkombi Fevaxyn Quatrifel und die Fünferkombi Fevaxyn Pentofel (Seuche, Herpes, Calici, Chlamydien, FeLV). 

Diese Totimpfstoffe kämen uns NIEMALS in die Katze. 



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In den USA und anderswo handelt es sich um die Fel-o-Vax-Produkte, die seit dem Exitus von Fort Dodge zu Boehringer I gehören.

Was genau an Wirkverstärkern drin ist, darf die Öffentlichkeit nicht erfahren, in den USA gelten Adjuvantien als schützenswertes Unternehmensgeheimnis

Tierhalter/innen haben kein Recht zu erfahren, was ihren Katzen reingehauen wird. 


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Vielleicht werden wir durch TTIP und Ceta und die privaten Schiedsgerichte für die Konzerne auf dem Gebiet auch noch unser blaues Wunder erleben. 

Schließlich kann es ja dem Profit eines Unternehmens schaden, wenn die Leute einfach googeln* können, was in den Impfstoffen drin ist. 



*) Oder besser benefinden. Wer die Suchmaschine benefind.de benutzt, kann einer gemeinnützigen Organisation seiner Wahl jedesmal eine kleine Spende zukommen lassen. 

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/






Samstag, 26. Dezember 2015

Pet vaccination in Asia and in Eastern Europe





For pet parents in Asia



Does your vet want to revaccinate your pet annually with multivalent vaccines?


Do you feel that this vaccination program stinks?


Educate yourself at the World Small Animal Veterinary Association's web site:




WSAVA Recommendations for Asian Small Animal Practitioners


WSAVA Vaccination Guidelines for the New Puppy Owner




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For pet parents in Eastern Europe


WSAVA Vaccination Guidelines in Polish, Czech and Russian:
WSAVA-Impfrichtlinien in Polnisch, Tschechisch und Russisch




http://www.wsava.org/sites/default/files/WSAVA%20vaccination%20guidelines%20russian.pdf

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Nichts ist so schön für die Haustierimpfstoff-Hersteller wie neue Wachstumsmärkte

Da kann man prima Umsatz machen mit der Überimpferei, weil die Tierhalter/innen noch gutgläubig und ahnungslos sind.  

Die Tierärzte spielen natürlich überall gern mit. 

Hunde und Katzen zahlungskräftiger Besitzer/innen werden viel zu oft vollgedröhnt, während die vielen herrenlosen Tiere niemals Impfschutz erhalten. 


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Das gilt etwa für asiatische Länder, wo Haustiere in der wachsenden Mittelschicht immer beliebter werden. 

Dankenswerterweise hat der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA auf seiner Website Impfempfehlungen für asiatische Länder veröffentlicht. 

Die sind zwar auch in einigen Details kritikwürdig, aber besser als die übliche jährliche Impferei sind sie allemal. 

Eine indische Hundehalterin suchte Hilfe, weil ihr Tierarzt auf der jährlichen Volldröhnung bestand. Wir konnten sie auf die WSAVA-Empfehlungen für Asien aufmerksam machen. 

Sie findet sie "incredibly useful". Jetzt hat sie was in der Hand, wenn der Tierarzt ihrem Hund schon wieder mit der Combo-Spritze zuleibe rücken will.  

Und für Tierhalter/innen in Osteuropa stellt die WSAVA ihre Impfrichtlinien (Katzen und Hunde) in russischer, tschechischer und polnischer Sprache zur Verfügung. Die WSAVA-Richtlinien sind nicht ideal, aber sie sind auf jeden Fall besser als die "Informationen" von Herstellern und Tierärzten in diesen Ländern.  



PS: Special regards to our many readers from the Russian Federation/
Herzliche Grüße an unsere vielen Leserinnen und Leser in der Russischen Föderation

©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/

Dienstag, 22. Dezember 2015

Weihnachten



Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern 

gemütliche Feiertage 


                                                                                                    Foto: MP


und alles Gute für 2016


OT: Bitte unterschreiben



Amazon geht mies mit seinen Mitarbeitern um - das dürfte inzwischen bekannt sein. 

Derzeit wird wieder gestreikt. 

Hier kann man per Unterschrift ein bisschen Solidarität zeigen




Auszug aus der Petition: 
Jeder unserer Arbeitsschritte wird überwacht. Jeder soll möglichst über dem Durchschnitt liegen, doch das ist mathematisch unmöglich! 
Gerade für die befristeten Kolleg/innen ist der Leistungsdruck hoch. Unsere Pausenwege sind lang. Unsere Vorgesetzten behandeln uns oft respektlos.
Amazon macht in Deutschland einen Umsatz von über 7 Mrd. EUR, aber zahlt so gut wie keine Steuern. Gleichzeitig hat Amazon für die Errichtung seiner Versandzentren Millionen an Subventionen aus der öffentlichen Hand bekommen.