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Samstag, 30. Januar 2016

Impfnebenwirkungen bei Katze und Hund 2013 und 2014



Das Paul-Ehrlich-Institut, zuständig für die Zulassung und (na ja) Überwachung von Human- und Veterinärimpfstoffen, veröffentlicht im Wechsel jährliche oder zweijährliche Berichte über Impfnebenwirkungen (UAW) bei Tieren. 

Der aktuelle Bericht fasst die Meldungen aus den Jahren 2013 und 2014 zusammen. 


Impfnebenwirkungen bei Katzen: 27 Todesfälle


insgesamt 112 Meldungen

davon fast ein Viertel mit tödlichem Ausgang

27 Fälle bei Rassekatzen (Siam, Birma, Maine Coon u. a.)

Impfstoffe

UAW vor allem nach Kombis Seuche-Schnupfen und Kombis mit Chlamydien-, Tollwut- und FeLV-Impfstoffen (nicht weiter überraschend)

22 Meldungen zu Tollwut-Einzelimpfstoffen

4 Meldungen zu Serum-Präparat Seuche-Schnupfen (Präparat mit Immunglobulinen = fertige Antikörper)


Symptome

74 Fälle von Nahrungsverweigerung, Magen-Darm-Symptomen, Depression

15 Fälle von akutem allergischem Schock

17 Fälle von respiratorischen Symptomen (nicht näher bezeichnet)

29 Fälle von Pruritus (Juckreiz), Hautstörungen, lokalen Schwellungen, Augenreaktionen

Wesensveränderungen (nicht beziffert) mit erhöhter Unruhe, lautem Schreien, Vorfall des dritten Augenlids, Ängstlichkeit

1 Fall von Impfsarkom (wäre ja schön, wenn das die Realität auch nur annähernd wiedergeben würde, was aber nicht der Fall ist) 

9 Fälle von Verdacht auf mangelhafte Wirksamkeit (Seuche oder Schnupfen)

27 Todesfälle


Impfnebenwirkungen bei Hunden: keine Todesfälle?


insgesamt 388 Meldungen

keine Todesfälle (PEI-Bericht für 2012: 27 Todesfälle)

häufig betroffene Rassen: Chihuahua (29), Mops (19), Bulldogge (15), Jack-Russell-Terrier (15), Golden Retriever (11)

Impfstoffe

Staupe-Hepatitis-Parvo oder Staupe-Hepatitis-Parvo-Parainfluenza (SHP, SHPPi)

Lepto-Impfstoffe "sehr prominent vertreten" mit 135 Meldungen

"Seit der Einführung von Impfstoffen mit mehreren Leptospira-Serovaren gehen deutlich mehr Meldungen zu dieser Impfstoffgruppe ein."

in der Regel nicht als Einzelprodukt, sondern als Kombi (mit SHP usw.) verabreicht, "kausale Zuordnung beobachteter Nebenwirkungen zu einer einzelnen Impfstoffkomponente ist so kaum möglich"

86 Meldungen zu Tollwut-Einzelimpfstoffen

47 Meldungen zu Tollwut-Lepto-Zweierkombis

17 Meldungen zu Borreliose-Impfstoffen

Symptome

häufig Ödembildung (Kopf, Augen), Juckreiz, Erbrechen, Durchfall

gestörter Bewegungsablauf, partielle Lähmungserscheinungen, generelle Schläfrigkeit "deuten auf zentralnervöse Beeinträchtigungen nach der Impfung hin"

etwa jede zehnte Meldung: akutes Schockgeschehen mit respiratorischer Symptomatik (Atemnot) und lebensbedrohlicher Herz-Kreislauf-Symptomatik

lokale Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle, Bildung von Abszessen

lokale Alopezie (Haarverlust an der Injektionsstelle)

Verdacht auf mangelnde Wirksamkeit (Staupe, Parvo)

Fazit

Sind diese Zahlen realistisch? Natürlich nicht. Nach seriösen Schätzungen werden mindestens 95, eher 99 Prozent aller Fälle von Verdacht auf Impfnebenwirkungen nicht gemeldet. 

Interessanterweise haben Katzenhalter/innen Impfnebenwirkungen zu einem höheren Anteil selbst gemeldet. Bei den Katzen-UAW kamen vier Prozent der Meldungen von den Tierhalter/innen, bei den Hunden nur zwei Prozent. Das sind absolut gesehen nicht viele, aber die Tendenz ist aufschlussreich. TA macht keine Meldung? Dann macht man es eben selbst. 


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Dienstag, 26. Januar 2016

Blütenlese Tollwut: Au weia, die Jäger





Wenn's um das Vergnügen des organisierten Fuchsmordes geht, ist manchen Jägern kein Unfug zu blöd. 

Am liebsten wird über Gesundheitsgefahren durch Füchse phantasiert, und da steht die Tollwut an erster Stelle, dicht gefolgt von Fuchsbandwurm und Räude

So auch in der aktuellen Verlautbarung der Jägerschaft in einem Gebiet im Oberbergischen (nahe Köln). 

Nach eigenen Angaben veranstaltet sie seit 26 Jahren im Winter den "Fuchsansitz". 

Auslöser der intensiven Fuchsbejagung sei die Tollwut gewesen, die noch vor einigen Jahren in der Gegend "gewütet" habe.*

"Einige Jahre"? Nordrhein-Westfalen verzeichnete den letzten Fall von terrestrischer Tollwut (= Tollwut bei am Boden lebenden Tieren) im Jahr 2002. Macht gut 13 Jahre ohne einen einzigen Fall von Fuchstollwut. 

Doch es kommt noch doller: Die Tollwut werde "über Mäuse übertragen, die wiederum die Hauptmahlzeit des Fuchses ist", verrät ein Oberjäger, grammatisch nicht ganz schussfest.

Oder nicht ganz schussfest zitiert.

Mäuse als Tollwutüberträger? 

Das sagt das Robert-Koch-Institut

Kleinsäuger (Mäuse, Ratten) spielen bei der Verbreitung der Tollwut keine Rolle.


***

Zum Glück gibt es auch gute Nachrichten: In Luxemburg wird das vorbildliche Verbot der Fuchsjagd wahrscheinlich verlängert

Dort sind halt Politiker, die sich von Jägern nichts weismachen lassen



(*) Die Bejagung der Füchse hat zur Ausrottung der Tollwut sowieso überhaupt nicht beigetragen, weil Füchse hohen Jagddruck durch erhöhte Reproduktion wettmachen. Je mehr umgebracht werden, desto mehr Nachwuchs. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass Jäger regional tatsächlich geholfen haben, durch Auslegen von Impfködern die Tollwut zu beseitigen. 

***

Kommentar eines Lesers: "Sehr schön geschrieben, Blattschuss sozusagen. Aber wenn sie Dir auch die Flanke so verlockend hinhalten ..."



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Mittwoch, 20. Januar 2016

"Katzen impfen - Der kritische Ratgeber" nimmt Gestalt an




Manche sollen ja sehnsüchtig darauf warten: Mo Peichls neues Büchlein "Katzen impfen - Der kritische Ratgeber" ist fertiggeschrieben und gestaltet, muss aber noch korrigiert und gedruckt werden. Es wird also noch ein bisschen dauern. Erscheinungsdatum und Preis können wir jetzt noch nicht nennen. 

So soll der Titel aussehen: 






Falls sich jemand deswegen Sorgen macht: Titel-Kater Willi aka Young Master William hat das blaue Halsband (mit Kontaktdaten) nur für kurze Zeit nach seiner Machtübernahme im Hause P. getragen, dann wurde er gechippt und bei Tasso registriert. 


Hinweis: Die älteren, bei Amazon als Ebook erhältlichen Impfbücher von Mo Peichl sind inhaltlich in einigen Details nicht mehr aktuell ("Katzen impfen mit Verstand", "Haustiere impfen mit Verstand"). 

Der aktuelle Titel "Hunde impfen - Der kritische Ratgeber" ist derzeit noch zu haben, der Vorrat geht aber allmählich zu Ende.  

Rezensionsexemplare können per Kontaktformular unten auf dieser Seite angefordert werden (ganz nach unten scrollen). Bitte Postanschrift und den Namen der Publikation (online oder Print) nicht vergessen.

PS: Zuschriften, in denen das Medium, in dem die Rezension erscheinen soll, nicht angegeben ist, werden nicht berücksichtigt. Wir halten es auch für unhöflich, wenn jemand ein Rezensionsexemplar anfordert und nicht einmal seinen/ihren Namen vollständig angibt. 

Montag, 18. Januar 2016

Impfvortrag Mo Peichl, 12. März, Nürtingen



Ausnahmsweise mal in schwäbischen Landen: 

Mo Peichl hält am 12. März in Nürtingen (nahe Stuttgart) bei der Hundesport-Trainingsgemeinschaft Neckartal einen Vortrag über Hunde-Impfungen. 

Hoffentlich ohne Bahnstreik. 

Weitere Informationen gibt's hier



Dienstag, 12. Januar 2016

WSAVA-Impfempfehlungen, Version 2015/2016: Folge 2, Kätzchenimpfung


In der neuen Version seiner Impfempfehlungen legt der Weltkleintierarztverband WSAVA jetzt auch bei den Kätzchen eine Schippe drauf

Sie sollen bis zum sechsten Lebensmonat vier- oder fünfmal hintereinander gegen Seuche/Schnupfen geimpft werden. 



Viermal, wenn die erste Impfung mit etwa 8 Wochen erfolgt: 

8., 12., 16. und 26. Lebenswoche


Fünfmal, wenn die erste Impfung bereits mit etwa 6 Wochen erfolgt: 

6., 9., 12., 16. und 26. Lebenswoche


***

Kleiner haben es die Herrschaften nicht. 

Zuvor lautete die Empfehlung: abschließende Impfung mit 14 bis 16 Wochen. Dann noch eine Impfung im Alter von 12 Monaten oder etwas später.  

Nunmehr soll aber immerhin die Impfung mit etwa einem Jahr entfallen.

Das ist ja richtig großzügig. 


***

Die Begründung ist in etwa die gleiche wie bei der Hundewelpenimpfung: Nicht alle Kätzchen entwickeln Schutz, wenn sie ihre letzte Welpenimpfung im Alter von 14 bis 16 Wochen erhalten (wie bisher von der WSAVA empfohlen). 

Grund: zu hohe maternale Antikörperspiegel = zu viel Nestschutz von der Mutter.

Damit sind sie in der Zeit zwischen der letzten Impfung im Welpenalter bis zur nächsten Impfung mit etwa einem Jahr ohne Schutz. 

Dass das nur eine Minderheit von Kätzchen betrifft: egal. 

Dass das (höchstwahrscheinlich) nur Kätzchen betrifft, deren Mütter maßlos überimpft wurden: egal. 


***

Würden wir Kätzchen vier- oder fünfmal kurz hintereinander gegen Seuche/Schnupfen impfen lassen?

Natürlich nicht. 

Wir würden doch diese zarten kleinen Tierchen nicht dermaßen mit der Impfspritze perforieren lassen. 

Und zwar wegen der Impfsarkome.

Und wegen ihrer empfindlichen Nieren.   


Zweite oder dritte Impfrunde mit 14 bis 16 Wochen, danach vielleicht eine Titerkontrolle (nur für Seuche = felines Parvovirus). 

Und dann Schluss, finis, Ende, basta.



PS: Titermessungen für die Schnupfenimpfstoffe (Herpes- und Calicivirus) sind überflüssig. Das Geld wäre für ein vernünftiges Buch über artgerechte Katzenernährung tausendmal besser ausgegeben. 



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Mittwoch, 6. Januar 2016

WSAVA-Impfempfehlungen, Version 2015/2016: Folge 1, Welpenimpfung



Der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA hat seine Richtlinien für Hunde- und Katzenimpfungen überarbeitet. 

Day, Horzinek, Schultz, Sykes (WSAVA Vaccination Guidelines Group): Guidelines for the vaccination of dogs and cats, Journal of Small Animal Practice, Januar 2016

Die Version 2015/2016 bietet im Vergleich zur Version von 2010 einige interessante neue Details

Das bedeutet aber nicht, dass die Richtlinien gut wären. 

Insgesamt sind sie ein Umsatzsicherungsprogramm für Pharmaindustrie und Kleintierärzte. 

Übrigens "großzügig gesponsert" von MSD Animal Health. 

Immer noch wird so getan, als hätten Haustiere kein vollwertiges Immunsystem.

***

Wir stellen die Neuerungen nach und nach vor. 



Folge 1: 

SHP-Impfung der Hundewelpen




Bisher hatte die WSAVA empfohlen, Hunde als Welpen drei- oder viermal gegen Staupe-Hepatitis-Parvo

 = SHP = core vaccines = Hauptimpfungen für alle Hunde 

impfen zu lassen und dann noch einmal ein Jahr später


Davon rückt man nun ab. 

Denn es ist unsinnig, mit einer weiteren Impfung ein Jahr zu warten, wenn man NICHT SICHER IST, ob der Welpe/Junghund Schutz gegen SHP aufgebaut hat. 

Das hat nun auch die Vaccination Guidelines Group gemerkt. 

Bei einer Minderheit der Welpen sind die maternalen Antikörper (Nestschutz von der Mutter) so hoch, dass die SHP-Immunisierung auch in der 16. Woche noch nicht greift

Diese Welpen/Junghunde sind also bis zur nächsten empfohlenen SHP-Impfung im Alter von 15 oder 16 Monaten noch gar nicht geschützt.

Siehe auch "Hunde impfen - Der kritische Ratgeber", S. 27, linke Spalte, zweiter Absatz:
"Laut Ronald Schultz sollten Tierhalter, die eine weitere Impfung für ihren Welpen/Junghund wünschen, damit nicht bis zum 15. Monat warten, sondern sie mit etwa sechs Monaten geben lassen."


***

Je nach Beginn des Impfprogramms kann das neue WSAVA-Protokoll bedeuten, dass der Hund  im Welpenalter viermal oder gar FÜNFMAL gegen SHP geimpft wird. 

Das schlägt die WSAVA (ernsthaft) vor: 

Bei frühem Impfbeginn: 6., 9., 12., 16. Woche und dann noch einmal in der 26. Woche = fünfmal SHP

Bei normalem Impfbeginn: 8., 12., 16. Woche und noch einmal in der 26. Woche = viermal SHP

Also systematische Überimpferei der meisten Welpen.

Denn es ist nach allen uns bekannten Studien nur eine Minderheit, die auf die Impfung mit etwa 16 Wochen noch nicht anspricht. 

Immerhin nennt die WSAVA auch die Alternative zu diesem Maximalprogramm, nämlich die Titermessung zur Kontrolle des Impferfolgs. 


***

Wir würden natürlich nicht vier- oder gar fünfmal gegen SHP impfen lassen.

In Frage käme für uns nur eine Titermessung für S und P. 

Und zwar vier Wochen nach der Impfung in der 16. Lebenswoche. 

Sind messbare Antikörper da, ist Schluss mit der Impferei.

Der Welpe besitzt Immunität. Und die bricht nicht nach einem Jahr und auch nicht nach drei Jahren ab. 




PS: Eine Titermessung für H (= Hepatitis = CAV) ist überflüssig. 

PPS: Mal sehen, ob und wann die deutsche "Ständige Impfkommission Vet" auch endlich mal auf den Trichter kommt. Sie bezeichnet ja die vierte (oder gar fünfte) SHP-Impfung mit 15 oder 16 Monaten als "Teil der Grundimmunisierung". 


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