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Mittwoch, 11. Januar 2017

Hunde sind die Melkkühe der Impfstoffhersteller



Jedes Jahr bringen Marktforschungsunternehmen Trendanalysen zum globalen Tierimpfstoffmarkt heraus. 

Diese Marktprognosen verkaufen sich nicht von selbst, schon wegen der horrenden Preise. Also muss man viel Werbung dafür machen.

2016 fielen uns zwei dieser Werbeschreiben besonders auf. 


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Hunde-Impfstoffe machen gut 50 Prozent
des globalen Markts aus. 



Das teilt Transparency Market Research in einer PR-Aussendung mit. 

2015 seien es 52,7 Prozent gewesen, und dieses Marktsegment behalte auch künftig seine dominierende Stellung.

Wie bitte?

Mit Hunde-Impfstoffen - nach Kopfzahl eigentlich fast ein Nischenprodukt - wird mehr Geld gemacht als mit den Impfstoffen für die vielen Millionen Schweine, Rinder und Hühner?

Beispiel Deutschland 2015: 

27 Millionen Schweine
12 Millionen Rinder
160 Millionen Hühner
Aber nur 8 Millionen Hunde


Tja. Landwirte, bzw. Massentierhalter lassen sich halt nicht so leicht das Geld aus der Tasche ziehen. 


Genau genommen sind natürlich nicht die Hunde die Melkkühe, sondern die Hundehalter/innen, die sich blauäugig und ahnungslos jedes Jahr mit ihren Tieren zum Impfen einbestellen lassen.  



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Die Zulassungsvorschriften für Tierimpfstoffe
sind überaus industriefreundlich.  


Zion Market Research weist in einer PR-Mitteilung darauf hin, dass Tierimpfstoffe, anders als Humanimpfstoffe, "ohne große kontrollierte Studien" auf den Markt kommen.  

So verlange das zuständige US-Landwirtschaftsministerium "kaum" den Nachweis, dass die Produkte sicher, sauber und wirksam seien. 

Und das ist leider in anderen Ländern kein bisschen besser. 

Sonst hätten wir nicht diese ganzen Wunderimpfstoffe.  


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Wie schon mal gesagt: Tierimpfstoffhersteller müsste man sein. 




©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/







Montag, 9. Januar 2017

Stiko Vet bewegt sich bei der Tollwutimpfung



Dass wir das noch erleben dürfen. 

Die "Ständige Impfkommission Vet" (Stiko Vet) hat Ende 2016 ihre Impfleitlinie für Kleintiere aktualisiert. 

Und hat sich doch tatsächlich bei der Tollwutimpferei bewegt


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In den früheren Fassungen der Leitlinie wurde für Hunde(welpen) und Freigängerkatzen(welpen) folgendes Schema empfohlen: 

12. Woche
16. Woche
15. Monat

Mithin drei Impfungen in einem Jahr, obwohl etliche deutsche Tollwutimpfstoffe nur EINE Impfung für mehrjährige Gültigkeit erfordern. 

Und obwohl bei KEINEM Tollwutimpfstoff für Katzen oder Hunde ZWEI Impfungen im Welpenalter verlangt werden. 


Nunmehr heißt es nur noch: 

12. Woche
ggf. 15. Monat

Das "gegebenenfalls" bezieht sich auf Tollwutimpfstoffe, die laut Beipackzettel erst ab einer weiteren Impfung zwölf Monate nach der ersten für mehrere Jahre gültig sind. 

Wird ein Impfstoff mit Mehrjahresgültigkeit nach nur einer Impfung verwendet, entfällt somit die Wiederholung im 15. Monat. 

Wow. Nur noch eine T-Impfung statt der früheren drei. 

Allerdings wird darauf hingewiesen, dass mehrere Tollwutimpfungen kurz hintereinander ratsam seien, wenn Hunde oder Katzen für eine Auslandsreise den Mindesttiter von 0,5 I. E. benötigen.

Was in der gesamten EU nicht mehr der Fall ist und somit nicht häufig vorkommen dürfte. Und bei Katzen ohnehin sehr selten nötig ist, weil fast alle den Mindesttiter locker nach nur einer Impfung erreichen. 


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ABER: Warum soll man Hundewelpen und Kätzchen überhaupt schon mit zwölf Wochen gegen Tollwut impfen?

In den allermeisten Fällen gibt es dafür keinen Grund, man kann ruhig länger warten und einzeln impfen lassen. 


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Sonst ist in der neuen Version der Leitlinie wenig Neues zu finden. 

Es bleibt bei der dreijährlichen Nachimpferei gegen Staupe-Hepatitis-Parvo (Hunde), bzw. gegen Seuche oder Seuche-Schnupfen (Katzen). 

Zwar steht drin, dass eine erfolgreiche Parvo-Impfung "langjährigen" Schutz bewirkt, doch bei Hunden und Katzen gelten drei Jahre offenbar schon als "langjährig".

Dabei hat doch diese Münchener Studie unter der Leitung von Stiko-Mitglied Professor Katrin Hartmann festgestellt, dass Parvo-Nachimpfungen sinnlos sind


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Anerkennen muss man allerdings, dass die Nebenwirkungen der neueren Mehrfachimpfstoffe gegen Leptospirose in der Leitlinie nicht verschwiegen werden

Das hat uns angenehm überrascht

Aber wird es die Tierärzte davon abhalten, diese Impfstoffe flächendeckend zu verabreichen? 

Wohl kaum. 


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Und noch eine Überraschung: Auf Seite 59 der Neufassung ist - unseres Wissens zum allerersten Mal - sogar die Rede vom Impfsarkom

Der Begriff wird in der Leitlinie natürlich nicht verwendet, vielmehr nennt man das Ding FISS = felines Injektionsstellensarkom. Aber immerhin.

"Es gibt eine epidemiologisch bewiesene Verbindung zwischen FeLV-Impfung (und Tollwut-Impfung) und der späteren Entwicklung von FISS, die vermutlich darin begründet ist, dass fast alle FeLV- und Tollwutvakzinen Adjuvantien enthalten (...) Es gibt inzwischen zugelassene Vektor-Impfungen ohne Adjuvans, die den adjuvanshaltigen Impfstoffen vorzuziehen sind."

Sehr schön, dass die Leitlinie nunmehr eine Lanze bricht für adjuvansfreie Katzenimpfstoffe gegen FeLV und Tollwut. 

Doch wird das die Tierärzte davon abhalten, Katzen weiterhin mit adjuvanshaltigen Impfstoffen zu traktieren? 

Wohl kaum. 


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Fazit: Diese neue Version der Leitlinie ist etwas besser als die früheren. 

Aber leider immer noch nicht gut


PS: Niemand MUSS sein Tier gegen Tollwut impfen lassen. Es gibt keine Pflicht zur Tollwutimpfung außer bei grenzüberschreitenden Reisen. Gerade bei Katzen sollte man gründlich darüber nachdenken: Fledermauskontakt möglich? Wenn ja, dann mit dem adjuvansfreien Einzelimpfstoff Purevax Rabies.



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