Freitag, 22. Juni 2018

Blütenlese Tollwut: Wundertabletten in London



Heißer Anwärter auf den Titel Dümmste Tollwutgeschichte des Jahres

Laut huffingtonpost.de ist ein Fuchs in London nachts in ein Haus eingedrungen und hat eine junge Frau gebissen. 

Sie habe "wegen Tollwut-Gefahr" zwei Tage im Krankenhaus bleiben müssen und sei dort "mit Tabletten" (!) "gegen Tollwut, Tetanus und Kinderlähmung behandelt" worden. 

Oha. Tabletten gegen Tollwut, Tetanus und Kinderlähmung - offenbar verfügt die Londoner Klinik über Wundermedizin, von der man anderswo noch nie gehört hat. 

Weiter heißt es, die Ärzte hätten das Tollwutrisiko als "sehr hoch" eingeschätzt. 



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Aha. "Sehr hohes" Risiko für Fuchstollwut in London. 

Wo liegt dieses London noch mal? Ach ja, in Großbritannien. 

Seit wann sind die Britischen Inseln frei von terrestrischer Tollwut? Seit gut 100 Jahren.


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In der britischen Boulevardpresse war von diesen Wundertabletten nicht die Rede, die junge Frau erhielt nach dortigen Medienberichten ein Antibiotikum und eine Tetanusimpfung, wie es in tollwutfreien Ländern bei Tierbissen üblich ist. 

Zeug irgendwo abschreiben und dabei noch jede Menge Fehler reinpfuschen, das ist die Arbeitsweise mieser Krawallmedien.

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Der Hintergrund ist natürlich gar nicht lustig. Seit dem Verbot der brutalen Fuchsjagd mit Hundemeute geifern rechtsgerichtete Medien dagegen.

Füchse gelten der berittenen Oberschicht als Ungeziefer, das bekämpft werden muss. 

Genauso wie Greifvögel, zum Beispiel Hühnerhabichte, und kleine Raubtiere wie Wiesel usw. Sie stehen in Großbritannien unter Schutz, werden aber gern von den Jagdaufsehern gekillt, etwa mit Giftködern.

Ungeziefer sind sie, weil sie sich an den Fasanen und Moorhühnern vergreifen, die die Lords (und Zeitungsverleger) auf ihren Latifundien halten.

Jagdgründe, die übrigens mit EU-Agrarhilfen, also unseren Steuergeldern, großzügig subventioniert werden. Das wenigstens wird mit dem Brexit bald aufhören. 



Sonntag, 17. Juni 2018

Überimpfung: Bei Katzen noch mehr die Regel als bei Hunden



Halten sich Kleintierärzte an Impfrichtlinien? Dazu gibt es so gut wie keine öffentlich zugänglichen Daten. 

Die Hersteller wissen es wahrscheinlich, denn die Pharmaindustrie verfügt über präzise Marktdaten, die von Dienstleistern wie IMS Health usw. geliefert werden. 

Ein bisschen Licht ins Dunkel bringt eine britische Studie über die Impfhäufigkeit bei Katzen und Hunden (Sanchez-Viscaino et al. 2018). 

Sie ist größtenteils uninteressant mit ihrem Zahlensalat, aber eines zeigt sie doch: Bei Hunden hat sich das Dreijahresintervall für bestimmte Impfungen (Staupe-Hepatitis-Parvo = core vaccines) ein bisschen mehr etabliert als bei Katzen. 

Katzen bekommen demnach ihre "core vaccines" (Seuche-Schnupfen) weiterhin nahezu jährlich reingehauen, auch wenn in Richtlinien etwas anderes steht. 


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Im Durchschnitt wurden Katzen pro Lebensjahr 0,85 Hauptimpfungen verpasst, Hunden 0,69. 

Bezogen auf jeweils eine Vierjahresperiode, erhielten Hunde eine Hauptimpfung, bei Katzen waren es hingegen drei (Jahre 0 bis 4) oder sogar vier (Jahre 5 bis 8 und 9 bis 12). 

Überraschend ist das nicht, wenn man sich das Impfstoffmarketing in Großbritannien ansieht. 

Es ist noch aggressiver als hierzulande, siehe "Vaccination Amnesty".



PS: Da kann auch in Deutschland noch einiges kommen. Der Futterhersteller Mars Petcare, der in den USA immer mehr Praxen und Kliniken aufkauft, steigt in Europa ein. Mars kauft den europäischen Anicura-Konzern, der in sieben Ländern, darunter auch Deutschland, insgesamt rund 200 Praxen und Kliniken betreibt. 


©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/






Montag, 14. Mai 2018

Rudelimpfung beim Hundeverein oder: Der Lokalreporter gibt Pfötchen





Lokalreporter können sich nicht in jedes Thema reinarbeiten, das ist klar. 

Aber ein bisschen professionelle Distanz darf man verlangen. 

Beispielsweise wenn es darum geht, über Rudelimpfungen beim Hundeverein zu berichten. 

Doch da ist oftmals Hopfen und Malz verloren

Berichtet wird nicht, vielmehr wird distanzlos gelobt und gepriesen.


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So auch im Bericht über die jährliche Impfaktion bei einem Hundesportverein im Südbadischen. Und zwar für Hunde und für Katzen. 

Klar, Katzen können sich nichts Schöneres vorstellen, als zum Impfen auf einen Hundeplatz geschleppt zu werden.


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Das Angebot habe sich herumgesprochen, weil "verantwortungsbewusste Hunde- und Katzenhalter" davon "profitieren", schreibt der Lokalreporter. 

Wie die Hunde- und Katzenhalter "profitieren", verrät er nicht. Gab's Rabattpreise? 

Geimpft worden sei gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose und Tollwut. 

Wie, und nicht gegen Hepatitis und Zwingerhusten?

"Die Krankheiten werden häufig durch Wildtiere übertragen und führen immer wieder zu Tollwut", heißt es weiter. 

So, so, die Krankheiten Staupe, Parvo, Lepto und Tollwut führen also "immer wieder zu Tollwut". 

Dass Tollwut zu Tollwut führt, na gut, okay. Seltsam formuliert, aber nicht völlig absurd.  

Doch dass Staupe, Parvo und Lepto "immer wieder zu Tollwut führen", das würde die Fachwelt schwer erschüttern, wenn sie davon wüsste. 

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Ein richtiger Reißer scheint diese Rudelimpfung freilich nicht zu sein. Laut Lokalreporter nehmen 20 bis 25 Hunde- und Katzenhalter daran teil. 

Ein nettes Zubrot für die Tierarztpraxis mit dem guten Draht zum Hundeverein, aber kein Massenandrang. 

Vielleicht hat es sich auch in Südbaden herumgesprochen, dass die jährliche Volldröhnung reine Geldschneiderei ist. 

Nicht in den Lokalmedien, aber unter Tierhaltern. 


Montag, 30. April 2018

Bitte unterschreiben gegen diese fürchterliche Versuchshunde-Zuchtfabrik


Aufruf der Organisation "Ärzte gegen Tierversuche":


In Mézilles in Frankreich gibt es eine riesige Hundezuchtfarm für Tierversuche. 500 Beagle- und Golden-Retriever-Hündinnen werden als Gebärmaschinen missbraucht. Ihre Jungen werden an Labore verkauft. Diese Tiere sehen nie das Sonnenlicht, setzen nie eine Pfote auf grünes Gras, werden nie von liebenden Menschen geknuddelt werden. Sie erwartet ein qualvoller Tod im Labor.

Die Zuchtanstalt hat ihre Kapazitäten von 500 Hündinnen längst überschritten. Bei einer Inspektion wurden 1.500 Hunde vorgefunden, davon 1.300 über 4 Monate alt. Nun will die Zuchtanstalt die Erweiterung legalisieren lassen.

Unsere Freunde von der französischen Organisation One Voice laufen Sturm. Sie wollen erreichen, dass die Farm ganz geschlossen wird. 


Bitte unterstützt die Petition (Text in Englisch). Hier unterschreiben.

Donnerstag, 19. April 2018

20. April: Welttag des Haustierimpfstoffmarketings



Sie nennen es "Welttag der Tierimpfung", wir nennen es "Welttag des Haustierimpfstoffmarketings". 

In der PR-Mitteilung des internationalen Tierpharmaverbands geht es vorrangig um Impfungen für "Nutz"-Tiere. 

In Deutschland ist dieser Marketingtag, der 2016 in die Welt gesetzt wurde, traditionell ganz den Katzen und Hunden gewidmet

Warum? Weil bei den Kleintieren am meisten Profit zu holen ist

Produkte für Hunde machen laut Marktforschern 50 Prozent des Gesamtumsatzes in der Tierimpfstoffsparte aus. 

Obwohl Hunde nach Kopfzahl ein viel kleineres Marksegment darstellen als die Abermillionen Hühner, Enten, Gänse, Puten, Kaninchen, Schweine, Schafe und Rinder. 




PS: Bei der Lektüre der diesjährigen PR-Verlautbarung des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT, Organisation der einschlägigen Pharmaunternehmen) ist uns ein Freud'scher Verleser unterlaufen. 

"Gezielt impfen kann man gegen die Erreger der sogenannten Katzenseuche oder des Katzenschnupfens, beides schwere Erkrankungen, die tödlich enden können ebenso wie die Katzen-Leukämie. Von dieser Impfung, die zu tödlichen Tumorerkrankungen führen kann, weiß man, dass nur noch ein bis zwei Prozent der Hauskatzen weltweit betroffen sind."

Natürlich steht da nicht "Impfung, die zu tödlichen Tumorerkrankungen führen kann", sondern "Infektion, die zu tödlichen Tumorerkrankungen führen kann". 

Aber so falsch gelesen war es nun auch wieder nicht. Denn adjuvanshaltige Impfstoffe gegen FeLV (= "Katzen-Leukämie") zählen zu den Hauptverursachern von Impfsarkomen.


Mittwoch, 11. April 2018

Schweizer Lepto-4/Lepto-6-Studie: Außer Spesen nichts gewesen



Veterinäre der Züricher Universität haben kürzlich die Ergebnisse ihrer Studie über den Vierfach-Leptoimpfstoff Nobivac L4 - in der Schweiz als Lepto 6 vermarktet - veröffentlicht (Spiri et al. 2017).

Aufregend sind sie nicht. 


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48 privat gehaltene Hunde verschiedenen Alters bekamen Blut abgenommen, wurden zweimal mit L4 ("L6") grundimmunisiert, später wurde ihnen noch zweimal Blut abgenommen. 16 Hunde erhielten außerdem SHPPi, zehn einen Pi-Impfstoff. 

Gemessen wurden Lepto-Titer sowie cTroponin, ein Blutmarker für Herzmuskelentzündung (Myokarditis), letzteres aber nicht bei allen. Außerdem wurden die Tierhalter nach Impfnebenwirkungen gefragt, und 24 Hunde wurden auf Myokarditis (Echokardiographie usw.) untersucht. 

Herzuntersuchung und cTroponin wurden laut Studienautoren einbezogen, weil es anekdotische Berichte über Myokarditis nach Lepto-Impfung gegeben habe. 

Resultat: Die Hunde hatten Impfantikörper gegen alle möglichen Lepto-Serovaren. Anzeichen für Herzmuskelentzündung fanden sich nicht. 23 Prozent (Erstimpfung), resp. fünf Prozent (Zweitimpfung) der Hunde hatten laut Besitzern in den ersten fünf Tagen nach den Impfungen Nebenwirkungen, die allesamt leicht und vorübergehend waren.

Später auftretende Gesundheitsstörungen wurden in zehn Prozent (Erstimpfung), resp. acht Prozent (Zweitimpfung) der Fälle verzeichnet: einmaliges Erbrechen, einmaliger Durchfall, Depigmentierung des Nasenspiegels, akutes Zittern drei Wochen nach der Impfung und ein fokaler epileptischer Anfall vier Wochen nach der Impfung, Husten, vermindertes Allgemeinbefinden, schmerzhafter Harnabsatz wegen vergrößerter Prostata. Zwei Hunde starben innerhalb des Folgejahres wegen Krebs und wegen Lähmung. 


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Schlussfolgerung der Autoren: Die Impfung mit L4 (L6) werde generell gut vertragen und sei zu empfehlen. 

Sie räumen allerdings ein, dass seltene Nebenwirkungen bei einer so kleinen Zahl von Probanden nicht abgeschätzt werden können. 

Dies müsse durch große retrospektive Studien und Pharmakovigilanzdaten geschehen. 

Wer solche großen Studien machen soll, sagen sie nicht

Und was die offiziellen Meldedaten taugen, wird auch nicht thematisiert. 

Allein am Beispiel des Impfsarkoms lässt sich nachweisen, dass selbst schwerste Nebenwirkungen so gut wie nie amtskundig werden. Nach seriösen Schätzungen werden mindestens 95 Prozent aller Nebenwirkungen nicht gemeldet. 

Dass immunvermittelte Anämie und immunvermittelte Thrombozytopenie inzwischen im Beipackzettel von Nobivac L4 (und der Schweizer Variante L6) als (sehr seltene) Nebenwirkungen aufgeführt sind, wird in dem Paper nicht erwähnt. 

Und dass es im Beipackzettel steht, ist ganz sicher nicht Verdienst von Forschern oder Behörden, sondern Verdienst von Hundehaltern in Großbritannien, die Alarm geschlagen haben. 


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Wie so oft, ist an dieser Studie nicht interessant, welchen Fragen sie nachgeht, sondern welche sie auslässt



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Frage Nr. 1: Impfstoffe aus abgetöteten ganzen Bakterien (Bakterine) sind in der Humanmedizin längst völlig aus der Mode, es gibt sie nur noch in wenigen Ausnahmen. 

Aus der Mode sind sie, weil sie schlecht verträglich sind

Wie kann ein Impfstoff-Typ, der wegen seiner schlechten Verträglichkeit für Menschen nicht mehr verwendet wird, für Kleintiere unbedenklich sein?


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Frage Nr. 2: Kein Mensch bekommt bakterielle Impfstoffe jährlich verabreicht.

Die heute üblichen bakteriellen Humanimpfstoffe

- die Toxoidimpfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie und die Impfstoffe gegen Keuchhusten, Pneumokokken und Meningokokken -

enthalten nur Bestandteile der Erreger, also nicht ganze abgetötete Erreger. 

Und diese Bestandteile lösen eine schwächere Immunreaktion aus als Ganzkeim-Impfstoffe.

Trotzdem wird kein bakterieller Humanimpfstoff jährlich gegeben. 

Warum schützen bakterielle Impfstoffe bei Katzen, Hunden und anderen Kleintieren angeblich nur ein Jahr?



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Mittwoch, 28. März 2018

Titern statt impfen - derselbe Quark in Grün





"Herr Doktor, Ihr Impftank ist fast leer, da muss nachgefüllt werden."
Foto: Wikimedia Commons




Vor einigen Wochen hat uns ein netter Holländer angeschrieben. Er verkauft über einen Webshop allerlei Nahrungsergänzungsmittel für Haustiere und hält Vorträge über Titermessungen bei Katze und Hund, bezahlt von einem Hersteller einschlägiger Schnelltests für die Praxis.

Er findet die Tests supertoll und hätte gern, dass wir das auch propagieren

In Deutschland sind sie zu seinem Bedauern noch nicht so populär wie in anderen Ländern Europas.


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Tut uns leid, aber das fällt uns im Traum nicht ein.  

Jedenfalls nicht, solange unserem Hausarzt die Impftiter seiner Patienten völlig schnurz sind


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Warum können wir uns für diese Antikörpermessungen nicht erwärmen?

Weil wir keinen überzeugenden Grund dafür kennen. 

Eine wissenschaftliche Begründung, warum Titerkontrollen bei Haustieren nötig sind und bei Menschen nicht, haben wir bisher noch nie gesehen.   


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Titerkontrollen sind sinnvoll, wenn man wissen will, ob ein Welpe/Jungtier erfolgreich geimpft wurde (beim Hund Staupe-Parvo oder Staupe-Hepatitis-Parvo, bei der Katze Katzenseuche). 

Auch das wäre allerdings ein Aufwand, den man bei kleinen Menschen nicht betreibt. Und den die Kassen auch nicht bezahlen würden. 

Tests sind höchstens noch dann nützlich, wenn Katze oder Hund in eine Tierpension sollen. Manche Betreiber sind ach so großzügig und akzeptieren für einige wenige Impfungen einen Titernachweis statt jährlicher Impfung.   

Das bewahrt die Tiere freilich nicht davor, für die Tierpension weitere Nachimpfungen verpasst zu bekommen (Lepto, Zwingerhusten usw.). 


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Für die Hersteller von Titertests ist eine derart begrenzte Anwendung natürlich uninteressant. 

Sie hätten gern, dass möglichst alle Katzen und Hunde jährlich für unsinnige Titertests zur Ader gelassen werden. 

Eine Win-win-Situation für Hersteller und Veterinäre. Genauso wie früher die jährliche Komplettimpferei.


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Manche Tierärzte sind auch hierzulande freudig auf den Titer-Zug aufgesprungen, und es werden sicherlich noch mehr. 

Begründet wird die Titerei gern so: Der Impfschutz sei "nicht bei jedem Tier gleich gut ausgeprägt", daher gebe es welche, die häufigere Wiederholungsimpfungen bräuchten. 


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Hier ist sie wieder, die Vorstellung, dass das Immunsystem eine Art Tank sei, der ständig nachgefüllt werden müsse und nachgefüllt werden könne.

Und der Titertest ist dabei die Tankuhr


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Unser Gewährsmann, der Labormediziner, kratzt sich am Kopf:  

"Ja, hond die Vederinär' denn koi Immunologie g'lernt an der Uni? Wisset die nix vom Immungedächtnis, von der zelluläre Immunidät und dem ganze komblizierde Zeug?"

Also, im Studienplan steht es.  

"Na no, wenn sie's g'lernt habet, es aber net glaube wollet, dann kennet mir Labormediziner uns nur drauf freue, dass sie ihre eigene Dider au schtrengschtens kondrolliere lasset. Impfdidermessunge für zehndausend pragdische Vederinär' jedes Jahr, und alle privat versichert ... Bei mir war aber no koiner."




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