Freitag, 22. Juni 2018

Blütenlese Tollwut: Wundertabletten in London



Heißer Anwärter auf den Titel Dümmste Tollwutgeschichte des Jahres

Laut huffingtonpost.de ist ein Fuchs in London nachts in ein Haus eingedrungen und hat eine junge Frau gebissen. 

Sie habe "wegen Tollwut-Gefahr" zwei Tage im Krankenhaus bleiben müssen und sei dort "mit Tabletten" (!) "gegen Tollwut, Tetanus und Kinderlähmung behandelt" worden. 

Oha. Tabletten gegen Tollwut, Tetanus und Kinderlähmung - offenbar verfügt die Londoner Klinik über Wundermedizin, von der man anderswo noch nie gehört hat. 

Weiter heißt es, die Ärzte hätten das Tollwutrisiko als "sehr hoch" eingeschätzt. 



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Aha. "Sehr hohes" Risiko für Fuchstollwut in London. 

Wo liegt dieses London noch mal? Ach ja, in Großbritannien. 

Seit wann sind die Britischen Inseln frei von terrestrischer Tollwut? Seit gut 100 Jahren.


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In der britischen Boulevardpresse war von diesen Wundertabletten nicht die Rede, die junge Frau erhielt nach dortigen Medienberichten ein Antibiotikum und eine Tetanusimpfung, wie es in tollwutfreien Ländern bei Tierbissen üblich ist. 

Zeug irgendwo abschreiben und dabei noch jede Menge Fehler reinpfuschen, das ist die Arbeitsweise mieser Krawallmedien.

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Der Hintergrund ist natürlich gar nicht lustig. Seit dem Verbot der brutalen Fuchsjagd mit Hundemeute geifern rechtsgerichtete Medien dagegen.

Füchse gelten der berittenen Oberschicht als Ungeziefer, das bekämpft werden muss. 

Genauso wie Greifvögel, zum Beispiel Hühnerhabichte, und kleine Raubtiere wie Wiesel usw. Sie stehen in Großbritannien unter Schutz, werden aber gern von den Jagdaufsehern gekillt, etwa mit Giftködern.

Ungeziefer sind sie, weil sie sich an den Fasanen und Moorhühnern vergreifen, die die Lords (und Zeitungsverleger) auf ihren Latifundien halten.

Jagdgründe, die übrigens mit EU-Agrarhilfen, also unseren Steuergeldern, großzügig subventioniert werden. Das wenigstens wird mit dem Brexit bald aufhören. 



Sonntag, 17. Juni 2018

Überimpfung: Bei Katzen noch mehr die Regel als bei Hunden



Halten sich Kleintierärzte an Impfrichtlinien? Dazu gibt es so gut wie keine öffentlich zugänglichen Daten. 

Die Hersteller wissen es wahrscheinlich, denn die Pharmaindustrie verfügt über präzise Marktdaten, die von Dienstleistern wie IMS Health usw. geliefert werden. 

Ein bisschen Licht ins Dunkel bringt eine britische Studie über die Impfhäufigkeit bei Katzen und Hunden (Sanchez-Viscaino et al. 2018). 

Sie ist größtenteils uninteressant mit ihrem Zahlensalat, aber eines zeigt sie doch: Bei Hunden hat sich das Dreijahresintervall für bestimmte Impfungen (Staupe-Hepatitis-Parvo = core vaccines) ein bisschen mehr etabliert als bei Katzen. 

Katzen bekommen demnach ihre "core vaccines" (Seuche-Schnupfen) weiterhin nahezu jährlich reingehauen, auch wenn in Richtlinien etwas anderes steht. 


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Im Durchschnitt wurden Katzen pro Lebensjahr 0,85 Hauptimpfungen verpasst, Hunden 0,69. 

Bezogen auf jeweils eine Vierjahresperiode, erhielten Hunde eine Hauptimpfung, bei Katzen waren es hingegen drei (Jahre 0 bis 4) oder sogar vier (Jahre 5 bis 8 und 9 bis 12). 

Überraschend ist das nicht, wenn man sich das Impfstoffmarketing in Großbritannien ansieht. 

Es ist noch aggressiver als hierzulande, siehe "Vaccination Amnesty".



PS: Da kann auch in Deutschland noch einiges kommen. Der Futterhersteller Mars Petcare, der in den USA immer mehr Praxen und Kliniken aufkauft, steigt in Europa ein. Mars kauft den europäischen Anicura-Konzern, der in sieben Ländern, darunter auch Deutschland, insgesamt rund 200 Praxen und Kliniken betreibt. 


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Montag, 14. Mai 2018

Rudelimpfung beim Hundeverein oder: Der Lokalreporter gibt Pfötchen





Lokalreporter können sich nicht in jedes Thema reinarbeiten, das ist klar. 

Aber ein bisschen professionelle Distanz darf man verlangen. 

Beispielsweise wenn es darum geht, über Rudelimpfungen beim Hundeverein zu berichten. 

Doch da ist oftmals Hopfen und Malz verloren

Berichtet wird nicht, vielmehr wird distanzlos gelobt und gepriesen.


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So auch im Bericht über die jährliche Impfaktion bei einem Hundesportverein im Südbadischen. Und zwar für Hunde und für Katzen. 

Klar, Katzen können sich nichts Schöneres vorstellen, als zum Impfen auf einen Hundeplatz geschleppt zu werden.


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Das Angebot habe sich herumgesprochen, weil "verantwortungsbewusste Hunde- und Katzenhalter" davon "profitieren", schreibt der Lokalreporter. 

Wie die Hunde- und Katzenhalter "profitieren", verrät er nicht. Gab's Rabattpreise? 

Geimpft worden sei gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose und Tollwut. 

Wie, und nicht gegen Hepatitis und Zwingerhusten?

"Die Krankheiten werden häufig durch Wildtiere übertragen und führen immer wieder zu Tollwut", heißt es weiter. 

So, so, die Krankheiten Staupe, Parvo, Lepto und Tollwut führen also "immer wieder zu Tollwut". 

Dass Tollwut zu Tollwut führt, na gut, okay. Seltsam formuliert, aber nicht völlig absurd.  

Doch dass Staupe, Parvo und Lepto "immer wieder zu Tollwut führen", das würde die Fachwelt schwer erschüttern, wenn sie davon wüsste. 

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Ein richtiger Reißer scheint diese Rudelimpfung freilich nicht zu sein. Laut Lokalreporter nehmen 20 bis 25 Hunde- und Katzenhalter daran teil. 

Ein nettes Zubrot für die Tierarztpraxis mit dem guten Draht zum Hundeverein, aber kein Massenandrang. 

Vielleicht hat es sich auch in Südbaden herumgesprochen, dass die jährliche Volldröhnung reine Geldschneiderei ist. 

Nicht in den Lokalmedien, aber unter Tierhaltern. 


Montag, 30. April 2018

Bitte unterschreiben gegen diese fürchterliche Versuchshunde-Zuchtfabrik


Aufruf der Organisation "Ärzte gegen Tierversuche":


In Mézilles in Frankreich gibt es eine riesige Hundezuchtfarm für Tierversuche. 500 Beagle- und Golden-Retriever-Hündinnen werden als Gebärmaschinen missbraucht. Ihre Jungen werden an Labore verkauft. Diese Tiere sehen nie das Sonnenlicht, setzen nie eine Pfote auf grünes Gras, werden nie von liebenden Menschen geknuddelt werden. Sie erwartet ein qualvoller Tod im Labor.

Die Zuchtanstalt hat ihre Kapazitäten von 500 Hündinnen längst überschritten. Bei einer Inspektion wurden 1.500 Hunde vorgefunden, davon 1.300 über 4 Monate alt. Nun will die Zuchtanstalt die Erweiterung legalisieren lassen.

Unsere Freunde von der französischen Organisation One Voice laufen Sturm. Sie wollen erreichen, dass die Farm ganz geschlossen wird. 


Bitte unterstützt die Petition (Text in Englisch). Hier unterschreiben.

Donnerstag, 19. April 2018

20. April: Welttag des Haustierimpfstoffmarketings



Sie nennen es "Welttag der Tierimpfung", wir nennen es "Welttag des Haustierimpfstoffmarketings". 

In der PR-Mitteilung des internationalen Tierpharmaverbands geht es vorrangig um Impfungen für "Nutz"-Tiere. 

In Deutschland ist dieser Marketingtag, der 2016 in die Welt gesetzt wurde, traditionell ganz den Katzen und Hunden gewidmet

Warum? Weil bei den Kleintieren am meisten Profit zu holen ist

Produkte für Hunde machen laut Marktforschern 50 Prozent des Gesamtumsatzes in der Tierimpfstoffsparte aus. 

Obwohl Hunde nach Kopfzahl ein viel kleineres Marksegment darstellen als die Abermillionen Hühner, Enten, Gänse, Puten, Kaninchen, Schweine, Schafe und Rinder. 




PS: Bei der Lektüre der diesjährigen PR-Verlautbarung des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT, Organisation der einschlägigen Pharmaunternehmen) ist uns ein Freud'scher Verleser unterlaufen. 

"Gezielt impfen kann man gegen die Erreger der sogenannten Katzenseuche oder des Katzenschnupfens, beides schwere Erkrankungen, die tödlich enden können ebenso wie die Katzen-Leukämie. Von dieser Impfung, die zu tödlichen Tumorerkrankungen führen kann, weiß man, dass nur noch ein bis zwei Prozent der Hauskatzen weltweit betroffen sind."

Natürlich steht da nicht "Impfung, die zu tödlichen Tumorerkrankungen führen kann", sondern "Infektion, die zu tödlichen Tumorerkrankungen führen kann". 

Aber so falsch gelesen war es nun auch wieder nicht. Denn adjuvanshaltige Impfstoffe gegen FeLV (= "Katzen-Leukämie") zählen zu den Hauptverursachern von Impfsarkomen.


Mittwoch, 11. April 2018

Schweizer Lepto-4/Lepto-6-Studie: Außer Spesen nichts gewesen



Veterinäre der Züricher Universität haben kürzlich die Ergebnisse ihrer Studie über den Vierfach-Leptoimpfstoff Nobivac L4 - in der Schweiz als Lepto 6 vermarktet - veröffentlicht (Spiri et al. 2017).

Aufregend sind sie nicht. 


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48 privat gehaltene Hunde verschiedenen Alters bekamen Blut abgenommen, wurden zweimal mit L4 ("L6") grundimmunisiert, später wurde ihnen noch zweimal Blut abgenommen. 16 Hunde erhielten außerdem SHPPi, zehn einen Pi-Impfstoff. 

Gemessen wurden Lepto-Titer sowie cTroponin, ein Blutmarker für Herzmuskelentzündung (Myokarditis), letzteres aber nicht bei allen. Außerdem wurden die Tierhalter nach Impfnebenwirkungen gefragt, und 24 Hunde wurden auf Myokarditis (Echokardiographie usw.) untersucht. 

Herzuntersuchung und cTroponin wurden laut Studienautoren einbezogen, weil es anekdotische Berichte über Myokarditis nach Lepto-Impfung gegeben habe. 

Resultat: Die Hunde hatten Impfantikörper gegen alle möglichen Lepto-Serovaren. Anzeichen für Herzmuskelentzündung fanden sich nicht. 23 Prozent (Erstimpfung), resp. fünf Prozent (Zweitimpfung) der Hunde hatten laut Besitzern in den ersten fünf Tagen nach den Impfungen Nebenwirkungen, die allesamt leicht und vorübergehend waren.

Später auftretende Gesundheitsstörungen wurden in zehn Prozent (Erstimpfung), resp. acht Prozent (Zweitimpfung) der Fälle verzeichnet: einmaliges Erbrechen, einmaliger Durchfall, Depigmentierung des Nasenspiegels, akutes Zittern drei Wochen nach der Impfung und ein fokaler epileptischer Anfall vier Wochen nach der Impfung, Husten, vermindertes Allgemeinbefinden, schmerzhafter Harnabsatz wegen vergrößerter Prostata. Zwei Hunde starben innerhalb des Folgejahres wegen Krebs und wegen Lähmung. 


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Schlussfolgerung der Autoren: Die Impfung mit L4 (L6) werde generell gut vertragen und sei zu empfehlen. 

Sie räumen allerdings ein, dass seltene Nebenwirkungen bei einer so kleinen Zahl von Probanden nicht abgeschätzt werden können. 

Dies müsse durch große retrospektive Studien und Pharmakovigilanzdaten geschehen. 

Wer solche großen Studien machen soll, sagen sie nicht

Und was die offiziellen Meldedaten taugen, wird auch nicht thematisiert. 

Allein am Beispiel des Impfsarkoms lässt sich nachweisen, dass selbst schwerste Nebenwirkungen so gut wie nie amtskundig werden. Nach seriösen Schätzungen werden mindestens 95 Prozent aller Nebenwirkungen nicht gemeldet. 

Dass immunvermittelte Anämie und immunvermittelte Thrombozytopenie inzwischen im Beipackzettel von Nobivac L4 (und der Schweizer Variante L6) als (sehr seltene) Nebenwirkungen aufgeführt sind, wird in dem Paper nicht erwähnt. 

Und dass es im Beipackzettel steht, ist ganz sicher nicht Verdienst von Forschern oder Behörden, sondern Verdienst von Hundehaltern in Großbritannien, die Alarm geschlagen haben. 


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Wie so oft, ist an dieser Studie nicht interessant, welchen Fragen sie nachgeht, sondern welche sie auslässt



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Frage Nr. 1: Impfstoffe aus abgetöteten ganzen Bakterien (Bakterine) sind in der Humanmedizin längst völlig aus der Mode, es gibt sie nur noch in wenigen Ausnahmen. 

Aus der Mode sind sie, weil sie schlecht verträglich sind

Wie kann ein Impfstoff-Typ, der wegen seiner schlechten Verträglichkeit für Menschen nicht mehr verwendet wird, für Kleintiere unbedenklich sein?


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Frage Nr. 2: Kein Mensch bekommt bakterielle Impfstoffe jährlich verabreicht.

Die heute üblichen bakteriellen Humanimpfstoffe

- die Toxoidimpfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie und die Impfstoffe gegen Keuchhusten, Pneumokokken und Meningokokken -

enthalten nur Bestandteile der Erreger, also nicht ganze abgetötete Erreger. 

Und diese Bestandteile lösen eine schwächere Immunreaktion aus als Ganzkeim-Impfstoffe.

Trotzdem wird kein bakterieller Humanimpfstoff jährlich gegeben. 

Warum schützen bakterielle Impfstoffe bei Katzen, Hunden und anderen Kleintieren angeblich nur ein Jahr?



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Mittwoch, 28. März 2018

Titern statt impfen - derselbe Quark in Grün





"Herr Doktor, Ihr Impftank ist fast leer, da muss nachgefüllt werden."
Foto: Wikimedia Commons




Vor einigen Wochen hat uns ein netter Holländer angeschrieben. Er verkauft über einen Webshop allerlei Nahrungsergänzungsmittel für Haustiere und hält Vorträge über Titermessungen bei Katze und Hund, bezahlt von einem Hersteller einschlägiger Schnelltests für die Praxis.

Er findet die Tests supertoll und hätte gern, dass wir das auch propagieren

In Deutschland sind sie zu seinem Bedauern noch nicht so populär wie in anderen Ländern Europas.


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Tut uns leid, aber das fällt uns im Traum nicht ein.  

Jedenfalls nicht, solange unserem Hausarzt die Impftiter seiner Patienten völlig schnurz sind


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Warum können wir uns für diese Antikörpermessungen nicht erwärmen?

Weil wir keinen überzeugenden Grund dafür kennen. 

Eine wissenschaftliche Begründung, warum Titerkontrollen bei Haustieren nötig sind und bei Menschen nicht, haben wir bisher noch nie gesehen.   


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Titerkontrollen sind sinnvoll, wenn man wissen will, ob ein Welpe/Jungtier erfolgreich geimpft wurde (beim Hund Staupe-Parvo oder Staupe-Hepatitis-Parvo, bei der Katze Katzenseuche). 

Auch das wäre allerdings ein Aufwand, den man bei kleinen Menschen nicht betreibt. Und den die Kassen auch nicht bezahlen würden. 

Tests sind höchstens noch dann nützlich, wenn Katze oder Hund in eine Tierpension sollen. Manche Betreiber sind ach so großzügig und akzeptieren für einige wenige Impfungen einen Titernachweis statt jährlicher Impfung.   

Das bewahrt die Tiere freilich nicht davor, für die Tierpension weitere Nachimpfungen verpasst zu bekommen (Lepto, Zwingerhusten usw.). 


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Für die Hersteller von Titertests ist eine derart begrenzte Anwendung natürlich uninteressant. 

Sie hätten gern, dass möglichst alle Katzen und Hunde jährlich für unsinnige Titertests zur Ader gelassen werden. 

Eine Win-win-Situation für Hersteller und Veterinäre. Genauso wie früher die jährliche Komplettimpferei.


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Manche Tierärzte sind auch hierzulande freudig auf den Titer-Zug aufgesprungen, und es werden sicherlich noch mehr. 

Begründet wird die Titerei gern so: Der Impfschutz sei "nicht bei jedem Tier gleich gut ausgeprägt", daher gebe es welche, die häufigere Wiederholungsimpfungen bräuchten. 


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Hier ist sie wieder, die Vorstellung, dass das Immunsystem eine Art Tank sei, der ständig nachgefüllt werden müsse und nachgefüllt werden könne.

Und der Titertest ist dabei die Tankuhr


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Unser Gewährsmann, der Labormediziner, kratzt sich am Kopf:  

"Ja, hond die Vederinär' denn koi Immunologie g'lernt an der Uni? Wisset die nix vom Immungedächtnis, von der zelluläre Immunidät und dem ganze komblizierde Zeug?"

Also, im Studienplan steht es.  

"Na no, wenn sie's g'lernt habet, es aber net glaube wollet, dann kennet mir Labormediziner uns nur drauf freue, dass sie ihre eigene Dider au schtrengschtens kondrolliere lasset. Impfdidermessunge für zehndausend pragdische Vederinär' jedes Jahr, und alle privat versichert ... Bei mir war aber no koiner."




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Freitag, 16. März 2018

Blütenlese Tollwut: Fake News von dpa




Die Deutsche Presse-Agentur, besser bekannt unter dem Kürzel dpa, warnt in einem aktuellen Bericht vor der Tollwutgefahr in Asien und Afrika. 

Viele Redaktionen haben das dpa-Stück online veröffentlicht. 

Hier ein Beispiel.

So weit, so gut. 

Nicht gut ist aber dieser Satz:

"Der Abwurf von Impfködern hat in Deutschland dazu geführt, dass die Krankheit bei Füchsen nur noch vereinzelt auftritt" (Hervorh. MP). 

Vereinzelt? Tollwut tritt in Deutschland gar nicht mehr bei Füchsen auf. 

Und zwar seit geschlagenen 12 Jahren

Das ist auch der Grund, weshalb Deutschland seit nunmehr fast zehn Jahren den offiziellen WHO-Status tollwutfrei besitzt. 

Er wurde im Herbst 2008 verliehen, zweieinhalb Jahre nach dem letzten Fuchstollwutfall im Frühjahr 2006. 

Braucht man aber offensichtlich nicht zu wissen, wenn man (dpa-Eigenwerbung:) "zuverlässige" Nachrichten verbreitet. 

Dienstag, 13. März 2018

Seminar Hundeimpfung mit Mo Peichl, Friedrichsdorf, 7. April



Update 29. März:


Das Seminar in Friedrichsdorf muss wegen eines Trauerfalls in der Familie der Veranstalter verschoben werden. 

Es wird einen Ersatztermin geben, allerdings nicht so bald. 



Foto: Natural Doglife




Die Hundeschule Natural Doglife


bietet am 7. April in Friedrichsdorf (nördlich von Frankfurt/Main)

ein Seminar zum Thema Hundeimpfung mit Mo Peichl an. 



Staupe, Parvo, Tollwut und Co.: Wogegen sollte man impfen lassen?

Und wie oft?

Titerkontrollen: Sinnvoll oder rausgeworfenes Geld?

Nebenwirkungen: Nur ein Gerücht?



Weitere Info siehe hier


Donnerstag, 1. Februar 2018

Titerwahn: Jetzt auch für Katzen



Nach der Parvo-Titerstudie bei Hunden haben Münchener Hochschulveterinäre Ende 2017 auch eine Parvo-Titerstudie für Katzen vorgelegt (Bergmann et al. 2017). 

Felines Parvovirus = Katzenseuche-Erreger, verwandt mit dem Parvovirus des Hundes

Ziel war wie bei der Hundestudie, die Titerei zu propagieren.

In der Kleintiermedizin


mit ihrer aus wissenschaftlicher Sicht peinlichen Historie der
jährlichen Nachimpferei gegen alles und jedes


gilt ein Plädoyer für Titerkontrolle statt Wiederholungsimpfung ja bereits als fortschrittlich, wenn nicht gar revolutionär. 


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Zur Studie: Gemessen wurden Seuche-Titer (also die Konzentration von Seuche-Antikörpern) bei 112 Katzen aus Privathaltung, deren letzte Impfung mindestens ein Jahr zurücklag oder die noch nie eine hatten. 

Getitert wurde vor der Nachimpfung sowie an Tag 7 und Tag 28 nach der Nachimpfung (mit einem Dreifachprodukt Seuche-Schnupfen). 


Als ausreichend wurde ein Titer von mindestens 1:40 festgesetzt (Hämagglutinationshemmtest, HI). 


72 der 112 waren mindestens einmal gegen Seuche geimpft worden. 


Nur 27,8 Prozent von den 72 waren leitliniengemäß geimpft worden.


Leitlinie: drei Seuche-Impfungen im Welpenalter, plus vierte Impfung ein Jahr danach, dann alle drei Jahre 

36 Katzen waren nach Angaben der Tierhalter noch nie geimpft worden. 


64,3 Prozent der Katzen hatten den geforderten Seuche-Mindesttiter. 

Alle Katzen wurden (nach-) geimpft. 

51,7 Prozent der Katzen reagierten NICHT adäquat auf die Nachimpfung. Sie hatten also gar nichts davon. 


"Adäquat": Anstieg des Antikörperspiegels um zwei Titerstufen 

16 von 36 Katzen ohne Impfvorgeschichte hatten Seuche-Antikörper von mindestens 1:40.


Sie hatten also keine Impfantikörper, sondern Antikörper erworben durch Kontakt mit Seuchewildvirus oder durch Kontakt mit Hundeparvovirus. 

Fünf Katzen ganz ohne oder mit niedrigem Antikörperspiegel reagierten überhaupt nicht auf die Nachimpfung. 


Alles wenig überraschend. 



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Überraschend sind hingegen ein paar Aussagen, die in diesem Paper en passant gemacht werden. 

1. Die Studienautoren werfen die Frage auf, ob man bei Seuche wirklich eine ganze Impfserie für die Immunisierung braucht. EINE Dosis könne genügen. 

Hoppela. Ist da jemandem ein immunologisches Licht aufgegangen?

Natürlich reicht bei Seuche-Lebendimpfstoffen EINE Dosis, wenn das Tier keine mütterlichen Antikörper mehr hat. Genauso wie bei der Parvo-Immunisierung von Hunden.


2. Die Studienautoren merken an, dass Seuche-Impfungen, besonders wenn Totimpfstoffe verwendet werden, Reaktionen an der Impfstelle verursachen können, die sich zu "Injektionsstellensarkomen" entwickeln können.(*)

Wir würden den bösartigen Tumor natürlich Impfsarkom nennen und nicht "Injektionsstellensarkom". 



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Abschließend empfehlen Bergmann und Ko-Autoren, geimpfte Katzen sollten künftig nicht mehr nachgeimpft, sondern getitert werden.

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Warum eigentlich? 

Unsere Antwort: 

Damit diejenigen Tierärzte, die bisher von der überflüssigen Nachimpferei gelebt haben, in Zukunft von der Titerei leben können.  


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Wie schon öfters angemerkt in diesem Blog: 

Wir glauben an diese Titerei erst dann, wenn unser Hausarzt anfängt, regelmäßig unsere Masern-Mumps-Röteln-Tetanus-usw.-usf.-Titer zu kontrollieren. 

Bisher tut er das nicht. Woher weiß er dann, ob wir noch Antikörper haben?

Ach so, er weiß es gar nicht

Er und die zuständige Impfkommission verlassen sich einfach darauf, dass der Impfschutz bei allen Leuten ungefähr gleich lang hält. 

Ein Null-acht-fünfzehn-Impfprogramm also. 

Typisch Humanmedizin, da kommt's nicht so aufs Individuum an, gell?


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Bei Katzen geht das natürlich nicht. Schließlich sind sie Privatpatienten


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Zum Schluss noch ein Stein des Anstoßes.  

Als Mindesttiter wird in der Studie 1:40 verlangt (Messmethode HI). 

Mit welcher Begründung?

Antwort: mit gar keiner. 

"Antikörpertiter von mindestens 1:40 wurden als protektiv gegen Katzenseuche betrachtet", heißt es ohne weitere Erläuterung (Übers. MP). 

In Klammern folgt der Verweis auf drei ältere Studien: Lappin 2002, Scott/Geissinger 1999, Mouzin 2004

Steht bei Lappin 2002 was von mindestens 1:40? Nein. Lappin hat als Mindesttiter 1:10 angesetzt (ebenfalls HI). 

Scott/Geissinger 1999 hatten eine andere Messmethode (Virusneutralisation), da steht auch nichts von 1:40. 

Nur Mouzin 2004 fand auch, dass es mindestens 1:40 sein müssen. Und Mouzin 2004 ist - rein zufällig - eine Herstellerstudie. 


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Bergmann und Ko-Autoren erwähnen immerhin, dass "zu niedrige" oder gar nicht messbare Titer bei geimpften Katzen nicht bedeuten, dass sie keinen Schutz haben. Sie hätten wahrscheinlich zelluläre Immunität. 

An der Stelle hätten sie ruhig ein interessantes Ergebnis der Lappin-Studie referieren können:

Lappin hat Titer an Katzen aus Privathaltung und an Laborkatzen gemessen, deren Impfung unterschiedlich lange her war. 

Dann hat er geimpfte und ungeimpfte Laborkatzen einer Belastungsinfektion mit scharfem Seuchevirus ausgesetzt. 

Die ungeimpften Laborkatzen infizierten sich. 

Alle geimpften Laborkatzen waren geschützt. Auch diejenigen, deren Titer unter 1:10 lag, also negativ war. 

Lappin: 

"Ein negativer Antikörpertiter für Seuche bei geimpften Katzen hatte einen Vorhersagewert von Null" (Übers. und Hervorh. MP).


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Wozu also nachimpfen?

Und wozu titern?



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Seufz. Manchmal fragen wir uns, wann die Kleintiermedizin endlich wieder an ihren Kenntnisstand der 1950er Jahre anknüpfen wird. 

Denn damals wussten Tierärzte, dass eine oder zwei Seuche-Impfungen fürs ganze Katzenleben reichen. Das stand in der Fachliteratur.  



* Die allermeisten Seuche-Impfstoffe (ob einzeln oder in Kombination mit Schnupfen usw.) sind Lebendvakzinen. Ausnahme: die Fevaxyn-Produkte (die wir nie geben lassen würden) 


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Mittwoch, 10. Januar 2018

Seminar Katzenimpfung mit Mo Peichl in Karben bei Frankfurt



Wenn der Impfpass einer Katze so aussieht






... dann sollten Katzeneltern dringend etwas ändern. 

Und sich gründlich informieren.  


Wogegen sollten Katzen geimpft werden? 

Wie oft sollten Katzen geimpft werden?

Gibt es Impfstoffe, die man meiden sollte?

Kann übermäßiges Impfen schaden?



Antworten darauf gibt es 


am 20. Januar in Karben nahe Frankfurt

beim Seminar Katzenimpfung mit Mo Peichl,

veranstaltet von "Die Barf-Planer".

www.die-barf-planer.de/seminare.html


Weitere Infos siehe hier



Dienstag, 9. Januar 2018

Rad jetzt auch in Großbritannien neu erfunden



Nach den Australiern haben nun auch britische Veterinäre das Rad neu erfunden. 

Sie haben nämlich in einer Studie entdeckt, dass Hunde ein richtiges Immunsystem besitzen. Sogar mit Immungedächtnis.

OMG.


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In der Studie wurden bei 486 Hunden aus Privathaltung die Impfantikörper für Staupe, Hepatitis und Parvo (SHP) gemessen. Ihre letzte Impfung lag zwischen etwa 1 Monat und 10 (!) Jahren zurück, mehrheitlich waren es bis zu 42 Monate (R. Killey et al. 2018). 

Benutzt wurde dafür der Praxisschnelltest Vaccicheck*. 

93,6 Prozent hatten Antikörper für alle drei Erreger. 

Nur bei 31 Hunden (6,4 Prozent) fehlten messbare Antikörper für einen oder mehrere der drei Erreger. 


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Warum hatten diese 31 Hunde negative Ergebnisse für S, H oder P? Dazu werden in dem Paper verschiedene Erklärungen erörtert: (chronische) Erkrankung, Non-Responder (genetisch bedingt), Testfehler (kein Titertest liefert 100 Prozent richtige Ergebnisse). 

Außerdem weisen die Autoren immerhin auf dies hin: 

"Die Abwesenheit von Antikörpern im Serum bedeutet nicht unbedingt die Abwesenheit einer Immunantwort oder die Abwesenheit eines Immungedächtnisses." 
(Übers. MP)

Es könne noch zellvermittelte Immunität vorhanden sein, die könne man jedoch nicht routinemäßig messen. 


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Frohe Botschaft der Studie: Die britischen Tierärzte könnten sich darauf verlassen, dass die Nachimpfung mit "Drei-Jahres"-SHP-Produkten bei ausgewachsenen Hunden langlebige Immunität erzeugt. 

Tja. In der Veterinärmedizin gelten drei Jahre als "langlebig". 

Interessanterweise machen sich die Autoren nicht die Mühe, den Zusammenhang zwischen Zeitabstand zur letzten Impfung und Messergebnis zu untersuchen. Also aufzudröseln, wie hoch der Anteil der positiven und der negativen Testergebnisse bezogen auf den Zeitabstand ist. In anderen Studien wurde das gemacht, und es zeigte sich, dass der Zeitabstand nicht die entscheidende Größe ist. Aus der tabellarischen Darstellung lässt sich allerdings erschließen, dass Hunde auch noch zehn Jahre nach der letzten Impfung einen messbaren Titer haben können. Was wiederum weder neu noch überraschend ist, jedenfalls nicht für Immunologen oder für Impfexperten wie Professor Ronald Schultz.


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Die Studie dient natürlich dem Zweck, den Praxisschnelltest zu vermarkten.  

Wie hier schon öfters angemerkt, geht es bei der Titerei darum, die schmerzlichen Umsatzverluste durch verlängerte Impfabstände auszugleichen. 


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Genauso wie in einer ähnlichen Studie von Münchener Veterinären** wird die entscheidende Frage nicht mal im Ansatz angesprochen. 


WARUM muss man bei Hunden dauernd Impftiter kontrollieren?


Wenn das medizinisch geboten ist: 


Warum ist es dann bei Menschen nicht üblich?



* Der Test schreibt sich mit Binnen-Versal: "VacciCheck"; typischer Sprachdreck von Werbefuzzis, deren linguistische Verbrechen längst unter Strafe gestellt gehören.

** Die Münchener Studie über Parvo-Impftiter wird von Killey et al. eigenartigerweise nicht in den Referenzen aufgeführt. 


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