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Donnerstag, 7. September 2017

Katzenschnupfen: Nachimpfung sinnlos



Das feline Herpesvirus (FHV) ist, neben dem Calicivirus, einer der zwei relevanten Erreger des Katzenschnupfenkomplexes. 

Bis Ende 2016 lautete die Empfehlung der "Ständigen Impfkommission Vet", Katzen jährlich oder, bei Wohnungshaltung, alle zwei Jahre gegen FHV nachimpfen zu lassen. 

Was sowieso ziemlich realitätsfern war. Denn gegen FHV und FCV wird mit Dreierkombis geimpft (Seuche plus Schnupfenerreger) oder sogar mit größeren Kombis (Seuche-Schnupfen-Chlamydien, Seuche-Schnupfen-FeLV, usw.). Nur-Schnupfen-Impfstoffe ohne Seuche usw. verwenden nach unserem Eindruck nur wenige Tierärzte. Also bekommen Katzen bei jährlicher oder zweijährlicher Schnupfenimpfung in der Regel auch mindestens den Seuche-Impfstoff reingehauen, der laut Stiko Vet alle drei Jahre gegeben werden soll. 

In der aktuellen Fassung der Leitlinie vom Dezember 2016 heißt es nur noch, es würden "je nach Hersteller Wiederholungsimpfungen im Abstand von 1 bis 3 Jahren empfohlen". 


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Impfabstände von drei Jahren mögen im Vergleich zur jährlichen Impferei fortschrittlich aussehen, aber begründet sind auch sie nicht. 

Das weiß man seit mindestens 20 Jahren.

Virusforscher aus den USA haben kürzlich eine Arbeit zum felinen Herpesvirus vorgelegt, die die Kritik an der Nachimpferei bestärkt (Munks et al. 2017). 


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Untersucht wurden Herpes-Antikörper bei Katzen aus Privathaltung.

Und zwar mit einer anderen Messmethode als in den älteren Studien zum Thema. 

Ergebnis: 

1. Ältere Katzen haben höhere FHV-Antikörpertiter als jüngere. 

"The current feline vaccine recommendations assume that immunity wanes over time. Thus we were surprised to find a positive correlation between antibody and age (...)"

Die Forscher fanden zu ihrer Überraschung einen positiven Zusammenhang zwischen Alter und Höhe der Antikörpertiter.

Aber: Liegt das womöglich daran, dass ältere Katzen schon mehr Impfungen bekommen haben? 

Nein. Denn die Forscher fanden auch dies

2. FHV-Antikörper hängen nicht ab vom Zeitabstand zur letzten Impfung und auch nicht von der Gesamtzahl der Impfungen. 

"FHV-1 antibodies are not dependent on recent vaccination or total vaccinations."


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Wozu also nachimpfen?




PS: Die Katzen hatten FHV-Lebendimpfstoffe erhalten. Die meisten Schnupfenimpfstoffe enthalten abgeschwächtes Lebendvirus, in den USA und auch in Europa. Die Impfung verhindert NICHT die Infektion mit Herpesvirus, soll aber Krankheitssymptome vermindern können (was in stressiger Umgebung oft nicht funktioniert). 

Munks et al. stellen die Frage, ob die Langzeitantikörper ("this very long-lived antibody response") auf den Lebendimpfstoff zurückzuführen sind oder auf eine Infektion mit Herpeswildvirus (die ja auch bei geimpften Katzen passiert); die Infektion besteht lebenslang und kann das Immunsystem ständig anregen, neue Antikörper zu bilden.



©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/






Kleine Hunde, große Hunde




Der Sommer, bzw. die Monsun-Saison ist vorbei, nun müssen wir nach und nach abarbeiten, was in der Zwischenzeit liegen geblieben ist. 

Zum Beispiel das hier: 

Brauchen große Hunde mehr Impfungen oder größere Impfdosen als kleine?

Diese Frage wurde in der Münchener Parvo-Antikörper-Studie aufgeworfen, über die wir hier berichtet haben

Wir hatten seinerzeit angekündigt, das Thema aufzugreifen; was wir hiermit tun.  

Von den 14 Hunden, die den (umstrittenen) Mindesttiter von 1:80 verfehlten, erreichten sieben auch nach der Nachimpfung nicht diesen Wert. Und alle sieben waren in der Gewichtsklasse ab 10 kg. 

"A deficient stimulating effect on the immune system of large dogs might be the explanation", heißt es in der Münchener Studie. 

Die Erklärung (für die paar Hunde ohne Mindesttiter) könne darin liegen, dass die Parvo-Impfstoffe das Immunsystem in den oberen Gewichtsklassen unzureichend stimulierten.


Vielleicht liege es aber auch daran, dass große Hunde mehr Unterhautfettgewebe haben; Fettgewebe könne die Immunantwort vermindern.


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Wir haben lange in der Fachliteratur nach aussagekräftigen Studien gesucht, doch es scheint nichts Vernünftiges zu geben zur Frage, ob große Hunde mit der üblichen Dosierung womöglich zu wenig Impfantigen erhalten. Eine deutliche Korrelation zwischen Körpergröße/Gewicht und Impftiter besteht bei Tollwutimpfstoffen, aber die sind ein anderer Fall als die SHP-Lebendimpfstoffe. 

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Muss man sich also Sorgen machen, dass große Hunde keinen Impfschutz haben?

Muss man nicht, wenn man den Herstellern glaubt. 

Wir bekommen doch ständig erzählt, wie gut die Impfstoffe sind und wie sorgfältig sie auf Wirksamkeit (und Verträglichkeit) getestet werden. 

Und das muss ja dann auch für große Hunde gelten. 





PS: Falls sich jetzt jemand doch Sorgen macht wegen des Parvo-Impfschutzes beim Rottweiler oder bei der Dogge: Jeder messbare Titer, auch ein niedriger, zeigt an, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert hat und dass ein Immungedächtnis angelegt ist. Sagt u. a. der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA. 





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