Dienstag, 26. September 2017

Hundeimpfung: Neue US-Richtlinien mit altem Inhalt



Die American Animal Hospital Association (AAHA) hat diesen Monat eine neue Version ihrer Impfrichtlinien für Hunde veröffentlicht. 

Was Neues findet sich in diesen Guidelines nicht. Alles wie gehabt: Staupe-Hepatitis-Parvo (SHP) im Abstand von drei (oder vielleicht auch mehr) Jahren, andere Impfungen je nach Lebensstil, usw., usf. 

Geändert hat sich die Präsentation: Früher wurden die Guidelines im Journal der AAHA als Print und PDF publiziert, heute gibt es im Journal nur noch eine Rumpfversion, die hauptsächlich aus Tabellen besteht. Etwas Text steht auf der Website der AAHA, für den eiligen Gebrauch. 

Eine wissenschaftliche Basis für SHP-Nachimpfungen beim bereits immunisierten Hund oder für jährliche Nachimpfungen (Lepto usw.) sucht man auch dieses Mal vergeblich. 


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Warum das so ist, wird gleich auf der Startseite der Richtlinien klar: 

"These guidelines were sponsored by a generous educational grant from Boehringer Ingelheim, Merial, Merck Animal Health, and Zoetis."

Eben. Großzügig finanziert von den Impfstoff-Multis*.



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Worauf beruhen diese Richtlinien? Laut AAHA-Task Force darauf:

"Evidence-based support for specific recommendations has been cited whereever possible and appropriate. Other recommendations are based on practical clinical experience and a consensus of expert opinion."

Also: Soweit vorhanden und angemessen (?), werden für die Empfehlungen wissenschaftliche Belege zitiert; andere Empfehlungen basieren auf klinischer Erfahrung und Expertenkonsens. 

Tja. Und das bedeutet, dass wir es an den kritischen Stellen vor allem mit Consensus-Medizin zu tun haben, die aus guten Gründen in der Humanmedizin verrufen ist.** Eine Gruppe von Fachleuten tagt und einigt sich auf das, was ihren Finanziers gefällt.  


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Dass nicht viel Wissenschaft dahinterstecken kann, zeigt sich aufs schönste bei den Empfehlungen zur Impfung der Welpen gegen Staupe-Hepatitis-Parvo. 

AAHA 2017: SHP-Impfungen ab der sechsten Woche im Abstand von zwei bis vier Wochen bis zum Alter von etwa 16 Wochen, eine weitere Impfung ein Jahr danach. Bei Hochrisiko-Umgebung könnten Welpen von einer abschließenden Impfung mit 18 bis 20 Wochen profitieren. Hochrisiko: wenn Parvo und Staupe häufig vorkommen oder Welpen oft Kontakt mit anderen Hunden haben. 

WSAVA 2016: Der Weltverband der Kleintierärzte sieht das anders. In seinen Empfehlungen von 2016 plädiert er - ohne Rekurs auf Risikolagen - für eine vierte (je nachdem, sogar fünfte) Impfung im Welpenalter. Und zwar, weil es Welpen gibt, die wegen hohen Nestschutzes mit 16 Wochen immer noch nicht auf SHP ansprechen. Ist man unsicher, ob der Welpe/Junghund geschützt ist, wäre es unsinnig, die nächste SHP erst mit 16 Monaten zu geben - das Tier wäre in der Zeit ja ohne Schutz. 

Nebenbei: Eine wissenschaftliche Basis für die vierte (oder fünfte oder gar sechste) SHP-Impfung ein Jahr nach der letzten Runde im Welpenalter haben wir noch nie gesehen. Bei den allermeisten Welpen klappt die Impfung mit 16 Wochen, daher brauchen sie keine Nachimpfung mit 20 oder 24 Wochen oder 16 Monaten. Wer sicher sein will, lässt beim Welpen S- und P-Titer kontrollieren. - Wer's nicht glaubt, sollte so konsequent sein und seine Kinder vier- oder fünfmal gegen (zB) Masern impfen lassen. Und sich selbst alle drei oder vier oder fünf Jahre zur Masernnachimpfung begeben. 


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Chef der AAHA-Task Force war übrigens Professor Richard Ford, der uns kürzlich an anderer Stelle negativ aufgefallen ist. 




* Wobei die Konzentration auf immer weniger internationale Konzerne zügig weitergeht. Merial wurde dieses Jahr von Boehringer Ingelheim übernommen. 

** Consensus-Medizin, hergestellt auf Consensus-Konferenzen: Sie ist das ideale Einfallstor für Industrieinteressen und hat uns u. a. pharmafreundliche Grenzwerte für Blutfettwerte etc. pp. eingebrockt. Dieselbe Kritik gilt übrigens für Leitlinien, Richtlinien o. ä. 

Was genau für die AAHA-Task Force gezahlt wurde und wer wie viel bekommen hat, wird nicht verraten. Üblicherweise werden Anreise, Kost und Logis für die Zusammenkünfte von der Pharmaindustrie bezahlt (ggf. auch eine Runde auf dem schönen Golfplatz des Luxushotels). Und die Pharmaindustrie achtet immer auf ihren return on investment, also darauf, dass es sich auszahlt. 





©haustiereimpfenmitverstand.blogspot.de/





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